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Dünndarmtransplantation

Lesezeit: 3 Min.

Was ist eine Dünndarmtransplantation?

Bei einer Dünndarmtransplantation wird Dünndarm auf einen Patienten übertragen, dessen Darmfunktion für die Versorgung des Körpers nicht ausreicht. Bisher wurde diese Operation verhältnismäßig selten durchgeführt. Sie kommt zur Zeit hauptsächlich dann in Frage, wenn Betroffene nur noch über die Blutbahn künstlich ernährt werden können. Nicht selten wird eine Kombination aus Dünndarm- und Lebertransplantation vorgenommen. Der Dünndarm stammt von einem Organspender. In absehbarer Zukunft ist durch den medizinischen Fortschritt mit einer Zunahme der Dünndarmtransplantationen und einer Abnahme der Komplikationsrate zu rechnen.

Wann wird eine Dünndarmtransplantation durchgeführt?

Die Dünndarmtransplantation kommt für Patienten in Frage, bei denen der eigene Darm nicht ausreichend funktioniert. Ist nur noch ein kleiner Rest des Dünndarms funktionsfähig, so wird von einem Kurzdarmsyndrom gesprochen. Beispielsweise können Verdrehungen und Blutflussstörungen, Verletzungen oder chronische Entzündungen (Morbus Crohn) zum Verlust des Dünndarms führen. Manchmal liegt ein angeborenes Syndrom vor. Meist wird die Dünndarmtransplantation erst in Erwägung gezogen, wenn die notwendige Ernährung über die Blutbahn (parenterale Ernährung) zu Komplikationen geführt hat. Dies sind z. B. eine Störung der Leberfunktion oder der Zustand, dass keine geeigneten Möglichkeiten für einen Gefäßzugang mehr da sind. Viele der betroffenen Patienten sind noch jung, ein großer Teil ist noch im Kindes- oder Jugendalter.

Die Funktionsweise

Durch eine Dünndarmtransplantation wird die Funktion dieses Organs durch ein körperfremdes Spenderorgan übernommen. Der transplantierte Dünndarm stammt von einem Organspender. Die Zeit ist knapp, in der das Organ überführt werden kann. Der Darm sollte nicht länger als sechs Stunden undurchblutet bleiben.

Relativ häufig muss gleichzeitig eine Leber transplantiert werden, weil es oft schon zu Schäden der eigenen Leber gekommen ist. Es wurden vereinzelt sogar Transplantationen noch weiterer Organe vorgenommen (Multiviszeral-Transplantationen).

Patienten, die eine Organspende benötigen, müssen auf die Warteliste der in Deutschland, Österreich und einigen anderen Ländern tätigen Organisation Eurotransplant aufgenommen werden. Von Eurotransplant werden passende Organe an die Empfänger verteilt. Die Wartezeit ist oft sehr lang (Jahre).

Das Abwehrsystem des Empfängers bekämpft das fremde Organ. Deshalb müssen nach der Transplantation lebenslang Medikamente (Immunsuppressiva) gegeben werden. In der Regel werden die Wirkstoffe Tacrolimus und Rapamycin verabreicht. Die Mittel unterdrücken effektiv das Immunsystem. Vor der Operation muss zudem sichergestellt sein, dass die Blutgruppen des Spenders und des Empfängers zueinander gut passen.

Welche Untersuchungen werden vor einer Dünndarmtransplantation durchgeführt?

Viele Untersuchungen erfolgten bereits im Laufe der Entwicklung der Krankheit. Für die Aufnahme auf die Eurotransplant-Liste sowie immer wieder zur Kontrolle erfolgen bestimmte diagnostische Maßnahmen. Dazu gehören das Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese), die körperliche Untersuchung, die Blutuntersuchung auf eine Reihe von Werten sowie bildgebende Methoden (z. B. Ultraschall, Röntgen). Direkt vor der Operation erfolgen solche und weitere Untersuchungen, auch des Allgemeinzustandes.

Was müssen Patienten vor einer Dünndarmtransplantation beachten?

Wer auf die Warteliste für Organspenden aufgenommen wurde, muss sich stets bereithalten und erreichbar sein. Er muss in kürzerer Zeit das Transplantationszentrum erreichen können. Für Auslandsreisen oder während bestimmter Krankheiten muss er die Wartezeit ruhen lassen. Der Arzt bestimmt, ob einige Medikamente vor der Transplantation abgesetzt werden müssen.

Wie läuft die Transplantation des Dünndarms ab?

Die Transplantation erfolgt in Vollnarkose. Der Operateur arbeitet über einen größeren Bauchschnitt. Der Dünndarm wird in den Magen-Darm-Trakt integriert, eingenäht und an die Blutversorgung angeschlossen. Die Maßnahmen können je nach den Gegebenheiten erheblich variieren. Schließlich wird die Operationswunde am Bauch zugenäht und ein geeigneter Verband angebracht.

Mögliche Komplikationen

Eine Dünndarmtransplantation kann teils erhebliche Probleme nach sich ziehen. In der Operation können Organe beschädigt werden wie z. B. noch vorhandener Darm, andere innere Organe oder Blutgefäße. Blutungen können mitunter heftig sein, auch Nachblutungen sind nicht ausgeschlossen. An der Wunde kann es zu Entzündungen, Wundheilungsstörungen und überschießenden Narben kommen. Im Bauchraum kann sich eine Entzündung ausbreiten und lebensbedrohlich werden (Peritonitis). Auch allergische Reaktionen sind möglich. Trotz der Gabe der notwendigen Medikamente (Immunsuppressiva) wird der fremde Darm vom Körper manchmal abgestoßen.

Verhaltenshinweise nach der Operation

Wie bei allen Transplantationen ist eine intensive Nachsorge notwendig. Der Arzt entscheidet, wann der Patient wieder welche Speisen zu sich nehmen kann.
Der Patient muss ein Leben lang die Arzneimittel (Immunsuppressiva) einnehmen. Da sie das Immunsystem schwächen, muss der Patient besonders auf Infektionen aufpassen. Die regelmäßigen Kontrollen durch den Arzt dürfen nicht versäumt werden. Falls sich etwas Auffälliges oder Ungewöhnliches zeigt, sollte der Patient nicht zögern, den Arzt zu informieren.

Erfolgsaussichten der Dünndarmtransplantation

Die Dünndarmübertragung ist, gerade in Deutschland, erst selten durchgeführt worden. Die Prognose ist nicht immer günstig, momentan kann von einer Überlebensrate für das Jahr nach der Transplantation von rund 80 Prozent ausgegangen werden. Durch den medizinischen Fortschritt ist die Überlebensrate schon deutlich gestiegen und liegt an einigen Zentren bei weit über 90 Prozent für das Jahr nach der Operation. Eine weitere Verbesserung der Prognose ist mit steigender Routine wahrscheinlich.

Die transplantierten Patienten können ihre Nahrung mit dem Dünndarm wieder verdauen. Nach einer gewissen Zeit können sie auf die parenterale Ernährung (über die Venen) verzichten. Die Lebensqualität wird deutlich gebessert. Nach meist mehreren Monaten können die Patienten ein weitgehend normales Leben führen und z. B. einen geeigneten Beruf ausüben.

Mögliche Behandlungsalternativen

Ist die Dünndarmfunktion ungenügend, so wird gewöhnlicherweise eine Ernährung über die Blutbahn durchgeführt. Der Fachbegriff dafür lautet Parenterale Ernährung. Dem Patienten werden in eine Vene Nährstoffe, Mineralien, Vitamine und Flüssigkeit zugeführt.

V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 06.10.2010
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sagt mig16   vor ~ 2 h  141

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Siehe da: KEINERLEI ... mehr

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sagt T. Radebold   vor 3 Tage  28

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fragt unwissend   vor 7 Tage  8

Kann nach der.op von mann zu frau.noch sex haben und kann man sich das schon als kleines kind machen lassen ist nur so eine frage bin 35

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