Unverträglichkeit auf chrirugische Kunststoffklemmen nach Gallen OP?

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Nevergiveup  fragt am 26.03.2014
Seit ich geboren bin leide ich an Unverträglichkeiten und Allergien. Lokale Durchfälle begleiteten mich mein Leben lang. Häufige Infekte, Magenschleimhautentzündungen, Hautausschläge, eisige Kälte, Heuschnupfen, Nickel, Pflaster, Wolle, rohe Haselnüsse, flüssige Sahne, Modeschmuck von Silber bis Gold bis hin zu Plastikohrringen. Es schwoll, wurde rot, das Gewebe wurde hart, es juckte, nässte und suppte. Hautausschläge aller Colleur. Sie kamen und gingen. Im Laufe meines Lebens habe ich mich arrangiert. Zu allem was kam, sagte ich, es geht auch wieder - wie gesagt ich bin damit geboren, ich kenne es also nicht anders. Zudem liegt das in der Familie, ist wohl auch genetisch würde man heute sagen, früher sagte man: Das Mädchen ist einfach so.
Ich war trotzdem eine gute Sportlerin und ich habe beruflich immer schwer getragen und gehoben, bis meine Füße nicht mehr mit machten. Ich habe immer Vollzeit gearbeitet und mache das heute noch, aber als Sachbearbeiterin in einem Büro! Zu jeder dieser undankbaren Krankheiten sagte ich, du hast mich gesucht, nicht ich dich. Nicht ich gehe mit dir - du gehst mit mir! Und so haben wir das bis jetzt erfolgreich gehalten.

Vor vier Jahren bekam ich Gallenkolliken, da ich nie eine hatte, wußte ich also nicht was das ist und wie sich das anfühlt. Anfangs selten und schon wieder vergessen und dann immer öfter. Im Büro bin ich manchmal schier vom Stuhl gekippt. Stechende Schmerzen in den Schultergelenken, der Schmerz schoss sogar bis aus den Ellbogengelenken hinaus, bohrende Schmerzen im Rücken, genau dort wo der BH-Verschluß sitzt, brennende, stechende, aggressive Schmerzen im Sternum und in der Magengegend, bis hin zu klopfenden Kiefern, ich konnte jede einzelne Zahnwurzel spüren. So mußte es sich anfühlen, wenn einem ein spitzer Holzpfahl durch den Brustkorb gerammt wird und hinten wieder raus kommt. Keine Schmerzen im Leberbereich. Diagnose: Leichte Magenschleimhautentzündung. Bis der Tag kam und ich per Notarzt ins Krankenhaus gebracht wurde. 4 Tage Notaufnahme, Ultraschall, Röntgen, Magenspiegelung und wieder die Diagnose: Leichte Magenschleimhautentzündung. Die Schwestern behandelten mich inzwischen wie einen Hypochonder, ich lag nur noch da und konnte nicht einmal mehr weinen. Auch meine Familie hatte inzwischen Zweifel ob mit mir alles richtig sei - Ich konnte es an ihren hilflosen Blicken sehen. Inzwischen hatte ich 10 Tage Kolik am Stück hinter mir, mal mehr mal weniger. Einmal verlangte ich erschöpft nach einer Bettflasche und bekam keine. Ich saß mit dem Rücken am Heizkörper im Krankenhaus auf einem umgedrehten Mülleimer, den ich als Hocker nahm. Wie das Hypochonder eben so machen. Da Gott meine Gebete nicht erhörte und mich nicht sterben ließ, trennte ich meinen Geist vom Körper. Ich stellte mir vor ich läge irgendwo am Strand, die Sonne scheint, alles ist gut. Das war wohl die Überlebensstrategie meines Unterbewußten.
Am vierten Tag kam eine Schwester und sagte abfällig: Sie bekommen noch Frühstück, dann können sie gehen! Gerade als ich meine Henkersmahlzeit nahm, kam die nächste Schwester, riss mir das Tablett weg als ich den ersten Schluck Tee trinken wollte und meinte genaus so harsch: Sie bleiben, sie bekommen noch eine Untersuchung! In meinem Bett, das inzwischen 4 Tage nicht gemacht war - auch das machte ich noch selbst, fuhr man mich wieder zum Ultraschall. Der Arzt war sehr sehr freundlich und meinte, ihre Entzündungswerte im Blut sind so hoch, da ist was und ich finde das und ich nehme sie ernst! Da konnte ich das erste Mal wieder weinen. Er schlug mir leicht mit der hohlen Faust, mit vorheriger Ankündigung, mehrmals leicht auf die rechte Oberbauchseite, ging nochmal mit dem Ultraschlall drüber und meinte dann: Na endlich, da sind sie, 2 himbeergroße Steine. Wieder daheim bekam ich fast 10 Tage Antibiotika und als die Entzündunsgwerte runter gingen, ganz weg waren sie nicht, kam die OP. Wieder ein anderer Arzt. Im Vorgespräch sagte ich, dass ich Allergiker sei und sie mir bitte nichts in den Körper rein machen sollten. Er sagte die Kunststoffklemmen wären unbedenklich, da wären sie die Erste die darauf reagiert.
Die OP verlief sauber, außer dass ich nach der OP qualvolle Bauchschmerzen hatte und meine Beine hochlagern mußte. Aber dagegen hilft ja Abführmittel, vorallem wenn einem nicht gesagt wird, was man da gerade eingenommen hat. Tröpfchen eben. Hypochondertröpchen - extra große Portion. Später verlangte ich nach Schmerzmitteln und man sagte, ich hätte schon genug bekommen, wahrscheinlich dachte man auch, ich sei Tabletten abhängig. Wieder 3 Ärzte kamen an mein Bett, nur einer sprach Deutsch. Es sei ausgeschlossen, dass ich solche Schmerzen haben könnte.
Ich weiß nicht wieviele Klemmen da reingemacht wurden, es zwickte und zwackte und tut heute manchmal noch weh. Man beschloß, es gäbe keine weiteren Gründe mich im Krankenhaus zu behalten und so wurde ich nach 3 Tagen entlassen. Mein Zustand besserte sich zunehmend und ich konnte plötzlich Dinge essen von denen ich nur geträumt hatte, keine Blähungen mehr, kein Durchfall - nichts. Einfach nur herrliches Dasein, ich war glücklich wie nie. Nur dieses Zwicken und Zwacken blieb lange Monate und ich sagte immer häufiger, ich glaube, die haben bei der OP etwas in mir vergessen - aber jeder lachte nur darüber. Inzwischen hatte ich mir ein schwarzes Hämatom auf den rechten hinteren unteren Rippenbogen massiert ohne es zu merken. Ich habe halt bei der Arbeit am PC immer wieder unbewußt dorthin gelangt. Neue Diagnose: V.a. Knochenhautentzündung. Nicht heilbar - Geduld. Wie gesagt, die Dinge kommen, sie gehen auch wieder.
Noch ein paar Wochen später, bekam ich wieder dieselben Schmerzen in den Schultergelenken und konnte plötzlich meine Arme nicht mehr heben, Woche für Woche kam mehr hinzu. Es fühlt sich an als würde etwas in mir PingPong oder Domino spielen - ich habe dazu gelernt - die Pingpongstellen nennt man Tenderpoints. Dann konnte ich nicht mehr greifen, dann konnte ich nicht mehr die Knie beugen, dann nicht mehr richtig auftreten und letztlich kaum noch gehen - ich bin wie soll man sagen, erstarrt, versteift, eingeforen immer häufiger neige ich zu Fieber, die Knöchel werden punktuell heiß und immer wieder diese Schmerzen im Sternum und im Atlas. An manchen Tagen kann ich heiß von kalt auf der Haut nicht unterscheiden. Wenn alle Tenderpoints gleichzeitig aktiv sind, dann bin ich quasi Ganzkörper gelähmt. Das geht ein paar Stunden, das geht ein paar Tage. Dann bleibt es Tage lang weg und ich bin wieder beweglich wie ein Prima Ballerina. Wie das bei einem Hypochonder eben so ist. Neue Diagnose: Fibromyalgie - ja super und damit austherapiert. Einziger Ausweg Berufsunfähigkeits Rente. Ich arbeite noch immer Vollzeit, nur meine Arbeitsunfähigkeitszeiten häufen sich, langsam wird`s eng. Vor einigen Wochen kam ich erneut ins MRT wegen den Schmerzen und diesmal sollte zum ersten Mal Kontrastmittel gespritzt werden, ob ich darauf auch allergisch reagiere? Ich sagte, ich weiß es nicht, ich hab ja noch nie welches gespritzt bekommen. Keine 15 Minuten später im Wartezimmer, fing es im Hals an zu kratzen, mein Kopf wurde heiß, ich hüstelte - da lief eine Schwester vorbei und fragte was haben sie plötzlich? Ich meinte: Nichts, ich bekomme wohl gerade eine leichte Erkältung. Keine 2 Minuten später wurde ich einen Rollstuhl gesetzt und mit rasanter Geschwindigkeit in die Notaufnahme gefahren und schon hing ich am Tropf. Attest: Leichte allergische Reaktion auf Kontrastmittel. Na prima.
Inzwischen fragen sich die Ärzte tatsächlich, ob das nicht von diesen Kunsstoffklemmen nach der Gallen OP kommen könnte. In den nächsten Tagen werde ich dahingehend endlich untersucht, da die Entzündungswerte im Blut erneut angestiegen sind. Ich bin so dankbar, dass ich eine neue super Hausärztin - (Naturheilverfahren) habe. Das Beste was einem Hypochonder passieren kann. Ich mußte zwar sehr viel selbst bezahlen, aber das bin ich mir wert, zudem nehme ich kaum noch was ein und von Urlaub mit Strand und Sonne habe ich ja gelernt zu träumen - da bin ich ja gleich dort.

Ich erinnere mich, damals als ich diese Plastikohringe im Ohrläppchen hatte, wurden meine Ohrläppchen auch immer heiß, aber es suppte und nässte nicht. Könnte es nicht sein, dass mein Körper sich vielleicht tatsächlich wehrt und die ganze Knochenhaut ausgehend von meinem unteren Rippenbogen über dem rechten Oberbauch, dort wo alles anfing, kommuniziert? Sind dieTenderpoints nur Bushaltestellen, sozusagen Schmerzumsteigestationen ohne Ziel? Schmerz ist doch keine Krankheit, das ist doch ein Symptom und es muß doch nicht gleich alles eitern und suppen?
Ich habe inzwischen gelernt auf einer Schmerzskala 1 - 10 jeden Tag zu leben. Bis 7 komme ich gut durch den Alltag, aber ab 8 da wird`s kritisch. Ich habe im Internet nichts über Unverträglichkeiten zu diesen Klemmen gefunden und ich habe noch nie davon gehört - meine Ärztin sagt, sie kenne in ihrer Laufbahn nur einen Fall, der habe aber auf die OP-Fäden reagiert. Vielleicht suche ich ja die Nadel im Heuhaufen und ein Trost ist ja, dass ich jedenfalls nicht daran sterben werde und wie gesagt: Die Dinge kommen, die Dinge gehen, mal früher mal später. Ich hoffe, wenn es keine Heilung gibt, ich schaffe beruflich noch die letzten Jahre bis zur Rente. Dann machen mein Schmerz und ich keinen imaginären Urlaub mehr, dann fahren wir beide mal richtig ans Meer :-)

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