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Entnahme Nervenwasser, Liquor, Lumbalpunktion

Die mikroskopische und chemische Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) ist von großer diagnostischer Bedeutung

Definition Lumbalpunktion

Bei Verdacht auf bestimmte Erkrankungen des Nervensystems oder zur Verlaufskontrolle kann eine Entnahme von Nervenflüssigkeit über eine Nadel in der Lendengegend vorgenommen werden (Lumbalpunktion). Die Flüssigkeit wird dann im Labor auf ihre Zusammensetzung untersucht.

Ursachen

Um Gehirn und Rückenmark herum bewegt sich eine Flüssigkeit, der so genannte Liquor (Liquor cerebrospinalis). Dieses Nervenwasser dient zur stoßarmen Lagerung von Gehirn und Rückenmark sowie zur Ernährung der Zellen. Bei Erkrankungen kann die Flüssigkeit veränderte Bestandteile aufweisen. Am deutlichsten sind die Veränderungen bei Entzündungen im Bereich des Gehirns und Rückenmarks. Oft können Parameter bestimmt werden, die im Blut oder im Urin normal oder nicht vorhanden sind.

Häufig wird die Lumbalpunktion bei Verdacht auf Meningitis (Hirnhautentzündung) und Enzephalitis (Gehirnentzündung) vorgenommen. Diese Entzündungen können durch Bakterien oder Viren, selten auch durch andere Krankheitserreger verursacht werden. Die Keime können über das Blut, über fortschreitende Entzündungsherde oder über eine Eröffnung des Liquorraumes (z. B. nach Schädelverletzungen) an die Hirnhäute oder das Gehirn gelangen.

Ebenfalls sinnvoll sein kann eine Lumbalpunktion zur Diagnostik der Krankheit Multiple Sklerose (MS). Dabei handelt es sich um eine nervliche Erkrankung, bei der das Abwehrsystem körpereigenes Gewebe, in diesem Fall die Hüllen der Nervenfasern, angreift (Autoimmunerkrankung).

Weitere Verdachtsdiagnosen, bei denen eine Lumbalpunktion durchgeführt werden kann, sind unter anderem eine Blutung unter die Hirnhaut (Subarachnoidalblutung), wenn diese nicht in der Computertomographie sichtbar ist, Syphilis im Hirnhaut- und Hirnbereich, Tumore beziehungsweise Leukämie sowie das Guillain-Barré-Syndrom, das ebenfalls eine Autoimmunerkrankung von Nerven darstellt.

Symptome

Bei Meningitis (Hirnhautentzündung) kommt es zu Kopfschmerzen, Fieber und einer Schonhaltung des Nackens aufgrund der starken Schmerzhaftigkeit bei Bewegung, die auf die Hirnhäute einwirkt. Bei Enzephalitis (Entzündung des Gehirns) kommt es zu Schläfrigkeit, Verlangsamung oder Bewusstlosigkeit und weiteren neurologischen (nervlichen) Auffälligkeiten wie Lähmungen oder Krampfanfällen. Hirn- und Hirnhautentzündung können auch zusammen als Meningo-Enzephalitis auftreten.

Multiple Sklerose äußert sich durch langsam fortschreitende nervliche Ausfälle, z. B. Seheinschränkungen, Hörverminderung, Lähmungen und Sensibilitätsstörungen.

Bei einer Subarachnoidalblutung bestehen oft Kopfschmerzen, eine Nackensteifigkeit und Bewusstseinseintrübungen oder Bewusstlosigkeit. Weitere neurologische Symptome sind möglich, z. B. Lähmungen.

Diagnose

Nach der Befragung des Patienten (Anamnese) erfolgt die körperliche Untersuchung, oft mit neurologischem (nervenheilkundlichem) Schwerpunkt. Bei vielen der Erkrankungen wird eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt. Eventuell werden die Hirnströme gemessen (EEG, Elektroenzephalogramm). Weitere spezielle Untersuchungen können je nach dem Krankheitsbild erforderlich sein.

Differenzialdiagnose

Die genannten Krankheiten müssen voneinander unterschieden werden und von anderen Erkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen können, abgegrenzt werden. Dazu kommen abhängig vom Beschwerdebild eine Vielzahl von Krankheiten in Betracht.

Therapie

Konservative Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung, die unter anderem durch die Lumbalpunktion festgestellt werden kann.

Operation

Die Lumbalpunktion erfolgt oftmals unter örtlicher Betäubung, da sie schmerzhaft sein kann.

Der Patient sitzt vor dem Arzt oder liegt auf der Seite. Die Hautstelle über der Lendenwirbelsäule wird desinfiziert. Eine Kanüle wird in den Zwischenraum zweier Wirbelknochen eingestochen und vorsichtig bis in den Wirbelkanal geschoben. In der Regel wird eine Stelle zwischen dem dritten und vierten oder dem vierten und fünften Lendenwirbel genommen. Da das Rückenmark im Wirbelkanal bereits oberhalb der Entnahmestelle endet, ist eine mechanische Schädigung des Rückenmarks sehr unwahrscheinlich. Über die Hohlnadel wird eine bestimmte Menge Hirnflüssigkeit herausgezogen. In der Regel wird nur wenig Nervenwasser entnommen, um Hirn und Rückenmark nicht zu belasten.

Im Rahmen der Lumbalpunktion kann es sinnvoll sein, den Hirnwasserdruck (Liquordruck) zu bestimmen. Dazu wird ein Steigrohr an der Kanüle befestigt. Ebenfalls über die Hohlnadel können Arzneimittel in den Liquor gegeben werden (intrathekale Therapie), damit diese den Wirkort unmittelbar erreichen.

Am Ende des Eingriffs wird die Kanüle herausgezogen, und ein Tupfer wird aufgedrückt. Daraufhin wird ein Pflaster auf die Einstichstelle geklebt.

Das entnommene Nervenwasser wird dann im Labor nach seiner chemischen Zusammensetzung, nach Krankheitserregern sowie nach Zellen untersucht.

Mögliche Erweiterungen der Operation

Nur sehr selten ist es notwendig, weitere Maßnahmen durchzuführen, die nicht geplant waren, z. B. beim Auftreten von Komplikationen.

Komplikationen

Die Lumbalpunktion beinhaltet vergleichsweise wenige Risiken, die meist nicht schwerwiegend sind. Während des Eingriffs kann es zu Schmerzen kommen, unter anderem dann, wenn durch die Nadel ein Nerv getroffen wird. Kopf- und Rückenschmerzen können nach dem Eingriff vorkommen, die in den meisten Fällen von alleine wieder verschwinden, selten aber auch längerfristig bestehen bleiben können. Ebenso sind Übelkeit und Erbrechen möglich. Blutungen, Nachblutungen und Blutergüsse im Einstichbereich können vorkommen. Entzündungen (z. B. auch eine Hirnhautentzündung) und Reizungen sind möglich. Wird ein Nerv geschädigt, so kann es zu Sensibilitätsstörungen, Lähmungserscheinungen oder anderen Funktionsausfällen wie z. B. Hör- und Seheinschränkungen kommen, die in den allermeisten Fällen nicht dauerhaft sind. Durch eine Kreislaufreaktion kann es sehr selten zu Bewusstlosigkeit kommen. Allergische Reaktionen verschiedenen Schweregrades, beispielsweise auch durch eingespritzte Mittel, sind möglich.

Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Prognose

In vielen Fällen kann durch die Lumbalpunktion eine genaue und sichere Diagnose erfolgen. Auch der Schweregrad kann ungefähr festgestellt werden.

Die Prognose ist abhängig von Art und Schwere der Erkrankung und kann anhand der Lumbalpunktion und den weiteren Untersuchungen abgeschätzt werden.

Hinweise

Vor der Operation

Gegebenenfalls müssen Arzneimittel, die die Blutgerinnung hemmen, beispielsweise Aspirin® oder Marcumar®, abgesetzt werden. Dies geschieht immer in Rücksprache mit dem Arzt.

Nach der Operation

Falls die Lumbalpunktion unter ambulanten Bedingungen mit Medikamentenwirkung erfolgt, so muss der Patient beachten, dass er für 24 Stunden kein Auto, keine anderen Verkehrsmittel und keine Maschinen selbst bedienen darf. Daher sollte er sich abholen lassen. Bedeutsame Entscheidungen sollten ebenfalls vertagt werden.

Eventuell muss nach der Punktion Bettruhe eingehalten werden. Der Patient sollte ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Weitere Anordnungen des Arztes sollten befolgt werden.

Ergeben sich Beschwerden, die auf Komplikationen hindeuten, so sollte rasch der Arzt benachrichtigt werden.

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Letzte Aktualisierung am 22.12.2009.

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