Definition
Bei verschiedenen Knochenerkrankungen oder dem Verdacht darauf kann die Entnahme einer Knochenprobe (Knochenbiopsie) mit nachfolgender Untersuchung sinnvoll sein.
Ursachen
Die Probeentnahme kann bei unterschiedlichen Beschwerden beziehungsweise Erkrankungen der Knochen durchgeführt werden. Oft ist eine verminderte Knochensubstanz (z. B. bei Osteoporose, Osteomalazie) der Grund für die Untersuchung, aber auch bei weiteren Problemen des Knochenaufbaus und -abbaus (z. B. Morbus Paget), Tumoren sowie Entzündungen erfolgt manchmal eine Biopsie. Die Gewebeentnahme kann auch der Verlaufskontrolle solcher Erkrankungen dienen.
Osteoporose ist ein allgemeiner Knochenschwund mit meist nicht feststellbarer Ursache, die vor allem in höherem Alter oder bei Frauen in den Wechseljahren auftritt. Ein erhöhtes Risiko, an Osteoporose zu erkranken, besteht bei Rauchern, schlankem Körperbau und Bewegungsarmut. Spezielle Ursachen sind eine längere Cortisontherapie, Stoffwechselkrankheiten und Hormonkrankheiten.
Osteomalazie ist eine Knochenerweichung, die durch Vitamin-D-Mangel verursacht wird. Bei Kindern wird ein solches Krankheitsbild als Rachitis bezeichnet. Vitamin D kann über den Darm aufgenommen werden oder mit Hilfe von Sonnenstrahlen selbst vom Körper gebildet werden, daher können bei Osteomalazie beziehungsweise bei Rachitis Fehlernährung, Mangel an Sonneneinstrahlung, Darmstörungen oder auch Leber- und Nierenprobleme die Ursache sein.
Morbus Paget (Paget-Krankheit) ist eine Knochenerkrankung, deren Ursache nicht bekannt ist. Möglicherweise spielen Viren eine Rolle.
Knochentumore können vom Knochen ausgehen (z. B. Osteosarkom = bösartiger Tumor des Knochens), von weiteren Gewebeanteilen in der Nähe oder Absiedlungen von bösartigen Tumoren anderer Körperbereiche (Metastasen) im Knochen sein. Die Ursache der Tumore ist meist nicht feststellbar, die Entstehung kann durch verschiedene Faktoren (z. B. Strahlung, Morbus Paget) gefördert werden.
Eine Knochenentzündung (Osteitis) wird meist durch Bakterien verursacht, wenn diese bei einer Verletzung eindringen oder über die Blutbahn in den Knochen gelangen. Eine Abwehrschwäche, z. B. bei Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit), HIV oder durch bestimmte Medikamente, kann die Entzündung begünstigen.
Symptome
Bei Osteoporose kommt es allmählich zu einem zunehmenden Schwund der Knochensubstanz. Zunächst wird die Erkrankung oft nicht bemerkt, später können Schmerzen (insbesondere im Rücken) auftreten. Knochenbrüche sind bereits bei geringer mechanischer Einwirkung oder sogar ganz ohne äußeren Anlass möglich (so genannte pathologische Frakturen). Betroffen sind oft die Wirbelknochen, so dass es zu einem krummen und verkürzten Rücken kommt.
Bei Osteomalazie kommt es zu ähnlichen Beschwerden mit Schmerzen in den Knochen und Verformungen von Knochen, die mechanisch beansprucht werden, z. B. in den Beinen oder in der Wirbelsäule. Hinzu kommt oft Muskelschwäche.
Ein Morbus Paget wird oft nicht bemerkt. Häufig treten aber Beschwerden auf, die mit der Verdickung mit gleichzeitiger Verminderung der Festigkeit der Knochen zusammenhängen. Die Knochen (z. B. das Schienbein) verkrümmen sich, obwohl sie an Umfang zunehmen. Wenn der Schädelknochen durch die Erkrankung größer wird, kann es vorkommen, dass der Hut nicht mehr passt. Durch den vermehrten Anbau von Knochensubstanz können Nerven gequetscht werden, was sich als Lähmungserscheinungen und Gefühlsstörungen äußern kann.
Bei Knochentumoren bestehen oft lange keine Symptome. Es kommt zur Verdickung des Knochens mit eventuellen Schmerzen. Es kann zu einer Verminderung der Beweglichkeit am jeweiligen Körperteil kommen. Manchmal kommt es ebenfalls zu pathologischen Knochenbrüchen. Ist der Tumor bösartig, so kann es zur Absiedlung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) in anderen Körperbereichen kommen, die auch an dieser Stelle schwerwiegende Probleme bereiten können.
Bei einer Knochenentzündung (Osteitis) kommt es zu Schmerzen, Schwellung und Überwärmung am betroffenen Knochen, Eiter bildet sich. Durch die Entzündung kann es zu einer unwiederbringlichen Schädigung von Knochen- und Weichteilgewebe kommen. Später können sich unnatürliche Verbindungsgänge mit entzündlichem Inhalt bilden (Fisteln). Bei Ausbreitung des Erregers über die Blutbahn kann es zu einer allgemeinen Entzündung (Sepsis, so genannte Blutvergiftung) kommen. Begleitend zur Knochenentzündung treten oft eine Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis) oder eine Gelenkentzündung (Arthritis) auf.
Diagnose
Es erfolgt die Befragung des Patienten (Anamnese) sowie eine körperliche Untersuchung. In bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Szintigraphie, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können oft Veränderungen gesehen werden. Eine Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) ist oftmals wichtig. Blutuntersuchungen können ebenfalls sinnvoll sein.
Differenzialdiagnose
Die genannten Knochenerkrankungen müssen voneinander unterschieden werden, wozu die Knochenbiopsie dienen kann. Auch weitere Erkrankungen des umgebenden Gewebes können ähnliche Symptome aufweisen, z. B. die Osteochondrose, bei der es zum Verschleiß der Wirbelsäulengelenke kommt.
Therapie
Konservative Therapie
Bei vielen Knochenerkrankungen ist die Gabe von Medikamenten, z. B. Kalzium und Vitamin D, zum Knochenaufbau sinnvoll. Unterstützend kann eine Bewegungstherapie sowie eine Ernährungsumstellung vorgenommen werden. Bei Knochentumoren können manchmal eine Bestrahlung oder eine Chemotherapie angezeigt sein.
Operation
Die Entnahme einer Knochenprobe als chirurgische Maßnahme kann besonders bei Zweifelsfällen der genannten Erkrankungen vorgenommen werden, oder um eine Verlaufskontrolle zu erhalten.
Die Knochenbiopsie erfolgt in Regionalanästhesie (Betäubung eines größeren Körperbereiches) oder in Vollnarkose.
Falls der Eingriff am Arm oder am Bein stattfindet, wird manchmal eine stramme Manschette angelegt, um die Durchblutung vorübergehend zu stoppen (Blutsperre). Damit können Blutungen verringert und die Sicht auf den Operationsbereich gebessert werden.
Über einen Hautschnitt wird ein Zugang zum jeweiligen Knochen geschaffen und ein Stückchen herausgenommen. Bisweilen werden auch umliegende Gewebe entnommen, z. B. Anteile von Knochenhülle und Muskeln.
Falls sich eine stark verminderte Stabilität ergibt, so müssen bisweilen Fremdmaterialien, beispielsweise Schrauben und Platten oder Nägel, eingearbeitet werden.
Bei Entnahme eines großen Knochenanteils muss gegebenenfalls eigenes Knochengewebe übertragen werden, z. B. aus dem Beckenknochen. Manchmal wird auch Fremdknochen oder Knochenersatzmaterial zur Überbrückung des Defekts verwendet.
Manchmal werden nach den Maßnahmen Drainagen gelegt, um Wundsekret aufzufangen. Diese können nach einigen Tagen wieder herausgezogen werden. Meist wird ein Verband angelegt, gegebenenfalls auch stabilisierende Schienen oder ein Gips.
Das entnommene Probestück wird einer feingeweblichen Untersuchung (Histologie) zugeführt.
Mögliche Erweiterungen der Operation
Zur operativen Therapie kann bei Entzündungen und Tumoren die Entfernung des betroffenen Gewebes notwendig werden.
Falls sich unerwartete Befunde während der Probeentnahme zeigen oder wenn Komplikationen auftreten, kann es notwendig werden, weitere Maßnahmen durchzuführen, die zuvor nicht geplant waren.
Komplikationen
In den meisten Fällen ergeben sich durch eine Probeentnahme von Knochengewebe nur geringe Komplikationen. Durch die Operation können Strukturen in der Nähe geschädigt werden. Es kann zu Blutungen, Nachblutungen und Blutergüssen kommen. Infektionen, Wundheilungsstörungen und Narbenbildungen können auftreten. Durch Verletzung von Nerven kann es unter anderem zu Sensibilitätsstörungen oder Lähmungserscheinungen kommen. Durch eine eventuelle Blutstauungsmanschette können Druckschäden oder Lähmungen verursacht werden. Ein Knochenbruch kann während der OP vorkommen. Knochen und Muskeln können durch eine Bewegungseinschränkung schwächer werden. Auch ist es nicht ausgeschlossen, dass es zum so genannten Sudeck-Syndrom kommt, bei dem der Knochen stark abgebaut wird und sich eine schmerzhafte Entzündung ergibt. Die Bildung von Blutgerinnseln ist möglich. Im Kindesalter kann es zu Wachstumsproblemen kommen. Allergische Reaktionen jeden Schweregrades sind möglich.
Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.
Prognose
Bis ein Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung vorliegt, kann es ein bis zwei Wochen dauern. Die weitere Prognose sowie eventuell notwendige weitere Therapiemaßnahmen sind abhängig vom Befund beziehungsweise von der Erkrankung und ihrer Ausdehnung. Selten kann es allerdings vorkommen, dass nur ein nicht erkranktes Stück Knochen entnommen wurde und daher keine Krankheit nachgewiesen werden kann. In diesem Fall muss erneut eine Operation zur Probeentnahme erfolgen.
Hinweise
Vor der Operation
In vielen Fällen müssen Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, beispielsweise Marcumar® oder Aspirin®, vor einer Operation abgesetzt werden. Dies geschieht immer in Absprache mit dem Arzt.
Nach der Operation
Falls eine Operation unter ambulanten Bedingungen erfolgt, so sollte der Patient für 24 Stunden kein Auto mehr selbst fahren und keine Maschinen bedienen. Daher sollte er sich abholen lassen. Ebenfalls sollten bedeutsame Entscheidungen vertagt werden.
Ergeben sich stärkere Schmerzen, so können durch den Arzt Schmerzmedikamente gegeben werden.
Der betroffene Körperbereich muss einige Wochen lang besonders geschont werden. Eine Hochlagerung kann den Heilungsverlauf unterstützen. Der Bereich darf in der Zeit nicht belastet werden, möglicherweise sind Gehhilfen angezeigt. Die anderen Gelenke sollen viel bewegt werden. Krankengymnastik ist sinnvoll.
Sport und andere Aktionen mit Belastungseinwirkung auf den betroffenen Körperteil sollten erst dann ausgeübt werden, wenn der Arzt keine besondere Gefährdung mehr darin sieht.
Bei Besonderheiten, die auf Komplikationen hindeuten könnten, sollte der Arzt kontaktiert werden, um eine eventuell notwendige Behandlung durchzuführen.
Letzte Aktualisierung am 22.12.2009.