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Australien: Ausbruch von Kryptosporidiose durch kontaminierte Swimming-Pools

Lesezeit: 3 Min.

Kryptosporidien: Inzwischen nicht nur bei Immundefizienten von klinischer Bedeutung - Erreger lebensmittel-assoziierter Infektionen

20.06.2005 - In Australien im Bezirk New South Wales Health wird dringend davor gewarnt, jeden der vor einiger Zeit an Diarrhoe litt, nicht in öffentlichen Bäders schwimmen zu lassen. Der Direktor des NSW Health Dr Jeremy McAnulty erklärte am Wochenende, das es zu einem Ausbruch von Kryptosporidose über kontaminiertes Wasser in Swimming Pools gekommen sei. Über 180 Fälle wurden im April und Mai 2005 gezählt, die meisten Betroffenen sind Kinder unter 5 Jahre. Die letzte Kryptosporidose-Epidemie in New South Wales war 1998 mit über 1.000 Fällen - diese hat sich ebenfalls über Swimming Polls verbreitet.

Eine andere Infektionswelle mit Kryptosporidien wurde erst im April 2005 bei über 200 Personen berichtet nach einem Besuch im Auchingarrich Wildlife Centre, einem öffentlichen Wildpark in Comrie in der Nähe von Perthshire in Schottland. Zum Ausbruch der Kryptosporidose soll es gekommen sein, nachdem Kinder Lämmer gestreichelt und aus der Hand gefüttert hatten. Der letzte Ausbruch von Kryptosporidose in Schottland betraf über 300 Personen in Glasgow.

Die Kryptosporidose wird durch den zu den Protozoen gerechneten Erreger, Cryptosporidium parvum, verursacht. Der erstmals 1976 entdeckte Erreger hatte bislang lediglich bei immundefizienten Patienten, wie zum Beispiel AIDS-Patienten, als Auslöser einer opportunistischen Infektion eine klinische Bedeutung. In Folge der in den letzten Jahren verbesserten Diagnostik fand sich jedoch auch eine zunehmende Relevanz dieses Protozoons als Ursache von Infektionen des Intestinaltrakts von immunkompetenten Personen.

Kryptosporidien sind weltweit verbreitet. Die Prävalenz beträgt in Industrieländern zwischen 2 bis 8%. Über größere Ausbrüche wurde vereinzelt berichtet.

Nennenswert hierbei ist insbesondere eine Epidemie, die ausgehend von kontaminiertem Trinkwasser, im amerikanischen Milwaukee im Jahr 1993 an die 400.000 humane Infektionen verursachte. Kryptosporidien kommen nicht ausschließlich beim Menschen vor, sondern sind auch bei Wirbeltieren weitverbreitet. Diese Tiere dürften neben dem Menschen das Reservoir dieser Infektion darstellen.

Der Biozyklus der Kryptosporidiose beginnt mit der fäkalen Ausscheidung von Sporozoiten enthaltenden Oozysten durch den infizierten Wirt. Die Aufnahme des Erregers erfolgt über kontaminiertes Wasser, aber auch durch Schmierinfektion von Mensch zu Mensch oder Tier zu Mensch. Als wichtige Infektionsquelle gelten zum Beispiel auch Eiswürfel oder Badewasser. Übertragungen erfolgen auch durch Verzehr von zystenhaltigem Fleisch.

Als Infektionsdosis werden 10 bis 1.000 Oozysten für ausreichend angesehen. Nach der Aufnahme der Oozysten kommt es im Duodenum zur Freisetzung der Sporozoiten. Diese heften sich an die Mikrovilli der Darmepithelien und induzieren die Bildung einer parasitophoren Vakuole direkt unterhalb der Wirtszellmembran. Dort kommt es nach der Entwicklung von mehreren Merozoiten zur Ruptur der Vakuole.

Die Merozoiten dringen in die Darmepithelien ein und bilden einen ungeschlechtlichen Zyklus. In einem geschlechtlichen Zyklus gehen aus den Merozoiten Mikro- und Makrogametozyten hervor, die dann durch Verschmelzung eine Oozyste bilden. Der Zeitraum zwischen der Aufnahme und erneuten Ausscheidung der Oozysten beträgt 5 bis 21 Tage. Die Infektiosität des Patienten ist mit Beginn der Ausscheidung der Oozysten gegeben.  

Klinisch äußert sich die Kryptosporidiose vom asymptomatischen Befall bis hin zur chronischen Diarrhoe mit schweren unstillbaren wässrigen Durchfällen. Daneben bestehen abdominelle Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Gewichtsverlust. Während die Kryptosporidiose beim Immunkompetenten meist nach wenigen Tagen selbstlimitierend verläuft, kann es bei immunsuppremierten Patienten oftmals zur chronischen Diarrhoe kommen. Diese führt neben massivem Flüssigkeitsverlust und Gewichtsabnahme auch zur Malabsorption.

Komplizierend kommt dabei auch eine fäkal-orale Autoinfektion erschwerend hinzu. Insbesondere bei AIDS-Patienten kann es auch zur extraintestinalen Manifestation kommen. Betroffen sind dabei die Gallengänge, was sich durch eine Cholestase äußert. Differentialdiagnostisch sollte auch bei Verdacht auf eine Appendizitis oder Pankreatitis an eine Kryptosporidiose gedacht werden.    

Eine sicher wirksame Therapie der Kryptosporidiose steht bislang nicht zur Verfügung. Neben der symptomatischen Behandlung mit Elektrolyten und Korrektur des Flüssigkeitsverlustes gilt das Hauptaugenmerk derzeit auf der Verbesserung der immunologischen Situation des immunsuppremierten Patienten durch Verabreichung der entsprechenden antiviralen Substanzen. In den USA wurde inzwischen Nitazoxanid, ein Breitspektrumantibiotikum, für die Behandlung der Kryptosporidiose bei Kindern zugelassen. Möglicherweise ist auch Paromomycin bei der Behandlung der Kryptosporidiose wirksam.

Der labordiagnostische direkte oder indirekte Nachweis von Cryptosporidium parvum ist nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) §7 namentlich meldepflichtig, sofern er auf eine akute Infektion hinweist. Zudem wird gemäß IfSG §6 auch der Verdacht auf und die Erkrankung an einer akuten infektiösen Gastroenteritis ohne labordiagnostischen Nachweis und ohne epidemiologische Bestätigung gemeldet.
Letzte Aktualisierung am 07.07.2015.
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