Unter einem Reizdarm, auch Colon irritable genannt, versteht man eine Funktionsstörung des Verdauungstraktes mit chronischen Beschwerden. Diese können sich äußern durch Schmerzen, Blähungen, Völlegefühl und Stuhlunregelmäßigkeiten (Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung). Die Erkrankung kann Monate bis Jahre andauern und beeinträchtigt stark das Allgemeinbefinden. Ein Reizdarm-Syndrom tritt typischerweise zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.
Für das Reizdarm-Syndrom werden 3 mögliche Ursachen diskutiert:
Experten diskutieren zudem auch die Möglichkeit eines Ungleichgewichts von Botenstoffen im Magen-Darm-Trakt und entzündliche Schleimhautveränderungen.
Der Reizdarm kann sich durch eine Reihe von Beschwerden bemerkbar machen. Die Beschwerden steigern sich meist tagsüber und klingen in der Nacht wieder ab.
Des Weiteren kann es zu Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Migräne und Rückenschmerzen kommen.
Wichtig ist vor allem der Ausschluss anderer Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Darmkrebs oder Magen-Darm-Infekte. Neben der Anamnese sind vor allem Laboruntersuchungen, Untersuchung des Stuhls auf Bakterien, Pilze, Blut und Parasiten erforderlich. Des Weiteren ist eine Ultraschalluntersuchung des Bauches, eine endoskopische Untersuchung des Mastdarms und / oder des Dickdarms und eine Röntgenuntersuchung des Dünndarms notwendig. Zudem kann durch einen Laktose-Belastungstest, also durch die Gabe von Milchzucker, eine Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker ausgeschlossen werden.
Unter dem Begriff Reizmagen, auch funktionelle Dyspepsie bezeichnet, wird eine ganze Reihe von Beschwerden des Oberbauchs zusammengefasst, denen keine erkennbare organische Störung zugrunde liegt. Wenn die Beschwerden über Wochen hinweg anhalten, abklingen und wieder auftauchen, so liegt möglicherweise ein Reizmagen vor. Die Beschwerden eines Reizmagens bestehen häufig über lange Zeit. Es handelt sich um eine unangenehme, bisweilen schmerzhafte, aber keine gefährliche Erkrankung. In Deutschland klagt jeder Dritte über gelegentliche Verdauungsbeschwerden, bei der keine organische Ursache zu finden ist.
Die Ursachen sind nicht eindeutig bekannt. Mögliche Gründe für die Erkrankung sind mangelnde Magenbeweglichkeit, Magenschleimhautentzündung oder eine veränderte Schmerzwahrnehmung. Häufig tritt der Reizdarm in Verbindung mit dem Reizmagen auf. Durch die mangelnde Magenbeweglichkeit ist die Muskulatur der Magenwand nicht ausreichend aktiv, so dass die Nahrung lange im Magen verbleibt und zu Beschwerden führt. Der Reizmagen hat häufig auch psychische oder ernährungsbedingte Gründe. Weitere mögliche Ursachen sind Bewegungsstörungen im oberen Dünndarm, zu rasche Magenentleerung, erhöhte Empfindlichkeit für Magensäure, Medikamente wie Acetylsalicylsäure, Aufsteigen von Magensäure in die Speiseröhre, Magenschleimhautentzündung und eine unausgeglichene Lebensweise.
Der Reizmagen ist keine organische, sondern eine funktionelle Erkrankung. Es kann also keine körperliche Ursache für den Reizmagen gefunden werden. Die Symptome sind Folge einer Magenfunktionsstörung und können sich folgendermaßen äußern:
Des Weiteren können Beschwerden wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Rückenschmerzen, Beschwerden im Genitalbereich, Erschöpfung, Herzrasen, Schweißausbrüche, Unruhe, Angst, Depressionen, Anspannung, Schlafstörungen und Konzentrationsstörungen auftreten. Man spricht erst dann von einem Reizmagen, wenn die Beschwerden mindestens 3 Monate anhalten und / oder in unregelmäßigen Abständen immer wieder auftreten.
Die Diagnose kann gestellt werden, wenn die Beschwerden im Oberbauch länger als 3 Monate vorhanden sind, ohne dass eine andere Erkrankung festgestellt werden konnte. Wichtig ist vor allem der Ausschluss von möglichen organischen Erkrankungen. Neben einer Blutuntersuchung und Ultraschalluntersuchung, kann auch eine Magenspiegelung durchgeführt werden.
Bei milden Symptomen werden zunächst eine Umstellung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten und ein Absetzen unnötiger Medikamente empfohlen. Tritt keine Beschwerdelinderung auf, so können unterschiedliche Medikamente verordnet werden. Ziel der medikamentösen Behandlung sind Säurehemmung und der Abbau von Druck- und Völlegefühlen. Des Weiteren können auch Prokinetika (Motilitätsregulatoren) eingesetzt werden, welche die Motorik im betroffenen Verdauungsabschnitt anregen und auf diese Weise dafür sorgen, dass der Mageninhalt besser transportiert wird. Bei einer Infektion mit Helicobacter pylori kann die Entzündung mit Antibiotika behandelt werden. In der Behandlung eines Reizmagens haben sich zudem die kognitive Verhaltenstherapie, aber ach Hypnose und Imaginationstechniken bewährt.
In der Regel treten keine Komplikationen oder ernste Folgeerkrankungen auf, so dass die Prognose des Reizmagens günstig ist. Die Beschwerden lassen sich meist durch eine Umstellung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten lindern. Bei über 60 Prozent der Betroffenen verschwinden die Symptome nach einer 6-wöchigen Behandlung, kehren allerdings oft nach Absetzen der Medikamente wieder zurück.
Selbsthilfe beim Reizmagen: