Youtube
Folgen Sie uns auf  

Wie helfen Kompressionsstrümpfe gegen Thrombose?

Lesezeit: 3 Min.

Anwendung und Wirkungsweise von Kompressionsstrümpfen gegen die Beinvenenthrombose

Kompressionsstrümpfe sind ein Mittel, einer Beinvenenthrombose in bestimmten Situationen vorzubeugen. Nach einer Thrombose am Bein kommen ebenfalls zur Behandlung Kompressionsstrümpfe zum Einsatz. Bei einer Thrombose wird ein Blutgefäß durch ein dort entstehendes Blutgerinnsel verengt oder gar vollständig verstopft. Die meisten Thrombosen entstehen in den Beinvenen. Als wesentliche Ursachen kommen eine veränderte, verstärkte Gerinnungsneigung des Blutes und ein generell verlangsamter Blutfluss, beispielsweise durch Bewegungs- oder Flüssigkeitsmangel, in Frage.

Anziehen von Kompressionsstrümpfen

Für diese Phänomene gibt es eine Reihe komplexer Auslöser. Weil die Blutgerinnsel oder Thromben wichtige Venen und Arterien blockieren können, ist ihr Auftreten höchst gefährlich. Eine Minderdurchblutung der Lunge (Lungenembolie) kann als schwerwiegende, lebensbedrohliche Komplikation aus einer Beinvenenthrombose folgen, wenn sich ein Gerinnsel löst und in eine Lungenarterie gelangt.

Was bewirken Anti-Thrombose-Strümpfe?

Stütz- oder Kompressionsstrümpfe reichen von den Knöcheln bis über die Knie, wahlweise auch bis über die Oberschenkel. Auf dieser Strecke tragen sie dazu bei, von außen Druck auf die Venen auszuüben. Damit unterstützen sie die „Venenpumpe“, Muskulatur und Bindegewebe, die diese Aufgabe normalerweise erfüllen. Sie erleichtern den Transport des Blutes in den Venen bei beschädigten Venenklappen. Die Strümpfe erhöhen buchstäblich den Blutdruck im Bereich der Beinvenen.

  • Nach Operationen
  • bei langer Bettlägerigkeit
  • auf Langstreckenflügen und bei langen Busreisen oder
  • bei überwiegend im Stehen ausgeübten beruflichen Tätigkeiten

gelten Kompressionsstrümpfe als gutes Mittel zur Vorbeugung gegen Thrombosen und Wasseransammlungen in den Beinen.

Zur Behandlung einer Thrombose kommen die Strümpfe ebenso zum Einsatz. Die Thrombose führt zu einem hohen Druck in den unterhalb liegenden Venen, besonders an der Knöchelgegend. Kompressionsstrümpfe engen diese Venen ein und helfen dabei, die Schwellungen und Wasseransammlungen zu reduzieren. Die Gefahr für offene Stellen am Bein (Ulcus cruris) wird vermindert.

Erhältlich sind die Strümpfe in unterschiedlicher Stärke. Die Stärke wird in vier Stufen eingeteilt.

  • CCL 1 und 2 eignen sich gut zur Vorbeugung oder bei geringfügigen Veränderungen
  • CCL 2 wird empfohlen, wenn bereits Venenerkrankungen wie Krampfadern diagnostiziert wurden
  • CCL 3 und 4 sind dann anzuwenden, wenn bereits Thrombosen oder deutliche Gefäßerkrankungen vorliegen.

CCL bezieht sich auf die Kompressionsklassen und auf den Druck, den die gewählten Stützstrümpfe jeweils auf das Gewebe ausüben. Der Druck selbst wird in der Maßeinheit mmHg (Torr) angegeben.

Dazu gibt es verschiedene Varianten der Kompressionsstrümpfe mit unterschiedlicher Anfertigung und Anwendung:

  • Die schwächste Variante von Kompressionsstrümpfen dient der Vorbeugung gegen Reisethrombose. Diese kann ausgelöst werden durch langes, eventuell beengtes Sitzen im Bus, Auto oder Flugzeug. Auch wer im Beruf viel stehen muss, kann sie tragen.
  • Medizinisch verwendbare Stützstrümpfe werden als MTPS bezeichnet, das ist die Kurzform für Medizinische Thromboseprophylaxe-strümpfe. Diese Strümpfe sind so gearbeitet, dass sie kontrollierten Druck auf die Venen ausüben, von unten nach oben abnehmend.

Was im normalen Wäsche- und Strumpfwarenverkauf als Stützstrumpf angeboten wird, verfügt nicht über diese Eigenschaft. Diese Art Strümpfe wirkt eher allgemein „figurformend“. Wer damit länger sitzen oder stehen muss, wird sie eher als beengend und wenig durchblutungsfördernd empfinden.

Wer unter Venenerkrankungen leidet, sollte daher zu speziellen, für medizinische Zwecke entwickelten Produkten greifen.

Stützstrümpfe sind ein wesentlicher Bestandteil einer gezielten Kompressionstherapie bei Venenproblemen. Dazu zählen beispielsweise Krampfadern. Häufig sind die Venenklappen vorgeschädigt, die normalerweise dafür sorgen, dass Blut ordnungsgemäß von den Beinen aus nach oben gepumpt wird. Die Folge eines Defektes dieser Klappen sind Blutstauungen und Schwellungen des Gewebes, Schweregefühle in den Beinen und Schmerzen. Ödeme (Wasseransammlungen) und Thrombosen können durch das Tragen von Stützstrümpfen verhindert werden.

Vor- und Nachteile von Kompressionsstrümpfen

Kurzfristig angewendet, sind Kompressionsstrümpfe für viele Situationen sinnvoll, beispielsweise während der bereits erwähnten Langstreckenflüge oder Busreisen. Mangelnde Bewegungsmöglichkeit und Sitzen über viele Stunden, dazu eine durch Klimaanlagen oft extrem trockene Luft können die Blutzirkulation beeinträchtigen. Mittlerweile werden Kompressionsstrümpfe auch von Leistungssportlern verwendet, um die Blutzirkulation zu verbessern und um Muskelkater zu verhindern. Daher sind auch „sportliche“ oder elegante Varianten neben den gewöhnlichen Modellen erhältlich. Vor der Entfernung von Krampfadern haben sich Stützstrümpfe beispielsweise ebenfalls bewährt.

Langfristiges Verwenden von Stützstrümpfen kann eine Reihe unerwünschter Auswirkungen haben. Bei Trägern, die sich gern und viel bewegen, sind sie vor allem bei sehr warmem Wetter unangenehm zu tragen und dann kontraproduktiv. Besonders die Kompressionsstrümpfe der Stärken CCL 3 und 4 können Hautprobleme verursachen: Die Haut juckt, trocknet aus, es bilden sich gelegentlich sogar Blasen und Geschwüre. Bei etwa fünf Prozent der Träger im klinischen Test starben Hautareale ab. Bei der Anwendung ist es wichtig, die Kompressionsstrümpfe genau anzupassen. Beim Anziehen dürfen sich auf keinen Fall Falten bilden, die ins Gewebe einschneiden, Schmerzen und einen Blutstau verursachen können.



B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 15.09.2018
War dieser Artikel hilfreich?

Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Thrombose

?
fragt NinaBepunkt   vor ~ 1 Monat  190

Am 01.05. Bin ich mit starken Armschmerzen links in die Ambulanz. Ich hatte bereits monatelang Schulter- und Nackenschmerzen und war deshalb in ... mehr

Portrait Dr. Nicolle Lindemann, München, Internistin
Trambose   3 Antworten   Letzte Antwort
sagt Dr. Lindemann   vor 5 Monate  671

Hallo Hasi 21,
Eine Ultraschalluntersuchung dient zur Diagnosestellung einer Thrombose. Es ist keine Therapie.
Normalerweise bekommt man bei einer ... mehr

Alle Beiträge anzeigen: Gefäßchirurgie » Thrombose

Jetzt Frage stellen

23 Fragen zu Thrombose
Arztsuche

Ärzte
Dr. R. Haunhorst
Chirurg
in 52351 Düren
Portrait Lic. med. Univ. Valladolid (E) Rafael Blanco Engert, Chirurgische Praxis am Dornbusch - Dornbuschklinik Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Chirurg Lic. med. Univ. Valladolid (E) R. Blanco Engert
Chirurg
in 60320 Frankfurt am Main
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie T. Radebold
Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
in 37235 Hessisch Lichtenau
Alle anzeigen Zufall