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Allergie

Bei der Allergie handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems...

Definition einer Allergie

Eine Allergie ist eine Erkrankung des menschlichen Abwehrsystems (Immunsystem). Normalerweise hat das Immunsystem die Aufgabe, gesundheitsschädliche (pathogene) Stoffe und Lebewesen (Organismen wie Bakterien, Viren oder Pilze) abzuwehren und zu vernichten. Dringt eine fremde, pathogene Substanz in den Körper ein, so kommt es entweder noch auf der Hautoberfläche oder im Köperinneren (Darm oder Lunge) durch die aktivierten ortständigen Abwehrzellen (zum Beispiel die Makrophagen oder Lymphozyten) zu einer Entzündungsreaktion. Ziel der Entzündung ist es, den fremden Organismus abzutöten und zu eliminieren. Nur so bleibt der Mensch gesund und überlebt.

Von einer Allergie spricht man, wenn die Abwehrreaktion des Körpers gegen Stoffe erfolgt, die normalerweise kein krankmachendes Potential besitzen (Hausstaubmilbenkot, Gräser, Katzenhaare, Pollen, Bienengift, Nahrungsmittel etc.). Diese Auslöser werden dann als Allergene bezeichnet und führen zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems.

Schnupfen, Luftnot, Durchfall oder Hautjucken sind nur einige wenige Beispiele für die Folgen unter denen der Betroffene leidet.

Zu den häufigsten Allergien zählen der Allergische Schnupfen (Heuschnupfen), Asthma bronchiale, Neurodermitis (atopisches Ekzem) und Nahrungsmittelallergien.

Als grobe Faustregel gilt, dass jeder dritte Mensch einmal im Leben an einer Allergie erkrankt (meist schon im Kindesalter). Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der Betroffenen jährlich zunimmt.

Ursache von Allergien

Der Entstehungsmechanismus einer Allergie ist vielseitig (multifaktoriell).

Zum einen werden Stress und Belastung, zum anderen eine steigende Schadstoffbelastung der Umwelt bzw. der Lebensmittel und die verstärkte Hygiene als Auslöser diskutiert.

Allergien werden abhängig von den jeweils beteiligten Zellen und der Reaktionszeit des Körpers in vier große Gruppen (I-IV nach Coombs und Gell) unterteilt:

Der Typ I ist der am häufigsten vorkommende Typ und wird auch als "Soforttyp" bezeichnet.

Ebenso wie beim Typ II (zelltoxischer Prozess, vgl. Rhesusinkompatibilität) und Typ III (Immunkomplexreaktion wie bei der allergischen Alveolitis) werden beim Typ I bestimmte Moleküle gebildet, die als „Antikörper“ bezeichnet werden. Diese besitzen eine Allergen- spezifische Bindungsstelle.

Die Typ IV-Reaktion ist dagegen durch spezielle Abwehrzellen (T- Lymphozyten, zelltoxisch) bedingt (Beispiel: Kontaktallergie gegen Nickel).

Nur der Prozess der Typ I–Reaktion soll im Folgenden näher beschrieben werden: Hier gelangt ein Allergen über die Haut, Bindehaut, Nase, den Rachen, die Lunge oder über den Darm in den Körper. Beim ersten Mal, der Sensibilisierungsphase, bemerkt der Betroffene noch nichts. Kommt er jedoch ein zweites Mal mit dem Allergen in Kontakt, so existieren nun im Körper bestimmte IgE-Antikörper deren Bindungsstelle exakt auf das Allergen passt. Es kommt zur Sofortreaktion (innerhalb von Sekunden bis Minuten), denn  die IgE-Antikörper, die in diesem Falle auf Abwehrzellen (Mastzellen) sitzen, binden das Allergen und die Mastzellen entleeren sich und setzen Stoffe wie Histamin, Leukotriene und andere Enzündungsübermittelnde (Entzündungsmediatoren) Stoffe frei.

Nun leidet der Betroffene unter allergischen Symptomen wie: Juckreiz (die Stoffe reizen die Nerven in der Haut), eine Verengung der Luftwege (Kontraktion der Muskeln, die die Bronchien umgeben), eine erhöhte Schleimabsonderung aus den Schleimdrüsen (verstopfte Nase, etc.), eine Erweiterung der kleinen Gefäße, die sauerstoffreiches Blut transportieren (Durchblutung nimmt zu, das Areal schwillt an und wird rot) und eine Gewebeschädigung durch die Abwehrzellen, die zum Ort des Geschehens gelockt werden (Spätreaktion).

Zu dieser Gruppe der klassischen Typ I-Allergien zählen zum Beispiel das allergische Asthma bronchiale, der allergische Schnupfen / Heuschnupfen, die Neurodermitis, Nahrungs- und Medikamenten-Allergien und der anaphylaktische Schock.

Sind in der Familie mehrere Mitglieder an einem Asthma bronchiale, einer Neurodermitis oder einer Nahrungsmittelallergie (meist gegen Ei oder Kuhmilch) erkrankt, liegt der Verdacht nahe, dass eine familiäre Vererbung vorliegt. Man spricht dann von einer atopischen Veranlagung (der Begriff stammt aus dem griechischen und heißt soviel wie: "sonderbar" und geht mit einer erhöhten Bildung der IgE-Antikörper einher). Sind beide Eltern von einer Atopie betroffen, so steigt das Risiko für ein Erkranken des Kindes auf 60% an.

Manchmal besitzen Stoffe ähnliche Oberflächen wie das Allergen und so kann es bei einer Allergie gegen Pollen auch zu einer Reaktion gegen Kernobst kommen. Dasselbe Phänomen ist bei Latex und Bananen zu beobachten. Man spricht in diesem Fall von einer Kreuzallergie.

Da es beim Asthma bronchiale zu einem heftigen Entzündungsprozess kommen kann und die Oberfläche der Luftwege und Lunge dann stark beschädigt ist, können Reize wie Zigarettenqualm, kalte Luft oder ähnliche Luftveränderungen ebenfalls einen Anfall auslösen. Bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Tomaten) oder Arzneimittel können ebenfalls zu einer Histaminausschüttung führen. Man spricht dann von einer "Pseudoallergie".

 

Symptome

Da es verschiedene Formen von Allergien gibt, fallen die Symptome in ihrer Form und Stärke  unterschiedlich aus.

Beim allergischen Schnupfen (Heuschnupfen) können durch die Ausschüttung von Histamin und anderen Entzündungsmediatoren Symptome auftreten wie: Juckreiz der Nasen-, Ohren-, Rachen-, Mund- und Augenpartie. Die Augenlider können geschwollen sein, gehäuft treten Niesanfälle auf und der Erkrankte leidet unter einer verstopften Nase (durch die Schleimhautschwellung). Er klagt über Müdigkeit und eine Konzentrationsschwäche meist begleitet von Kopfschmerzen.

Eine Neurodermitis (Atopisches Ekzem) verläuft meist schubförmig. Am häufigsten kommt es zu einer Hautrötung in den Ellenbeugen, Kniekehlen oder an den Handgelenken. Auch Gesichtsanteile können betroffen sein. Wichtigstes Merkmal der Neurodermitis ist zu trockene Haut und der starke quälende Juckreiz.

Symptome einer Nahrungsmittelallergie können ein Juckreiz im Mund- und Rachenbereich, Schwellungen und Juckreiz im Gesichtsbereich (besonders der Lippen), Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen (ohne besonderen Anlass) sein.

Das Krankheitsbild des Asthma bronchiale betrifft hauptsächlich die Lunge. Es kommt zu einer Verengung der Luftwege und aufgrund des Unterdrucks im Brustkorb funktioniert das Einatmen noch angemessen, das Ausatmen jedoch bereitet dem Erkrankten große Anstrengung. Husten und Luftnot prägen die Erkrankung.

 

Diagnose einer Allergie

Für die Diagnosestellung einer Allergie ist die Befragung des Patienten (Anamnese) von größter Bedeutung. Bei Kindern sollten Aussagen der Eltern hinzugezogen werden (Fremdanamnese). Beim allergischen Schnupfen steht die Befragung nach einer saisonalen Abhängigkeit im Vordergrund. Bei der Neurodermitis müssen die betroffen Hautpartien genauestens inspiziert werden und bei einer Nahrungsmittelallergie muss nach bekannten Auslösern gefragt werden. Ein Röntgenbild der Lunge, das Abhören (Auskultation) und eine Lungenfunktion sind für die Diagnose Asthma Bronchiale elementar. Bei allen Allergien muss gefragt werden, wie lange die Beschwerden schon bestehen (Abgrenzung akut/chronisch) und ob ein Zusammenhang mit bestimmten Situationen (wie Stress, Streicheln einer Katze oder Essen eines bestimmten Lebensmittels) besteht.

Dann sollte beim Hausarzt oder Hautarzt (Dermatologen) ein Hauttest durchgeführt werden.Mögliche standardisierte Verfahren sind: der Reibetest (das verdächtige Allergen wird gelöst  in die Haut eingerieben), der Prick- Test (die Testlösung wird auf die Haut aufgetragen und mit einer Lanzette eine kleine Läsion verursacht, das Ablesen erfolgt nach spätestens 20 Minuten), der Intrakutan- Test (die verdünnte Allergenlösung wird unter die Haut gespritzt, ein Ergebnis wird nach 20 Minuten oder nach 10 Stunden erwartet) und der Epikutan- Test (das Allergen, wird mit Hilfe von Vaseline und einem Pflaster auf der Haut fixiert, nach 72 Stunden erfolgt ein Ablesen). Rötungen weisen auf eine Reaktion hin. Diese kann, muss aber nicht beweisend für das Vorliegen einer Allergie sein.

Genauso verhält es sich mit der IgE Konzentration im Blut. Diese kann auch durch andere Faktoren, wie ein Infekt oder ein Malignom, erhöht sein. Will man sicher gehen, dass ein bestimmtes Nahrungsmittel oder Bienengift zur Allergie führen, so sollte eine Provokation mit dem verdächtigen Allergen unter ärztlicher Aufsicht, stationär erfolgen.

 

Differentialdiagnose

Bevor eine spezielle Allergie diagnostiziert werden kann, müssen systemische Erkrankungen wie Malignome und Infekte durch Pilze/ Bakterien/ Viren ausgeschlossen werden, die ein ähnliches Erkrankungsbild verursachen können. Auch psychische Ursachen wie eine Depression oder ein ängstlich- hypochondrisches Verhalten können allergische Symptome imitieren.

Therapie

Allergien sind nicht heilbar, aber meist können die Anzahl der Anfälle und die Schwere der Symptome gut behandelt werden. Zuerst sollten die Auslöser (wenn bekannt) gemieden werden. Das kann zum Beispiel auch bedeuten, dass man sich von geliebten Haustieren trennen muss. Bei einer

Hausstaubmilbenallergie sollten Teppiche und Vorhänge aus den Zimmern verbannt werden und das Bettzeug ausreichend häufig bei 90 Grad gewaschen werden. Für die Matratze gibt es spezielle Überzüge, die undurchlässig für Milben sind. Außerdem gibt es Allergiker-Bettzeug, denn Federbetten sind stark Milben-lastig.

Bei der Neurodermitis lindert meist schon das Kühlen der betroffenen Hautpartie den Juckreiz. Kindern können Kratzalternativen (wie zum Beispiel das Vorlesen einer Geschichte) Ablenkung bringen.

Bei Nahrungsmittelallergien helfen spezielle Kochbücher und Packungshinweise.

Eine Vermeidung der Pollen und Gräser ist schwer zu bewerkstelligen, aber mittlerweile gibt es spezielle Fensternetze (ähnlich wie Moskitonetze) die Pollen und Allergene der Luft zurückhalten.

Ist Stress ein Auslöser der Allergie, so kann autogenes Training oder eine Verhaltenstherapie zur Entspannung führen. Auch findet die Hypnose und das Erlernen der Selbsthypnose Anwendung.

Führen all diese Maßnahmen nicht zu einer Linderung der Beschwerdesymptomatik, so muss die Allergie medikamentös behandelt werden: Bei einer leichten Ausprägung hilft der Einsatz von Calciumpräparaten. Meist werden Antihistaminika (z. B. Loratatin®) verschrieben. Diese setzen sich auf die Rezeptoren des Histamins und blockieren dessen Wirkung. Außerdem werden Leukotrienantagonisten (Montelukast) benutzt, diese verhindern die Wirkung des Leukotrien (wirkt ähnlich wie Histamin). Zusätzlich kann das Ausschütten von Histamin und Leukotrienen aus den Mastzellen durch Mastzellstabilisatoren (Cromoglicinsäure) verhindert werden.

Bei schwereren Formen findet ein Cortisonpräparat Anwendung. Dies verringert die allgemeine Entzündungsreaktion durch verminderte Histaminbildung und andere Mechanismen. Zum größten Teil gibt es all diese Medikamente in Nasenspray-, bzw. Atemspray-, Salben-, Tropfen- oder Tablettenform und eine Beratung durch einen Arzt oder Apotheker sollte erfolgen.

Ist auf lange Sicht kein Behandlungserfolg vorhanden, so kann eine Hypo- bzw.  Desensibilisierung in Betracht gezogen werden. Hierbei wird dem Betroffenen das bekannte  Allergen (derzeit nur bei Insektengift-, Pollen-, Gräser- oder Hausstauballergie möglich), in aufsteigender Dosis verabreicht. Dieser Prozess dauert drei Jahre und kann mittlerweile durch die Einnahme einer Tablette (täglich) oder das Erhalten einer Spritze (in den ersten drei Monaten wöchentlich, anschließend einmal pro Monat) erfolgen. Grundlage der Therapie ist der Aspekt, dass sich durch den kontinuierlichen Kontakt mit dem Allergen, andere Antikörper (IgG- Antikörper) bilden, die beim erneuten Allergen-Kontakt mit den IgE- Antikörpern konkurrieren. Die allergische Reaktion wird so abgeschwächt. Die Erfolgsquote ist mit 75% sehr hoch.Die allerneuste Therapie besteht aus der Verabreichung von Anti- IgE- Antikörper (alle vier Wochen). Diese binden die IgE- Antikörper selbst, sodass diese für eine allergische Reaktion nicht mehr zur Verfügung stehen.

Die Gefahr eines Kreislaufversagens (anaphylaktischer Schock) durch eine allergische Reaktion wird abhängig vom Schweregrad mit einem Antihistaminikum (z. B. Fenestil®), Sauerstoff- und Flüssigkeitsgabe, Adrenalin, Cortison und im schlimmsten Fall mit einer Wiederbelebungs-Maßnahme behandelt.

 

Prognose

Da eine Allergie nicht heilbar ist, sollte schon kurz nach der Geburt eines Kindes eine "Allergieprophylaxe" betrieben werden. Darunter fallen das Stillen des Kindes bis zum sechsten Lebensmonat, das Vermeiden von Zigarettenrauch in nächster Umgebung und eine Reduktion der Hausstaubmilben im Schlafbereich. Außerdem ist durch Studien nachgewiesen, dass Kinder die in ländlicher Umgebung mit mehreren Geschwistern aufwachsen, weniger an Allergien erkranken. Zusätzlich können Prä- und Probiotika (enthalten Laktobazillen), die einen positiven Einfluss auf die Darmflora haben und das Immunsystem stärken, durchaus einen positiven Einfluss auf die Allergieentwicklung oder deren Verlauf nehmen.

 

Hinweise für den Patienten

Die Nebenwirkungen der oben genannten Medikamente sollten unbedingt berücksichtig werden! Antihistaminika führen häufig zu Müdigkeit und können ein Glaukom (grüner Star) auslösen. Durch die Leukotrienantagonisten können Kopfschmerz, Fieber, Übelkeit und Durchfall entstehen. Eine Cortison- Therapie hilft nicht sofort und kann in höheren Dosen zu einer Erkrankung namens 2Morbus Cushing" führen. Leitsymptome sind ein Vollmondgesicht und eine ausgeprägte Gewichtszunahme. Außerdem kann eine Zuckerkrankheit (Diabetes), eine Knochenentkalkung (Osteoporose), Verletzungen des Magens und Hautveränderungen ausgelöst werden. Das Immunsystem ist abgeschwächt und der Patient Infekt- gefährdet. Für die Erkrankung des Asthma bronchiale und der Neurodermitis gibt es mittlerweile Patienten-Schulungen, in denen Betroffene viele Informationen rund um ihre Erkrankung vermittelt bekommen. Diese Schulungen sind sehr empfehlenswert und auch immer mehr Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten.



Letzte Aktualisierung am 07.05.2010.

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