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Sigmaresektion n. Divertikulitis Befund - Mein Erfahrungsbericht

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george-mountain  fragt am 17.05.2011
Ich weiß wie mich das Thema beschäftigt hat und ich im Vorfeld recherchiert habe und dankbar für jede Information war.

Ich bin vor 10 Tagen operiert worden, hier mein folgender,etwas ausführlicher Erfahrungsbericht:

Mein 1. Divertikel Schub ereilte mich in 2003, 2009 der 2. Schub, Anfang 2011 der 3. Da war mir klar, die Einschläge werden immer kürzer, ich sollte den Rat meines Gastroenterologen befolgen und mich bald operieren lassen. Die Schübe selbst waren mit hohen Antibiotika Therapien nach 10 Tagen, manchmal erst mit 2 x 10 Tagen Antibiotika Gabe beherrschbar. Die Begleitumstände sind nicht schön, aber erträglich. Meine größte Sorge galt einem Divertikel Durchbruch mit anschließender Sepsis. In meinen ( Alp-)Träumen ereilte mich dieses im Urlaub im Süden, natürlich am Wochenende, Einlieferung in das Regionalkrankenhaus in der toskanischen Kleinstadt, Diensthabender Assistenzarzt ruft alkoholisierten Oberarzt aus einer privaten Feier und dann schneiden die mir den Bauch auf, vom Scheitel bis zur Sohle, eine OP die man dort noch nie vorher gemacht hatte.

Dieser Traum verfolgte mich über Wochen, da stand mein Entschluß fest, so will ich nicht enden.

Ich erkundigte mich in einem nahe gelegenen Tumor- und Darmzentrum die große Erfahrung und Erfolge in der endoskopischen (minimal-invasiven) OP-Technik haben.

In einem sehr ausführlichen Aufklärungsgespräch habe ich hinterfragt wie oft die OP gemacht wurde, wie die Erfolgs- bzw. Misserfolgsrate ist. Wichtig schien mir die Frage, wie viele endoskopische OP´s wurden auch so beendet werden und nicht als offener Bauchschnitt beendet werden. Mir ist ein sog. Darmzentrum bekannt die von 100 endokopischen Eröffnungen 40 mit offener OP beenden, da kann was nicht stimmen, die können es dann halt nicht besser. Mein Operateur hat in den letzten 3 Jahren 400 endoskopische OP´s durchgeführt, mit einer Erfolgsrate von über 98 %, alle Fragen wurden erschöpfend beantwortet und viel Kompetenz vermittelt.

Montags früh ging es zum Krankenhaus, Zimmerbezug, Vorbereiten und dann zügig ab in den OP. Dort wurde ich von der Anästhesieschwester vorbereitet, Katheterzugänge gelegt und der Chef- Anästhesist legte mir präoperativ einen PDK Katheter, der den Schmerzverlauf besser steuern läßt. Das war schwierig, aufgrund eines Wirbelsäulenschadens (Scheuermann, lumbal) fand er keinen Zugang auf der richtigen Höhe und versuchte es etwas höher.

Dann kam schon die Betäubungsspritze, weg war ich........

Meine OP war lt. Operateur nicht einfach, heftige Verwachsungen und Fettgewebe, dass den Dickdarm umschlungen hatte. Es ist wohl sehr viel Zeit drauf gegangen den Darm frei zu präparieren, 28 cm sind dann schließlich entfernt worden.

Ich wache am Nachmittag in der Intensivstation auf mit doch großen Schmerzen im Bauchraum und heftigen Übelkeitsschüben. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der PDK Katheter nicht sein Ziel erfüllt hat, die Schmerzmittel kamen nicht da an wo Sie hin sollten. Also wurde ich an eine externe Schmerzmittelpumpe angeschlossen, den Bolus (Medikamentenschub) konnten ich selbst alle 20 min. neu auslösen. Das half, aber jedes mal mit großen Übelkeitsschüben verbunden. Bei optimaler Anlage des PDK läuft dass wohl besser. Am nächsten Tag wurde ich auf die Normalstation verlegt, immer noch mit großen Schmerzen aber es ging. Man stellte mich auf die Beine, ich dachte erst es reißt mir der Bauch auseinander, aber keine Sorge – er hielt. Es gab ein paar Löffel Suppe und einen Joghurt zu essen und natürlich Wasser zu trinken.
Ab dem nächsten Tag ging es spürbar aufwärts, ich sollte so oft es meine Kraft zuließ aufstehen und umher gehen, was ich auch gemacht habe, es gab wieder Suppe und Jioghurt. Am 4. Tag fühlte ich mich schon richtig gut, der Redon-Drain wurde gezogen, ich machte meinen ersten Ausflug zur Krankenhaus Cafeteria und trank meinen 1. Cappuccino, ab jetzt dachte ich nur an den Fortschritt und die Möglichkeit bald nach Hause zu kommen. Ab diesem Tag bekam ich leichte Vollwertkost zu essen. Am 5.Tag wurde der letzte intravenöse Zugang abgemacht, jetzt warteten alle auf den 1. Stuhlgang, der sich aber erst nach Gabe eines Microklistiers einstellte. Spät abends dann der 1. reguläre Stuhlgang ohne Hilfsmittel, ich kann mich nicht zurück erinnern jemals so große Freude über meine Ausscheidung empfunden zu haben. Der letzter (EAV?)Ablaufbeutel wurde am 6. Tag gezogen und ab jetzt war ich völlig ohne irgendeinen Fremdzu- oder abgang. Ein herrliches Gefühl. Am 7. Tag werden alle Pflaster getauscht gegen wasserdichte Pflaster, man will ja wieder duschen können. Am nächsten Morgen darf ich unmittelbar nach der Visite nach Hause gehen

Mittlerweile bin ich 1 Woche zu Hause, die Darmtätigkeit normalisiert sich zusehend, ich esse alles was ich möchte und vertrage auch alles. Mir geht es einfach blendend.

Ich erzähle meine Story um Entscheidungshilfe zu geben, denen die eine ähnliche diagnostische Konstellation haben, ich will keinen überreden, aber für mich kann ich sagen, dass ich ein neues unbeschwertes Lebensgefühl habe, vor allem fühle ich mich wieder sicher auf zukünftigen Reisen ins In- und Ausland. Kleiner Nebeneffekt, ich habe 5 kg abgenommen, werde weiter an meiner Gewichtsreduktion arbeiten, mich bewussster ernähren und mehr bewegen.
 
Malaika  sagt am 18.05.2011
hallo George - Mountain,
zunächst mal Respekt vor der Phantasie. Habe mal mit einer Lebensmittelvergiftung in einem türkischen krankenhaus gelegen. Waren alle ganz lieb aber keiner verstand mich. So habe ich den Tropf ( bin von Fach) immer wieder schneller gestellt und bin, nachdem ich bezahlt hatte, einfach gegangen.
Nun zum Thema. Danke für den Erfahrungsbericht. Mir steht das wohl auch bevor. War innerhalb von 3 Jahren 2x stat, wegen Divertikulitis. Habe 3 Darmspiegelungen hinter mir weil viele Polypen zu schnell wachsen, die werden dabei entfernt. Letzte Spiegelung war im Januar. Wenn nichts dazwischen kommt, soll ich im Dezember wieder hin.
Beide Elternteile und Oma sind an Darmkrebs gestorben, da macht man sich so seine Gedanken. Vorallem wenn man auch sonst noch so seine Probleme hat. Fühle mich aber in unserem Kankenhaus bestens versorgt. Habe das zur Genüge testen können.
Und das Abnehmen käme passend.
 
millennium  sagt am 06.08.2017
moin George,

ich habe mich vor 3 Wochen operieren lassen. Hatte schon seit 2009 eine Op-Empfehlung, mich aber immer gedrückt. Jetzt im Juli 2017 wurde die Op durchgeführt. Unter anderem auch wegen ähnlicher katastrophaler Urlaubsphantasien. Op verlief nach Plan, ohne großen Bauchschnitt. Nach 5 Tagen konnte ich nach Hause. Am 14. Tag post Op bin ich vorsichtig arbeiten gegangen. Da ich selbständig bin konnte ich die Belastung reduzieren.

Jetzt nach 3 Wochen habe ich immer noch mehrmals täglich Stuhlgang mit kleinen Ausscheidungen verbunden mit leichten Bauchkrämpfen. Da scheint noch einiges durcheinander zu sein. Ich hoffe das sich das noch von alleine regelt.
 
Ariadne  sagt am 18.08.2017
Hallo an alle , ich leide seid Jahren an unklaren starken Unterbauchschnerzen. Nun , nach einer Total OP , nachdem die Schmerzen immer wieder kamen , lautet die Diagnose , Sigmadivertikulitis. Seid Januar habe ich fast alle 4 - 6 Wochen einen Schub. Drei davon waren schon so extrem das ich eigentlich Glück hatte das nichts schlimmeres passiert ist. Den neuesten habe ich jetzt gerade. Mein Problem , der eine Arzt rät von einer OP ab da ich noch zu jung wäre. ( 54 ). Andere wiederum sagen ich sollte eine Evaluierung bzgl. elektiver Sigmaresektion im entzündungsfreien Intervall überdenken. Ich bin total verunsichert. Meine Schilddrüsen OP ist schon durch Arztfehler schief gelaufen. Stimmbandnerv wurde durchtrennt und so starke Blutungen das die OP abgebrochen werden musste da Lebensgefahr bestand. Und nun das. Ich bin alleine mit meiner Tochter, 20 Jahre ALT. Sie studiert und ich habe solche Angst was mit ihr wird wenn mir etwas passiert. Wir haben 2010 ihren Bruder beerdigt. Ich könnte nur noch heulen. Na ja , dann kommt der soziale Aspekt dazu. Ich habe zwar Arbeit und bin eine Arbeitgeber freundliche Mitarbeiterin , aber im Ernstfall ??? Mein Lebensgefährte hat mich eigentlich sitzengelassen , nach 17 Jahren , ohne Sicherheiten. Eigentlich nennt man das hier Heiratsschwindler, meine Ersparnisse sind weg und ich zahle noch einen Kredit ab wegen ihm. Dieser ist wenigstens abgesichert so das mein Kind im Ernsfall nicht zahlen muss. Mir geht so viel im Kopf rum. Wo kann ich mich noch kundig machen !? Wie es aussieht habe ich nicht mehr so viel Zeit um überlegen. Zur Venenop muss ich , zur Radiojodtherapie und ich möchte doch einfach nur arbeiten und meine Tochter versorgt wissen. Es wäre schön ein paar Ratschläge zu bekommen. Es tut gut sich mal ein paar Gedanken von der Seele zu reden, wenn auch in schriftlicher Form. Danke im voraus.
 
Dode61  sagt am 26.10.2017
Hallo George-Mountain,
Habe aktuell einen schlimmen Schub, die Abstände
Zwischen den Schüben werden immer kleiner.
Bin nun auf der Suche nach nem Spezialisten.
Wo bist du denn operiert worden?
Gibt es da eine Kontaktadresse??
Im Voraus vielen Dank
Lg
 
george-mountain  sagt am 29.10.2017
Hallo Dode,
die minimalinvasive OP ist heute Standard und in jeder Großstadt gibt es ein Zentrum für Darmchirugie. Einfach googeln. Ich war bei Prof. Jacobi in Wesseling bei Köln. Halte ihn für einen sehr guten Chirurgen, das Krankenhaus ist nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Mit der Narkose war ich nicht zufrieden und bei der postoperativen Betreuung ist noch viel Luft nach oben.
Alles Gute
G. M.
 
Subby  sagt am 25.08.2018
Ihre Tochter ist 20 und sollte schon selbst für ihr Unterhalt sorgen,ja Ihnen gar helfen.
Jetzt gilt es an sich und die eigene Gesundheit zu denken und alles dafür zu tun. Damit würden Sie sich selbst helfen.
Alles Gute.
 
Hinnerk  sagt am 07.09.2018
Dann will ich mal meine Erfahrung mit der Sigmaresektion zum Besten geben.
Vorgeschichte: Achtmal eine Divertikulitis innerhalb der vergangenen zehn Jahre. Jedes Mal erfolgte eine Antibiotikabehandlung durch die Hausärztin mit raschem Erfolg.
Beim letzten Mal aber (Februar 2018) war alles anders. Es erfolgte wieder eine Be-handlung mit Antibiotika, diesmal nach zehn Tagen ohne Erfolg. Also wurde weiter verordnet. An der Situation änderte sich jedoch nichts. Im Gegenteil, die Schmerzen wurden schlimmer. Jetzt erhielt ich von meiner Ärztin die Einweisung in die Klinik (zertifiziertes Darm-Zentrum).
Die dortige Diagnose im CT ergab eine verdeckt perforierte Divertikulitis. Es sollte sofort operiert werden mit der Eröffnung, dass ich unter diesen Umständen mit einem vorübergehenden künstlichen Ausgang rechnen müsse, der dann ca. vier Monate später wieder zurückgelegt werde.

Das war ein Schlag ins Kontor, wo doch unsere festgeplante und organisierte 90 Km-Wanderung auf der Bärenrunde in Finnisch Lappland anstand. Der Chefarzt und sein Oberarzt berieten sich, wobei der Oberarzt letztlich seinen Chef davon überzeugen konnte, es noch mal mit einer hoch dosierten intravenösen Antibiotikatherapie zu versuchen mit dem Ziel, den CRP-Wert so weit herunter zu drücken dass mit der OP noch gewartet werden kann, bis die Entzündung zurückgegangen ist und der künstliche Darmausgang zu einem Minimalrisiko geworden ist.

Es folgten fünf Tage des Bangens. Dann endlich ging der Entzündungswert herunter, so dass ich am achten Tag vorläufig entlassen wurde. Zuhause musste ich dann noch zwei Wochen ein Antibiotikum nehmen, insgesamt also sechs Wochen!

Acht Wochen später erfolgte dann eine Darmspiegelung beim Gastroenterologen und eine Woche später dann die OP. Diese sollte standartmäßig mikroinvasiv erfol-gen. Sehr schön.
Als ich auf der Wachstation gleich neben dem OP aufwachte und wieder halbwegs bei mir war muss ich wohl unter der Bettdecke mehr oder weniger unbewusst meinen Bauch nach meiner größten Angst abgetastet haben: Dem Stoma-Beutel. Da kam dann aber schon eine Ärztin, die mich aufklärte: Es sei alles gut verlaufen, meiner Wanderung stehe, wenn nicht noch irgendwelche Probleme auftreten sollten, nichts im Wege. Allerdings konnte wegen heftigen Verwachsungen nicht mikroinvasiv operiert werden, so dass ein 15 cm langer Bauchschnitt erfolgte und der Darm raus musste. Beim teils „blind schneiden“ wurde dann noch 15 cm des Darmes verletzt, so dass da zusätzlich genäht werden musste.
So hat dann die OP anstatt standartmäßig ca. 45 Minuten sagenhafte 5 ½ Stunden gedauert und den ganzen OP-Plan durcheinander gebracht.

Es folgte ein einwöchiger Krankenhausaufenthalt. Zwei Tage bekam ich nichts zu essen, ab dem dritten Tag Gemüsebrühe, zwei Tage später Schonkost. Die Schmer-zen waren in den ersten Tagen heftig aber erträglich, solange ich mich im Bett wenig bewegte und mich nicht viel drehte.
Dazu muss ich aber sagen, dass ich auf eigenen Wunsch keine Peridualanästhesie (PDA) bekam weil ich nach einer Spinalanästhesie anlässlich einer Kniespiegelung heftigste Kopfschmerzen und Hörprobleme hatte, die mich einen Monat lang so gut wie nicht schlafen ließen und die Behandlung bei einem Neurologen erforderlich machten. Das war geradezu die Hölle.
Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich auch bei evtl. zukünftigen Operationen keine Spinal- oder Peridualanästhesie wählen würde und lieber den OP-Schmerz für eine Weile akzeptiere.

Zuhause war ich dann noch ca. eine weitere Woche völlig ausgeschaltet. Meine Tätigkeiten beschränkten sich auf Körperpflege, Bedienung der Fernbedienung vom Fernseher, essen und trinken und meine Frau nerven.
Ach ja, zehn Tage nach der OP erfolgte dann die Entfernung der Klammern bei meiner Bauchnaht. Dabei hatte die Arzthelferin eine Klammer übersehen. Die habe ich dann als geübter Heimwerker selbst entfernt.

Fazit: Jetzt ist die OP vier Monate her und es ist längst alles gut. Die OP-Narbe be-reitet mit keinerlei Probleme. Meine Wanderung mit fast 20 Kg Anfangsgepäck verlief gut. Mit einem Stomabeutel wäre das in einer Gegend ohne fließend Wasser und üblichen „Hygienestandard“ wohl kaum möglich gewesen. Meine Frau hätte mich da wohl in Handschellen gelegt.

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