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Bauchspeicheldrüsen-Transplantation

Was ist eine Bauchspeicheldrüsen-Transplantation?

Die Organübertragung der Bauchspeicheldrüse kann bei wenigen Patienten mit Diabetes (Zuckerkrankheit) in Erwägung gezogen werden. Der Fachbegriff für diesen Eingriff lautet Pankreas-Transplantation. In den meisten Fällen wird gleichzeitig mit der Bauchspeicheldrüse eine Niere transplantiert. So können ein Nierenversagen und ein Diabetes (Typ 1) des Patienten mit einer Operation behandelt werden. Beim Diabetes Typ 1 sind die so genannten Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse defekt, welche das Hormon Insulin herstellen. Als Folge der Krankheit können Blutgefäße geschädigt werden, wodurch ein Nierenversagen entstehen kann.

Wann wird eine Transplantation der Bauchspeicheldrüse durchgeführt?

Die Bauchspeicheldrüsen-Transplantation kann nur in einigen Fällen in Betracht gezogen werden. In der Regel ist sie dann möglich, wenn ein Patient mit Typ-1-Diabetes zusätzlich auch ein Nierenversagen hat. Dann kann unter Umständen die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) zusammen mit einer Niere übertragen werden.

Diabetes Typ 1 fängt meist in jungen Jahren an und ist wesentlich seltener als Diabetes Typ 2. Der Typ 1 macht nur etwa fünf Prozent der Diabetes-Fälle aus. Beim Typ 1 werden die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse durch eigene Antikörper geschädigt. Die Inselzellen können nicht mehr genügend Insulin bilden, welches die Aufnahme von Zucker aus dem Blut in die Körperzellen regelt. Die Patienten müssen daher Insulinspritzen bekommen. Ohne das Insulin ist bei Typ-1-Diabetikern der Blutzucker zu hoch und kann zu schwerwiegenden Folgeschäden führen. Unter anderem kann die Niere so weit geschädigt werden, dass ein Nierenversagen die Folge ist. In solchen Fällen kann eine Pankreas-Transplantation (Übertragung der Bauchspeicheldrüse) in Erwägung gezogen werden, meist zusammen mit einer Nierentransplantation.

Die Funktionsweise

Die transplantierte Bauchspeicheldrüse stammt von einem Organspender. Ein transplantiertes Organ übernimmt im Empfänger die Aufgabe des entsprechenden geschädigten Organs. So ist es auch bei der Bauchspeicheldrüse. Die Inselzellen der Spender-Bauchspeicheldrüse produzieren das Insulin, welches dem Organismus des Patienten vorher fehlte.

Weil praktisch nur die insulinbildenden Zellen benötigt werden, geschieht versuchsweise auch eine Übertragung dieser Inselzellen. Sie werden aus der Bauchspeicheldrüse herausgelöst und über das Blut in die Leber eingeschleust. Da zwei bis drei intakte Bauchspeicheldrüsen benötigt werden, ist das Verfahren bisher noch nicht etabliert, denn die Organe sind knapp.

Patienten müssen auf die Warteliste der Organisation Eurotransplant aufgenommen werden (gilt für Deutschland, Österreich und mehrere andere europäische Länder). Eurotransplant vermittelt die Spenderorgane an die Empfänger. Patienten müssen mit einer mehr oder weniger langen Wartezeit rechnen, oft dauert es einige Jahre, bis passende Organe verfügbar sind.

Die eigentliche Bauchspeicheldrüsen-Transplantation ist ein chirurgischer Eingriff. Die Bauchspeicheldrüse hängt an einem Stück Zwölffingerdarm, welches in den Darm des Empfängers integriert werden muss. So können die Verdauungsenzyme aus der Bauchspeicheldrüse in den Darm fließen. Die Niere muss allerdings zuerst eingesetzt und mit den Gefäßen des Patienten verbunden werden.

Weil es sich um fremde Organe handelt, werden die neue Niere und die neue Drüse vom Immunsystem des Empfängers abgestoßen. Mit bestimmten Medikamenten, den Immunsuppressiva, wird dieser Vorgang unterdrückt. Der Patient bekommt die Mittel von nun an lebenslang. Vor der Transplantation müssen die Mediziner überprüfen, ob die Blutgruppen von Spender und Empfänger gut kompatibel sind.

Welche Untersuchungen werden vor der Bauchspeicheldrüsen-Transplantation durchgeführt?

Im Verlauf der Erkrankung wurden bereits eine Menge Untersuchungen durchgeführt. Um auf die Warteliste für eine Transplantation zu kommen, müssen bestimmte Untersuchungsmaßnahmen vorgenommen werden. Sie müssen zur Kontrolle regelmäßig wiederholt werden. Nach einem Gespräch zwischen Arzt und Patient (Anamnese) folgt die körperliche Untersuchung, dann Blutuntersuchungen und auch bildgebende Verfahren (z. B. Ultraschall oder Röntgen). Der Mediziner überprüft vor allem den Verdauungstrakt, die Nieren und auch die Herz-Kreislauf-Funktionen. Auch muss eine Kontrolle auf Infektionskrankheiten oder Krebs erfolgen, was meist gegen eine Transplantation spricht. Kurz vor der Operation erfolgen noch einmal die wichtigsten Untersuchungen, unter anderem darauf, wie gut das Organ zum Gewebe des Empfängers passt.

Was müssen Patienten vor einer Bauchspeicheldrüsen-Transplantation beachten?

Patienten, die sich auf der Warteliste für Organe befinden, müssen sich jederzeit bereithalten, die Transplantation durchführen zu lassen. Für einen weiter entfernten Auslandsurlaub müssen sie die Wartezeit ebenso ruhen lassen wie für eine vorübergehende Erkrankung, die gegen eine Transplantation spricht. Der Arzt entscheidet, ob der Patient vor der Operation bestimmte Medikamente absetzen soll.

Wie läuft die Transplantation der Bauchspeicheldrüse ab?

Für die Bauchspeicheldrüsen-Transplantation wird der Patient in eine Vollnarkose versetzt. Die Bauchdecke wird mit einem Schnitt eröffnet. Die geschädigte Bauchspeicheldrüse (Pankreas) wird normalerweise nicht herausgenommen. Sofern eine Niere mit transplantiert werden soll, wird dieses Organ zuerst eingesetzt. Der Operateur schließt die Blutgefäße der neuen Niere an den Blutkreislauf des Patienten an. Ebenso verbindet er den Nierenabfluss mit dem Harnleiter des Patienten. Mit einem Harnkatheter und einer Schiene wird diese Verbindung stabilisiert. Daraufhin wird die Bauchspeicheldrüse eingesetzt. Sie ist über den Bauchspeicheldrüsengang mit einem Teil des Zwölffingerdarms verbunden, der ebenfalls vom Spender entnommen wurde. Das Darmstück wird in den Darm des Patienten integriert und vernäht. Schließlich wird der Bauch zugenäht und die Wunde mit einem Verband abgedeckt.

Wenn nur eine Inselzell-Transplantation erfolgen soll, werden diese Zellen aus der Bauchspeicheldrüse herausgetrennt. Für die Maßnahme ist kein chirurgischer Eingriff am Empfänger erforderlich. Die Inselzellen werden als Lösung in die Pfortader (ein spezielles Blutgefäß), eine Vene am Nabel oder unmittelbar in die Leber gegeben.

Mögliche Komplikationen

Die Operation zur Organübertragung kann zu Schäden an einigen Geweben führen. Aufgrund der Operation im Bauchraum können z. B. der Darm, die Harnorgane oder Blutgefäße in Mitleidenschaft gezogen werden. Blutungen, mitunter auch starke, können ebenso wie Nachblutungen und Blutergüsse auftreten. Die Operationswunde kann sich entzünden, Heilungsstörungen können auftreten, auffällige und störende Narben können verbleiben. Die Bauchspeicheldrüse selbst kann sich entzünden. Eine schwere mögliche Komplikation ist die lebensbedrohliche Bauchfellentzündung (Peritonitis). Allergische Reaktionen sind möglich. Trotz Einnahme der Medikamente (Immunsuppressiva) kann es vorkommen, dass der Körper das empfangene Organ abstößt. Dann ist gegebenenfalls eine erneute Operation notwendig.

Verhaltenshinweise nach einer Bauchspeicheldrüsen-Transplantation

Jede Transplantation erfordert eine sorgfältige Nachsorge. Das bedeutet, dass Patient und Mediziner jetzt auf einige Aspekte besonders achten müssen.

Das Abwehrsystem versucht, das als fremd erkannte Organ abzustoßen. Um dies zu verhindern, müssen ein Leben lang gewissenhaft die Medikamente (Immunsuppressiva) genommen werden. Sie haben unter anderem die Nebenwirkung, dass eine erhöhte Anfälligkeit gegen Infektionen sowie geringfügig auch gegen Tumore besteht. Das bedeutet, dass der Patient auf eine gute Vorbeugung gegen Infektionen achten muss.

Der Patient muss sich in regelmäßigen Abständen zu Kontrolluntersuchungen einfinden. Die Funktion der Organe sowie einige Blutwerte sind die wichtigsten Eigenschaften, die überprüft werden müssen. Sollte dem Patienten außer der Reihe etwas Ungewöhnliches auffallen, so sollte er sich möglichst schnell in die Hände eines Arztes begeben.

Erfolgsaussichten der Transplantation der Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüsen-Transplantation ist inzwischen ein etabliertes Verfahren. Die Operation selbst verläuft meist zufriedenstellend. Nach einem Jahr sind gut drei Viertel der transplantierten Drüsen noch intakt, aber durch die immer bessere Operationstechnik steigt die Rate an. Wird das Organ richtig vom Körper angenommen, so produziert es meist zuverlässig das Insulin. Ist dies sicher, so muss kein Insulin mehr gespritzt werden. Auch die regelmäßigen Blutzuckermessungen können wegfallen. Die Lebensqualität des Patienten steigt. Zudem kann durch die meist mit transplantierte Niere auf eine Dialyse (Blutwäsche) verzichtet werden.

V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

verfasst am 05.10.2010, aktualisiert am 06.10.2010.
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