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Disc-FX - Funktionsweise und Ablauf

Lesezeit: 3 Min.

Wie geschieht eine Disc-FX®-Operation?

Die Bandscheiben (lat. Discus intervertebralis) verbinden die einzelnen Wirbelkörper der menschlichen Wirbelsäule miteinander. Sie dienen als "Stoßdämpfer" bei jedem Schritt und ermöglichen die gute Beweglichkeit der Wirbelsäule. Eine Bandscheibe ist von oben betrachtet etwa rund-oval und besteht aus einem weichen, geleeartigen Kern (Nucleus pulposus), der von einem festen Faserring (Anulus fibrosus) umgeben wird. Dieser Ring aus speziellem Kollagen (eine Bindegewebssubstanz) hält die Bandscheibe in ihrer Form. Über straffe Bänder sind die Bandscheiben und Wirbel miteinander verbunden.

Im Laufe des Lebens verändern sich bei jedem Menschen die Wirbel und die Bandscheiben durch die alltägliche Belastung der Wirbelsäule. Die Bandscheiben können nicht mehr so gut Wasser speichern und verlieren dadurch ihre Elastizität. Der Faserring wird porös und kann einreißen. Diese altersbedingten Veränderungen treten mehr oder weniger stark bei jedem Menschen auf und verursachen im Regelfall keine Probleme. Bei manchen Menschen kommt es allerdings dazu, dass sich die veränderte Bandscheibe nach hinten in den Rückenmarkskanal vorwölbt und dort die Nerven einengt, was zu starken Schmerzen, die bis in die Beine ziehen, führen kann.

Es handelt sich dann um einen Bandscheibenvorfall, im medizinischen Sprachgebrauch als Diskusprolaps bezeichnet. Von einem geschlossenen Bandscheibenvorfall wird gesprochen, wenn der Faserring noch intakt ist. Werden die Nerven bei ihrem Austritt aus dem Rückenmarkskanal stark eingeklemmt, kann dies auch Muskellähmungen der Beine und Gefühlsirritationen der Haut verursachen.

Das Disc-FX®-System dient der Verkleinerung der Bandscheibe, so dass diese sich nicht mehr in den Rückenmarkskanal vorwölbt und die Nerven nicht mehr eingeengt werden.
Das System besteht aus einer langen Sonde, die innen hohl ist und über welche einige Arbeitsgeräte eingeführt werden können. Diese Sonde wird über einen Griff an ihrem Ende gesteuert.

Bei einer Bandscheibenoperation mit Disc-FX® wird den Patienten ein beruhigendes Medikament verabreicht, das sie leicht schlafen lässt. Eine Vollnarkose mit Intubation und den damit verbundenen Risiken ist normalerweise nicht erforderlich. Der Patient liegt während des Eingriffs auf der Seite oder auf dem Bauch.

Der Rücken wird auf Höhe des Bandscheibenvorfalls desinfiziert und steril abgedeckt. Die Nerven in diesen Bereich werden örtlich betäubt (Lokalanästhesie). Die Haut über der kranken Bandscheibe wird seitlich der Wirbelsäulenmitte mit einem feinen Skalpell eingeschnitten, so dass die etwa zwei Millimeter dicke Sonde eingeführt werden kann. Sie wird schräg unter dem in diesem Segment austretenden Nerven bis zur Bandscheibe vorgeschoben.

Durch ein in der Sonde befindliches Endoskop, also eine spezielle Kamera, kann dieses Vorschieben kontrolliert werden, damit keine Nerven oder umliegenden Strukturen dabei beschädigt werden. Gleichzeitig wird die Position der Sonde über ein Röntgenbild überprüft. Das Röntgengerät befindet sich dafür am OP-Tisch und kann um den Patienten herum gedreht werden, so dass die Wirbelsäule und die Lage der Sonde aus allen Richtungen betrachtet werden kann.

Über die Kamera, deren Bild auf einen großen Bildschirm übertragen wird, kann der behandelnde Arzt den Zustand der erkrankten Bandscheibe beurteilen und sehen, wie weit sich diese in den Rückenmarkskanal vorwölbt. Anschließend wird mit einer sehr feinen Zange überschüssiges Bandscheibengewebe entfernt. Dabei können auch lose Anteile der Bandscheibe, die in den Rückenmarkskanal gerutscht sind, herausgeholt werden.

Das Besondere des Disc-FX®-Systems ist eine bipolare Elektrode, die extrem flexibel und gut steuerbar ist, so dass sie in alle Abschnitte der Bandscheibe eingeführt werden kann. Über diese Elektrode werden Radiowellen-Impulse eingebracht, die durch Hitzeentwicklung Bandscheibengewebe verdampfen und so die Bandscheibe insgesamt schrumpfen lassen (Radiofrequenztherapie). Die vorgewölbten Strukturen des Faserrings ziehen sich dadurch in ihre ursprüngliche Position zurück und schaffen wieder Platz für die Rückenmarksnerven. Mediziner bezeichnen diesen Vorgang des Schrumpfens durch Hitzeeinwirkung auch als Shrinking. Es dient der Verkleinerung und Korrektur sowohl des Faserrings als auch des Bandscheibenkerns. Durch diesen Radiowellen-Impuls, der nur auf das die Sonde umgebende Gewebe einwirkt, werden auch die sensiblen Nervenfasern in dieser Region verödet, so dass sie keine Schmerzsignale mehr weiterleiten können und der so genannte diskogene Schmerz ausgeschaltet wird.

Nach der Entfernung überschüssigen Bandscheibengewebes und der Verkleinerung durch Hitzeeinwirkung wird das Ergebnis über die endoskopische Kamera beurteilt. Eventuelle Nachkorrekturen können anschließend durchgeführt werden. Bei einer Operation mit dem Disc-FX®-System können auch mehrere vorgewölbte Bandscheiben in einer Sitzung behandelt werden.

V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 08.09.2017
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