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Speiseröhrenkrebs, Ösophaguskarzinom

Der Speiseröhrenkrebs wird in der Regel erst sehr spät erkannt...


Definition

Das Ösophaguskarzinom, oder auch Speiseröhrenkrebs, ist ein selten vorkommender bösartiger Geschwulst (Tumor) der Speiseröhre (Ösophagus). Das Karzinom kann in allen Bereichen der Speiseröhre auftreten.

Je nachdem aus welchem Gewebe der Tumor entspringt, unterscheidet man zwischen 2 Hauptformen von Speiseröhrenkrebs: die Plattenepithelkarzinome und die Adenokarzinome.

 

  • Plattenepithelkarzinome (80 – 85 % der Tumore)
    Sie entwickeln sich aus der Speiseröhrenschleimhaut, die auch Plattenepithel genannt wird und können entlang der Speiseröhre bis in den Halsbereich auftreten.
  • Adenokarzinome (ca. 20 %)
    Bösartiger Geschwulst, der sich aus dem Drüsengewebe entwickelt. Sie sind besonders im unteren Drittel der Speiseröhre zu finden. Die Tendenz der Adenokarzinome ist in den letzten Jahren eher steigend.


Obwohl das Ösophaguskarzinom mit einer Inzidenz (Krankheitshäufigkeitvon 10/100 000 Einwohner /Jahr eine seltene Tumorerkrankung ist, steigt die Sterblichkeit seit 1970 (besonders unter Männern) stark an. Auch die Zahl der Adenokarzinome nimmt in den letzten 15 Jahren, aus bisher nicht eindeutig erklärbaren Gründen, rasch zu.

Männer erkranken in Deutschland an Speiseröhrenkrebs etwa vier mal häufiger und im Mittel 8 Jahre früher als Frauen. Das Durchschnittsalter liegt bei den Männern bei 62 Jahren und bei den Frauen bei 69 Jahren.Der Spontanverlauf beim Ösophaguskarzinom ist eher ungünstig, die mittlere Lebenserwartung nach Auftreten von Schluckstörungen (Dysphagie) beträgt im Durchschnitt etwa 8 Monate.

 

Ursachen des Ösophaguskarzinoms

Genaue Ursachen für die Entstehung von Speiseröhrenkrebs sind bislang nicht bekannt.

Jedoch gibt es bestimmte Faktoren, die das Erkrankungsrisiko erhöhen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Rauchen und erhöhter Alkoholkonsum (wichtigste Risikofaktoren bei der Entstehung des Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre)
  • unausgewogene Ernährung: wenig Obst und Gemüse, sehr heiße Speisen und Getränke, sowie scharfe Gewürze (chronisch thermische Noxen)
  • Rückfluss von Magen- und Gallensäure aus dem Magen in die Speiseröhre (Reflux). Chronischer Säurerückfluss fördert die Entstehung des Barret-Syndrom, eine krankhafte Veränderung der unteren Ösophagusschleimhaut die als Vorstufe des Adenokarzinoms der Speiseröhre aufgefasst werden kann


Weitere Risikofaktoren bei der Entstehung von Speiseröhrenkrebs können auch Viren sein, da man bei vielen Tumoren der Speiseröhre wiederholt Papillomviren nachgewiesen wurden. Diskutiert werden außerdem als mögliche Ursachen Verätzungen der Speiseröhre, Speiseröhren-Divertikel (Ausbuchtung der Speiseröhre) sowie die Achalasie (seltene, gutartige Erkrankung der Speiseröhre, die mit Schluckstörungen einhergeht), die aber bislang nicht bewiesen sind.

 

Symptome beim Speiseröhrenkrebs

Im Anfangsstadium der Erkrankung treten noch keine Beschwerden auf, so dass der Krebs durch mangelnde Symptomatik im Frühstadium schwer zu diagnostizieren ist. Beschwerden machen sich in den meisten Fällen erst dann bemerkbar, wenn die Erkrankung weit fortgeschritten ist. Patienten berichten häufig über Schluckbeschwerden, die durch die tumorbedingte Verengung der Speiseröhre entstehen. Da die Speiseröhre ein dehnbares Organ ist, entwickeln sich die Schluckstörungen erst langsam und schleichend. Der Patient kriegt oft nichts mit.

Anfangs treten die Beschwerden erst bei Aufnahme fester Nahrung auf, später dann auch bei flüssiger und weicher Nahrung. Die aufgenommene Nahrung kann sich an der Verengung der Speiseröhre stauen, kommt nicht durch und kann ein Druckgefühl auslösen. Patienten verspüren oft ein Druck hinter dem Brustbein und müssen erbrechen.

Weitere Beschwerden die Hinweis auf ein Ösophaguskarzinom geben können sind, Würgereflex beim Schlucken von Speisen, Schmerzen und Krämpfe im Bereich der Speiseröhre, Sodbrennen, häufiges Aufstoßen, Heiserkeit und Gewichtsverlust.

 

Diagnose

Besteht der Verdacht auf Speiseröhrenkrebs werden notwendige Untersuchungen durchgeführt um die Diagnose sicher zu stellen oder auszuschließen. Mit den Untersuchungen kann man feststellen um welche Tumorart es sich handelt, wo genau er lokalisiert ist und in welchem Stadium der Tumor sich befindet.

Für die Diagnostik stehen folgende Untersuchungsverfahren zur Verfügung:                           

• Ösophago-Gastroskopie

Spiegelung von Speiseröhre und Magen, mit einem flexiblen, fingerdicken Instrument aus Fiberglas, das vorne mit einer Lichtquelle und einer Kamera ausgestattet ist (Endoskop). Der Arzt führt das Endoskop durch den Mund und Schlund des Patienten in die Speiseröhre und Magen ein. Die Schleimhaut der Speiseröhre und des Magens kann nun auf einem Bildschirm betrachtet werden. Bei auffälligen Schleimhautveränderungen, kann man mit einer kleinen Zange (an der Spitze des Endoskop mit vorhanden) Gewebsproben entnehmen (Biopsie). Diese Proben werden anschließend histologisch auf Krebszellen untersucht. Erst nach der histologischen Untersuchung kann die Diagnose sicher gestellt werden. Die Patienten müssen für diese Untersuchung nüchtern sein, d.h. am Tag der Untersuchung weder essen noch trinken. Kurz vor Untersuchungsbeginn wird dem Patienten ein Lokalanästhetikum (Substanz, die eine örtliche Betäubung bewirkt) in den Rachen gesprüht, um die Schmerzempfindung aufzuheben. Die Ösophagoskopie wird ambulant durchgeführt und dauert in der Regel etwa 20 Minuten.
 

Ösophagus-Breischluck

Darstellung der Speiseröhre mit Kontrastmitteln. Bei der Röntgenaufnahme der Speiseröhre schluckt der Patient breiförmiges Kontrastmittel mit dem Ziel Lage, Form und Verengungen, die durch den Tumor verursacht werden, besser zu beurteilen. Die Untersuchung erfolgt in der Regel auch ambulant.
 

Computertomographie (CT) des Brust- und Bauchraumes

Die CT-Aufnahmen werden für die genaue Bestimmung der Tumorausbreitung und der Metastasensuche angefertigt. Durch die Aufnahmen ist ein Befall von Lymphknoten oder Lungen gut zu erkennen. Bei der Untersuchung werden dem Patienten wieder Kontrastmittel verabreicht. Es handelt sich hierbei um eine schmerzlose Methode, mit sehr geringer Strahlenbelastung.
 

• Endosonographie

Spezielle Form der Ultraschalluntersuchung mit einer Schallsonde der direkt in die Speiseröhre vorgeschoben wird. Die Untersuchung wird an der Speiseröhrenwand und ihrer Umgebung durchgeführt. Durch diese Methode kann man eine Aussage darüber treffen, wie tief der Tumor in der Wand der Speiseröhre sitzt und ob umgebende Lymphknoten befallen sind.

 
Ist die Diagnose eines Ösophaguskarzinoms gestellt, versucht man im nächsten Schritt die Ausbreitung der Erkrankung festzustellen. Dazu können neben den oben genannten Untersuchungen noch durchgeführt werden die Kernspintomographie, Laparaskopie (Spiegelung der Bauchhöhle) und PET (Positronen-Emissions-Tomographie).
 

Differentialdiagnose zu einem Ösophaguskarzinom

Das Hauptsymptom des Ösophaguskarzinom sind die Schluckbeschwerden (Dysphagie). Diese können auftreten bei Erkrankungen des Rachenraums die mit Entzündungen oder Abszess einhergehen. Es können auch zentralnervöse Störungen vorliegen, z.B. nach einem Schlaganfall mit Hirnstammbeteiligung, Parkinson Syndrom, Multiple Sklerose u.a.

Weitere wichtige Erkrankungen mit dem Symptom der Dysphagie können sein Ösophagusdivertikel (lokal begrenzte Ausbuchtungen der Speiseröhrenwand), Ösophagusspasmen, Refluxösophagitis, Fremdkörper, Verätzungen u.a.
 

Therapie des Speiseröhrenkrebs

Die Therapie des Ösophaguskarzinom ist abhängig von der Ausbreitung der Erkrankung, die zum Zeitpunkt der Diagnosestellung vorliegt. Auch das Alter des Patienten, sowie der allgemeine Gesundheitszustand sind bei der Therapiewahl ausschlaggebend.

Als Behandlungsmethoden stehen zur Verfügung:

• Operation

Ziel der Operation ist die komplette Entfernung des Tumors, mit einer vollständigen Heilung. Sie ist die Therapie der Wahl. Je nach Stadium und Lokalisation des Tumors wird die Speiseröhre teilweise oder vollständig entfernt. Ist der Tumor auf die Schleimhaut begrenzt, kann er unter Erhalt der Speiseröhre entfernt werden. In den meisten Fällen ist jedoch eine vollständige oder teilweise Entfernung der Speiseröhre erforderlich, der dann durch den Magen ersetzt wird (Magenhochzug). Ist der Magen als Speiseröhrenersatz nicht geeignet, kann man ein Segment des Dickdarms oder Dünndarms nutzen. Bei der Operation entfernt der Chirurg neben dem Tumor auch das umgebende gesunde Gewebe mit, um zu verhindern dass sich evtl. vorhandene Tumorzellen hier erneut ausbreiten.

• Strahlentherapie

Ziel der Strahlentherapie ist die Vernichtung der Krebszellen. Sie wird oft mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie) kombiniert durchgeführt. Ist eine Operation nicht mehr möglich kommt die Strahlentherapie zum Einsatz. In frühen Tumorstadien ist eine Heilung noch möglich (15%), doch liegt der Tumor bereits im späten Stadium vor, kann die Strahlenbehandlung lediglich zur Linderung von Beschwerden und Schmerzen eingesetzt werden. Bei der Bestrahlung können nicht alle Tumorzellen zerstört werden, insbesondere im Tumorbereich sind die Aussichten eher ungünstig. Die Bestrahlung kann sowohl extern als auch intern erfolgen. Extern bedeutet wenn die Strahlen direkt durch die Haut auf die Tumorregion einstrahlen. Von einer internen Bestrahlung spricht man, wenn strahlende Materialien durch kleine Plastikschläuche in das Tumorgebiet eingeführt werden. Die interne Bestrahlung ist effektiver, weil der Tumor direkt einer hohen Strahlendosis ausgesetzt ist und das umgebende Gewebe dabei weitgehend geschont bleibt.Die Bestrahlung wird ambulant durchgeführt und dauert mehrere Wochen.

• Chemotherapie

Ösophaguskarzinome sprechen auf eine Chemotherapie kaum an. Eine Heilung des Karzinoms allein durch Gabe von Zytostatika (zellwachstumshemmende Medikamente) ist nicht möglich. Trotzdem setzt man in fortgeschrittenen Stadien diese Methode an, um den Tumorwachstum zurückzudrängen oder für kurze Zeit zu stoppen um die Lebensqualität der Patienten zu steigern. Bei nicht entfernbaren Tumoren kann aber die Chemotherapie mit der Strahlentherapie kombiniert werden, um noch eine Geschwulstverkleinerung zu erreichen. Nach Verkleinerung des Tumors ist unter Umständen noch eine vollständige Entfernung möglich.

• Lasertherapie

Bei der Lasertherapie werden Tumorknoten mit einem Ösophagoskop per Laserlicht entfernt und die oberflächliche Schicht verdampft. Vorteil der Behandlung ist, sie wirkt sofort und der Nachteil ist, durch die Lasertherapie werden nur oberflächliche Knoten behandelt so das Knoten aus der tiefe rasch wieder nachwachsen. Daher muss die Laserbehandlung ständig wiederholt werden.

• Stent

Die Einengung der Speiseröhre, die durch das Wachstum des Tumors bedingt ist, kann mit einem Maschendrahtröhrchen mit Kunststoffüberzug bzw. einem Kunststoffröhrchen (Stent) überbrückt werden. So wird die Speiseröhrenpassage weiter offen gehalten. Kann ein Stent nicht eingesetzt werden, besteht die Möglichkeit der Anlage einer Ernährungsfistel (perkutane endoskopische Gastrostomie).

 
Prognose des Speiseröhrenkrebs

Eine frühe Diagnose ist lebenswichtig für eine erfolgreiche Behandlung. Denn je früher der Speiseröhrenkrebs erkannt wird, d.h. wenn der Tumor nur auf die Schleimhäute beschränkt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit auf vollständige Heilung durch eine Operation. Doch befinden sich leider die Krebserkrankungen bei vielen Patienten bei Diagnosestellung schon im weit fortgeschrittenen Stadium, so dass eine Heilung kaum noch möglich ist. Die Prognose ist hier eher schlecht. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei nur 15%. Auch bei vollständiger Entfernung des Speiseröhrenkrebs, ohne Vorliegen von Metastasen beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate nur 35%. Man beobachtete außerdem in 70% der Fälle ein erneutes Auftreten (Rezidiv) des Tumors an gleicher Stelle. Doch die Lebensqualität kann man durch die Kombination mit Chemotherapie und Strahlentherapie deutlich verbessern.
 

Hinweise für Patienten

Beim Ösophaguskarzinom ist eine Frühdiagnose von großer Bedeutung. Es ist wichtig frühzeitig Warnsignale wahrzunehmen und ihnen nachzugehen. Wenn typische Symptome wie Schluckbeschwerden, Gewichtsverlust, Sodbrennen, häufiges Aufstoßen beobachtet werden, sollten Sie aufmerksam sein, einen Arzt aufsuchen und die Ursache klären lassen.

Zudem sind in ganz Deutschland Krebsberatungsstellen durch die Ländergesellschaften der Deutschen Krebsgesellschaft aufgebaut worden. Patienten und ihre Angehörige können hier jederzeit Informationen und praktische Hilfe von fachlich Kompetenten und erfahrenen Mitarbeitern erhalten.

Speiseröhrenkrebs | Ösophaguskarzinom | Tumor | Operation | Tumore | Verengung



Letzte Aktualisierung am 21.12.2009.

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