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Niedriger Blutdruck, Hypotonie

Bei niedrigem Blutdruck ist es wichtig, die Ursache herauszufinden...

Definition 

Niedriger Blutdruck oder Hypotonie besteht ab systolischen Werten unter 100 mmHg. Der normale Blutdruck liegt bei 120/80 mmHg, wobei der erste, höhere Wert der systolische und der zweite der diastolische ist. Systolisch bedeutet, dass das Herz in dieser Zeit das Blut in den Kreislauf pumpt, in der Diastole hat es eine Ruhepause und schlägt nicht. Misst man den Blutdruck mit einem manuellen Blutdruckmessgerät, wird eine Gummimanschette um den Oberarm gelegt und Luft hinein gepumpt bis kein Blut mehr durch die Arterien fließt. Dann lässt man ein wenig Luft ab, gerade bis das Blut wieder durch die Arterien strömt, um den systolischen Druck zu ermitteln. Diesen Wert erkennt man durch ein einsetzendes Geräusch, das durch Verwirbelungen des strömenden Blutes entsteht.
Sobald man die Geräusche mit einem Stethoskop über der Arterie hören kann, liest man den entsprechenden Wert auf einer Skala ab. Wenn dann nach weiterem Luftablassen die Geräusche gerade nicht mehr zu hören sind, ist der Blutdruck erreicht, der während der Diastole in den Arterien besteht. Die beiden Werte werden in Millimeter Quecksilbersäule angegeben, abgekürzt mmHg.

Ursachen

Es gibt zwei Formen der Hypotonie mit ihren jeweiligen Unterformen: einerseits die arterielle, andererseits die orthostatische Form.

Die arterielle Hypotonie wird in die

  • konstitutionelle, auch primäre oder essentielle Form und die
  • sekundäre Hypotonie eingeteilt.

Die konstitutionelle Hypotonie tritt oft bei jungen, schlanken Frauen auf, ist meist familiär bedingt und hat keinen Krankheitswert. Anders ist es bei der sekundären Form. Hier kann der niedrige Blutdruck durch Medikamente entstehen, die ihre Wirkung auf den Herzkreislauf haben, zum Beispiel Medikamente die das Herz regelmäßiger schlagen lassen (Antiarrhytmika), Mittel gegen zu hohen Blutdruck (Antihypertonika), gefäßerweiternde Mittel, Mittel für eine verbesserte Herzdurchblutung, aber auch andere Medikamentengruppen wie bestimmte Psychopharmaka.

Auch bei Erkrankungen des Hormonsystems wie einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), einer Nebennierenrindenunterfunktion, der Hypophysenvorderlappenunterfunktion oder einem Mangel an Aldosteron (Hypoaldosteronismus) werden Blutdruck regulierende Hormone nicht mehr ausreichend produziert und der Blutdruck sinkt.

Ist das Herz nicht in der Lage den nötigen Druck aufzubauen, spricht man von einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Ist die Auswurfbahn durch eine Aortenenge (Aortenstenose, Enge der Hauptschlagader) verkleinert, kann es ebenso zu einer Hypotonie kommen wie wenn das Herz unregelmäßig schlägt (Arrhythmie), eine Herzbeutelentzündung vorliegt (Perikarditis) oder der seltene Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) besteht.

Ist das Blutvolumen zu gering, kann auch das eine Hypotonie auslösen, zum Beispiel akut nach starkem Blutverlust durch eine Verletzung, oder wenn dem Blut viel Wasser entzogen wird, wie bei schlimmen Brech-Durchfällen. Dasselbe passiert, wenn man zu wenig trinkt, was besonders häufig bei älteren Menschen der Fall ist.

Auch ein niedriger Natriumwert im Blut hat den gleichen Effekt, da das Natrium Wasser anziehen kann. Fehlt es, tritt Flüssigkeit aus dem Blut in das Gewebe über und fehlt somit im Blut.

Sogar die Kondition des Körpers hat eine Wirkung auf den Blutdruck. Zum Beispiel ist es nicht ungewöhnlich, dass der Körper durch eine lange Bettlägerigkeit sich an die verminderte Kreislaufbeanspruchung durch einen erniedrigten Blutdruck angepasst hat.

Nach Infektionskrankheiten oder bei Fieber ist der Körper oft so geschwächt, dass es vorübergehend zur Hypotonie kommt.

Eine ganz andere Form ist die orthostatische Hypotonie. Sie tritt nur auf, wenn der Betroffene aufsteht, meist aus der Hocke, aus dem Liegen heraus oder nach längerem Sitzen. Das Problem ist, dass das Blut durch die Schwerkraft erstmal in den Beinvenen versackt und somit zu wenig Blut beim Herzen ankommt. Normalerweise kommt es dann beim Gesunden zu einem erhöhten Herzschlag und die Arterien ziehen sich zusammen, so dass es zu einer systolischen Blutdruckerhöhung kommt. Reicht dieser Mechanismus nicht aus, die Hirndurchblutung über einen bestimmen Wert zu halten, kommt es zu Schwindel oder sogar zu kurzem Bewußtseinsverlust (Synkope). Besonders gefördert wird es durch ruhiges Stehen, da die Muskelpumpe, die das Blut aus den Venen zum Herzen drückt, nicht aktiviert wird. Ist es sehr warm, wird die Haut zur Abkühlung des Körpers stark durchblutet, so dass noch mehr Blut abgezweigt wird und ein orthostatischer Kollaps droht.

Man sieht das Phänomen oft bei Popkonzerten: es ist sehr warm, die Zuhörer können sich kaum bewegen und ausreichend Wasser haben sie vorher auch nicht getrunken (dann muss man seltener auf Toilette). Da unter anderem das Nervensystem den Blutdruck reguliert, kann es bei einer Störung leicht zur Hypotonie kommen. Da der Blutdruck unter anderem durch Teile des Nervensystems reguliert wird, kann er durch eine Störung des Systems, zum Beispiel nach einer Gehirnerschütterung, sehr niedrig sein. In diesem Fall hält der niedrige Blutdruck aber höchstens ein paar Tage an.

Auch bei Diabetikern mit lang bestehenden zu hohen Blutzuckerwerten kann das Nervensystem geschädigt werden. Andere häufige Krankheiten, die das Nervensystem angreifen, sind unter anderem Morbus Parkinson und Multiple Sklerose, so dass man bei diesen Patienten gehäuft eine Hypotonie beobachten kann.

Symptome

Im Gegensatz zur orthostatischen Hypotonie sind die Symptome einer arteriellen Hypotonie nicht akut. Die Betroffenen leiden meist unter verminderter Leistungsfähigkeit, sie sind schneller ermüdbar und schlafen mehr. Typisch ist auch die morgendliche Anlaufzeit, die der Betroffene braucht, um fit für den Tag zu sein. Es kann auch zu Konzentrationsstörungen, depressiven Verstimmungen, Schlafstörungen und innerer Unruhe kommen, ebenso zu kalten Händen und Füßen.

Dahingegen treten die Symptome einer orthostatischen Hypotonie direkt nach dem Aufstehen auf. Dem Betroffenen wird meist schwindelig und schwarz vor den Augen, manchmal wird auch von einem Tunnelblick berichtet, auch Ohrensausen und Kopfschmerzen sind nicht selten. Bei manchen Menschen kommt es bei einer bestimmten Form der orthostatischen Hypotonie neben Herzklopfen zu Schmerzen in der Herzgegend, zu einem Beklemmungsgefühl oder zur Kaltschweißigkeit mit Blässe. Als Extremreaktion kann es dann zur Bewusstlosigkeit mit unkontrollierten Stürzen und in Folge dessen sogar zu Knochenbrüchen oder Kopfverletzungen kommen.

Diagnose

Die Diagnose geschieht zunächst durch eine Befragung des Patienten nach den genauen Umständen (Anamnese). Besteht der Verdacht auf einen erniedrigten Blutdruck, muss dessen Ursache gesucht werden. Eine der wichtigsten Untersuchungen ist der Stehversuch nach Schellong, bei dem der Patient zunächst 10 Minuten liegen muss, anschließend 10 Minuten steht. Dabei wird nach einem bestimmten Zeitschema der Blutdruck gemessen. Liegt eine Kreislauffunktionsstörung vor, kann sie mit dieser Methode identifiziert werden. Ebenso wichtig ist die Langzeitblutdruckmessung mit einem tragbaren Gerät über 24 Stunden.

Liegt der Verdacht auf eine vasovagale Synkope vor, also ein kurzer Bewußtseinsverlust durch das Versacken des Blutes in den Beinen (durch den Vagusnerven bedingt), wird ein Kipptischtest vorgenommen, um den Verdacht zu bestätigen. Zunächst muss der Patient auf einem speziellen Tisch 15 Minuten liegen. Danach wird der Tisch um 60 bis 90 Grad aufgerichtet und der Patient 45 Minuten in dieser Lage beobachtet. Tritt eine Synkope auf, ist sie vasovagal bedingt.

Für die Diagnose einer orthostatischen Hypotonie mit kurzer Bewusstlosigkeit (Synkope) steht eine Vielzahl an weiteren, speziellen Untersuchungen zur Verfügung, da sie durch verschiedenste Erkrankungen und Umstände verursacht sein kann.

Je nach Ergebnis schließen sich weitere Ausschlußuntersuchungen an wie eine Blutuntersuchung auf verschiedene Hormone, ein EKG das Herzrhythmusstörungen und Zeichen einer Herzschwäche wiedergibt oder eine Untersuchung um eine Aortenenge zu sehen.

Differenzialdiagnose

Differenzialdiagnostisch kommen für eine Hypotonie verschiedene Erkrankungen in Frage. Neben einer durch Medikamente verursachten Hypotonie kann Hormonmangel durch verschiedene Organunterfunktionen daran schuld sein.

Ebenso kann ein niedriger Blutdruck durch Blutvolumenmangel verursacht sein, zum Beispiel nach größerem Blutverlust, nach schweren Brandverletzungen, nach starkem Schwitzen, bei Fieber, mangelnder Flüssigkeitszufuhr und erniedrigten Salzwerten im Blut, die ebenfalls durch starkes Schwitzen oder durch zu salzarme Getränke hervorgerufen sein können.

Ein anderer Schwerpunkt liegt bei Herzfunktionsstörungen wie bei der Aortenenge (Aortenstenose), Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Herzrhythmusstörungen, Herzbeutelentzündung (Perikarditis), Lungenhochdruck (pulmonale Hypotonie) oder als akutes Ereignis der Lungenembolie, bei der das linke Herz nicht genügend Blut bekommt, um es in die Arterien des großen Blutkreislaufs zu pumpen.

Die Differenzialdiagnosen der orthostatischen Hypotonie mit Bewusstlosigkeit (Synkope) sind sehr zahlreich. Es gibt neben häufigen Ursachen wie der Zerstörung des Nervensystems bei schlecht eingestelltem Diabetes mellitus (Polyneuropathie) andere neurogene Erkrankungen, die als Symptom unter anderem eine Hypotonie haben, wie der Morbus Parkinson und die Multiple Sklerose.

Bei Schwangeren tritt gelegentlich das Vena-Cava-Kompressionssyndrom auf, bei dem das heranwachsende Kind bei der liegenden Frau die große untere Hohlvene abdrücken kann und damit zu einem zu geringen Blutrückstrom zum Herzen führt, ähnlich als wenn das Blut in den Beinen versackt.

Bei einigen Menschen kommt es beim Lachen, Husten oder nach dem Stuhlgang zu einer Synkope, weil ebenfalls der Blutrückstrom durch zu hohen Druck im Brustkorb eingeschränkt ist.

Besonders bei älteren Menschen sieht man manchmal eine Synkope nach dem Essen, da dann der Darm besser durchblutet wird und dem großen Körperkreislauf somit das Blut sozusagen entzogen wird. Ähnliches passiert bei sehr warmer und schwüler Umgebungsluft, wenn der Körper versucht, die Wärme über die Haut durch eine erhöhte Hautdurchblutung abzugeben. Bei manchen Betroffenen kommt es beim Kopfdrehen oder durch zu enge Krawatten zu einer Synkope, meist ist das Karotis-Sinus-Syndrom daran schuld. Bei diesem Syndrom kommt es durch eine überschießende Reflexantwort der Druckrezeptoren in der Halsschlagader (Arteria Carotis) zu einer Aktivierung des Vagusnerven, der das Herz bremst (Bradykardie), es kommt weniger Blut im Gehirn an, was zur Bewusstlosigkeit führen kann.

Andere Zustände die mit einer Hypotonie einhergehen sind zum Beispiel Allergien oder Schockzustände, die wiederum auf vielerlei zurück zu führen sind.

 

Therapie

Wenn man eine Ursache gefunden hat, stützt sich die Therapie natürlich darauf, die Ursachen zu beseitigen. Sind zum Beispiel Medikamente daran schuld, kann man die Medikamentendosis versuchen zu reduzieren oder auf andere Präparate umzustellen. Bei einer Aortenenge würde man eventuell operieren, um sie zu beseitigen.

Bei einer orthostatischen Hypotonie kommen des öfteren Medikamenten zum Einsatz. Hier gibt es verschiedene Ansatzmöglichkeiten, zum einen kann man den Sympathikus, also das aktivierende Nervensystem, anregen. Dadurch kommt es zu einer Verengung der Arterien und einem erhöhten Herzschlag, welches ja auch bei Gesunden die normale Reaktion auf das Versacken des Blutes in den Beinen ist. Eine andere Medikamentengruppe, die Mineralokortikoide, erhöhen das Blutvolumen, indem sie die Salzausscheidung durch die Nieren verringern und somit mehr Wasser im Gefäßsystem verbleibt. Bei der medikamentösen Therapie muss man allerdings bedenken, dass es immer unerwünschte Nebenwirkungen gibt und sie manchmal mehr schädigen als nutzen.

Alternative Therapien sind, wenn es zur Bewusstlosigkeit gekommen ist, das Hochlagern der Beine, um das darin versackte Blut wieder zum Herzen zu bringen. Oft kommen die Betroffenen aber schnell von selber wieder zu sich. Besser ist es jedoch, die Vorzeichen einer Synkope wie Herzklopfen, Sehstörungen, Schwindel und Ohrensausen zu erkennen und sich dann hinzusetzen oder zu hinzulegen. Hat sich der Kreislauf nach wenigen Sekunden erholt, kann der Betroffene nun ganz langsam aufstehen. Zusätzlich hilft es, vorher mit den Zehen zu wackeln und die Füße abwechselnd anzuziehen und zu strecken. Das aktiviert nämlich die Muskelpumpe, erhöht den venösen Blutfluss und beugt gleichzeitig einer Venenthrombose vor. Den gleichen Effekt haben Stütz- oder Kompressionsstrümpfe, die vor allem bei langem Stehen die Venen unterstützen und Thrombosen sowie Krampfadern vorbeugen.

In manchen Kliniken kann man ein Kipptischtraining machen, das aber auch durch ein einfaches Kreislauftraining durch Ausdauersport, kalt-warme Wechselbäder zum Gefäßtraining und Bürstenmassagen zur Bindegewebsstärkung erreicht werden kann.

Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr muss zusätzlich geachtet werden. Geeignet sind besonders grüne und schwarze Teesorten sowie salzhaltige Getränke. Ungeeignet sind Leitungswasser und salzarme Mineralwasser, überhaupt sollte die Ernährung eine ausreichende Menge Salz enthalten.

Prognose

Die Prognose einer Hypotonie ist sehr gut, auch dann wenn sie nicht geheilt werden kann. Zu niedriger Blutdruck ist nur gefährlich, wenn Stürze durch Bewußtseinsverlust zu Verletzungen führen. Sehr unglücklich und sicherlich sehr selten kann es durch einen unsanften Fall zu einer Kopfverletzung mit Hirnblutung kommen, dies passiert aber nur bei Arteriosklerose, also eher bei älteren Menschen.

 

Hinweise für Patienten

Eine Hypotonie ist an sich nicht gefährlich und muss in vielen Fällen gar nicht behandelt werden. Zuerst sollte der Patient die alternativen Therapiemöglichkeiten wie ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Gefäßtraining, eventuell auch Stützstrümpfe nutzen, bevor er Medikamente nimmt. Dies ist nicht nur wegen der Nebenwirkungen und des geringen Aufwandes für wenig Geld vorzuziehen, die meisten Fälle sind damit sehr gut therapiert.



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

verfasst am 15.09.2006, aktualisiert am 07.05.2010.
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Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Niedriger Blutdruck

 
sagt Flitzepiepe   vor > 2 Jahre  4982

Längere Zeit oder wiederholt unter 100 -> Ab zum Arzt!!

 
niedriger blutdruck   1 Antworten   Letzte Antwort
sagt BessaWissa   vor > 3 Jahre  1782

is doch normal

 
Niedriger Blutdruck   1 Antworten   Letzte Antwort
sagt RS----   vor > 5 Jahre  2350

Hallo,

auf alle Fälle ist ein Arztbesuch und damit verbunden eine 24h-Blutdurckmessung anzuraten.
In der Apotheke gibt es zudem frei ... mehr

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