Der Begriff "Rheuma" kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet ziehender, reißender Schmerz. Unter dem Begriff Rheuma versteht man in der Medizin Beschwerden des Bewegungsapparates mit funktionellen Einschränkungen. Der korrekte Begriff ist „Krankheiten des rheumatischen Formenkreises“.
Meistens handelt es sich um schubweise auftretende Gelenkentzündungen, verschleißbedingte Beschwerden (Arthrosen) und akute Anfälle von Gicht. Die Schmerzen beim Rheuma sind nicht auf äußere Verletzungen oder tumoröse Veränderungen zurückzuführen.
Unter dem Begriff Rheuma werden ungefähr 400 verschiedene Erkrankungen zusammengefasst. Obwohl sie sich zum Teil sehr ähnlich scheinen, haben sie unterschiedliche Ursachen und werden auch unterschiedlich behandelt. Ohne eine frühzeitige, richtige medikamentöse Behandlung zerstört die Erkrankung die Gelenke. Vor allem sind die kleinen Gelenke betroffen, also die Gelenke an den Fingern und Zehen.
Rheuma ist keine Erkrankung des alten Menschen. Sie kann bereits auch bei Kleinkindern auftreten und lebensgefährliche Organschäden verursachen. Wird von Rheuma gesprochen, meinen die Mediziner eigentlich die Rheumatoide Arthritis, deren Ursache bis heute noch unklar ist. Experten vermuten aber, dass genetische Faktoren und Umwelteinflüsse eine große Rolle spielen. Die Rheumatoide Arthritis ist bislang nicht heilbar, eine lebenslange medikamentöse Behandlung ist daher notwendig.
Allein in Deutschland leiden etwa 800 000 Menschen (ca. 1 Prozent der Bevölkerung) an der Rheumatoiden Arthritis. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Etwa zwei Drittel der Patienten sind weiblich. Der Neuerkrankungsgipfel liegt bei den Frauen zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr, bei den Männern zwischen dem 65. und 75. Lebensjahr.
Die Ursachen für rheumatische Erkrankungen sind bis heute unklar. Man vermutet das genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen, bzw. das Erkrankungsrisiko erhöhen. Auch Umweltfaktoren, z.B. Infektionen oder Allergien können als Auslöser in Frage kommen.
Die Rheumatoide Arthritis beginnt schleichend, so dass die Erkrankung meist erst spät erkannt wird. Das Immunsystem bildet gegen das körpereigene, gesunde Gewebe plötzlich Antikörper. Diese Autoantikörper greifen die Gelenke an, die Innenhaut der Gelenke entzündet sich und wird langsam zerstört. Der Zerfall der Gelenke führt dazu, dass erneut Antikörper vom Immunsystem gebildet werden. Gleichzeitig werden im Körper Botenstoffe (Zytokine) produziert, die die Entzündungsreaktion noch zusätzlich verstärken. Somit entsteht ein Teufelskreis, da der Körper einerseits versucht die Krankheit zu bekämpfen, aber anderseits auch die Entzündungsreaktion verstärkt. Später werden auch Knochen und Knorpel angegriffen und zerstört. Dadurch wird die Form und Funktion der Gelenke stark beeinträchtigt.
Da die Erkrankung schleichend beginnt, wird sie in den meisten Fällen erst sehr spät erkannt. Im Frühstadium der Erkrankung treten nur allgemeine Symptome auf. Die Patienten klagen oft über Müdigkeit, leichtes Fieber, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Da diese Symptome sehr unspezifisch sind, ist die Diagnosestellung im Frühstadium sehr schwer. Erst später treten Beschwerden an den Gelenken auf und es kommt zu den klassischen Symptomen eines Rheumatikers. Jeder Patient verspürt die Schmerzen in unterschiedlicher Stärke. Rheuma kann entweder schleichend oder schlagartig beginnen.
Der typische rheumatische Schmerz ist dadurch gekennzeichnet, dass er vor allem in Ruhe auftritt oder in Ruhe verstärkt wird. Außerdem klagen die Patienten oft Nachts über Schmerzen, die auch den Schlaf behindern. Durch Bewegung werden die Schmerzen weniger und bessern sich.
Typisch ist auch ein morgendlicher Schmerz, der häufig in den frühen Morgenstunden auftritt.
Viele Patienten verspüren früh am Morgen Steifigkeiten der Hand- und Fingergelenke. Außerdem bestehen im Frühstadium der Erkrankung Durchblutungsstörungen einzelner Finger. Viele Patienten können zum Beispiel keine Kaffeetasse oder einen Stift mehr halten. Die Beschwerden werden in der Phase des akuten Schubs häufig schlimmer und stärker.
Bei den Rheumatikern sind die Gelenke entzündet, geschwollen, gerötet und sehr schmerzhaft. Oft bildet sich auch ein Gelenkerguss (Wasser im Gelenk) aus. Meistens sind mehrere Gelenke gleichzeitig befallen. Die Entzündung beginnt oft an den kleinen Fingergelenken und beide Hände sind gleichzeitig betroffen. Mit der Zeit springt die Entzündung dann auf andere Gelenke über. Es können auch Sehnenscheidenentzündungen auftreten, aber selten werden innere Organe oder Blutgefäße geschädigt.
Die Entzündung führt zu einer Zerstörung der Gelenke, die starke chronische Schmerzen verursachen. Die Gelenke können sich während des Entzündungsprozesses verformen und versteifen. Meistens verlieren sie auch ihre Funktion.
25 Prozent der Patienten bilden Rheumaknoten (gummiartige Knoten) an den Gelenken.
Rheumatische Beschwerden werden, besonders im Frühtadium, oft fehlgedeutet. Viele denken in erster Linie an Meniskusprobleme oder führen die Schmerzen auf eine falsche Haltung und Überbelastung zurück. Die Patienten deuten die Symptome oft falsch und verharmlosen sie.
Die Rheumatoide Arthritis verläuft typischerweise in Schüben. Dass heißt, Es gibt Phasen mit geringer Entzündung und Schmerzen an den Gelenken und Phasen mit extrem starken Entzündungen und Schmerzen. Wenn die Rheumatoide Arthritis nicht frühzeitig medikamentös behandelt wird, kann sie Bindegewebe, Knorpel und Knochen im Bereich der Gelenke zerstören.
Je nach Krankheitsverlauf und Funktionsstatus der Gelenke, wird die Erkrankung in verschiedene Stadien aufgeteilt:
Gelenkschwellungen und Schmerzen treten schubweise auf. Die Patienten leiden unter Morgensteifigkeit und allgemeinen Symptomen wie Müdigkeit. Die täglichen Aktivitäten sind nicht beeinträchtigt und noch ausführbar.
Die Gelenkbeweglichkeit ist leicht eingeschränkt. Es bestehen bereits erstere Anzeichen von Muskel- und Knochenschwund. Das Bindegewebe ist mit betroffen. Es bestehen leichte Einschränkungen der Freizeitaktivitäten, z.B. Sport. Die Selbstversorgung und berufliche Tätigkeit ist ohne Probleme noch ausführbar.
Beginn der Zerstörung des Gelenkknorpels und der Knochen. Das Bindegewebe wird allmählich zerstört und es kommt zur Fehlstellung der Gelenke. Die Gelenkbeweglichkeit wird stark eingeschränkt und die Erkrankung springt auf andere Gelenke über. Die Selbstversorgung ist in diesem Stadium zwar noch möglich, doch das Ausüben der beruflichen Tätigkeit ist eingeschränkt.
Beginn der Gelenkversteifung und Verformungen der Gelenke. Aufgrund der Unbeweglichkeit sind die Patienten im alltäglichen Leben auf fremde Hilfe angewiesen.
Bei frühzeitiger Erkennung und Behandlung von rheumatischen Erkrankungen, ist der Verlauf positiv beeinflussbar und die Erkrankung gut in Griff zu bekommen. Die Beschwerden können minimert werden, so dass die Patienten ein normales Leben führen können.
Doch die Diagnosestellung ist nicht immer einfach, da besonders im Frühstadium keine eindeutigen Zeichen vorhanden sind. Ist in einer Familie Rheumatoide Arthritis bereits bekannt, so sollte man auf Frühwarnsymptome wie Morgensteifigkeit und Durchblutungsstörungen einzelner Finger achten.
Der beste Ansprechpartner ist in diesem Falle ein Internist, der sich im Bereich der Rheumatologie spezialisiert hat. Die Patienten sollten ihre Erkrankung dem Arzt genaustens beschreiben. Denn erst durch eine gute Schilderung kann der Arzt eine richtige Verdachtsdiagnose stellen und diese dann mit folgenden Untersuchungen bestätigen.
Die Amerikanische Rheumatologie Gesellschaft (American College of Rheumatology = ACR) erstellte einen Kriterien-Katalog zu Rheuma.
Wenn vier der folgenden Symptome vorliegen, so handelt es sich, laut Definition der ACR, um eine Rheumatoide Arthritis:
Im Frühstadium der Erkrankung können aufgrund der unspezifischen Symptome viele Erkrankungen in Betracht kommen. So verharmlosen auch die meisten Patienten die Beschwerden und deuten sie komplett falsch.
Rheuma kann man derzeit nicht heilen. Man kann aber durch eine gezielte Behandlung die Beschwerden lindern und das Fortschreiten der Erkrankung hinauszögern. Dazu werden verschiedene Methoden miteinander kombiniert.
Der Erfolg der Therapie ist zum einen abhängig von dem Krankheitsstadium und dem Krankheitsbild. Jeder Patient erhält eine individuelle Therapie.
Durch Basismedikamente versucht man das fehlgesteuerte Immunsystem zu beeinflussen und somit die Gelenkzerstörung aufzuhalten bzw. zu bremsen. Die Therapie wird mit entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamenten zusätzlich unterstützt.
Zu den wichtigsten Behandlungsmethoden gehören:
Durch verschiedene Bewegungsübungen z.B. mit der Sandkiste, werden die Muskeln trainiert und entspannt. Die Bewegungen wirken schmerzlindernd und verbessern die Funktion der Bewegungsorgane.
Durch den schweren Krankheitsverlauf muss man unter Umstäden seine Lebensführung an die Anforderungen neu anpassen. Hier werden die Aktivitäten des alltäglichen Lebens neu trainiert, um weiterhin selbständig zu bleiben.
Hierzu zählen z.B. Massagen, Wärme- und Kältetherapie.
Operationen werden zur Korrektur der Gelenkfehlstellungen oder zur Besserung der Funktionseinschränkungen durchgeführt.
Die Rheumatoide Arthritis kann, wenn sie frühzeitig erkannt und gut behandelt wird, in ihrem Verlauf bei vielen Patienten stark gebremst werden. Die Begleitsymptome, wie Entzündungen oder Schmerzen können mit Medikamenten gut kontrolliert werden. Wichtig ist hier natürlich auch das Engagement des Patienten, das für den Erfolg der Behandlung von großer Bedeutung ist. Da die Rheumatoide Arthritis trotz allem aber weiter fortschreitet, besteht das Risiko einer dauerhaften Invalidität. Obwohl die Medizin viele Fortschritte in diesem Gebiet gemacht hat, gibt es dennoch Patienten, die auf eine Behandlung gar nicht oder kaum ansprechen. Bei schweren Krankheitsverläufen haben die Patienten eine verkürzte Lebenserwartung.
Wer seine Erkrankung gut kennt, weiß auch wie man mit ihr umgehen muss. Es ist sinnvoll, an einen Erfolg zu glauben und mitzuarbeiten. Auch zu Hause sollten regelmäßig krankengymnastische Übungen durchgeführt werden.
Einige wichtige Tipps für Patienten mit Rheuma: