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Was muss man über die Meningitis-Impfung wissen?

Lesezeit: 4 Min.

Einer Hirnhautentzündung mit Impfungen vorbeugen

Die Meningitis spielt heute – zumindest in Bezug auf die Fallzahlen – nicht mehr die Rolle wie noch in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Gefährlich bleibt die Hirnhautentzündung trotzdem. Patienten sehen sich dem Risiko gegenüber, schwerwiegende Verläufe zu entwickeln. Unbehandelt kann eine Meningitis besonders bei bakteriellen Verlaufsformen tödlich enden. Spätfolgen treten bei Meningitis-Patienten immer wieder auf. Neben Erwachsenen sind besonders auch Kinder gefährdet, an einer Meningitis zu erkranken. In den letzten Jahrzehnten hat die Medizin Impfungen gegen wichtige Erreger der Hirnhautentzündung entwickelt.

Arzt bei einer Impfung

Hirnhautentzündung: Welche Erreger sind besonders gefährlich?

Generell kann eine Hirnhautentzündung durch verschiedene Ursachen entstehen. Bekannt ist, dass Arzneimittel oder Pilze dafür verantwortlich sein können. Sehr viel häufiger wird die Meningitis aber durch Viren und Bakterien ausgelöst.

Die Entzündung der Hirnhäute gehört beispielsweise zu den schwerwiegenden Komplikationen einer Infektion mit:

  • Masern-Viren
  • FSME-Viren
  • Mumps-Viren
  • Herpes-Viren

Die Hirnhautentzündung gehört bei den viralen Infektionen oft zu den seltenen Komplikationen, tritt also nur bei einem geringen Teil der Patienten auf. Ein Beispiel ist die von Varizellen (Erreger von Windpocken und Gürtelrose) ausgelöste aseptische Meningitis.

Wesentlich dramatischer ist die Entwicklung bei bakteriellen Hirnhautentzündungen. Erreger können zum Beispiel sein:

  • Meningokokken (Neisseria meningitidis)
  • Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae)
  • Haemophilus influenzae
  • Streptokokken

Die Häufigkeit, mit welcher die einzelnen Bakterien auftreten, variiert mit dem Alter. Gerade bei Kindern und Erwachsenen treten Meningokokken und Streptokokken in den Vordergrund. Komplikationen sind hier unter anderen Blutvergiftungen (Sepsis), welche für den Organismus gefährlich sind und zum Absterben von Gewebe führen können.

Es gibt nicht die eine Meningitis-Impfung

Eine Hirnhautentzündung kann somit durch ganz unterschiedliche Erreger ausgelöst werden. Diese Erkenntnis ist in Bezug auf die Impfung wichtig, die vorbeugend eingesetzt werden kann. Wer sich schützen will, wird nicht die eine Impfung finden, welche gegen alle Erreger hilft.

Vielmehr ist es nötig, mehrere Impfungen zu verabreichen. Die Ständige Impfkommission oder STIKO hat ein Impfschema entwickelt, mit welchem ein sehr breites Spektrum verschiedener Erreger abgedeckt wird. Vor dem Hintergrund der Meningitis relevant sind unter anderem folgende Grundimmunisierungen:

  • Masern-Impfung (zwei Dosen zwischen 11. und 23. Lebensmonat)
  • Mumps-Impfung (zwei Dosen zwischen 11. und 23. Lebensmonat)
  • Poliomyelitis-Impfung (vier Dosen zwischen 2. und 14. Lebensmonat)
  • Haemophilus-influenzae-Impfung (vier Dosen zwischen 2. und 14. Lebensmonat)
  • Pneumokokken-Impfung (drei Dosen zwischen 2. und 14. Lebensmonat)
  • Varizellen-Impfung (zwei Dosen zwischen 11. und 23. Lebensmonat)
  • Meningokokken-Impfung (eine Impfdosis zwischen 11. und 23. Lebensmonat)

Über dieses Impfschema hinaus, das für Säuglinge und Kleinkinder angewandt wird, ist im individuellen Einzelfall über weitere Impfungen nachzudenken. Diese kommen zum Beispiel vor bestimmten Reisen oder bei gefährdeten Personen in Frage.

Wichtig: Impfungen sind keine Immunisierung speziell gegen die Hirnhautentzündung, sondern sie sind gegen die jeweiligen Erreger wirksam. Einige allgemeingebräuchliche Formulierungen sind darüber hinaus irreführend. Zu den Beispielen gehört die sogenannte Zeckenschutz-Impfung. Diese verhindert nicht den Stich der Zecke. Vielmehr geht es darum, die Person vor einer Erkrankung am FSME-Virus zu schützen. So ist bei Exposition (erhöhter Möglichkeit eines Aufeinandertreffens) gegenüber Zeckenpopulationen über eine FSME-Schutzimpfung in Risikogebieten nachzudenken. Das kann etwa für Mitarbeiter in Forstbetrieben gelten.

Die Meningokokken-Impfung

Meningokokken treten in verschiedenen Typen (Serotypen) auf. Daher gibt es mehrere Impfstoffe gegen die unterschiedlichen Meningokokken. In Deutschland ist die Impfung gegen Meningokokken C empfohlen, was von der Krankenkasse übernommen wird. Eine weitere mögliche Impfung kann gegen Meningokokken A, C, W und Y zusammenfassend erfolgen, was bei bestimmten Patientengruppen in Frage kommt. Ebenso ist eine Meningokokken-B-Impfung zugelassen, zu dieser wird keine generelle Empfehlung ausgesprochen.

Schützen Meningitis-Impfungen zu 100 Prozent?

Ein Stich und für ein ganzes Leben geschützt – Erfahrungen aus der Praxis zeichnen im Hinblick auf Impfungen ein anderes Bild. Eltern und Erwachsene, welche über Meningitis-Impfungen nachdenken, müssen sich zu einigen Punkten im Klaren sein.

Der Schutz, den Impfungen aufbauen, kann endlich sein. Die Zahl der Antikörper nimmt nach einiger Zeit bei verschiedenen Impfstoffen ab. So wird bei einer FSME-Impfung nach einigen Jahren die Auffrischung nötig. Ein zweites Beispiel ist die Meningokokken-Impfung. In der Fachwelt wird nach wie vor diskutiert, wie verlässlich der Schutz nach einer Impfung im Lauf der Jahre ist – sprich mit welcher Geschwindigkeit sich die Antikörper wieder reduzieren. Hier hängt die Frage nach der Auffrischungsimpfung unter anderem vom Alter der Person ab.

Zu bedenken ist an dieser Stelle auch, dass es trotz Impfung immer wieder zu sogenannten Durchbruchserkrankungen kommen kann. Das heißt: Trotz erfolgter Impfung tritt die Erkrankung auf. Dieses Phänomen ist für verschiedene Schutzimpfungen bekannt.

Vor der Impfung ist es angesichts der angesprochenen Sachverhalte erforderlich, sich ärztlich beraten zu lassen. Hierbei muss es auf der einen Seite um die Frage der Auffrischung gehen. Auf der anderen Seite sollte Nutzen und Risiko der Impfung hinterfragt werden.

Nebenwirkungen der Meningitis-Impfung

Durch die Impfung kann der Körper mit Erregerspuren (Lebend-/Totimpfstoff) in Berührung kommen. Bei der Schutzimpfung können Nebenwirkungen auftreten. Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle sind nicht ungewöhnlich. Diese sogenannten Lokalreaktionen treten häufiger auf.

Eltern können bei Kindern verschiedene Impfreaktionen beobachten. Immer wieder kommt es zur Beeinflussung des Allgemeinzustands, wie:

  • erhöhte Temperatur/Fieber
  • Gliederschmerzen
  • Abgeschlagenheit

Nach einigen Tagen legen sich diese Beschwerden normalerweise wieder. Auch Schlafstörungen, Magen-Darm-Probleme oder andere Hautreaktionen können durch verschiedene Impfstoffe ausgelöst werden. Schwere Nebenwirkungen wie Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen können in sehr seltenen Fällen auftreten. Für einige Impfungen sind zudem schwerwiegende Impfkomplikationen bekannt, zu denen Lähmungen oder Gangveränderungen gehören. Dies bedeutet, dass vor jeder Impfung eine umfassende Aufklärung erforderlich ist.

Für empfohlene Impfungen gilt jedoch, dass sie einen hohen Nutzen haben und vor gefährlichen Erkrankungen wie Meningitis schützen. Dabei ist die Bevölkerung umso besser geschützt, je höher der Anteil der geimpften Menschen ist. Dies bedeutet weniger Chancen für Erreger, auf nicht geimpfte Personen zu treffen (zum Beispiel Neugeborene und bestimmte schwer Immunkranke) und bei diesen eine schwerwiegende Meningitis-Erkrankung auszulösen.



R. Petzold Rene Petzold
Gesundheitsredakteur

aktualisiert am 09.11.2018
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