Noroviren, früher auch als Norwalk-Viren bezeichnet, gelten heute neben Rotaviren als die häufigsten Verursacher von viralen Gastroenteritiden (Magen-Darm-Grippe, Brechdurchfall).
Der Norovirus wird den Caliciviridae zugeordnet. Noroviren sind weltweit verbreitet. Infektionen kommen in allen Altersgruppen vor. Typischerweise verursachen Noroviren Ausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen, z. B. Kindergärten, Schulen und Altersheime.
Auch in Krankenhäusern kommt es regelmäßig zu über mehrere Wochen andauernden Epidemien. Der Norovirus zirkuliert ganzjährig in der Bevölkerung. Zu Erkrankungshäufungen kommt es meist in den Wintermonaten.
Einziges epidemiologische relevantes Virusreservoir ist der Mensch. Die Übertragung der Noroviren erfolgt auf fäkal-oralem Weg. Ansteckungsquelle ist Stuhl oder Erbrochenes. Ausbrüche gehen oftmals von verunreinigten (kontaminierten) Speisen oder Getränken aus. Aufgrund der hohen Umweltresistenz spielen auch kontaminierte Gegenstände, wie Spielzeuge in Kindergärten, eine Rolle.
In einigen Fällen scheint die Infektion auch auf aerogenem Weg (Tröpfcheninfektion) zu erfolgen.
Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit) ist kurz und beträgt nur bis zu 3 Tagen.
Die Ansteckungsfähigkeit besteht während der akuten Erkrankung sowie meist noch 2 Tage nach Abklingen der Symptome. Die hohe Infektionsrate bei Ausbrüchen von Norovirus-Infektionen wird durch die hohe Viruskonzentration im Stuhl oder Erbrochenen von Erkrankten sowie durch niedrige infektiöse Dosis, die für eine Ansteckung erforderlich ist, erklärt.
Klinisch kommt es zu akut beginnenden Gastroenteritiden (Brechdurchfällen), die durch Durchfälle und Erbrechen charakterisiert sind. Folglich kann eine erhebliche Störung des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes auftreten, was insbesondere bei Kleinkindern oder älteren Patienten Komplikationen verursachen kann.
Es besteht ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Bauchschmerzen, Myalgien (Muskelschmerzen), Kopfschmerzen sowie Malaise. Fieber tritt selten auf, eine Temperaturerhöhung ist durchaus möglich.
Die Dauer der akuten Beschwerden beträgt in der Regel 12 bis 72 Stunden. asymptomatische (ohne Symptome) Verläufe sind möglich. Die Erkrankung ist selbstlimitierend; chronische Verluste kommen nicht vor.
Die Therapie erfolgt symptomatisch, wobei hier die Korrektur des Elektrolyt- und Wasserverlustes vorrangig ist. Spezifische Virusstatika sind bislang nicht bekannt. Nach durchgemachter Norovirus-Infektion kommt es nur zu einer kurzdauernden Immunität. Eine spezifische Prophylaxe gibt es nicht.
Beim Auftreten eines Ausbruches gilt es durch strengste Einhaltung der Hygieneregeln Kontaktinfektionen zu vermeiden. Die hohen Infektionsraten in Gemeinschaftseinrichtungen - z.B. Kindergärten - stellen eine besondere Gefahr für das Personal und die Aufrechterhaltung geordneter Betriebsabläufe dar.
Zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen gehören unter anderem das Tragen von Handschuhen und Schutzkitteln. Einfachste Strategie bei der Vermeidung einer Ansteckung ist sicherlich der Verzicht auf Händeschütteln. Von besonderer Bedeutung ist die Desinfektion von verunreinigten Flächen, insbesondere in Sanitärbereichen. Dabei ist zu beachten, dass nur Präparate eingesetzt werden, die über eine nachgewiesene Viruswirksamkeit verfügen.
Für den Einsatz taugliche Desinfektionsmittel können aus der vom Robert-Koch-Institut (RKI) geprüften Liste von anerkannten Präparaten ersehen werden.
Nach dem Infektionsschutzgesetz § 7 ist der Nachweis der akuten Infektion namentlich meldepflichtig. et.
Kommt es zur Erkrankungshäufung kann die Ätiologie mittels Antigennachweis oder Nukleinamplifikationsmethoden verifiziert werden. Es ist jedoch wenig wirtschaftlich und medizinisch unnötig, bei jedem betroffenen Patienten die Diagnose durch den Nachweis des Erregers zu bestätigen, besonders wenn sich die Symptomatik ähnelt und die Erkrankungsfälle epidemiologisch in Zusammenhang stehen.
Die Entscheidung über die Notwendigkeit der Durchführung der Diagnostik liegt beim behandelnden Arzt. Bei Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen ist der Betriebsarzt zuständig. Ggf. sollte der Öffentliche Gesundheitsdienst bezüglich des Ausbruchsmanagements zu Rate gezogen werden.