Oft ist eine Autoimmunerkrankung namens Morbus Basedow an der Hyperthyreose Schuld. Sie löst eine immunbedingte Entzündung der Schilddrüse aus, in deren Verlauf schilddrüsenstimulierende Antikörper entstehen.
Eine andere häufige Ursache ist die Schilddrüsenautonomie. Hierbei bilden sich ein oder mehrere Zentren in der Schilddrüse aus, die verstärkt Hormone produzieren. Sehr oft verursacht ein Jodmangel diese Autonomie. In Deutschland gibt es mehrere Jodmangelgebiete, zum Beispiel Hessen oder Bayern, weswegen Speisesalz in Deutschland (aber nicht nur hier) mit Jod angereichert ist.
Seltenere Ursachen können ein Schilddrüsenkarzinom, ein Hypophysenadenom (das ist eine gutartige Gewebsvermehrung) sein, aber auch eine subakute Thyreoiditis kann in Betracht kommen.
Viele Patienten haben eine Schilddrüsenvergrößerung, umgangssprachlich auch Kropf genannt (oder auf Latein Struma). Ist die Struma sehr groß, kann es unter Umständen bei Anstrengung zu Atemnot kommen, weil die Schilddrüse auf die Luftröhre drückt.
Sehr typisch für eine Hyperthyreose ist eine psychomotorische Unruhe, das heißt der Betroffene ist oft gereizt, nervös, unruhig, schlaflos und meist ist ein feines Zittern (Tremor) der Finger vorhanden. Das Herz schlägt zu schnell (Tachykardie), Rhythmusstörungen können als Herzklopfen auftreten. Auch ein Gewichtsverlust ist verdächtig; der Betroffene kann essen soviel er möchte, wird jedoch nicht zunehmen. Meist hat er dementsprechend Heißhungerattacken. Die erhöhte Stoffwechseltätigkeit führt in einigen Fällen sogar zu Durchfall. Ein weiteres Zeichen ist warme, schwitzige, weiche Haut und dünnes Haar. Insgesamt mag der Patient keine Wärme (Wärmeintoleranz) und schwitzt viel.
Ist der Grund der Schilddrüsenüberfunktion ein Morbus Basedow, zeigen sich oft drei wesentliche Symptome: die so genannte „Merseburger Trias“. Das sind:
Letzteres Symptom ist manchmal so schlimm ausgeprägt, dass die Augenlider nicht mehr richtig schließen; dadurch wirkt der Blick stechend.
Für die Diagnose muss der Arzt erst einmal durch die oben beschriebenen Symptome auf den Gedanken einer Hyperthyreose gebracht werden; danach ist alles recht einfach. Als erstes wird in einer Blutprobe das Thyreoglobulinstimulierende Hormon (TSH) und die beiden ungebundenen Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 bestimmt (f bedeutet hierbei frei, also ungebunden). Das TSH wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet und steuert die Produktion des T3 und T4. Das TSH ist bei einer Hyperthyreose erniedrigt. Bei den meisten Patienten ist das fT4 (auch Thyroxin genannt), die Hauptwirkform des Hormons, und die Speicherform fT3 erhöht. Hat der Arzt den Verdacht, dass die Ursache ein Morbus Basedow ist, bestimmt er zusätzlich die TSH-Rezeptorantikörper (TRAK) im Blut. Auch im Ultraschall zeigt eine überaktive Schilddrüse ein charakteristisches Bild.
Eine sog. Szintigraphie kann zusätzliche Erkenntise bringen. Dabei wird ein schwach radioaktives Medikament gegeben, das sich bei vermehrtem Stoffwechsel in der Schilddrüse anlagert. Besteht eine Autonomie, so ist auf dem Szintigraphiebild ein besonders stark speichernder Fleck zu sehen. Ist das Bild gleichmäßig zu stark angefärbt, hat der Patient einen Morbus Basedow.
Bei der Differentialdiagnose ist vor allem an eine der folgenden Krankheiten zu denken: Psychische Erkrankungen, Herzrhythmusstörungen oder Tachykardie anderer Ursache, Fieber, Diabetes mellitus sowie andere Ursachen der Schweißneigung (zum Beispiel Wechseljahre oder bestimmte Medikamente).
Die Therapie richtet sich nicht nur nach der Ursache der Hyperthyreose, sondern auch nach dem Alter des Patienten.
Patienten mit Morbus Basedow wird ein großer Teil der Schilddrüse entfernt, handelt es sich um ein Karzinom, wird sie komplett entfernt (Thyreoidektomie). Auch Patienten mit großer Struma werden operiert, um die Drüse zu verkleinern.
Bei einer Radiojodtherapie wird radioaktives Jod gegeben, das sich in der Schilddrüse anreichert und dort durch die Strahlung die Schilddrüsenzellen schädigt und absterben lässt. Diese Therapie ist sehr elegant und sicher, da sich das Jod nur in der Schilddrüse anreichert, relativ schnell zerfällt und eine sehr kurze Wirkweite von wenigen Millimetern hat. Für bestimmte Patienten wie schwangere Frauen ist sie allerdings nicht geeignet.
Natürlich ist die Überfunktion auch mit Tabletten behandelbar, heilbar ist sie dadurch aber nicht. Der Patient muss solange Medikamente zur Hemmung der Schilddrüsenfunktion nehmen, bis die Überfunktion endgültig durch eine Operation oder Radiojodtherapie behoben wurde, da ohne Medikamente oft ein Rückfall droht.
Ist der Patient gut behandelt, ist die Prognose sehr gut, auch wenn sich in einigen Fällen eine normale Stoffwechsellage ohne Medikamente nicht einstellt. Wurde die Schilddrüse durch eine Operation komplett entfernt, muss der Betroffene lebenslang das Schilddrüsenhormon Thyroxin einnehmen.
Wird die Hyperthyreose nicht behandelt, kann es zur thyreotoxischen Krise kommen, die unbehandelt zum Tod führen kann. Wie der Name „thyreotoxisch“ vermuten lässt (toxisch bedeutet giftig), produziert die Schilddrüse plötzlich soviel Hormone, dass der Stoffwechsel das nicht verkraftet. Das Herz rast, es kann sogar so schlimm werden, dass das sogenannte Vorhofflimmern auftritt. Dabei schlägt der Herzvorhof nicht mehr wie normal etwa 60 mal pro Minute sondern über 350 mal. Der Vorhof kann nun kein Blut mehr ansaugen und weiterpumpen, was jetzt durch die Herzkammer übernommen werden muss. Die Folge ist, dass das Blutvolumen, das das Herz normalerweise befördert, deutlich abnimmt. Der Patient fühlt sich schlapp und ist körperlich deutlich weniger belastbar. Außerdem kann er ins Koma fallen.
Weil die thyreotoxische Krise diesen lebensbedrohlichen Zustand hervorrufen kann, ist eine Überwachung und Therapie auf der Intensivstation überlebenswichtig. Und weil dieser Zustand durch eine gute Therapie vermieden werden kann, ist eine Hyperthyreose auch bei mäßig erhöhten Werten von einem Arzt zu behandeln.
Für den Patienten ist nicht nur eine gute Einstellung mit den schilddrüsenhemmenden Medikamenten oder dem Schilddrüsenhormon wichtig. Es sollte zudem Wert auf eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte gelegt werden.Außerdem sollte er sich von seinem behandelnden Arzt beraten lassen, welches für ihn persönlich die beste Therapie ist, d.h. ob z.B. eine Radiojodtherapie überhaupt in Frage kommt.