Wir dehnen unsere Muskeln und Sehnen, indem wir z.B. ein Bein oder einen Arm in eine gestreckte Endposition bewegen und dort unter Belastung verharren. Diese Stellungen werden dann entweder abwechselnd für jeweils ein Extremitätenpaar (z.B. rechtes und linkes Bein dehnen) oder abwechselnd für ein passendes Muskelpaar (z.B. Bizeps und Trizeps (Armbeuger und Armstrecker) dehnen) eingenommen. Neben diesem statischen Verharren in der Endposition gibt es auch noch die Variante des wippenden Dehnens, bei dem nahe der Endposition der Grundbewegung die Belastung abwechselnd gesteigert und vermindert wird. Je nach Sportart sind eine Menge Muskelgruppen betroffen und die Anzahl der Dehnübungen dementsprechend hoch und umfangreich.
Bei der Suche nach guten und effektiven Dehnübungen kann man sich ganz einfach aus einem Bereich bedienen, den es schon seit Jahrhunderten und Jahrtausenden gibt und der im Grunde genommen zu einem Großteil aus Dehnübungen besteht: dem Yoga. In kaum einem anderen Sportbereich wird so viel mit körpereigenen Hebeln, isometrischer Eigenbelastung und dem Gang an den eigenen Grenzbereich (der Bewegungen) gearbeitet. Was dort seit vielen Jahren bewährte Praxis darstellt, kann auch für andere Bereiche genutzt werden. Niemand muss also das Rad neu erfinden.
Und da die neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen sogar das wippende Dehnen (das ja eigentlich jahrelang äußerst verpönt war) als legitime Methode akzeptieren, kann so gut wie jede bekannte Dehnübung herangezogen werden - getreu dem Motto: Gut ist, was gefällt.
Durch ein ausgiebiges Dehnen werden im Körper verschiedene Reaktionen hervorgerufen. Die Durchblutung in den gedehnten Körperpartien wird gesteigert. Dadurch wird der gedehnte Bereich natürlich auch wärmer und verschafft uns so ein angenehmeres Körpergefühl. Dies wiederum wirkt sich direkt auf unser Wohlbefinden aus und wir nehmen den ganzen Prozess der sportlichen Betätigung ganz anders wahr.
Wer sich also vor dem Sport dehnt, geht viel positiver an die ganze Sache heran. Wer sich nach der körperlichen Belastung ordentlich dehnt, der nimmt dieses positive Grundgefühl, etwas für sich und seinen Körper getan zu haben, mit nach Hause.
Doch es gibt auch eine andere Sicht auf die Dinge, denn ein ausgiebiges Dehnen „benutzt" die Muskeln schon zu sehr vor dem eigentlichen Einsatz und wirkt daher einigen Sportwissenschaftlern zu Folge eher negativ vor einem Wettkampf. Natürlich werden die Muskeln nicht stark beansprucht, aber auch die geringste Beanspruchung fehlt dann später beim Wettkampf, um die maximal mögliche Höchstform zu erreichen. Und ein ausgiebiges Dehnen nach dem Sport und der körperlichen Belastung beuge zudem auch nicht - wie bislang in den letzten Jahren angenommen - einem Muskelkater vor.
Man sollte nicht nur auf die Wissenschaft, sondern auch ein wenig auf seinen eigenen Körper hören. Wer sich vor dem Sport dehnt und sich wohl dabei fühlt, der kann diese Prozedur auch beibehalten, solange er dabei „den Bogen nicht überspannt". Doch genausogut bereitet man die Muskeln auch durch eine leichte Beanspruchung auf einen folgenden Einsatz unter stärkerer Belastung vor - hier genügt oft ein leichtes Joggen, Traben oder entspanntes Radeln (um nur auf einige allgemeinen Techniken Bezug zu nehmen - letztendlich hängt auch dies von der jeweiligen Sportart ab, die von Fall zu Fall besondere Aufwärmübungen notwendig machen kann). Allerdings sei auch hier Mäßigung empfohlen, denn Übermaß tut auch hier nicht gut. Also: bleiben Sie unbedingt unverkrampft beim Dehnen...