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Inwiefern ist eine Impfung gegen Harnwegsinfektionen möglich?

Lesezeit: 3 Min.

Bei wiederholten Harnwegsinfektionen kommt eine Impfung in Frage

Eine Impfung gegen eine potenzielle Harnwegsinfektion (HWI) ist für Männer sowie für die meisten Frauen nicht unbedingt notwendig. Es gibt jedoch Gründe, die bei häufig wiederkehrenden Harnwegsinfekten für einen derartigen Impfschutz sprechen. Ein Argument ist, dass Blasenentzündungen häufig durch die Gabe von Antibiotika behandelt werden müssen. Negative Auswirkungen, die mit der wiederholten Antibiotika-Einnahme in Zusammenhang stehen, drohen in Form von Resistenzen. Wer sich regelmäßig einen Harnwegsinfekt einfängt, bei dem kann es sich bei einer Impfung daher um eine lohnenswerte Alternative handeln.

Arzt bei einer Impfung mit Spritze in den Oberarm des Patienten

Es existieren zwei verschiedene Impfungen zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen:

  • Kapselimpfung zur oralen Einnahme (Uro-Vaxom®)
  • Impfung als Spritze in den Muskel (StroVac®)

Wann macht eine Kapselimpfung gegen eine HWI Sinn?

Frauen, die mit chronischen oder regelmäßigen Harnwegsinfekten zu kämpfen haben, haben guten Grund, sich für die Impfung zu entscheiden. Bei einer der gängigen Schutzimpfungen handelt es sich um eine Kapselimpfung (Uro-Vaxom®). Da Blasenentzündungen häufig ausgelöst werden, wenn Bakterien aus dem Darm die Harnröhre hinauf zur Blase wandern, zielt diese Impfung auf genau diese Erreger ab. Die Darmflora-Bakterien, die am häufigsten eine Blasenentzündung nach sich ziehen, sind die Coli-Bakterien (Escherichia coli). In der Kapselimpfung sind wiederum Teile der Zellwände von 18 verschiedenen Stämmen dieser Bakterienart enthalten, um den gewünschten Impfschutz zu erreichen.

Allerdings ist ein perfekter Impfschutz nicht garantiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass es innerhalb eines Zeitraums von einem halben bis einem Jahr zu einer erneuten Blasenentzündung kommt, nimmt im Anschluss an die Impfung um 39 Prozent ab. Nicht nur die niedrigere Wiederholungsrate von Blasenentzündungen ist im Anschluss an die Kapselimpfung von Vorteil. Denn die Harnwegsinfektionen, die trotz der Impfung auftreten, lassen sich im Durchschnitt besser sowie innerhalb eines kürzeren Zeitraums therapieren.

Die relativ milden Nebenwirkungen dieser Impfung sprechen für einen solchen Impfschutz. Hautreizungen und Schwindel sind zwar möglich, allerdings sind diese Nebenwirkungen in einem geringen Ausmaß und in vereinzelten Fällen zu erwarten. Einer der Nachteile der Impfung ist: Es gibt sie nur auf Rezept und der Gang zum Urologen ist ein Muss. Außerdem nimmt die Grundimmunisierung einen Zeitraum von einem Vierteljahr in Anspruch. Jeden Tag muss eine Tablette eingenommen werden – und zwar nüchtern ungefähr eine halbe Stunde vor dem Frühstück. Der Impfschutz ist demnach mit einem gewissen Aufwand verbunden.

Ist im Anschluss an diese erste Phase ein weiteres Vierteljahr vergangen, so muss der Kapselimpfschutz aufgefrischt werden. Die Tabletten sind dann über einen Zeitraum von zehn Tagen erneut einzunehmen. Insgesamt drei Wiederholungen dieses Vorgehens machen den Impfschutz gegen eine Blasenentzündung somit zu einer aufwendigen Angelegenheit. Darüber hinaus ist eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse bei gesetzlich versicherten Patienten nicht vorgesehen.

Spritzenimpfung gegen Blasenentzündungen

Eine Kapselimpfung stellt nicht die einzige Möglichkeit dar. Eine Spritzenimpfung ist ebenso möglich. Die Injektion (StroVac®) schützt vor zehn verschiedenen Bakterienstämmen aus mehreren Bakterienarten. Die Welt der Wissenschaft streitet sich noch dazu darüber, wie effektiv diese Impfung ist. Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Infektion fällt im Anschluss an die Injektion zwischen 26 bis zu 93 Prozent geringer aus. Eindeutige Zahlen gibt es jedoch nicht. Die Nebenwirkungen des Impfstoffs machen sich in 28 bis zu 47 Prozent der Fälle bemerkbar. Daher sollten die Betroffenen abwägen, ob eine Impfung gegen Blasenentzündungen mittels einer Spritze für sie sinnvoll ist. Zur Liste der potenziellen Nebenwirkungen gehören:

  • geschwollene Haut
  • Spannen der Haut
  • Hautrötungen
  • Fieber
  • Abgeschlagenheit und Mattheit
  • Kopfschmerzen
  • schmerzhafte Injektionsstelle
  • Symptome, die an eine Grippe erinnern
  • angeschwollene Lymphknoten
  • Allergie
  • Schmerzen im Bereich der Nieren
  • Herz-Kreislauf-Probleme

Drei Impfspritzen in den Muskel des Oberarms sind im Abstand von jeweils ein bis zwei Wochen erforderlich. Nach weiteren zwölf Monaten kann die Impfung durch eine Oberarmspritze aufgefrischt werden. Allerdings gibt es Einschränkungen. Der Impfstoff ist bei Kindern, die jünger als fünf sind, sowie bei Menschen, die an den folgenden Krankheitsbildern leiden, nicht zulässig: geschwächtes Immunsystem, Nieren- oder Herzkrankheiten, Blutgerinnungsstörungen, Tuberkulose, wenn andere Entzündungsreaktionen aktuell vorliegen und falls Allergien gegen den Impfstoff bekannt sind.

Fazit

Trotz aller Probleme kann eine Impfung gegen eine Blasenentzündung sinnvoll sein. Zum einen verringern sie das Risiko für weitere Harnwegsinfekte, zum anderen müssen dadurch seltener Antibiotika gegeben werden. Damit wird einer Entwicklung von Antibiotikaresistenzen entgegengesteuert. Noch dazu wirken sich Antibiotika als ansonsten nützliche Medikamente negativ auf die normale Flora der Scheide aus. Wer diesem Problem aus dem Weg gehen will, sollte sich bei einem Urologen nach der Möglichkeit einer Spitzen- oder Kapselimpfung gegen Blasenentzündungen erkundigen.



M. Prigge Maria Prigge
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 11.07.2018

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