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Weshalb sollte man kleine Wunden mit Blick auf eine Blutvergiftung unbedingt behandeln?

Lesezeit: 3 Min.

Ist das Immunsystem geschwächt, bergen kleine Wunden große Gefahren

Ein kleiner Kratzer bei der Gartenarbeit oder ein Schnitt in den Finger ist schnell passiert. Selbst wenn kleine Wunden zunächst harmlos erscheinen, sollte man sie vorsichtig desinfizieren, damit sich keine Infektionen ausbreiten. Ist die eigene Immunabwehr geschwächt, haben es Krankheitserreger besonders leicht, über die Wunde in die Blutbahn zu gelangen. Auf diese Weise können selbst scheinbar harmlose Kratzer oder Schürfwunden zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung, einer Sepsis, werden.

Lokale Entzündung kann sich zu gefährlicher Sepsis entwickeln

Der menschliche Körper verfügt in der Regel über ein starkes Immunsystem, das mit Krankheitserregern fertig wird. Kleine Schnitt- oder Schürfwunden sollten zwar gereinigt werden, doch nach nur wenigen Tagen sollte die Verletzung ohne Folgen verheilt sein. Bei manchen Betroffenen kommt es jedoch zu einer Infektion der Wunde mit Bakterien oder anderen Krankheitskeimen. Eine solche Infektion bleibt häufig örtlich begrenzt und verschwindet nach einigen Tagen oder Wochen wieder. Sie kann sich aber auf die Umgebung ausbreiten und dort schwerere Entzündungen wie einen Abszess (Abkapselung eines Eiterherdes) bilden. Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine Sepsis oder Blutvergiftung. Die Erreger dringen in die Blutbahn ein und sorgen für ein schwerwiegendes Krankheitsbild, das die Gefahr von Komplikationen an anderen Organen birgt. Spätestens wenn eine Blutvergiftung eingetreten ist, ist der Körper auf medikamentöse Behandlung angewiesen. Erste Symptome einer Sepsis sind:

  • gerötete, warme Stellen
  • Schwellungen
  • Fieber (über 38 Grad) oder auffallend niedrige Körpertemperatur (weniger als 36 Grad)
  • pochender Schmerz
  • Schüttelfrost
  • beschleunigter Herzschlag
  • schnellere Atemfrequenz

Kommt es zu den genannten Anzeichen, nachdem man sich eine kleine Verletzung zugezogen hat, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen. Da eine Blutvergiftung als lebensgefährlich gilt, sollte man am Wochenende unbedingt ins Krankenhaus fahren. Je früher die Sepsis behandelt wird, desto höher sind die Heilungschancen.

Übrigens ist ein roter Strich unter der Haut kein direktes Anzeichen für eine Sepsis. Hier haben sich die Lymphbahnen entzündet, die in Richtung der Lymphknoten verlaufen. Von manchen Menschen wird diese Erscheinung ebenfalls als Blutvergiftung bezeichnet. Fälschlicherweise gehen viele Menschen davon aus, dass der rote Strich in Richtung des Herzens wandert und schließlich zum Tod führt. Doch auch wenn der rote Strich nicht auf eine akute Sepsis hinweist, sollte er ernstgenommen werden. Wird eine Entzündung der Lymphbahnen, eine Lymphangitis, nicht behandelt, kann sie sich ebenfalls zur Sepsis fortentwickeln.

Menschen mit schwacher Immunabwehr besonders gefährdet

Damit eine kleine Schnittverletzung, ein Insektenstich oder eine Schürfwunde zu einer Sepsis führt, müssen einige Faktoren gegeben sein. Junge, gesunde Menschen besitzen normalerweise ein Immunsystem, das gut mit einer harmlosen Verletzung zurechtkommt. Bei ihnen ist es die Ausnahme, dass sich Bakterien aus einer kleinen Wunde ausbreiten und eine schwere Infektion verursachen. Als besonders gefährdet gelten dagegen Menschen, die ein schwaches Immunsystem besitzen, wie es etwa im Alter keine Seltenheit ist. Bei den Betroffenen bergen auch kleine Wunden große Gefahren. Dringen Bakterien an der jeweiligen Stelle in die Haut ein und verursachen eine Entzündung, so sollte diese unbedingt behandelt werden. Bei folgenden Risikofaktoren und Ursachen für eine schwache Immunabwehr sollte man kleine Wunden daher unbedingt sorgfältig reinigen und die Wundheilung anschließend aufmerksam verfolgen:

  • hohes Lebensalter
  • chronische Krankheiten wie Diabetes oder HIV-Infektion
  • wiederkehrende Infektionen oder Erkältungen
  • zu viel körperliche Belastung, auch durch zu viel Sport
  • viel Stress
  • wenig Schlaf
  • Einnahme bestimmter Medikamente wie Cortison oder Immunsuppressiva (immun-unterdrückende Mittel)
  • Zeitraum nach oder während einer Chemotherapie

Darüber hinaus können eine vitaminarme Ernährung mit wenig Obst und Gemüse oder ein ungesunder Lebensstil mit wenig Bewegung eine Rolle spielen.

Wunde vorsichtig reinigen und desinfizieren

Damit eine harmlose Verletzung keine gravierenden Folgen hat, sollte man einige Dinge bei der Eigenbehandlung beachten. Dabei ist es unerheblich, ob man ein schwaches oder starkes Immunsystem besitzt – Wunden sollten grundsätzlich gereinigt und sauber behandelt werden. Deswegen werden die kleinen Verletzungen zunächst unter fließendem Wasser gesäubert. Anschließend wird die betroffene Stelle sorgfältig desinfiziert, sodass Krankheitserreger keine Chance haben. Um die Blutung zu stoppen, verwendet man entweder ein steriles Pflaster oder einen sterilen Verband. Beides sollte regelmäßig erneuert werden, damit sich in der Wunde weder Bakterien noch andere Krankheitserreger ansammeln.

Entsteht Eiter an der Verletzung, wird die Entzündung schlimmer oder verspüren die Betroffenen einen pochenden Schmerz, sollte man den Arztbesuch nicht länger hinauszögern. Selbst wenn noch keine Bakterien in die Blutbahn eingedrungen sind, ist die medikamentöse Behandlung von lokalen Infektionen sinnvoll. Wer eine Blutvergiftung dagegen nicht ernst nimmt, riskiert unter Umständen sein Leben. Zu den Gefahren der Sepsis gehört unter anderem ein Organversagen der Nieren, des Kreislaufsystems oder der Lunge.



Letzte Aktualisierung am 08.09.2017.
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