Youtube
Folgen Sie uns auf  

Aufgaben einer Hebamme vor, während und nach der Geburt

Lesezeit: 4 Min.

Vor der Geburt (Betreuung in der Schwangerschaft)

Schwangere Frauen lassen sich häufig schon Monate vor der Geburt von der freiberuflichen Hebamme ihrer Wahl begleiten. Die Hebamme hilft der werdenden Mutter, problemlos durch die Schwangerschaft zu kommen. Die Hebamme kann Untersuchungen durchführen, um den Schwangerschaftsverlauf zu verfolgen. Sie misst beispielsweise regelmäßig Körpergewicht und Blutdruck der Mutter und schaut mittels CTG (Cardiotokographie, so genannter Wehenschreiber) nach den Herzaktionen des Kindes und nach eventuellen Wehen. Die Untersuchungsbefunde werden im Mutterpass vermerkt, die Hebamme spricht mit der Mutter auch darüber. Weitergehende Untersuchungen werden aber vom Arzt durchgeführt.

In Fragen der Lebensführung kann die Hebamme Tipps geben, unter anderem zur Ernährung. Sie kann auch sagen, welche Aktivitäten die Schwangere machen darf und welche nicht. Bei Schwangerschaftsbeschwerden weiß die Hebamme Rat, wie sie gelindert werden können oder wann es notwendig ist, einen Arzt aufzusuchen. Sollte eine Schwangere wegen Komplikationen oder Risiken in einer Klinik bleiben müssen, führt die Hebamme dort die Betreuung weiter.

Hebammen führen Geburtsvorbereitungskurse durch. In diesen Kursen lernen Schwangere, wie sie sich in der Schwangerschaft verhalten sollten, wie die Geburt vor sich geht, und sie machen wichtige Bewegungs- und Atemübungen. Die leitende Hebamme zeigt den Schwangeren dort auch spätere Maßnahmen wie den richtigen Umgang mit dem Kind. Die Hebamme kann eventuell auch weitere oder ergänzende Kurse anbieten wie z. B. Schwangerschaftsgymnastik.

Geburtshilfe

Die im Allgemeinen wichtigste Tätigkeit der Hebamme ist die Geburtsunterstützung. In Deutschland muss bei jeder Geburt eine Hebamme dabei sein. Das trifft auch auf Risikogeburten zu, bei denen sie zusätzlich zum Arzt anwesend ist, sowie auf Kaiserschnitte. Ansonsten leitet die Hebamme eine Geburt oft alleine. In der Realität finden natürlich auch Geburten ohne Hebamme statt, weil der Zeitpunkt nicht gut zu planen ist. Wird das Kind etwa schon auf dem Weg zur Klinik geboren, ist dort normalerweise noch keine Hebamme zugegen. Bei dringlichen Notfällen holt ein Arzt bisweilen alleine das Kind zur Welt.

In allen anderen Fällen ist die Hebamme eine unentbehrliche medizinische Fachperson für die Geburt. Sie führt unterstützende Maßnahmen durch, um die Geburt für die Mutter zu vereinfachen. Die Hebamme kann bereits mit Worten eingreifen, so dass die Gebärende sich nach ihren Hinweisen richten kann. Auch menschliche Fähigkeiten sind für eine Hebamme wichtig, da sie die Gebärende beruhigen und ermutigen soll.

Wenn das Kind kommt, kann die Hebamme z. B. mithelfen, indem sie den Kopf fasst und hält. Sie sorgt für den Dammschutz, damit das Gewebe dort möglichst nicht reißt. Falls nötig, kann sie einen Dammschnitt ausführen und leichtere Wunden nach der Geburt vernähen.

Nach der eigentlichen Geburt nabelt die Hebamme das Kind ab. Von der Hebamme wird das Kind untersucht (erste Vorsorgeuntersuchung, U1) und weiter versorgt. Sie kann das Kind der Mutter in die Arme geben. Dann hilft sie der Mutter bei der Nachgeburt. Außerdem ist die Hebamme dafür zuständig, die Geburt zu protokollieren und die Untersuchungsergebnisse des Kindes einzutragen.

Erkennt die Hebamme im Geburtsablauf, dass es zu Schwierigkeiten kommt, dann ruft sie einen Arzt hinzu oder veranlasst bei Hausgeburten den Transport in die Klinik. Führt bei einer schwierigen Geburt ein Arzt die Maßnahmen durch, dann unterstützt sie ihn dabei. Sie geht dem Arzt unter anderem bei einer Zangen- oder Saugglockengeburt zur Hand, ebenfalls bei einer Schnittentbindung (Kaiserschnitt). Sie kann beispielsweise das CTG (Cardiotokographie) bedienen, um die kindlichen Herzaktivitäten und die Wehen aufzuzeichnen, oder sie kann Medikamente verabreichen.

Eine Hebamme ist rund um die Uhr in Bereitschaft. Im Krankenhausalltag können bei einer Entbindung im Kreißsaal die Hebammen wechseln, damit sie nicht irgendwann überarbeitet sind. Viele Hebammen bieten auch an, zu einer Hausgeburt in die Wohnung der Schwangeren zu kommen. Ein Geburtshaus ist eine Einrichtung, in der mehrere Hebammen Geburten durchführen können. Manche Hebammen ermöglichen der Mutter sogar eine Praxisgeburt in der eigenen Hebammenpraxis.

Nach der Geburt (Betreuung im Wochenbett)

Hebammen sind dafür zuständig, die Mutter und das Neugeborene in den ersten Wochen nach der Geburt zu betreuen. Das umfasst einerseits die Unterstützung bei alltäglichen Dingen und gesundheitlichen Problemen. Andererseits überprüft eine Hebamme auch, ob in der ersten Zeit alles in Ordnung ist. Sie untersucht mehrmals die Mutter und sorgt dafür, dass die Abheilung und Rückbildung nach der Schwangerschaft gut verläuft. Teilweise leiten Hebammen Kurse zur Rückbildungsgymnastik. Eine Hebamme kann sich auch um die Wundpflege kümmern. Die Hebamme schaut nach dem Kind und beurteilt, ob es gut versorgt wird. Sie kontrolliert, ob sich das Kind regelrecht entwickelt. Die Hebamme steht der jungen Familie bei, wenn es um Themen wie den richtigen Umgang mit dem Kind, die Hygiene, das Stillen oder die Ernährung des Kindes geht.

Die Hebamme kann außerdem psychologische Unterstützung bieten. Sie kann sich um die Mutter kümmern, wenn diese unter einer Wochenbettdepression leidet oder sich weitere seelische Schwierigkeiten ergeben. Selbst in dem Fall, dass die Schwangerschaft für das Kind nicht glücklich geendet ist, bietet die Hebamme ein Stück weit Unterstützung. Sie kümmert sich darum, dass die Mutter und ihr Partner eine solche Situation gut verarbeiten können, und gibt auch in anderen Lebensbereichen eine Hilfestellung.

Spezielle Angebote von Hebammen

Hebammen bieten häufig Leistungen an, die weit über ihr ursprüngliches Tätigkeitsgebiet hinausgehen. Oftmals setzen Hebammen alternative und sanfte Methoden ein. Sie können Verfahren wie Akupunktur, Hypnose (z. B. Hypnobirthing), Naturheilkunde, Homöopathie oder Laserbehandlungen anbieten.

Manche Hebammen sind darauf spezialisiert, Paare bei der Familienplanung zu unterstützen. Andere Hebammen beraten Schwangere und junge Mütter hinsichtlich der richtigen Ernährung. Einige kümmern sich um Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch wünschen beziehungsweise vornehmen. Es gibt noch weitere Hebammen, die sich jeweils mit einer besonderen Aufgabe im Rahmen der Schwangerschaft oder Geburt auseinandersetzen.

Eine besondere Hebamme ist zudem die Familienhebamme. Diese kümmert sich um Mütter oder Familien, die neben der Geburt und Betreuung des Kindes eine weitere schwierige Lebenslage durchstehen müssen. Familienhebammen helfen beispielsweise sozial benachteiligten Eltern und Kindern, alleinerziehenden Müttern, noch nicht volljährigen Müttern, Familien mit Suchtproblemen oder häuslicher Gewalt sowie Müttern mit einer Behinderung. Durch diese besondere Betreuung können Mutter und Kind leichter mit dem Alltag umgehen und werden nicht so stark sozial und emotional belastet. Die Tätigkeit der Familienhebamme erstreckt sich meist bis zu der Zeit, an dem das Kind ein Jahr alt wird.

V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 29.02.2016
War dieser Artikel hilfreich?

Aktuelle Beiträge im Forum Frauenheilkunde

?
Allergie   Offene Frage
fragt Coora   vor ~ 12 h  54

Bei mir wurde vor zwei Jahren eine Senkungs- OP durchgeführt. Dabei würde das TVM-Verfahren angewandt.
Ich habe nun seit einem halben Jahr sehr ... mehr

 
sagt einsmile   vor 3 Tage  556

Hallo

Ich bin 44 Jahre alt, mein Partner ist sterilisiert. Seit neun Tage (da hätte meine Periode kommen sollen) habe ich Beschwerden der Mens. ... mehr

 
sagt bonitavb4   vor 7 Tage  99881

bernicesz18

Alle Beiträge anzeigen: Forum Frauenheilkunde

Stellen Sie Ihre Frage

Haben Sie bereits ein Benutzerkonto? Anmelden (Login)
Bitte wählen Sie ein passendes Forum aus.
Bitte geben Sie einen Titel für Ihre Frage oder Anmerkung ein.


Ja, ich möchte Antworten per E-Mail erhalten

Ich stimme den Nutzungsbedingungen und den Datenschutzbestimmungen zu.

Arztsuche

Ärzte
Portrait Dr. med. Konrad Kastl, Gilching, HNO-Arzt Dr. K. Kastl
HNO-Arzt
in 82205 Gilching
Portrait Dr. Danuta Sobczak, Haar-Kompetenzzentrum Freiburg, Freiburg, Hautärztin Dr. D. Sobczak
Hautärztin
in 79098 Freiburg
Portrait Dr. med. Darius Alamouti, Privatärztliche Praxis in der Haranni-Clinic, Herne, Hautarzt Dr. D. Alamouti
Hautarzt
in 44623 Herne
Alle anzeigen Zufall