Eine Lungenembolie entsteht durch einen plötzlichen Verschluss von Blutgefäßen in der Lunge. Häufig entsteht der Verschluss durch einen fortgeschwemmten Blutgerinnsel (Thrombose), der meistens in den Beinvenen (ca. 60 Prozent) oder den Beckenvenen (ca. 30 Prozent) entspringt. In der Frühphase der Thromboseentwicklung kann sich der Thrombus von der Venenwand losreißen, da er hier noch instabil ist. Das losgerissene Gerinnsel wird in der Medizin auch als Embolus bezeichnet. Das Gerinnsel schwimmt nun über die Blutbahn durch das Herz und wird in die Lungen eingespült. Der Embolus verstopft das Gefäß und hat zur Folge, das der Lungenanteil hinter dem Verschluss nicht mehr durchblutet wird. Als Folge erweitern sich die verbliebenen Blutgefäße (Arterien) der Lungen, um den Blutfluss des verschlossenen Gefäßes zu kompensieren. Damit steigt der Blutdruck im Lungenkreislauf. Besteht über einen längeren Zeitraum ein erhöhter Blutdruck im Lungenkreislauf, so kann dies zu einer Herzüberlastung mit lebensbedrohenden Herzrhythmusstörungen führen.
Wird die Lungenembolie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, so kann es infolge der gestörten oder unterbrochenen Durchblutung zu einem Lungeninfarkt (abgestorbenes Lungengewebe) kommen.
Patienten die zur Thrombosebildung neigen, haben demnach ein erhöhtes Risiko für eine Lungenembolie.
Die Lungenembolie wird in 4 Stadien eingeteilt, man unterscheidet:
Klinik: kurzfristige oder keine Symptome
Durchblutungsbehinderung: < 25%
Klinik: leichte Atemnot und beschleunigter Puls
Durchblutungsbehinderung: 25% - 50%
Klinik: starke Atemnot, Kollaps
Durchblutungsbehinderung: > 50%
Klinik: starke Atemnot, Kollaps und Schock
Durchblutungsbehinderung: > 50%
Die Lungenembolie tritt relativ häufig auf und betrifft etwa ein Prozent aller Krankenhauseinweisungen. Mit zunehmendem Alter tritt sie auch gehäuft auf, da besonders ältere Patienten Ablagerungen an den Gefäßen aufweisen. Somit ist auch jeder zweite Patient älter als fünfzig Jahre. Frauen sind häufiger an einer Lungenembolie betroffen als Männer.
Allein in Deutschland versterben jährlich etwa 20.000 bis 40.000 Menschen an einer Lungenembolie und nur bei einem Drittel der Patienten konnte der Embolus vor dem Tode noch diagnostiziert werden.
Die Lungenembolie führt unter den Lungenerkrankungen am häufigsten zum Tode. Ungefähr jeder vierte Betroffene überlebt die Lungenembolie nicht.
Die Lungenembolie kann verschiedene Ursachen haben. Hierzu gehören:
In den meisten Fällen wird eine Lungenembolie durch eine Venenthrombose ausgelöst.
Die Blutgerinnsel entstehen meistens in den Beinvenen oder Beckenvenen und sind aufgrund ihrer Größe besonders gefährlich. Die Gerinnsel werden von ihrem Entstehungsort losgerissen (meistens durch einen erhöhten Druck im Bauchraum, z.B. nach Pressen auf der Toilette), mit dem Blutstrom durch das Herz durchgeschleust und bleiben in den großen oder kleinen Lungengefäßen stecken.
Die Hauptursachen, die zu einer Thromboseentstehung führen sind:
Es gibt keine typischen Beschwerden, die auf eine Lungenembolie hinweisend sind. Die Symptome sind unter anderem abhängig von der Größe des Blutgerinnsels. Bei den kleinen Lungenembolien treten häufig keine Beschwerden auf, manchmal besteht nur ein kurzzeitig vorhandener Husten. Dagegen treten bei großen Lungenembolien folgende Beschwerden schlagartig auf:
Kleine Lungenembolien verlaufen in der Regel symptomlos und können daher nur mit Spezialuntersuchungen nachgewiesen werden. Die Beschwerden können auch unter Umständen schubweise auftreten, wenn sich ein Blutgerinnsel nur langsam ablöst und etappenweise in die Lunge eingeschwemmt wird.
Bei Verdacht auf eine Lungenembolie muss sofort der Notarzt gerufen werden. Denn wenn größere Anteile der Lunge betroffen sind, kann sie schon nach kurzer Zeit zum Tode führen.
Als mögliche Folgen einer Lungenembolie können auftreten:
In erster Linie wird der Patient nach seinen akut vorhandenen Beschwerden und anderen Erkrankungen (Anamnese) befragt. Im Anschluss erfolgt dann eine körperliche Untersuchung, sowie weitere technische Untersuchungen um eine sichere Diagnose stellen zu können.
Folgende Erkrankungen können ähnliche Symptome aufweisen und sollten daher immer ausgeschlossen werden:
Die Therapie richtet sich im wesentlichen nach dem Stadium der Erkrankung.
Egal in welchem Stadium sich der Patient befindet, eine Heparingabe (Antikoagulantien) ist immer erforderlich. Die blutgerinnungshemmende Behandlung mit Heparin wird immer sofort durchgeführt. Sie wird in einer konstanten Dosierung über einen Venenzugang infundiert und bewirkt, dass das Gerinnsel nicht mehr weiter wächst und verhindert auch dass weitere neue Gerinnsel gebildet werden.
Bei schweren Lungenembolien, dass entspricht Grad III-IV, wird eine Fibrinolyse durchgeführt.
Die Therapie einer Lungenembolie kann man in eine primäre, zur Besserung des akuten Krankheitszustandes und in eine sekundäre Therapie, zur Vorbeugung neuer Embolien, unterteilen.
Wichtig ist in erster Linie die Bettruhe, sowie die Gabe von Sauerstoff. Zudem leiden die Patienten neben der quälenden Atemnot unter starken Schmerzen, die mit schmerzstillenden Medikamenten (Analgetika) behandelt werden.
Die wichtigste Behandlung ist die Gabe von Fibrinolytika. Das sind Medikamente die das Blutgerinnsel auflösen und die Gefäße wieder durchgängig machen. Fibrinolytika werden jedoch nur bei einer akuten schweren Lungenembolie eingesetzt, da sie bei den Patienten, wenn auch nur kurzfristig, zu einer Blutungsneigung führen können. Daher darf sie nur nach Abwägung aller Risikofaktoren angewendet werden. Risikofaktoren für gefährliche Blutungen können zum Beispiel sein, kurze Zeit zurückliegende Magen-Darm-Blutungen oder ein stark erhöhter Blutdruck. Gelingt es dem Ärzteteam nicht, das Blutgerinnsel medikamentös aufzulösen, so versucht man den Gefäßverschluss mittels Gefäßkatheter oder einer Operation zu eröffnen.
Bei dieser Methode wird ein Katheter bis an den Blutgerinnsel herangeführt und mechanisch zerstört oder abgesaugt. Neben der mechanischen Zerstörung wird zusätzlich an der Stelle des Verschlusses ein thromboseauflösendes Medikament eingespritzt, welches das Gerinnsel direkt angreifen kann.
Dieses Verfahren wird bei chronisch rezidivierender Lungenembolie und hochgradig verstopften Lungenarterien durchgeführt. Es handelt sich hierbei um einen gefäßchirurgischen Eingriff, der in Vollnarkose gemacht wird. Mit dem Eingriff werden verschlossene Lungengefäße ausgeräumt und dadurch die Durchgängigkeit der Gefäße wiederhergestellt.
Ziel der Sekundärtherapie ist, das neue Entstehen von Thrombosen zu verringern. Hierzu gehören die:
Bei der Antikoagulation wird die Blutgerinnung medikamentös unterdrückt (z.B. Marcumar). Diese Medikamente werden dem Patienten in der Regel etwa ein halbes Jahr bis ein Jahr lang verabreicht. Nach dem Absetzen der Medikamente besteht bei einigen Patienten erneut die Gefahr, dass sie Thrombosen ausbilden. Daher sollte man bei besonders gefährdeten Patientengruppen oder bei Patienten mit Krebserkrankungen die Blutgerinnung weiterhin unterdrücken (zum Teil lebenslang notwendig).
Generell sollte man nach jeder Operation die Patienten versuchen so früh wie möglich zu mobilisieren. Das heißt, die Patienten müssen aufgefordert werden wenigstens einige Schritte zu laufen, um dadurch den Blutstrom anzuregen.
Durch Kompressionsstrümpfe wird auf die Beinmuskulatur ein Druck ausgeübt, der verhindert, dass die Muskeln sich nicht nach außen dehnen, sondern nach innen auf die Gefäße drücken. Somit fördert sie den Blutrückfluss und wirkt wie eine Venenpumpe, so fließt auch das Blut in den verengten Gefäßen wieder schneller.
Wenn sich bei einem Patienten trotz medikamentöser Therapie immer wieder Thrombosen bilden, die zu gefährlichen Lungenembolien führen können, so kann man hier einen Cava-Schirm (eine Art Sieb) in die Hohlvene einpflanzen. Dieser Sieb kann die gelösten Teilchen auffangen und verhindert, dass die Blutgerinnsel in die Lunge gelangen.
Die Heilungschancen bei einer Lungenembolie sind unter anderem abhängig von der Größe des Embolus und der Dauer des Bestehens, sowie den erneuten Embolieereignissen.
Man sollte wissen, eine Lungenembolie kann lebensgefährlich sein und im schlimmsten Fall tödlich enden. Doch in den meisten Fällen wird sie von den Patienten kaum wahrgenommen und hinterlässt meistens keine Folgen. Ist das Gerinnsel klein genug, so kann es, nachdem es in der Lunge festsitzt, durch natürliche Abbauprozesse aufgelöst werden. Es dauert in der Regel einige Tage bis Wochen, bis sich das kleine Gerinnsel auflöst. Große Gerinnsel dagegen können nach kurzer Zeit, dass heißt innerhalb Stunden oder gar Minuten, zum Tod führen. Daher ist in diesen Fällen eine sofortige Gabe von thromboselösenden Mitteln als wichtigste Sofortmaßnahme durchzuführen. Zudem wird unter konsequenter Therapie ein erneutes Auftreten einer Lungenembolie stark vermindert.
Entsteht aufgrund eines Verschlusses ein Lungeninfarkt, so kann auch dieses in der Regel wieder abheilen, so dass die Lunge wieder normal funktioniert.
Man sollte alle Risikofaktoren, die zu einer Bildung eines Blutgerinnsels führen können, ausschalten. Im folgenden werden wichtige Maßnahmen aufgelistet, die das Risiko stark herabsetzen.