Youtube
Folgen Sie uns auf  

Verrenkung und Bruch an Handwurzelknochen

Lesezeit: 4 Min.

Verrenkungen und Brüche an den Handwurzelknochen

Jeder Mensch besitzt auf jeder Seite acht Handwurzelknochen (Kahnbein, Mondbein, Dreiecksbein, Erbsenbein, Großes und Kleines Vieleckbein, Kopfbein sowie Hakenbein). Diese relativ kleinen Knochen ermöglichen im Zusammenspiel eine gute Beweglichkeit der Hand in mehreren Richtungen. Ist ein Handwurzelknochen gebrochen (Fraktur) oder verrenkt (Luxation), so ist eine Behandlung, oftmals auch operativ, angezeigt.

Ursachen von Brüchen und Ausrenkungen des Handwurzelknochens

Knochenbrüche und Ausrenkungen in der Handwurzel können durch verschiedene mechanische Einwirkungen entstehen, beispielsweise bei einem Sturz auf die Hand.

Symptome

Sowohl bei Verrenkungen als auch bei Brüchen entstehen Schmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit in der Handwurzel. Eine Fehlstellung ist möglich. Häufig sind Strukturen in der Nähe, z.B. Muskeln, Sehnen, Gelenke, Fettgewebe, Gefäße und Nervenstränge, ebenfalls beschädigt.

Diagnose

Neben der Patientenbefragung (Anamnese) und der körperlichen Untersuchung dienen vor allem Röntgenuntersuchungen sowie CT-Untersuchungen (Computertomographie) der Darstellung der Befunde.

Differenzialdiagnose

Brüche und Ausrenkungen müssen voneinander unterschieden werden. Auch andere Krankheiten, z.B. Gelenkschäden (Arthrose), können ähnliche Symptome hervorrufen.

Therapie

Die Behandlungsmethode hängt insbesondere von der Art und dem Ausmaß der Schäden ab.

Konservative Therapie

Die Knochen werden manuell wieder an die richtige Stelle geführt. Hierzu erfolgt in der Regel eine örtliche Betäubung, eine Regionalanästhesie (Betäubung eines größeren Körperbereiches, hier des Armes) oder eine Vollnarkose. Zur Abheilung muss oftmals ein Gipsverband oder ähnlicher stabilisierender Verband für mehrere Wochen angelegt werden.

Operation

Auch die operative Therapie wird in örtlicher oder regionaler Betäubung oder in Vollnarkose vorgenommen.

Es kann eine so genannte Blutleere zur Operation vorgenommen werden. Dazu wird eine Manschette um den Arm gelegt, um den Blutfluss zu stoppen. Ermöglicht wird somit eine bessere Sicht, da weniger störendes Blut vorhanden ist, und außerdem ist der Verlust an Blut geringer.

Prinzipiell kann eine offene Operation (mit einem offenen Zugang zu den verletzten Strukturen) oder eine arthroskopische Operation erfolgen. Bei der arthroskopischen Methode (Gelenkspiegelung) wird ein kleiner Hautschnitt vorgenommen, über den ein optisches Gerät (Arthroskop) mit einer feinen Kamera von der Handaußenfläche aus unter Zufuhr von Flüssigkeit oder Gas in den Gelenkspalt eingeschoben wird. Weitere Instrumente werden über denselben oder einen anderen Zugang eingeführt. Der Operateur kann die Behandlungsmaßnahmen nun durchführen und direkt auf einem Monitor beobachten.

Zunächst werden die gebrochenen oder verrenkten Knochen wieder in die richtige Position geführt.

Eine Stabilisierung kann mit verschiedenen Materialien erfolgen. So genannte Kirschner-Drähte können die (gebrochenen) Knochen verbinden, gegebenenfalls werden sie auch um die Knochen herum gelegt (Zuggurtung). Ebenfalls können Platten und Schrauben zur Knochenverbindung eingesetzt werden. Bisweilen wird auch ein Fixateur externe angelegt, eine äußere Befestigungsstruktur mit Metallgestell, das über Schrauben im Knochen verankert wird. Der Fixateur externe wird besonders bei offenen und unreinen Knochenbrüchen installiert.

Eine Röntgenuntersuchung ist notwendig, um den Behandlungserfolg zu kontrollieren.

Auch nach einer Operation muss die Hand oder der Arm oftmals durch einen Gipsverband oder anderen schienenden Verband stabilisiert werden. Dies ist jedoch nicht immer notwendig, so dass dann bereits kurz nach der Operation wieder eine Bewegung in den Gelenken stattfinden kann (übungsstabile Verbindung).

Mögliche Erweiterungen der Operation

Oftmals zeigt sich erst während dem Eingriff, dass die Schäden weiter gehen als im Vorfeld angenommen, so dass eine Erweiterung der Operation notwendig werden kann. Auch Komplikationen können es notwendig machen, auf eine weitere Behandlungsmethode umzuschwenken.

Besteht ebenfalls eine Bandverletzung, kann dieses oftmals wieder zusammengenäht werden oder mit Drähten oder Schrauben am Knochen befestigt werden. Gegebenenfalls muss jedoch eine Rekonstruktion des Bandes erfolgen, bei der eine Sehne versetzt wird, so dass die jeweilige Funktion wieder möglich ist. Dafür bestehen mehrere Methoden.

Manchmal muss während der Operation oder in einer weiteren Sitzung Knochenmaterial ersetzt werden. Dazu wird entweder Knochengewebe aus dem eigenen Körper, meist dem Beckenkamm, herausgenommen und an der geschädigten Stelle eingepflanzt oder künstliches Knochenmaterial dafür verwendet.

Bei unsauberen Wunden können Antibiotikaträger, beispielsweise Ketten, in den Defekt eingebracht werden, um eine Infektion zu verhindern. Auch kann eine offene Wundbehandlung angezeigt sein, damit Eiter ungehindert abfließen kann. Bestehen ausgedehnte beschädigte Bereiche, so kann ein spezieller Eingriff aus der plastischen Chirurgie notwendig werden.

Nicht selten wird das eingebrachte Stabilisierungsmaterial (z.B. Drähte, Schrauben) später wieder entfernt, insbesondere wenn sich dadurch Komplikationen ausgebildet haben.

Komplikationen

Strukturen im Operationsgebiet können verletzt werden. Es können Blutungen, Nachblutungen und Blutergüsse (Hämatome) entstehen, bei Nervenverletzungen kann es zu Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen kommen, was nur selten dauerhaft ist.

Infektionen, Wundheilungsstörungen sowie überschießende Narbenbildung können entstehen. Funktionseinschränkungen, beispielsweise in den benachbarten Gelenken, sowie Fehlstellungen können sich ergeben. Auch allergische Reaktionen können auftreten. Bei angelegtem Verband können Knochen und Weichteile stark geschwächt werden, auch das Sudeck-Syndrom, bei dem zusätzlich starke Schmerzen bestehen, kann nicht ausgeschlossen werden. Manchmal können eingebrachte Stabilisierungsmaterialien geschädigt werden oder vom Körper nicht angenommen werden.

Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Prognose

Schäden im Handgelenk sind oft nicht einfach zu behandeln. Es kann vorkommen, dass trotz optimaler Therapie eine Bewegungseinschränkung, Fehlstellung oder Schmerzhaftigkeit bestehen bleibt, was möglicherweise weitere Behandlungen nach sich ziehen kann.

Hinweise

Vor der Operation

Oftmals müssen gerinnungshemmende Medikamente wie Aspirin® oder Marcumar® abgesetzt werden. Dies erfolgt in Absprache mit dem Arzt.

Nach der Operation

Bei ambulant stattfindender Operation muss sich der Patient abholen lassen und sollte für einen Tag kein Auto fahren, keine Maschinen bedienen und auch keine bedeutsamen Entscheidungen treffen.

Oftmals ist für einige Wochen eine Schonung der operierten Hand notwendig. Krankengymnastik kann den Heilungsverlauf positiv beeinflussen, insbesondere müssen Gelenke, die von der Operation nicht betroffen sind, regelmäßig bewegt werden.

Zeigen sich Besonderheiten, die Symptome einer Komplikation sein könnten, sollte der Arzt kurzfristig informiert werden.

Verrenkung | Bruch | Verrenkungen | Brüche | Handwurzelknochen

V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 22.08.2016
War dieser Artikel hilfreich?

Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Handwurzelknochen

?
fragt lafka   vor > 5 Jahre  1459

Ich bin am 18.3 die treppe runtergefallen und habe mich über meinem linken Arm abgefangen.Dabei ist der Daumen zum Handrücken hin abgebogen und es ... mehr

?
fragt Esolady   vor > 6 Jahre  1869

Hallo,
ich wollte folgendes wissen und zwar ist bei meinem Röntgenbild von der Hand eine " unruhige Struktur im Handwurzelknochenbereich" ... mehr

?
Grundgelenk Mittelfinger   Offene Frage
fragt nussbaum   vor > 6 Jahre  1245

ich bin mit meinem handrücken, grundgelenk mittelfinger, beim sport gegen jemanden gehauen. es hat geknackt, am nächsten morgen war es sehr ... mehr

Alle Beiträge anzeigen: Handchirurgie » Handwurzelknochen

Stellen Sie Ihre Frage

Haben Sie bereits ein Benutzerkonto? Anmelden (Login)
Bitte wählen Sie ein passendes Forum aus.
Bitte geben Sie einen Titel für Ihre Frage oder Anmerkung ein.


Ja, ich möchte Antworten per E-Mail erhalten

Ich stimme den Nutzungsbedingungen und den Datenschutzbestimmungen zu.

14 Fragen zu Handwurzelknochen
Handwurzelknochen

Arztsuche

Plastische Chirurgen
Portrait Prof. Dr. Eva Lang, Zentrum für Plastische, Hand- u. Rekonstruktive Mikrochirurgie am Evangelischen Krankenhaus Zweibrücken, Zweibrücken, Plastische Chirurgin Prof. Dr. E. Lang
Plastische Chirurgin
in 66482 Zweibrücken
Portrait Prof. Dr. med. Nektarios Sinis, Privatklinik für Plastische- und Ästhetische Chirurgie Berlin, Berlin, Plastischer Chirurg Prof. Dr. N. Sinis
Plastischer Chirurg
in 14199 Berlin
Portrait Dr. med. Gerrit Reppenhagen, Privatpraxis im Ruhrgebiet Dr. med. Gerrit M. Reppenhagen, Mülheim an der Ruhr, Plastischer Chirurg Dr. G. Reppenhagen
Plastischer Chirurg
in 45481 Mülheim an der Ruhr
Alle anzeigen Zufall