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Lungenentzündung, Pneumonie

Die Lungenentzündung ist eine Entzündung des Lungengewebes...

Definition Lungenentzündung

Eine Lungenentzündung oder Pneumonie ist eine Entzündung des Lungengewebes. Die Hauptstruktur der Lunge als einziges Organ des Sauerstoffaustausches bilden die Lungenbläschen (Alveolen). Sie sind der Endpunkt des Atemweges und hängen wie Weintrauben an den kleinsten Bronchien (Bronchiolen). Die Atemluft strömt durch die Luftröhre in die Bronchien, die sich verzweigen und sich zu Bronchiolen verkleinern, an deren Ende die Alveolen hängen, in deren Inneren der Gasaustausch stattfindet. Um die Alveolen fließt in feinen Gefäßen das Blut, so dass die Atemgase durch die Gefäßwand und die dünne Alveolenwand hindurch wandern können.

ei der Lungenentzündung gibt es verschiedene Kriterien, um sie einzuteilen.

Den Arzt interessiert es, ob die Lungenentzündung "zu Hause" (ambulant) oder in der "Klinik" (nosokomial) erworben wurde, weil dann andere Erreger in Frage kommen.

Man kann die Entzündung auch in typisch und nichttypisch oder atypisch einteilen. Die atypische Pneumonie zeigt nämlich nicht die typischen Symptome und findet sich oft bei anderen Grunderkrankungen, die dann besonders behandelt werden müssen.

Eine weitere wichtige Einteilung betrifft die Ausbreitung in der Lunge. Sind nur die Bronchien als Luftwege betroffen, ist das eine Bronchitis und hat nichts mit einer Lungenentzündung zu tun. Greift die Entzündung auf das umliegende Gewebe über, entsteht eine Bronchopneumonie. Eine Lappen- oder Lobärpneumonie bezieht sich auf einzelne Lungenlappen und ist anatomisch begrenzt, im Gegensatz dazu ist eine atypische, interstitielle Lungenentzündung auf das gesamte Lungengewebe verteilt.

Ursachen der Lungenentzündung

Die häufigste Ursache einer Lungenentzündung ist eine Infektion mit Bakterien, Viren, Pilzen oder Protozoen (das sind tierische Einzeller). Bei bakteriellen Infektionen sind es meist Pneumokokken und Hämophilus influenzae, die eine Pneumonie auslösen.

Bei AIDS-Kranken und abwehrgeschwächten Patienten tauchen eher Erreger auf, die seltener eine Pneumonie verursachen. Hierzu gehören bestimmte Bakterien wie Legionellen, Pilze (Aspergilluspneumonie, Candida, Pneumocystis jirovecii), bestimmte Viren (besonders Herpesviren) oder Protozoen wie Toxoplasma.

Manchmal kommt es nach einer Bestrahlungstherapie der Lunge wegen Lungenkrebs zu einer Entzündung (Strahlenpneumonie). Ebenso können Reizgase, die zum Beispiel bei einem Wohnungsbrand entstehen, eine Lungenentzündung verursachen.

Bei Schlaganfallpatienten mit ausgefallenem Schluckreflex kann es zur Einatmung (Aspiration) von Magensaft kommen. Die Säure greift das Gewebe an und verursacht die Entzündung. Natürlich kann das auch bei Bewusstlosen oder anderen Personen ohne Schutzreflexe passieren.

Werden Fremdkörper verschluckt, die einen Ast der Luftröhre verlegen, kommt es wegen mangelnder Belüftung hinter dem Hindernis meist ebenfalls zur Pneumonie.

Ähnliches gilt, wenn die Lunge nicht richtig durchblutet wird. Zum Beispiel wenn bei einer Lungenembolie eine Blutbahn in der Lunge verstopft ist, aber es kann auch eine Linksherzschwäche vorliegen, bei der sich das Blut bis in die Lunge zurück staut. Das schafft gute Bedingungen für eine Entzündung.

Auch bettlägerige Menschen sind häufiger betroffen, weil bei ihnen meist der Blutdruck erniedrigt ist. Da die Durchblutung der Lunge stark mit der Belüftung zusammen hängt, kann es dadurch schell zu einer Lungenentzündung kommen.
 

Symptome einer Pneumonie

Man unterscheidet nach den Symptomen zwei Arten der Lungenentzündung:

die typische und die nicht typische (atypische) Pneumonie.

Bei der typischen Pneumonie findet man neben plötzlichem hohen Fieber über 39 Grad Celsius mit Schüttelfrost auch Husten, der am Anfang trocken ist und später eitrigen Auswurf fördert, eine schnelle Atmung (Tachypnoe) und beim Abhören ein typisches Atemgeräusch. Im Röntgenbild der Lunge ist meist ein eindeutiges Muster zu sehen, das sich zum Beispiel nur auf einen Lungenlappen bezieht (Lobärpneumonie).

Bei einer atypischen Lungenentzündung ist der Beginn langsam, die Temperatur bleibt unter 39 Grad Celsius, die Atmung ist höchstens ein wenig schneller und der Husten kaum ausgeprägt, die Blutwerte sind fast normal und im Röntgenbild sieht man eine verstreute, auf das Bindegewebe bezogene Entzündung.

Diagnose der Lungenentzündung

Die Diagnose einer typischen Pneumonie ist meist schnell gefunden. Neben den typischen Symptomen Fieber mit Schüttelfrost, zunächst trockenem Husten der später eitrigen Auswurf fördert, hört der Arzt beim Abhören oft ein typisches Geräusch über dem betroffenen Teil der Lunge. Mit einem Röntgenbild ist eine genauere Diagnose möglich. Mit einer Kultur des Auswurfs können die verursachenden Erreger angezüchtet und das geeignete Antibiotikum herausgefunden werden.

Eine atypische Lungenentzündung zeigt zwar nicht die typischen Symptome, aber an Hand des Allgemeinzustandes ist der Verdacht schnell geäußert. In einem Röntgenbild sieht man dann meist das verstreute Muster der atypischen Pneumonie und eine Erregeranzucht aus einer Lungenspülung zeigt den Erreger.

 

Differenzialdiagnose

Die Lungenentzündung kann durch verschiedene Grunderkrankungen sozusagen als Begleiterkrankung entstehen. Eine häufige Differenzialdiagnose sind Erkrankungen, die die Abwehr schwächen. Das kann durch Medikamente geschehen, wie sie zum Beispiel nach Organtransplantationen eingesetzt werden um das Immunsystem daran zu hindern, das Organ wieder abzustoßen (Immunsuppressiva). Auch Menschen mit AIDS sind gefährdet, da bei Ihnen ab einem bestimmten Wert die Abwehrzellen nicht ausreichen, Krankheitserreger abzutöten. Oft bekommen sie dann eine atypische Lungenentzündung durch Pneumocystis jirovecii.

ine andere Kräfte zehrende Erkrankung wie Krebs kann ebenfalls ab einem gewissen Stadium Lungenentzündungen fördern. Das gilt insbesondere für Lungenkrebs, da er oft durch Wachstum in einen Ast der Luftröhre diese blockiert und dadurch hinter dem Verschluss eine gute Grundlage für eine Lungenentzündung bildet. Und bei dem weißen Blutkrebs (Leukämie) werden nicht genügend funktionierende Antikörper fürs Immunsystem gebildet.

Ist die Durchblutung durch eine Embolie in einem Teilbezirk der Lunge gestört, können sich Erreger ungehindert dort ausbreiten.

Bei einer Herzschwäche des linken Herzens kann das Blut nicht weitergepumpt werden und staut sich in der Lunge. Durch den verminderten Blutfluss kommt es leichter zu einer Pneumonie. Bei manchen Menschen schließt der Verschlussmuskel am Mageneingang nicht mehr richtig. Besonders im Schlaf, also im Liegen, können dann kleine Mengen Magensäure in die Luftröhre laufen und eingeatmet werden (Aspiration). Der dauernde Reiz durch die Säure kann zu einer Pneumonie führen. Diese Patienten haben meistens tagsüber Sodbrennen und schlafen lieber mit erhöhtem Oberkörper.

Manchmal kommt es bei Bewusstlosigkeit oder bei Erkrankungen mit ausgefallenem Schluck- und Hustenreflex wie dem Schlaganfall zu einer Einatmung von Magensaft oder Fremdkörpern, die dann zur Lungenentzündung führt. Bei Kindern sind es oft kleine Gegenstände wie Erdnüsse oder Spielzeugteile, die einen Teil des Atemweges versperren.

Auch bei Wasseraspiration durch Beinahe-Ertrinken kann sich die Lunge entzünden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Salz- oder Süßwasser handelt.

Bei älteren, bettlägerigern Menschen sieht man häufig eine Lungenentzündung wegen der schlechten Belüftung der unteren Lungenabschnitte. Ist der Brustkorb verletzt, zum Beispiel bei einer Rippenserienfraktur, kommt es wegen der Schonatmung ebenfalls zu einer schlechteren Lungenbelüftung.

Auch bei vorbestehenden Lungenerkrankungen wie chronischer Bronchitis oder COPD, Mukoviszidose, Lungenfibrose oder Staublunge kann es schnell zu einer Keimbesiedelung und somit zu einer Lungenentzündung kommen.

Manchmal entsteht eine Strahlenpneumonie nach einer Strahlenbehandlung von Lungenkrebs.Aber auch Brandgase können eine Lungenentzündung auslösen.

Bei Landwirten findet man gelegentlich eine Berufserkrankung, die einer Lungenentzündung ähnelt. Sie beruht auf einer allergischen Reaktion, bei der Stoffe freigesetzt werden, die eine Entzündung der Alveolen auslöst (exogen allergische Alveolitis).

Neben einigen anderen Erkrankungen kann eine atypische Pneumonie auch mit einer Tuberkulose verwechselt werden.

Therapie der Lungenentzündung

Patienten, die keine Risikofaktoren wie Lungenerkrankungen, Herzschwäche, Krebs oder das Immunsystem schwächende Medikamente einnehmen, können bei nicht allzu fortgeschrittener Lungenentzündung zu Hause behandelt werden. Wichtig ist körperliche Schonung, weswegen die häusliche Versorgung gesichert sein sollte. Bei Fieber ist Bettruhe einzuhalten, eventuell müssen gerinnungshemmende Medikamente fürs Blut genommen werden, um eine Beinvenenthrombose zu verhindern.

Bessert sich der Zustand, sollte bald wieder mit leichtem Training begonnen werden, um den Körper zu aktivieren. Um das Sekret besser abzuhusten, helfen Sekretverflüssiger (Sekretolytika) und Inhalationen zur Luftanfeuchtung. Damit die Medikamente das Sekret verflüssigen können, muss ausreichend Flüssigkeit getrunken werden, bei Fieber erhöht sich der Bedarf zusätzlich.

Zur besseren Belüftung der Lunge wird meist Atemgymnastik angewandt, das sind spezielle Übungen, die ein tiefes Einatmen erfordern.

Als ursächliche medikamentöse Therapie werden bei bakteriellen Infektionen Antibiotika eingesetzt, bei Pilzen und Protozoen entsprechende Mittel.

Ist die Lungenentzündung schwerwiegender oder bestehen risikoreiche Grunderkrankungen, ist eine Therapie im Krankenhaus anzuraten. Dort ist eine bessere Betreuung mit erfahrenem Personal möglich, das eine intensivere Therapie mit Infusionen, eventuell eine Anreicherung der Atemluft mit Sauerstoff, eine bessere Behandlung der Grunderkrankung und eine engere Überwachung gewährleistet.

 

Prognose

Eine einfache Lungenentzündung ohne Komplikationen heilt normalerweise vollständig und ohne Schäden aus. Sehr selten kann es dazu kommen, dass die Pneumonie chronisch wird und zu einem Gewebeumbau führt.

Eine bakterielle Pneumonie kann unter Umständen mit dem Blutstrom in andere Organe streuen und zum Beispiel eine Endokarditis, eine Mittelohrentzündung, eine Hirnhautentzündung oder einen Hirnabszeß auslösen.

Wenn schwere Grunderkrankungen den Körper ohnehin schon schwächen, kann eine Lungenentzündung mit verminderter Sauerstoffaufnahme und erhöhter Herzarbeit den Kreislauf so schädigen, dass es zum Herzkreislaufversagen kommt.

Hinweise für Patienten

Vorbeugung ist wichtig. Bei einer akuten Bronchitis sollte darauf geachtet werden, dass der Körper nicht auskühlt und regelmäßig im Zimmer gelüftet wird. Sehr gut eignet sich auch eine Inhalation mit Kamille, das feuchtet die Atemluft an und wirkt gleichzeitig antibakteriell.

Wenn die Lungenentzündung da ist, sollten die verschriebenen Medikamente regelmäßig eingenommen werden und zur besseren Abhustbarkeit viel getrunken werden, möglichst 3-4 Liter pro Tag. Am besten eignen sich Kräutertees oder Mineralwasser, da sie im Gegensatz zum Beispiel zur Milch nicht verschleimend wirken.

Auch die Atemgymnastik sollte gewissenhaft durchgeführt werden, am besten jede halbe Stunde für ein paar Minuten. Bei Kindern kann man das mit kleinen Spielen verbinden, zum Beispiel einen aufgeblasenen Luftballon vor das Gesicht halten, den das Kind wegpusten soll. Ziel ist es, eine tiefe Ein- und Ausatmung zu erreichen, damit der betroffene, schlechter belüftete Lungenbezirk wieder besser belüftet wird.



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

verfasst am 29.10.2006, aktualisiert am 07.05.2010.
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Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Lungenentzündung

 
medikamente?   1 Antworten   Letzte Antwort
sagt thomas97   vor ~ 1 Jahr  967

Bei Lungenentzündungen ist das so eine Sache. Medikamente dienen in erster Linie dazu, eine Infektion mit Bakterien, Pilzen oder Parasiten ... mehr

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Lungenkrebs   Offene Frage
fragt alices   vor > 2 Jahre  694

Mein Mann hat seit 2 Jahren Lungenkrebs. Nach mehreren Chemos und Bestrahlungen bekommt er im 3 Wochenzyklus Antikörper. AZ mal gut mal schlecht. ... mehr

 
sagt henrieta   vor > 3 Jahre  3517

Mir geht es genauso. Hab zuerst gedacht das wenig Fieber kann ich zu Hause auch therapieren, wie immer halt damit kein Krankenstand stattfindet. Nach ... mehr

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