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Zweite OP Blinddarm

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mig15  fragt am 02.07.2015
Mein Sohn (30) wird gerade zum zweiten Mal operiert. Die erste OP war vorgestern. Grund: Innere Blutungen. Kunstfehler? Gründe? Prognose?

Danke
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 02.07.2015
Hallo mig15,

zu den Gründen kann man von aussen nur spekulieren-in der Medizin gibt es nie 100% Sicherheit;
es kann immer alles passieren-so können sich auch Blutgefäße wieder öffnen, die am Ende der ersten Operation "stumm" waren. Man ist schnell geneigt, einen Fehler zu suchen, damit die eigene Angst und Unsicherheit (und natürlich Ohnmacht, da man selber so wenig tun kann) ein Ziel hat.

Deswegen bin ich bei dem Wort Kunstfehler in solchen Situationen eher zurückhaltend, auch wenn ich Ihre Intention nachvollziehen kann. Gehen Sie bitte zuerst dennoch davon aus, dass Alle dort nach bestem Wissen und Gewissen handeln und alles für Ihren Sohn tun und getan haben, als ob es ihr eigener wäre!

Zur Prognose: auch das ist von Ferne nicht wirklich möglich-aber ich kann mich in den Jahren meiner allgemeinchirurgischen Zeit nicht an einen einzigen Fall erinnern, wo ein Patient nach einer Blinddarm-OP und Nachblutung in der Folge schwerwiegenden Schaden durch die Nachblutung zurückbehalten hätte. Natürlich kann es nach jeder Bauch-OP Komplikationen geben (Verwachsungen, Infektionen, etc.) Aber ich glaube, darum ging es Ihnen ja aktuell weniger.

Die schlimmsten Schläge sind Ratschläge, den einen möchte ich dennoch weitergeben:
Tief durchatmen und versuchen, Ruhe zu bewahren. Mit etwas Glück sieht es in ein paar Stunden schon wieder deutlich besser aus.

Alles Gute aus Hessisch Lichtenau,
Tobias Radebold
 
mig15  sagt am 02.07.2015
Habe gerade erfahren, dass die Blutungen nicht zu stoppen sind und die Ärzte recht verzweifelt das "Leck" suchen. Sie vermuten ein angeborenes Aneurysma im Bereich der Nieren??Ich muss sofort nach Wien fahren. Danke für die Antwort.
 
mig15  sagt am 02.07.2015
Kein Aneurysma gefunden. Große Bauch OP. Chirurg sagt, so etwas hätte er noch nie gesehen. Angiografie usw. gemacht. kein "Leck" zusehen. Momentan keine Blutungen, aber keiner weiß, ob das so bleibt. Was wäre ihre Erklärung??
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 02.07.2015
Das klingt doch sehr nach einem Blutgerinnungsproblem-
am typischsten wäre ein von Willebrand-Syndrom, aber auch andere, seltenere Gerinnungsstörungen kommen in Frage.


Hier ist akut eine ausführliche Gerinnungsanalyse erforderlich, um erneute Nachblutungen zu verhindern! Fragen Sie die Kollegen bitte ob sie ein diese Erkrankungen und Gerinnungsstörungen in Ihre Überlegungen mit einbeziehen-gerade durch die erneute Blutung hat sich die Gerinnungssituation sowieso stark verändert-hier muss neben den Erythrozyten auch eine Gabe von FFP und ggfT hrombozyten u. Gerinnungsfaktoren erfolgen. Wenn es dort ein Rotem-Analysegerät gibt, wäre es gut.

Grüsse, TR
 
mig15  sagt am 02.07.2015
Herzlichen Dank!
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 04.07.2015
Hallo Mig15,
Wie sieht es aus in Wien?
Grüße und Alles Gute, TR
 
mig16  sagt am 04.07.2015
Nach großer Bauch OP Intensivstation. Nach 36 Stunden aufs Normalzimmer. Heute verschlechterte Sauerstoffwerte. Anschluss ans Sauerstoffgerät=Besserung. Habe ihre Meinung mit dem diensthabenden Arzt besprochen. "Ja, das sei ab Montag geplant" Blut kommt in ein Speziallabor. Am Wochenende nicht möglich. "Warum nicht früher?" Antwort: Es muss ein Gefäß geplatzt sein, das haben wir aber nicht gefunden." Was ich vergessen habe: nach der 1.OP ist mein Sohn bereits am Zimmer mit einem leichten möglicherweise epileptischen Anfall kolabiert. Arbeitshypothese der Ärzte: dabei hat er sich ein Gefäß verletzt. Außen ist aber nichts zu sehen, kein Bluterguss oder so. Mir hat ihre Nachfrage sehr gut getan. Danke.
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 04.07.2015
Gerne.
Bitte bewegen Sie die Kollegen dazu, Ihren Sohn solange auf Intensiv zu lassen, bis eine Gerinnungsstörung ausgeschlossen ist, auf Normalstation ist man vielleicht nicht schnell genug, wenn mal schnell gehen muss. Eine Massenblutung, die nicht gefunden wird ist höchst seltsam und unterstützt meine Theorie ziemlich. Und in einer Hauptstadt soll spezialgerinnung nicht möglich sein?
Sind Sie dort in einem grossen städtischen Krankenhaus?

Ich drück die Daumen. Grüsse, TR
 
mig17  sagt am 05.07.2015
Gestern Blutbild um 16:00 Uhr. Hämoglobin signifikant angestiegen. Leider hat die Mobilisierung des Darms mittels Abführmittel nicht geklappt. Hat zum Kotzen begonnen = Magensonde. Toll.

Ja, großes öffentliches Spital. Aber nicht AKH. Spezialgerinnung ja, aber nicht am Wochenende. Intensiv wird heute besprochen.
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 05.07.2015
Hallo Mig17,
der Darm braucht jetzt etwas Zeit-hier ist medikamentös noch viel Luft nach oben.
Deswegen noch keine Sorgen machen.

Grüsse, TR
 
mig16  sagt am 06.07.2015
Gestern wurde erstamals von einer Thrombozytenaggregationsstörung gesprochen. Am Freitag wurde doch ein größeres Blutbild gemacht. Der leitende OA hat mir erklärt: Die Frage nach dem Huhn oder dem Ei sei hier gegeben.Das Blutbild wurde ja erst NACH dem mass. Blutverlust angefertigt. Die Störung könnte ja auch durch den Blutverlust und das Fremdblut entstanden sein. Nächste Kontrolle in 2 Wochen, sollte die Besserung anhalten. LG aus Wien.
 
mig16  sagt am 06.07.2015
Übrigens: Hämoglobin auf 9.0 (ich vermute g/dl). Wo muss das denn gewesen sein, wenn von einem signifikanten Anstieg die Rede war?
 
mig16  sagt am 07.07.2015
Unser Sohn halbwegs stabil. Leichtes Fieber. Gestern waren 4 Säckchen gleichzeitig angehängt. Antibiotika, Schmerzmittel, und noch zwei. Besonders unangenehm: Dauerschluckauf und dauernd Durchfall, der bewusst herbeigeführt wurde, um den Darm zu mobilisieren. Sagt man mir. Schau`n wir mal. Nochmals Danke an Dr. Radebold.
 
mig16  sagt am 11.07.2015
Sohn entlassen. Allerdings hat er noch ein Säcken, um das Wundwasser aufzufangen. Montag Kontrolle. Auf dem Entlassungsbrief steht bei Diagnose: Thrombozytenaggregationsstörung. Kontrolle des Blutbildes in 3 Wochen. Dann ist es fix, ob er diese Störung hat. Solte man jetzt alle Halbgeschwister (gleicher Vater) untersuchen lassen? Ich mich auch? Danke.
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 11.07.2015
Hallo Mig16,
die Diagnose reicht so nicht aus-hier muss weiter getestet werden!
Denn je nach Typ der Störung gibt es Therapiemöglichkeiten vor Routineoperationen-aber auch gute Therapieregime für Notfälle.
Ihr Sohn sollte dies mit seinem Hausarzt besprechen und in einer internistisch-hämatologischen Abteilung weiter hämostaseologisch abgeklärt werden!!!
Für mich ist ein von Willebrand-Syndrom nach wie vor wahrscheinlich und bisher nicht wie gut ausdiagnostiziert-hier gibt es Untertypen, die unterschiedliche Therapien bedeuten.
(notwendige Tests:vWF-Antigen, Aktivität des vWF, Faktor VIII-Gerinnung-Aktivität,Ristocetin-induzierte Plättchen-Aggregation,vWF-Multimere).
Vielleicht nimmt Ihr Sohn diese Antwort am besten mit zu seinem Hausarzt, falls dieser meint, die weiterführende Diagnostik selbst machen zu können-zumindest in Deutschland sind die Hausärzte hiermit häufig überfordert).
Ich bin kein Gerinnungsspezialist, deswegen dies nur in Kürze. Es gibt auch noch die eine oder andere Gerinnungsstörung, die ebenfalls nicht ausgeschlossen ist. vW-Syndrom ist lediglich das aus meiner Sicht Wahrscheinlichste.

Wegen der Verdauung-kann jetzt ein wenig dauern, bis sich alles normalisiert hat.
Eine gute Unterstützung bietet das alte Hausmittel rohgeriebener Apfel-das enthaltene Pectin bindet Wasser, macht aber keine Verstopfung und reguliert so in die Mitte-grad bei Durchfall besser als alle Mittel, die so bei Reisedurchfall verkauft werden. Gibt es auch als Granulat, z.B. Aplona.
Ein gutes Getränk bleibt bei Kostaufbau schwarzer Tee, leicht gesüsst.

Grüsse und weiter gute Besserung,
TR
 
mig16  sagt am 11.07.2015
Vielen Dank für die Antwort. iIch hoffe, dass alle diese Untersuchungen in drei Wochen gemacht werden. Darf ich noch einmal nachfragen, ob Unersuchungen der Halbgeschwister nötig sind? danke
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 11.07.2015
Ich würde zunächst die Untersuchungen in 3 Wochen abwarten-dann sehen wir weiter.
Grüsse, TR
PS: falls in dieser Zeit jemand von den nächsten Verwandten operiert (auch kleine Sachen, z.B. Zahnextraktion) werden muss, sollte er die jetzige Geschichte unbedingt dem Operateur und Narkosearzt gegenüber ansprechen!
 
mig16  sagt am 21.07.2015
Die Hausärztin hat jetzt einmal ein allgemeines Blutbid erstellen lassen: Eisenmangel, sonst halbwegs OK, aber Thrombozyten auf 660 G / l. Nach Labor wäre der Normalwert 150 - 350 G/l. Wie lange benötigt denn ein Blutbild, bis es sich nach so einem Vorfall normalisiert hat? Danke.
 
mig16  sagt am 02.08.2015
Am Dienstag war der neuesete Befund da. Der Chirugrg hat meinen Sohn persönlich angerufen. (Schlechtes Gewissen??)

Siehe da: KEINERLEI Blutgerinnungsstörung. NICHTS !!!Erklärung des Herrn Dr. : Während der OP hätte so eine Störung bestanden. Jetzt nicht mehr. Begründung: Es gäbe angeblich ganz seltene (schon wieder??) Fälle, wo eine Infektion, z.B. durch den sehr stark vereiterten Blinddarm zu so einer Störung führen könnten.

Meine Einschätzung: Sohn ist ja nach der ersten OP vom Aufwachraum ins Zimmer gekommen. Hat dann irgendwann die Schwester gerufen, er müsse aufs WC. Die Schwester ließ ihn aufstehen und ging mit ihm mit. Dort ist Hanno mit einem Anfall, der an einen leichten epileptischen Anfall erinnerte, bewusstlos zusammengebrochen. Begründung: Der Schließmuskel hat verkrampft und er konnte die Blase nicht entleeren. (??)
Bei diesem Zusammenbruch haben sich im OP-Gebiet Blutungen eingestellt. Über Nacht wurde das dann lebensgefährlich. Daraus entstand vielleicht eine Störung der Gerinnung?. Gibt es so etwas?? Danke. Mein Sohn wird keinerlei rechtliche Schritte unternehmen, er ist froh, dass es (sehr) langsam aufwärts geht. LG/danke.
 
mig16  sagt am 04.09.2015
Meine Frage: Kann durch einen starken Blutverlust eine Gerinnungsstörung entstehen?

Danke.

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