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Umdenken erforderlich bei der Therapie von Adipositas

Lesezeit: 2 Min.

Letzte Möglichkeit: Chirurgische Unterstützung

Was tun, wenn selbst Diät- und Sportprogramme nicht mehr helfen? Bei einem BMI über 35 - so umstritten das Konzept des Body-Mass-Index auch sein mag - geht es um mehr als um Abweichungen von der Traum-Figur. Betroffen von ernsthafter Adipositas sind allein in Deutschland bereits über vier Millionen Menschen. Ab einem BMI von 50 oder mehr besteht eine krankhafte Fettleibigkeit mit erheblichen Gesundheitsrisiken.

Umdenken erforderlich bei der Therapie von Adipositas
Die Hintergründe für Übergewicht sind vielschichtig: Außer falscher Ernährung können auch Nährstoff-Mangel, Stoffwechselstörungen, Organerkrankungen, Depressionen, Hormon- oder Drüsenprobleme zugrunde liegen.
Bei extremer Adipositas bewirken eine Ernährungsumstellung oder Diät nur noch wenig. Das wurde durch einige Studien eindrücklich belegt. Erschreckend ist, dass selbst bei Kindern und Jugendlichen, die sich noch im Wachstum befinden, mit konservativen Methoden selbst bei stationärer Durchführung kaum Erfolge erzielt werden: Lediglich etwa 30 Prozent der Teilnehmer einer Langzeituntersuchung schafften einen nachhaltigen Gewichtsverlust, erreichten aber noch lange kein Normalgewicht.

Ab einem BMI von 40, bei Diabetes bereits ab 35, hilft nur noch die bariatrisch-metabolische Chirurgie. Schlauchmagen oder Magen-Bypass sind dann nicht nur unabdingbar, um künftig ein normales Gewicht zu halten, sie können im Falle einer Typ-2-Diabetes und anderer Begleit- oder Folgeerkrankungen sogar für nachhaltige Besserung sorgen und weitere gefährliche Schädigungen verhindern.

Damit ein entsprechender Eingriff von den Krankenkassen finanziert wird, müssen Betroffene dokumentieren, dass eine konservative Behandlung zur Gewichtsreduktion unter ärztlicher Begleitung ergebnislos verlaufen ist. Als Beweismaterial gelten medizinische Atteste oder Belege für Kurse im Sportverein. Erst bei einem BMI von über 50 und bei schweren Begleit- oder Folgeerkrankungen entfällt die Nachweispflicht.

Viele Patienten scheitern bereits beim Erbringen der notwendigen Nachweise und haben bei einer schwerwiegenden Erkrankung weder die Zeit noch die Kraft, sich auf langwierige bürokratische Auseinandersetzungen einzulassen. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen (MDK) hat strenge Kriterien aufgestellt, die in der Praxis selten erfüllbar sind. Passende Programme in Reichweite der Patienten sind rar, kommerzielle Unterstützung wie beispielsweise von den Weight-Watchers angeboten, wird vom MDK grundsätzlich nicht anerkannt. Wer trotz aller bürokratischen Hindernisse eine kassenfinanzierte Operation durchsetzen kann, muss dennoch die für den Erfolg ausschlaggebende vor- und nachoperative Betreuung selbst finanzieren.

Auch eine Leitlinie vom Frühjahr 2014 der Experten der Adipositas-Gesellschaft setzte hier noch kein Umdenken in Gang. Dabei könnten die bariatrisch-chirurgischen Eingriffe nicht nur Patientenleid, sondern auch weitere Folgeerkrankungen und damit erhebliche Kosten sparen helfen.

B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 11.06.2015
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