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Plastische Chirurgen in Düsseldorf äußern Kritik auf Jahrestagung über Schönheits-Operationen im Privatfernsehen

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Plastische Chirurgen in Düsseldorf äußern Kritik auf Jahrestagung über Schönheits-Operationen im Privatfernsehen

22.09.2004 - Heute begann der alljährliche gemeinsame Kongress der Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen (VDPC) und der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) in Düsseldorf-Kaiserswerth. Die 35. Jahrestagung der VDPC und die 9.Jahrestagung der VDÄPC laufen noch bis zum 25.September 2004.

Tagungspräsidenten sind VDÄPC-Präsident Prof. Rolf Rüdiger Olbrisch aus Düsseldorf und VDPC-Sekretär Prof. Giulio Ingianni aus Wuppertal. Etwa 700 Tagungsteilnehmer werden erwartet. Die VDPC zählt etwas über 1.000 Mitglieder, davon sind 120 gleichzeitig Mitglieder der VDÄPC.

Vor allem die Ästhetisch-Plastische Chirurgie im Fernsehen wird für Gesprächsstoff sorgen, denn Soaps und Doku-Serien zur Schönheitschirurgie boomen wie noch nie. Auf vielen Fernseh-Kanälen, in Magazinen und Gesundheitssendungen wird über mögliche Eingriffe, ihre Gefahren und Risiken berichtet.

Olbrisch distanzierte sich deutlich heute insbesondere von den Schönheits-Op-Soaps: Er sprach auf der heutigen Pressekonferenz von "Kosmetischen Cowboys" und handfesten finanziellen Interessen sowohl der beteiligten Ärzte als auch der Privatsender. Das Problem sei, dass die TV-Ärzte überhaupt keine Fachärzte für Plastische Chirurgie seien, sondern beispielsweise HNO-Arzt, Gynäkologe, Unfallchirurg oder Praktischer Arzt.

Statt einer 6-jährigen Facharztausbildung hätten diese einen "Wochenend-Video-Kurs" absolviert oder einmal "über die Schulter eines Kollegen" geblickt, so Olbrisch wörtlich. Aus dieser Art Fortbildung gingen die selbst ernannten Schönheitschirurgen und die Kosmetischen Chirurgen hervor, die damit zwei Begriffe benutzen, die es in der Facharzt-Medizin nicht gebe.

Auf diese Weise käme es im Fernsehen - life - zu falschen Operationsbegründungen bei falschen Patienten durch falsche Doktoren. Bei den schlecht informierten Patienten mit falschen Vorstellungen und die nicht auszureichend ausgebildeten Ärzte mit einer falschen Einstellung zum Patienten sprach Olbrisch von "Charakterkrüppeln", denen zu helfen sei: Dem Patienten durch wahrheitsgemäße und drastische Aufklärung und vielleicht auch durch Einschränkung seines Tatendranges.

Der Präsident der VDPC, Priv-Doz. Dr. med Klaus Exner, musste sich einige kritische Fragen gefallen lassen, nachdem er im Vorfeld auch intern von Kollegen kritisiert worden war bezüglich der Darstellung im Fernsehen und einem Bericht in der "Bild-Zeitung". Bis halb acht heute abend zog sich auch die Diskussion in der Mitgliederversammlung. Exner blieb im Präsidenten-Amt und wurde wieder bestätigt.

Der Operationskurs findet im Florence Nightingale Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie statt (Fotos). Es werden 10 spezielle Operationstechniken gezeigt, die auf dem Gebiet der Ästhetischen Chirurgie Neuerungen und Verbesserungen bringen. Die Operateure kommen aus Argentinien, Belgien, Deutschland und der Schweiz. In ausführlichen Diskussionen und Live-Operationen informieren sich die Mitglieder der VDÄPC gegenseitig über neueste Operationstechniken im Bereich des Gesichtes, der Nase, der Brust und zur Körperstraffung.

Während des Kongresses  werden im Congress Center Düsseldorf in jeweils drei Parallel-Sitzungen 202 Vorträge gehalten, vier Workshops durchgeführt und 8 Panel-Gespräche mit ausgiebigen Diskussionen zu diesen Themen angeboten: Brustdeformität, Handwurzelchirurgie, Erstversorgung von Verbrennungsverletzungen, Facelift, Anti-Aging, Armnervchirurgie, problematische Gutachten und Fettsucht.

Die Vorträge beziehen sich auf Themen wie Ästhetik des Gesichtes, brustformende Chirurgie, Handchirurgie, rekonstruktive Eingriffe bei Verbrennungsverletzungen, Chirurgie des Fettgewebes, Hauttumore und Versorgung von Defekten im Gesicht, den Extremitäten und der übrigen Körperoberfläche. In vier Workshops werden neue Produkte der Industrie mit ihren Möglichkeiten vorgestellt und diskutiert.

Die VDPC ehrt eine hervorragende Persönlichkeit aus dem Gebiet der Plastischen Chirurgie mit der Dieffenbach-Medaille, die zur Erinnerung an den Begründer der deutschen Plastischen Chirurgie, der von 1797 bis 1842 lebte und an der Charitè in Berlin wirkte. Die Dieffenbach-Medaille wird seit 1989 jährlich vergeben wird. In diesem Jahr erhält sie Frau Professor Dr. Ursula Schmidt-Tintemann, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Grundlagen des Faches und des Facharztes für Plastische Chirurgie in Deutschland schuf und 1968 zusammen mit Professor Dieter Buck-Gramcko aus Hamburg, Professor Fritz E. Müller aus Bochum und Professor Peter R. Zellner aus Ludwigshafen die VDPC gründete.

Die VDÄPC wird in Erinnerung an einen ihrer großen Pioniere auf dem Gebiet der Ästhetischen Chirurgie nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland, Herbert Höhler aus Frankfurt am Main, die Höhler-Ehrennadel an Professor Dr. Ulrich Hinderer aus Madrid verleihen, der als einer der phantasievollsten Erfinder und Entwickler auf dem Gebiet der Ästhetischen Chirurgie gilt.

Trends in der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie


Der Rektor der Kunstakademie Düsseldorf, Professor Markus Lüpertz, wird einen Vortrag zum Thema "Schönheit" halten. Der Direktor der AOK Rheinland spricht über "Plastische Chirurgie zwischen Kommerz und Notwendigkeit." Beendet wird die Tagung mit einem Vortrag des Direktors des Heinrich-Heine-Instituts der Stadt Düsseldorf, Professor Dr. Joseph Kruse, über ein Heine-Thema aus dessen Wintermärchen "Lust und Schönheit für jedermann".

Zu der Tagung waren über 400 Vorträge aus den Reihen der 1.000 Mitglieder von VDPC und VDÄPC angemeldet worden. Dazu zählen auch 96 Posterdarstellungen. Vier Sitzungen werden sich ausschließlich mit Ergebnissen der experimentellen Forschung auf den verschiedenen Spezialgebieten der Plastischen Chirurgie beschäftigen.

Zur Jahrestagung wurden auch neue Statistiken präsentiert: 1.010 Mitglieder hat die VDPC im September 2004, 120 ordentliche VDPC-Mitglieder gehören auch der Tochtergesellschaft der  VDÄPC an. 660.000 Eingriffe wurden im Jahr 2002 vorgenommen, davon 150.000 Eingriffe im Gesicht, 160.000 Eingriffe an der Brust, 140.000 Eingriffe am restlichen Körperstamm sowie 210.000 Eingriffe an Extremitäten einschl. Hand...
Letzte Aktualisierung am 28.08.2008.
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