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Kneippen für die Gesundheit

Die Anwendung wirkt ausgleichend und belebend und wärmt die Füße

Morgens, wenn man aus dem kuscheligen, warmen Bett kommt, ist einem in der Regel nach allem zumute, nur nicht nach einer Abkühlung für Füße und Beine. Dennoch empfehlen Experten, barfuß durch das kalte, feuchte Gras im eigenen Garten oder einem nahe gelegenen Park zu laufen. Nach drei bis fünf Minuten ist dieses „Tautreten" nach Sebastian Anton Kneipp, dem berühmten bayerischen Priester und Hydrotherapeuten (1821-1897), schon wieder vorbei und entfaltet seine Wirkung. Der Geist ist wacher und aufmerksamer, das gesamte vegetative Nervensystem kommt durch die feuchte Kälte in ein natürliches Gleichgewicht. Atmung, Herzschlag, Verdauung und Durchblutung der inneren Organe werden gleichermaßen gefördert.

Denn durch den feuchten Kälteeinfluss verengen sich die Blutgefäße, um sich im Anschluss zu weiten und mehr Blut hindurch zu lassen. Durch dieses besondere Körpertraining wird auch das Immunsystem gestärkt, Infekte kommen seltener vor. Ein netter Nebeneffekt: Kalte Füße haben keine Chance, denn nach dem Tautreten breitet sich eine wohlige Wärme aus. Wer nicht im Morgenrock nach draußen möchte oder wem es an geeigneten Grünflächen in der näheren Umgebung fehlt, kann sich in der Badewanne eine eigene Kneipp-Anwendung gönnen. Dazu einfach kaltes Wasser einlassen, etwa bis zur Höhe von drei Vierteln der Unterschenkel, und darin auf der Stelle treten. Die Füße sollen bei jedem Schritt aus dem kalten Wasser auf- und anschließend wieder eintauchen.

Wie bei allem Guten sollte man es auch bei den Kneipp-Anwendungen nicht gleich übertreiben. Wenn ein Kälteschauer über den Rücken läuft, was es meist zu viel. Zu Beginn genügen daher 30-sekündige Anwendungen, nach etwas Übung sollten es aber auch nie mehr als drei Minuten am Stück sein. Nach dem Kneippen sind warmes Anziehen (zum Beispiel dicke Wollsocken) und Bewegung (möglichst in der freien Natur) angesagt. Das wusste auch schon Pfarrer Kneipp im 19. Jahrhundert und ließ seine Patienten Waldarbeit verrichten. Die Mischung aus Kneipp-Anwendung und Bewegung muss regelmäßig durchgeführt werden, um eine Wirkung zu erzielen.

Nicht geeignet ist die Kneipp-Kur im eigenen Garten oder in der Badewanne, wenn eine akute Erkrankung vorliegt oder die Blase anfällig ist. Wer an einer chronischen Krankheit leidet, sollte zur Sicherheit im Vorfeld einen Arzt aufsuchen und mögliche Risiken abklären. Hintergrund der Kneipp-Behandlungen, von denen der namensgebende Pfarrer aus dem Allgäu über hundert im Repertoire hatte, ist dessen eigene Krankheitsgeschichte. An Tuberkulose erkrankt suchte er nach einem wirksamen Heilmittel und fand dieses in Form der aus Griechenland bekannten Hydrotherapie. Daraufhin entwickelte er eigene Methoden und behandelte damit erfolgreich zahllose Patienten.

Das Prinzip ist einfach: Durch den Reiz, den der Körper durch eine von der eigenen Temperatur abweichenden Wassertemperatur erfährt, wird eine natürliche Reaktion hervorgerufen. Die Folge: Die Durchblutung verbessert sich, das Immunsystem wird aktiviert. Was zu Beginn der Therapie aus Sicht des Organismus' als Stress empfunden wird, normalisiert sich mit der Zeit und bei wiederholter Anwendung. Dadurch kann sich beispielsweise der Blutdruck nachhaltig normalisieren. Experten raten daher vor allem vorbeugend zu kneippen, um eine medikamentöse Behandlung einiger Beschwerden zu unterstützen oder gar überflüssig zu machen. Kräuterzusätze im Wasser können den Behandlungserfolg gegebenenfalls noch unterstützen und verstärken.

Die Kneippsche Lehre enthält auch Ernährungs- und Bewegungstipps. Zu seiner Zeit empfahl der bayerische Pfarrer ausgedehnte Wanderungen als Ausdauersport. In der heutigen Zeit kann die Behandlung auch durch andere Aktivitäten wie zum Beispiel Radfahren ergänzt werden. Der Speiseplan Kneipps ist auch heute noch aktuell: Fettarm und abwechslungsreich sollte die Ernährung sein, mit viel Gemüse, Obst und komplexen Kohlenhydraten, wie sie beispielsweise in Vollkornprodukten vorkommen.

Wer es versuchen will, kann - im wahrsten Sinne des Wortes - die ersten Schritte der Kneipp-Behandlung wie hier beschrieben im eigenen Garten oder der Badewanne machen. Beim Barfuß-Kneippen auf der feuchten Wiese ist natürlich auf Hundehaufen und ähnliche „Hindernisse" zu achten. Dann beginnt der Tag entspannt und gut durchblutet.


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Letzte Aktualisierung am 30.08.2010.

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