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Warum ist der CRP-Wert bei der Diagnostik der Nierenentzündung wichtig?

Lesezeit: 3 Min.

Das C-reaktive Protein im Blut und was es über eine Nierenentzündung aussagt

Entzündungsprozesse hinterlassen ihre Spuren im Organismus. Diese lassen sich an den verschiedenen Werten ablesen, die eine Blutprobe liefert. Ein wichtiger Anhaltspunkt ist dabei der CRP-Wert – der Anteil an C-reaktivem Protein.

Die Blutwerte zur Diagnostik einer Nierenentzündung

Bei Verdacht auf eine Nierenentzündung wird das Blut auf diese Parameter überprüft:

  • Sind alle wichtigen Bestandteile im Blut enthalten? Dazu gehören beispielsweise die verschiedenen Transport-Proteine für Eisen, Mineralstoffe und Hormone. Ist die Funktion der Niere gestört, fehlen diese Substanzen oder sind nicht mehr in ausreichender Menge im Blut verfügbar. Das heißt, dass sie über die Niere unnatürlicherweise ausgefiltert und ausgeschieden werden. Die Auswirkungen auf verschiedene Stoffwechselprozesse sind schwerwiegend, je länger die Erkrankung fortdauert. Entsprechend ändern sich die Blutwerte.
  • Sind Hinweise auf Entzündungen im Blut? Hinweise darauf liefern die Werte der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG). Entscheidend ist, wie schnell sich die Erythrozyten (die roten Blutkörperchen) in einem durchsichtigen Gefäß nach unten absetzen.
  • Der Kreatininwert wird im Urin und im Blutserum bestimmt. Kreatinin ist ein Abbauprodukt der Muskeltätigkeit und wird teils über die Nieren ausgeschieden, teils ans Blut abgegeben.
  • Ein weiterer entscheidender Wert ist der Anteil des C-reaktiven Proteins (CRP) im Blut.

CRP – was ist das?

Das C-reaktive Protein, kurz CRP genannt, ist ein Protein, das in der Leber gebildet wird. Schon wenige Stunden nach Einsetzen einer entzündlichen Erkrankung steigt der CRP-Wert im Blut. Ist der Entzündungsprozess abgeklungen, sinken die CRP-Werte ebenso verlässlich wieder ab. Die Halbwertszeit des C-reaktiven Proteins im Blut beträgt etwa einen Tag.

Bei Beginn einer Entzündung beginnen die Leukozyten (die weißen Blutkörperchen) mit dem Kampf gegen die „Eindringlinge“. Sie senden unter anderem Botenstoffe aus, die in der Leber die Produktion des CRP und anderer sogenannter Akute-Phase-Proteine anregen. Diese erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Sie bekämpfen beispielsweise freie Sauerstoffradikale oder sie transportieren schädliche oder überflüssige Substanzen vom Ort der Entzündung weg.

Lediglich bei einigen Autoimmunerkrankungen (Entzündungen, bei denen das Immunsystem Gewebe des eigenen Organismus angreift) reagiert der CRP-Wert nicht oder nur träge. In diesen Fällen gibt die BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit) Aufschluss: Das Absinken der Erythrozyten ist deutlich beschleunigt.

Was lässt sich am CRP-Wert ablesen?

Der CRP-Wert liefert wichtige Anhaltspunkte für eine sichere Diagnostik und ist dabei unabhängig von einer bestehenden Schwangerschaft. Er gibt Hinweise, ob

  • eine Entzündung im Körper stattfindet und welches Ausmaß sie hat
  • die Verursacher beispielsweise Viren oder Bakterien sind
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder rheumatische Prozesse im Gang sind
  • nach einer Operation eine Entzündung eingesetzt hat
  • eine begonnene Therapie, etwa mit Antibiotika oder Entzündungshemmern, Wirkung zeigt.

Dabei ist CRP nicht als alleiniger Blutwert heranzuziehen, sondern muss immer in der Gesamtheit mit den Symptomen und anderen Blutwerten betrachtet werden. Im Falle einer Nierenentzündung bemerkt der Patient beispielsweise oft Verfärbungen und Veränderungen im Urin. Dazu kommen Unwohlsein und Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme). Je nach der Form der Nierenentzündung (Glomerulonephritis, interstitielle Nephritis) können sich weitere Anzeichen bemerkbar machen. Zur Diagnose werden Blut- und Urinproben herangezogen. Finden sich entsprechende Hinweise auf eine Entzündung der Niere, wird weiter geforscht. Eine Ultraschalluntersuchung der Nieren oder die Entnahme einer Gewebeprobe geben exakte Auskunft.

Diese Details kann der Arzt am CRP-Wert ablesen:

  • Liegt der CRP-Wert unter dem Normalwert, hat dies keinerlei gesundheitliche Bedeutung.
  • Ein normaler CRP-Wert deutet darauf hin, dass Bakterien nicht oder nicht direkt beteiligt sind.
  • Ein erhöhter CRP-Wert weist auf akute oder chronische Entzündungen der unterschiedlichsten Art hin.
  • Sehr hohe CRP-Werte sind ein Hinweis auf bakterielle Entzündungen. Bei Virusinfekten liegen die Werte deutlich niedriger.

CRP-Werte, Kreatinin-Werte und eine Reihe klinischer Symptome ergeben ein Gesamtbild. Der Mediziner kann sofort eine Therapie einleiten oder detailliertere Untersuchungen durchführen.

CRP bei Nierenentzündung

Eine ganze Reihe von Werten ist zu ermitteln, um eine Nierenentzündung sicher zu diagnostizieren. So wird beispielsweise festgestellt, wie viele wichtige Transport-Proteine der Patient im Blut hat oder über den Urin ausscheidet. Dazu zählt Albumin, das Mineralstoffe und Hormone transportiert und den Flüssigkeitshaushalt beeinflusst. Zusätzlich werden Leukozyten (weiße Blutkörperchen) im Blutbild gezählt und das Vorkommen der verschiedensten Antikörper überprüft. Dazu zählen Immunglobulin A und Immunglobulin M. Diese Antikörper produziert das Immunsystem, um virale oder bakterielle Eindringlinge zu bekämpfen. Im ungünstigsten Falle bilden diese Antikörper mit anderen Eiweiß-Strukturen ganze Zellkomplexe. Diese lagern sich in der Niere an und beeinträchtigen deren Funktion. Die häufigsten Nierenerkrankungen gehen auf solche Prozesse zurück.

Treten große Mengen an Antikörpern im Blut auch lange nach einer Infektion auf, ist dies zusammen mit einem erhöhten CRP-Wert ein Hinweis auf eine Nierenentzündung.



B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 30.09.2017
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fragt Jojo2   vor > 7 Jahre  2650

Liebe Forumsmitglieder,
ich schreibe im Telegrammstiel, weil ich wenn ich meine Ängste in Sätze verpacken würde, ein ganzes Buch zustande ... mehr

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