Definition Kunstauge
Bei einigen
Erkrankungen des Auges ist als letzte oder sinnvollste Maßnahme manchmal die
Entfernung des Auges (Enukleation) notwendig. Als kosmetischer Ersatz dient dann ein
Kunstauge.
Ursachen die die Entfernung des Auges notwendig machen
Verschiedene Gründe können eine Entfernung des Auges notwendig machen.
Liegt ein
bösartiger Tumor im Auge vor, so ist oftmals eine Entfernung sinnvoll, um die Erkrankung zu heilen. Bösartige Tumore des Auges können unter anderem Melanome (diese entspechen dem schwarzen Hautkrebs, z. B. Aderhautmelanome oder Bindehautmelanome) oder Karzinome sein. Auch bei Tumoren, die in das Auge hineinwachsen, oder bei im Auge abgesiedelten Tochtergeschwülsten von Tumoren an anderer Stelle muss das Auge eventuell entfernt werden.
Ein
unwiederbringlich blindes Auge, das schmerzhaft ist, sollte entfernt werden. Dies kann beispielsweise der Fall sein bei starker Augeninnendruckerhöhung durch Gefäßneubildung (Neovaskularisationsglaukom), die unter anderem bei Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“) oder Gefäßverschlüssen auftreten kann.
Auch aus
kosmetischen Gründen kann es sinnvoll sein, z. B. bei einer starken Schrumpfung ein Auge herauszunehmen und durch eine Augenprothese zu ersetzen. Eine solche Schrumpfung (Phthisis bulbi) kann sich unter anderem nach langwieriger Hornhautentzündung, bei Gefäßneubildungen im Auge oder nach Unfällen entwickeln.
Symptome
Bei einem
Tumor ist die Symptomatik variabel und abhängig von Ausdehnung und Art des Befundes. Ein Tumor wird oftmals in der ersten Zeit gar nicht bemerkt. Er kann sich später durch
Seheinschränkungen äußern oder von außen gesehen werden. Bisweilen können sich Schmerzen entwickeln. Bei Bösartigkeit kann der Tumor streuen, also können sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen absiedeln und sehr schwerwiegende Probleme verursachen.
Bei den anderen Erkrankungen ist oftmals bereits ohne Aussicht auf Besserung eine Blindheit oder ein nur noch äußerst schwaches Sehvermögen eingetreten. Schmerzen können bestehen, und der Augapfel kann so geschrumpft sein, dass es sich ästhetisch störend auswirkt.
Diagnose
Der Patient wird befragt (Anamnese), ein Sehtest wird durchgeführt und das Auge wird unter Vergrößerung betrachtet. Insbesondere muss auch das andere Auge begutachtet werden, ob an diesem bereits ebenfalls Schäden vorliegen. Bei Tumoren kann durch eine Probeentnahme (Biopsie) festgestellt werden, ob es sich um einen bösartigen Befund handelt. Eine Blutuntersuchung ist erforderlich.
Differenzialdiagnose
Bei Tumoren müssen gutartige von bösartigen Befunden unterschieden werden. Die anderen Erkrankungen sind meist eindeutig.
Therapie
Konservative Therapie
In manchen Fällen kann ein bösartiger Tumor auch durch
Bestrahlung behandelt werden.
Entzündungen und andere krankhafte Zustände des Auges können teilweise auch durch Augentropfen, Salbe und Medikamente behandelt werden. Die Augapfelschrumpfung (Phthisis bulbi) kann durch konservative Maßnahmen nicht rückgängig gemacht werden.
Operation
Die Operation sollte vorgenommen werden, wenn die jeweilige Erkrankung durch andere Maßnahmen nicht mehr behandelt werden kann.
In den allermeisten Fällen wird zur Entfernung des Auges (Enukleation) eine Vollnarkose vorgenommen. Selten ist auch eine örtliche Betäubung möglich.
Die Bindehaut wird vom Augapfel abgetrennt. Ebenso werden die Augenmuskeln, die am Augapfel ansetzen, sowie der Sehnerv durchgeschnitten. Das Auge kann nun herausgenommen werden. Die Bindehaut verbleibt nahezu komplett im Körper. Um die entstandene Höhle zu füllen, können entweder die verbliebenen Augenmuskelanteile miteinander vernäht werden oder körpereigenes oder körperfremdes (Kunststoff-) Füllmaterial eingebracht werden.
Am Ende der Operation wird oft bereits eine Struktur aus Glas oder Kunststoff an die Stelle des Auges gesetzt, bis sich eine ausreichende Ausheilung der Wunden zeigt. Zusätzlich wird ein Verband angelegt. Nach wenigen Wochen kann dann ein vorläufiges Kunstauge eingesetzt werden, welches letztendlich nach mehreren Monaten durch die endgültige Augenprothese ersetzt wird.
Die Augenprothese wird von speziellen Augenkünstlern in Handarbeit angefertigt, damit ein möglichst gutes kosmetisches Ergebnis in weitgehender Übereinstimmung mit dem noch vorhandenen Auge besteht. Teilweise kann das Kunstauge sogar durch die Augenmuskeln analog zum gegenseitigen Auge bewegt werden.
Mögliche Erweiterungen der Operation
Bei auftretenden Komplikationen oder bei unerwarteten Befunden kann es bisweilen notwendig werden, weitere Maßnahmen zu treffen.
Manchmal ist es nicht oder nur schlecht möglich, ein Kunstauge einzusetzen. Dies kann z. B. bei Problemen der Bindehaut der Fall sein. Weitere Operationen können dann notwendig sein, um später einen optimalen Sitz der Prothese zu ermöglichen.
Komplikationen
Oftmals bestehen in den Tagen nach dem Eingriff
Schmerzen. Es kann durch die Operation zu
Blutungen,
Nachblutungen und
Blutergüssen kommen. Ebenfalls können
Infektionen auftreten. Bei Kunststoffstrukturen, die als Platzhalter eingesetzt werden, kann eine Abstoßungsreaktion auftreten. Allergien können nicht ausgeschlossen werden.
Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.
Prognose
Ein stark beeinträchtigtes Auge kann durch die Enukleation aus dem Körper geholt werden, so dass durch dieses keine Komplikationen, z. B. auch am gegenseitigen Auge, mehr verursacht werden können. Tumoren können in den meisten Fällen komplett entfernt werden, allerdings ist es möglich, dass Reste im Körper verbleiben und ein weiterer Eingriff vorgenommen werden muss. Es können auch bereits Metastasen (Tochtergeschwülste) an anderen Körperstellen bestehen.
Die Entfernung eines Auges ist für den Patienten eine stark psychisch belastende Situation. Die Maßnahme kann nicht wieder rückgängig gemacht werden, und auf der jeweiligen Seite ist kein Sehen mehr möglich. Allerdings ist dies oft auch schon vor der Operation der Fall. Durch das einäugige Sehen ist das räumliche Auflösungsvermögen eingeschränkt, und es kommt zu Ausfällen im Gesichtsfeld zu der betroffenen Seite hin. Daher muss der Patient insbesondere im Straßenverkehr besonders vorsichtig sein. Eine Gewöhnung an den Zustand findet meist relativ schnell statt.
Kosmetisch können schöne Ergebnisse erzielt werden, denn Glasaugen (Augenprothesen) sehen heutzutage beinahe wie echte Augen aus und fallen oft erst bei sehr genauer Betrachtung auf.
Hinweise
Vor der Operation
Oftmals müssen Arzneimittel, die die Blutgerinnung negativ beeinflussen, in Absprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Dies kann unter anderem Aspirin® und Marcumar® betreffen.
Nach der Operation
Erfolgt die Operation
ambulant, so muss sich der Patient abholen lassen, da er für
24 Stunden kein Auto mehr fahren darf, außerdem dürfen keine Maschinen bedient werden und keine bedeutsamen Entscheidungen getroffen werden.
In den Tagen nach der Operation sollte keine zu starke körperliche Tätigkeit ausgeübt werden. Der Verband sollte nur vom medizinischen Fachpersonal gewechselt werden. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind notwendig.
Augentropfen, Augensalbe und weitere Medikamente sollten nach Anordnung regelmäßig angewendet beziehungsweise eingenommen werden. Eine tägliche Pflege des Kunstauges muss vorgenommen werden.
Sollten sich Auffälligkeiten ergeben, die auf Komplikationen hindeuten könnten, so sollte rasch der Arzt verständigt werden.
Letzte Aktualisierung am 09.12.2009.