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Dem Geheimnis chronisch kalter Füsse auf der Spur

Lesezeit: 2 Min.

Wie und warum der Körper seine Wärmereserven schont

Wie es zu kalten Füssen kommt, ist wissenschaftlich leicht zu erklären: Der Körper schont seine Wärmereserven, indem er die Durchblutung der Extremitäten im Notfall stark herabsetzt. Bestimmte Rezeptoren in den Zellwänden von Blutgefäßen reagieren auf niedrige Außentemperaturen oder den Kontakt mit kalten Oberflächen und senden daraufhin die Botschaft "Vorsicht, Auskühlungsgefahr". Daraufhin verengen sich die Blutgefäße in den Außenbereichen des Körpers. Doch zuweilen fällt diese ganz natürliche Reaktion zu stark aus oder tritt auch in völlig unangebrachten Situationen ein. Bei davon betroffenen Menschen kommt es zu den berüchtigten chronisch kalten Füssen, die ihnen und oft auch ihren Partnern ordentlich zu schaffen machen.

Das Geheimnis kalter Füße
Das Geheimnis kalter Füße
Zu einer solchen Über-Reaktion auf Kälte, wie sie beispielsweise als Symptom der Raynaud’schen Krankheit auftritt, verengen sich die Blutgefäße in Fingern und Zehen bei Kälte oder Stress so stark, dass die Glieder taub werden und während eines „Anfalls“ ihre Farbe von extremer Blässe hin zu blau und schließlich zu rot wechseln.

In einer aktuellen Ausgabe des American Journal of Physiology zum Thema Zell-Physiologie wird der Ursache kalter Füße und Hände tiefer auf den Grund gegangen.

Dr. Martin Michael von der Johann Gutenberg Universität, Mainz, der an der Studie mitwirkte, erklärt: „Unsere Körper haben sich im Laufe der Evolution darauf eingestellt, Wärme und damit Energie zu speichern. Ein Weg, dies zu tun, besteht darin, Blutgefäße durch das Zusammenziehen von Muskelzellen an deren Wänden zu verengen. Dies wird durch das Einwirken von Neurotransmittern und bestimmten Hormonen (Norepinephrine) auf bestimmte Alpha-Adrenalin ausschüttende Rezeptoren gesteuert. Erwünscht ist dieser Effekt natürlich nur dann, wenn es wirklich kalt ist“.

Bei einer ganzen Reihe von Personen jedoch geschieht das in allen möglichen passenden oder unpassenden Situationen, auch bei normalen Außentemperaturen. Die Ursache könnten zu viele Alpha-Adrenalin ausschüttende Rezeptoren sein. Auch wenn das körpereigene „Thermostat“ auf falsche Temperaturen eingestellt ist, tritt eine solche Reaktion ein.

Gefunden wurden bislang zwei Moleküle, genannt Epac und Rap1, Alpha-2C-Rezeptoren, die im Prozess der Temperaturanpassung eine wichtige Rolle spielen und in winzigsten Blutgefäßen im Einsatz sind. Sie wurden bereits vor vielen Jahren identifiziert, aber ihre exakte Funktion trat erst in den neueren Versuchen zu Tage: Sie reagieren auf Stress und ihre Aufgabe ist es, die Körperwärme um jeden Preis zu erhalten. Liegt jedoch eine Störung vor, verhalten sie sich eher hyperaktiv. Dann helfen nur wärmende Schutzmaßnahmen.

Nach der neuen Studie könnte, so Dr. Michel, gut festgestellt werden, ob die Rezeptoren, die die Durchblutung in den Extremitäten kontrollieren, fehlgesteuert sind oder nicht, und wenn ja, kann ein Weg gesucht werden, durch Medikamentengaben auf sie einzuwirken.

Die häufigsten Ursachen für ständig kalte Füße sind in der Regel ein zu niedriger Kreislauf, Durchblutungsstörungen, oder, bei älteren Menschen, eine beginnende Arterienverkalkung. Wer auch im Sommer, oder im Winter trotz warmer Socken und Schuhwerk ständig Eis-Füße mit sich herumträgt, sollte als Erstes versuchen, durch mehr Bewegung und Sport den Kreislauf auf Touren zu bringen. Wenn auch das nicht fruchtet, unbedingt baldmöglichst einen Arzt um Rat fragen.
B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 08.10.2012
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