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Hautverletzungen

Was sind Hautverletzungen?

Die Haut (Cutis) ist, mit ungefähr zwei Quadratmetern Oberfläche, das größte Organ des Menschen. Sie erfüllt viele Aufgaben, wie Schutz vor schädigenden Umwelteinflüssen, der Übermittlung von Druck-, Temperatur- und Schmerzreizen und der Aufrechterhaltung der Körpertemperatur. Deshalb sollte eine Hautverletzung immer ernst genommen werden.
Bei Hautverletzungen oder Wunden (griech. Trauma) liegt die Trennung des Gewebszusammenhangs der Haut vor. Sie werden meist durch äußere Gewalt verursacht, können aber auch alleinige Folge einer Krankheit sein, beispielsweise ein Geschwür (Ulkus).

Ursachen

Die Haut wird in verschiedene Schichten eingeteilt, die je nach Art der Hautverletzung in unterschiedlichem Maße beschädigt sind. Man unterscheidet zwischen:

  • Der Oberhaut (Epidermis), die aus ständig nachwachsenden Zellen besteht. Diese Oberhautzellen wachsen von innen nach außen, bis sie schließlich an der Oberfläche verhornen und abgeschilfert werden.

  • Der Lederhaut (Dermis), in der die Nerven und Sinnesorgane der Haut liegen. Straffe Bindegewebsnetze sorgen hier für Elastizität und Festigkeit.

  • Der Unterhaut (Subcutis), die vorwiegend aus Fett- und Bindegewebe besteht. Sie schützt als Isolierschicht vor Wärmeverlust und dient als Energie- und Wasserspeicher. In der Unterhaut verlaufen auch die größeren Blutgefäße.

Die verschiedenen Arten von Hautverletzungen wirken sich anhand der unterschiedlichen Entstehungsmuster auch sehr unterschiedlich auf die jeweiligen Hautschichten aus:

  • Im Falle von Schürfwunden ist meist nur die Oberhaut verletzt, weshalb diese Hautverletzungen kaum Bluten und für den Organismus eher ungefährlich sind. Sie entstehen oft durch Stürze auf den Boden. Außerdem kommen Schürfwunden auch zustande, wenn raue Gegenstände am Körper entlang streichen. Bei großer Wärmeentwicklung (Reibung) während des Verletzungsvorganges kann es zudem zu Verbrennungserscheinungen kommen, beispielsweise beim Abrutschen von Kletterseilen.

  • Platzwunden (Quetsch- Risswunden) entstehen durch die Einwirkung stumpfer oder reißender Gewalt auf relativ dünne Haut, die über Knochen oder Knorpel liegt. Sie können mehrere Hautschichten durchdringen.

  • Schnittverletzungen werden durch scharfe und glatte Gegenstände, wie Glas oder Messer verursacht. Sie können alle Hautschichten durchdringen und bluten aufgrund der Verletzung zahlreicher Blutgefäße meist sehr stark.

  • Stichwunden werden durch spitze Gegenstände verursacht, die in die Haut eindringen. Dies ist beispielsweise bei barfüßigem Gehen der Fall, wenn sich Nägel oder Glas in die Fußsohle bohren. So können auch unter der Haut liegende Organe mitverletzt sein.

  • Blasen (Bullae) auf der Haut entstehen, wenn durch Druck oder Reibung sich die obersten Hautschichten von den darunter liegenden lösen. Der so gebildete Hohlraum füllt sich mit Blut oder Gewebeflüssigkeit. Unterschieden werden dabei Blasen, die unter der Hornschicht der Oberhaut liegen (subkorneal), Blasen, die in der Oberhaut liegen (intraepidermal) und solche, die unter der Lederhaut liegen (subdermal).

Symptome

Hautverletzen können je nach Verletzungsmuster unterteilt werden in

Schürfwunden: Dies sind einfache Abtragungen der Oberhaut (Epidermis) mit sehr variabler Tiefe und unregelmäßigen Wundrändern. Bleibt die darunter liegene Lederhaut (Corium) unverletzt, so treten keine Blutungen auf und auch Keime können nicht eindringen, da die Oberhaut keine Blutgefäße besitzt. Je nach Tiefe und Schwere der Verletzung können bei Schürfwunden folgende Merkmale auftreten:

  • Punktförmige Einblutungen oder auch stärkere Blutungen. Diese Wunden nässen meistens relativ stark.
  • Starke Schmerzen, da beim Aufschürfen der Oberhaut Nervenenden aus der Lederhaut freigelegt werden.
  • Verschmutzungen, beispielsweise nach einen Sturz auf einer Aschenbahn, oder Straßenschmutz, der sich fest in die Haut einreibt.
    Weil Schürfwunden jedoch nur oberflächlich sind und nur die Oberhaut abgetragen wurde, heilen sie folgenlos ab, ohne eine Narbe zu hinterlassen.

Platzwunden (Riss-Quetschwunden): Relativ dünne Hautpartien, die über Knochen oder Knorpel liegen, wie beispielsweise Nasenrücken oder Schienbein, sind besonders anfällig für Quetsch-Risswunden. Meist werden durch stumpfe Gewalteinwirkung weiche Hautpartien gequetscht und geprellt. Die Haut kann unter dem entstandenen Druck nicht ausweichen und platzt auf. Die resultierenden Verletzungen weisen in der Regel unregelmäßige, oft zerfetzte Wundränder auf, die durch so genannte Taschen unterhöhlt sein können. An den Wundrändern befindet sich häufig nekrotisches, das heißt abgestorbenes oder völlig zerstörtes Gewebe. Stark zerklüftete Wunden sind zudem besonders anfällig für Wundinfektionen. Häufig bluten die Wunden mittelstark. Im Falle von Taschenbildungen oder bei Kopfplatzwunden kann es aber auch zu sehr starken Blutungen kommen. Sind Arterien verletzt, kann das hellrote Blut pulsartig aus der Wunde herausströmen. Bei venösen Gefäßverletzungen sickert eher dunkles Blut aus der Wunde.

Schnittwunden: dabei handelt es sich um meist klaffende glatte Wunden, die auch in tiefe Gewebeschichten reichen können. Die Wundränder sind glatt und sie bluten meistens stark. Die Schmerzen sind im Vergleich zu Quetsch-Risswunden eher gering.

Stichwunden und auch Pfählungsverletzungen erscheinen häufig an der Oberfläche als eher kleine Wunden, die aber meistens recht weit in die Tiefe reichen. Bleibt der verursachende Gegenstand, beispielsweise ein Messer, nicht in der Wunde, können solche Verletzungen schwer überschaubar sein. Der schmale Stichkanal verhindert oft, dass man die ganze Wunde sehen kann. Meistens bluten Stich- oder Pfählungsverletzungen nach außen nicht stark. Es können aber, je nach Verletzung, innere Blutungen auftreten und lebenswichtige Organe oder Organteile mit betroffen sein.

Blasen entstehen, wenn durch andauernden Druck oder Reibung sich die obersten Hautschichten von den darunter liegenden lösen. Der so gebildete Hohlraum füllt sich mit Blut oder Gewebeflüssigkeit. Es können bis zu sechs Stunden vergehen, bis eine Blase in Folge einer Hautreizung sichtbar wird.

Therapie

Bei allen Hautverletzungen beginnt die Wundversorgung zunächst mit der Beurteilung der Wunde. Durch eine umfassende körperliche Untersuchung werden Ausdehnung und Tiefe der Wunde festgestellt. Je nach Art der Hautverletzung unterscheiden sich die weiteren Behandlungsmöglichkeiten der Wunden jedoch von Fall zu Fall.

  • Eine Schürfwunde sollte zunächst gereinigt werden um eingedrungene Fremdkörper aus der Wunde zu entfernen. Dazu kann ein Mulltupfer oder, bei tief sitzenden, groben Schmutz, auch eine sterile Bürste mit abgerundeten Borsten verwendet werden. Wenn nötig, können dem Betroffenen vor der Wundreinigung Schmerzmittel verabreicht werden. Nach der groben Reinigung sollte die Wunde mit steriler Lösung gespült werden. Nach der Reinigung und Desinfektion der Wundfläche sollten eventuelle Blutungen gestillt werden. Dazu werden häufig oberflächlich wirkende, blutungsstillende Substanzen (Hämostatika) oder Adstringenzien benutzt. Adstringenzien sind Substanzen, die mit den oberen Gewebsschichten reagieren und eine dünne Membran bilden, die die Wunde verschließt. Die oberflächliche Anwendung von anitbiotikahaltigen Substanzen gilt in der modernen Wundversorgung als veraltet. Leichte Schürfwunden werden nach Reinigung und Desinfektion mit einem Sprühverband oder einem Pflaster abgedeckt. Sie heilen unter Bildung eines Schorfs am besten ab.

  • Im Falle einer Quetsch-Risswunde muss zuerst die Blutung gestillt werden. Bei Verletzung einer Arterie kann ein Druckverband notwendig werden, oder, wenn dies nicht ausreicht, ein Arm oder ein Bein vorübergehend abgebunden werden.Die Wunde wird dann mit einem sterilen Verband abgedeckt. Zur Erstversorgung kommen sterile Mullkompressen, sterile Vlieskompressen, Salbenkompressen und Verbandfixierungen zur Anwendung. Nach der ersten Wundversorgung sollte der betroffene Körperteil ruhig gestellt und hoch gelagert werden. Kalte Umschläge oder Eispackungen können abschwellend und schmerzlindernd wirken (PECH-Regel = Pause- Eis- Compression- Hochlagern). Bei der weiteren Versorgung der Wunde durch den Arzt wird diese zunächst gereinigt, feststeckende Gegenstände werden entfernt und die Wundränder werden gerade geschnitten. Falls bei stark zerklüfteten Wunden mit Wundtaschen eine Wundausschneidung nicht möglich ist, wird die Wunde sorgfältig gespült und tamponiert. Hier können unter Umständen auch Enzyme zur Wundreinigung eingesetzt werden.

  • Eine Schnittwunde muss in der Regel durch einen Arzt versorgt werden. Dieser ermittelt zunächst das Ausmaß der Verletzung um festzustellen, ob beispielsweise Nerven oder wichtige Blutgefäße mit verletzt wurden. Dann wird die Wunde mit steriler Kochsalzlösung ausgespült. Bei kleinen Wunden reicht danach ein Verschluss der Wundränder mittels Klammerpflaster oder Wundkleber. Das ist besonders bei Kindern und bei Gesichtsverletzungen sinnvoll. Bei größeren oberflächlichen und sauberen Wunden, die einen glatten Wundrand haben, wird die Wunde mit einer so genannten Einzelknopfnaht oder mit einer fortlaufenden oberflächlichen Hautnaht verschlossen. Danach wird die Wunde steril abgedeckt und hoch gelagert. Die Entfernung der Nähte kann, je nach Heilung, zwischen dem 6. und 14. Tag erfolgen.

  • Bei Stichverletzungen dürfen im Rahmen der Sofortmaßnahmen am Unfallort niemals Gegenstände aus der Wunde entfernt werden. Andernfalls kann es zu starken Blutungen und zur Eröffnung von Körperhöhlen kommen, was bei tiefen Wunden lebensbedrohlich ist. Manchmal muss der in der Wunde befindliche Gegenstand abgepolstert werden, damit durch den Transport keine weiteren Verletzungen verursacht werden. Das Anlegen eines Druckverbands kann in manchen Fällen sinnvoll sein. Nach dem Ruhigstellen der Wunde sollte jedoch sofort ein Arzt aufgesucht werden. Bei Stichverletzungen im Bauch wird häufig die Bauchhöhle geöffnet, um die inneren Verletzungen besser beurteilen und versorgen zu können. Der verursachende Gegenstand darf nur dann aus der Wunde gezogen werden, wenn für den Notfall ein Operationsteam zur Verfügung steht. Ist der Brustkorb betroffen, so sollte zudem eine Röntgenaufnahme gemacht werden, um Lungenblutungen und eingedrungene Luft festzustellen.

  • Wurde eine Blase im Rahmen einer körperlichen Betätigung durch Reibung verursacht, sollte die Tätigkeit unterbrochen werden. Neu aufgetretene Blasen auf der Haut sollten zunächst durch ein Pflaster abgedeckt werden um die Stelle so vor weiteren Reizungen schützen. Das Pflaster muss glatt aufgeklebt werden und darf keine Falten bilden. Geschlossene Blasen sollten auf keinen Fall geöffnet werden, da sie der darunterliegenden Hautschicht einen Schutz vor Infektionen bietet. Die dazwischen liegende Flüssigkeit wird allmählich resorbiert. Großflächige Blasen können vom Arzt vorsichtig mit einer sterilen Nadel punktiert werden. Ist eine Blase geplatzt, so sollte die obere Hautschicht nicht abgetragen werden, um den schützenden Effekt so lange wie möglich zu erhalten.

Jede Verletzung der Haut sollte innerhalb von 6 Stunden versorgt werden. Alle Wunden, die nicht innerhalb der ersten 6 Stunden behandelt werden, gelten als infiziert. Infizierte Wunden sind durch Schwellung, Hautrötung und Druckempfindlichkeit der betroffenen Stelle gekennzeichnet. Die Infektion kann sich von der Wunde ausgehend über die Lymphbahnen und -knoten im Körper ausbreiten. Besonders bei Verletzungen im Freien ist der Wundstarrkrampf (Tetanus) gefürchtet. Tetanus ist eine schwere bakterielle Wundinfektion, die zu einer Erkrankung des Nervensystems mit Krämpfen der Muskulatur führt und für den Betroffenen lebensbedrohlich werden kann. Deshalb wird in der Regel selbst bei kleinsten Verletzungen der Tetanusschutz des Betroffenen überprüft und gegebenenfalls aufgefrischt.

Prognose

Die Prognose von saubere, genähte Wunden ist im Normalfall sehr gut. Wird eine Hautverletzung gut versorgt, heilt sie meist problemlos. Im Falle von Schürfwunden der Haut wird in der Regel nur die Oberhaut abgetragen. Sie heilen deshalb im Normalfall folgenlos wieder ab und hinterlassen keine Narben. Bei anderen, tieferen Wunden bildet sich, je nach schwere der Verletzung eine mehr oder weniger ausgeprägte Narbe. Die Behandlung infitzierter und entzündeter Wunden ist dagegen oft langwierig. Sie hinterlassen auch größere Narben oder bilden Einziehungen an der Haut. Viele dieser kosmetischen Probleme können jedoch später korrigiert werden. Nur wenige Wunden heilen so schlecht, dass man von einem chronischen Verlauf sprechen muss.



Letzte Aktualisierung am 22.07.2010.

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