Als Präeklampsie bezeichnet man einen schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck. Sie entsteht in der Schwangerschaft und gilt als Vorstufe der Eklampsie (Krampfanfälle) und erfordert daher eine frühestmögliche Erkennung.
Charakteristisch für die Präeklampsie ist das Vorliegen:
In der Medizin wird sie auch als EPH-Gestose (E für Edema (Ödeme), P für Proteinurie und H für Hochdruck) bezeichnet.
10 Prozent aller schwangeren Frauen leiden während der Schwangerschaft unter einem Bluthochdruck, davon sind im Durchschnitt etwa fünf bis acht Prozent aller Schwangeren von einer Präeklampsie betroffen. Bei 1 von 2500 bis 3500 Schwangerschaften kommt es zu einer schweren Verlaufsform der Erkrankung mit Krampfanfällen, welches dann als Eklampsie bezeichnet wird.
Die Präeklampsie ist für Mutter und Kind sehr gefährlich, da sie viel komplizierter verläuft als der gewöhnliche Bluthochdruck. In den Entwicklungsländern versterben immer noch viele Frauen an dieser Krankheit.
Die Ursachen für die Entstehung einer Präeklampsie sind bislang unbekannt, daher erfolgt die Behandlung auch nur rein symptomatisch. Mutter und Kind müssen daher streng überwacht werden. Derzeit gilt die Entbindung als einzige kausale Therapie und wird meistens schon frühzeitig eingeleitet und stellt ein hohes Risiko für das Leben des Kindes aufgrund der kindlichen Unreife dar. Die Präeklampsie beeinträchtigt zudem die Funktion der Plazenta (Mutterkuchen) sehr stark, welches wiederum zu Wachstumsstörungen beim Kind führen kann.
Bislang sind die Ursachen der Präeklampsie noch unbekannt, dennoch kann man einige Risikofaktoren benennen.
Als Ursachen werden vor allem diskutiert:
Experten vermuten außerdem, dass es durch Kombination mehrerer Risikofaktoren zu einer Ausbildung der Präeklampsie kommt. Zu den Risikofaktoren der Präeklampsie gehören:
Meistens kommt die Erkrankung nach dem sechsten Schwangerschaftsmonat zum Vorschein. Je früher sich die Präeklampsie entwickelt, desto schwerer ist der Verlauf.
Die Erkrankung führt zu Schäden an den Innenwänden der Blutgefäße. Die Blutgefäße werden dadurch nicht mehr so durchlässig und behindern zum einen die Blutzirkulation zwischen Mutter und Kind, es kommt dadurch zu einer Mangeldurchblutung der Plazenta und zu einem Blutdruckanstieg bei der Mutter. Die Blutgefäß-Zellschäden können unter anderem bei der Mutter auch zu Organschäden führen, vor allem ist hier die Niere betroffen und scheidet als Folge überdurchschnittlich viel Eiweiß aus.
Wie bei vielen Erkrankungen gibt es auch hier eine genetische Veranlagung. Patienten mit Bluthochdruck in der Verwandtschaft oder eine durchgemachte Präeklampsie der Mutter der Schwangeren oder der Geschwister, neigen häufiger zur Ausbildung des Syndroms.
Die drei Leitsymptome bei einer Präeklampsie sind:
Eigentlich zählen Ödeme nicht mehr zu den Leitsymptomen einer Präeklampsie, da es auch in normal verlaufenden Schwangerschaften zu Wassereinlagerungen von bis zu mehreren Kilogramm im Gewebe kommen kann. Zudem können auch ohne Ödeme schwere Präeklampsien auftreten.
Neben diesen Beschwerden berichten die Betroffenen meist über plötzlich starke Gewichtszunahme, Abnahme der Urinausscheidung (Oligurie), Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, allgemeines Unwohlsein, Benommenheit und Sehstörungen (meist Augenflimmern). Zudem kann der Arzt in den meisten Fällen eine Hyperreflexie (gesteigerte Reflexe) feststellen.
Bei 20 Prozent aller Betroffenen kann es außerdem zu einer Leberbeteiligung und damit verbunden zu einer Erhöhung der Leberwerte (Bilirubin, Transaminasen und alkalische Phosphatasen) kommen. Die Leberwerte werden laborchemisch nachgewiesen.
Die akuten Beschwerden klingen nach der Geburt meist innerhalb von wenigen Tagen ab. In der Regel dauert es vier bis sechs Wochen bis sich der Blutdruck und die Urinausscheidung normalisieren. Dennoch können sie ein wichtiger Verdachtsgrund einer Proteinurie sein, da Ödeme durch den starken Eiweißverlust begünstigt werden.
Bei sorgfältiger Überwachung und evtl. Behandlung (nur wenn nötig) bleibt die Präeklampsie in den meisten Fällen für Mutter und Kind folgenlos.
Zu den möglichen Komplikationen und Folgeerkrankungen einer Präeklampsie zählen:
Sie tritt zwar selten auf, kann aber für das Kind gefährlich werden. Aufgrund der Mangeldurchblutung des Mutterkuchens (Plazenta) kann es zu Wachstumsstörungen der Plazenta und des Kindes kommen, sowie eine Frühgeburt und Plazentainfarkte verursacht werden. In nur sehr wenigen Fällen kann es zu einer vorzeitigen Plazentalösung kommen, die unter anderem zu einer Sauerstoff-Minderversorgung des Kindes führen können und vaginale Blutungen auslösen. Bei einer großflächigen Ablösung kann es auch zu einem Tod des Kindes im Mutterleib führen.
Sie tritt selten auf und kennzeichnet sich durch eine verstärkte und vermehrte Symptomatik.
Diese sind:
Die Eklampsie ist eine der wichtigsten Folgeerkrankungen, einer nicht behandelten bzw. schlecht behandelten schweren Präeklampsie. Unter dem Begriff Eklampsie versteht man das Auftreten von Krämpfen oder Koma bei schwangeren Patienten. Unbehandelt führt sie zu lebensbedrohlichen Zuständen mit Multiorganversagen bei der Mutter und kann somit zum Tod führen.
Das HELLP-Syndrom ist eine relativ seltene Komplikation der Präeklampsie. Sie ist charakterisiert durch das gleichzeitige Auftreten von Hämolyse (H, Zerstörung der roten Blutkörperchen), erhöhten Leberenzymwerten (elevated liver enzymes = EL) und einer Thrombozytopenie (low platelet count = LP, Mangel an Thrombozyten). Die Ursache für die Entstehung eines HELLP-Syndroms ist bislang nicht eindeutig geklärt, man vermutet das sie Folge einer gestörten Durchblutung zwischen Gebärmutter und Plazenta ist, die mit Freisetzung vasoaktiver Substanzen einhergeht.
Treten gefährliche Leberfunktionsstörungen auf, so kann eine sofortige Entbindung erforderlich sein.
Der Verdacht auf eine Präeklampsie kann bereits nach dem Gespräch mit der schwangeren Patientin gestellt werden. Um die Diagnose zu sichern sollte die Patientin unbedingt in ein Krankenhaus eingewiesen werden, da die Erkrankung möglichenfalls überwacht werden muss.
Die Diagnose einer Präeklampsie kann durch folgende Verfahren gestellt werden:
Insbesondere bei schweren Verläufen werden täglich kontrolliert:
In der Regel wird bei jeder Schwangerschaftsuntersuchung der Blutdruck gemessen und die Eiweißkonzentration des Harns ermittelt. Ziel hierbei ist die frühzeitige Erkennung der Risikofaktoren für eine Präeklampsie.
Die Erkrankung geht besonders mit einer Hypertonie, Proteinurie und ggf. Ödemen einher. Daher sollte man auch an folgende Erkrankungen denken wie:
Da die Ursache der Erkrankung nicht bekannt ist, werden bislang nur die Symptome behandelt.
Wichtig ist hier der Zeitpunkt des Auftretens der Erkrankung, da sich die Behandlung im wesentlichen danach richtet. Bei einem Auftreten vor der 27. Schwangerschaftswoche versucht man die Beschwerden aufgrund der Unreife des Kindes, durch Ruhe und Entlastung, viel Schlaf und einer engmaschigen Überwachung zu Hause oder im Krankenhaus zu mildern bzw. um einen weiteren Blutdruckanstieg zu stoppen. Es werden täglich Blutdruck, Gewicht und Eiweiß im Harn kontrolliert und mindestens zweimal wöchentlich die Blutwerte.
Parallel dazu erstellt der Arzt ein so genanntes „biophysikalisches Profil“ des Kindes. Hierbei werden Wachstum, Kindsbewegungen und Fruchtwassermenge durch Ultraschalluntersuchung mindestens alle zehn bis 14 Tage kontrolliert.
Zudem werden regelmäßig die kindlichen Herztöne mit einem CTG (Kardiotokogramm) aufgezeichnet. Ab der 34. Schwangerschaftswoche werden täglich CTG-Kontrollen durchgeführt.
Kommt es bei der Schwangeren trotz Einhaltung der Ruhe zu keiner Besserung oder sogar zu einer Verschlechterung, so muss die Schwangerschaft auch im frühen Stadium mit einem Kaiserschnitt beendet werden.
In leichten Fällen konnte man gute Erfolge mit einer salz- und eiweißreichen Kost erzielen.
Die medikamentöse Senkung des Blutdrucks sollte vorsichtig und gut kontrolliert durchgeführt werden. Denn eine starke und plötzliche Senkung des Blutdrucks kann beim Fötus zu einer Unterversorgung führen. Sie sollte daher auch erst bei Werten über 170 zu 110 mmHg erfolgen und sollte nicht unter 140 zu 90 gesenkt werden, da das Kind sich an den hohen Druck angepasst hat. Es sollte eine leichte Senkung des Blutdrucks erfolgen, um die Blutversorgung von Plazenta und Gebärmutter nicht zu gefährden.
Mittel der Wahl sind Betarezeptorenblocker, insbesondere das Metoprolol. Auch der Alphablocker Methyldopa oder die Wirkstoffe Dihydralazin und Hydralazin kommen hier zum Einsatz.
Zur Vorbeugung von Krämpfen bzw. beim Auftreten einer Eklampsie kann man intravenös Magnesiumsulfat verabreichen.
Durch die Gabe von Blutgerinnungsfaktoren kann die Blutgerinnung stabilisiert werden. Die erhöhte Tendenz zur Blutgerinnung dagegen, wird mit gerinnungshemmenden Medikamenten, z.B. Heparin, gesenkt.
Ist die Erkrankung trotz oben erwähnter Maßnahmen nicht befriedigend behandelbar und verschlechtert sich der Zustand des Kindes, so ist eine Entbindung erforderlich. Dabei erhalten Kinder vor der 34. Schwangerschaftswoche 24 Stunden vor der Geburt Kortison, um die Lungenreifung zu unterstützen. Bei einer schweren Präeklampsie und der Gefahr einer vorzeitigen Plazentalösung, sowie Herz-Kreislauf-Problemen des Kindes wird immer mittels Kaiserschnitt entbunden.
Unter Umständen können Entspannungstechniken oder eine Psychotherapie die Gefahr einer Präeklampsie senken.
Entgegen früherer Meinungen verzichtet man heute auf eine salzarme bzw. salzfreie Diät. Es wird heute empfohlen eine normal gesalzene und eiweißreiche Ernährung zu sich zu nehmen.
Mit dem Schweregrad der Präeklampsie steigt auch das Risiko einer Frühgeburt. Daher ist eine engmaschige Kontrolle und gute Einstellung des Blutdrucks, sowie die Ermittlung der ausgeschiedenen Eiweißmenge im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge und bei Risikopatienten von großer Bedeutung.
In der Regel bilden sich die Symptome nach der Entbindung wieder zurück. Es treten selten Spätschäden am Kind auf, da die Versorgung heutzutage enorm gebessert wurde.
Das erneute Auftreten einer Präeklampsie ist in den Folgeschwangerschaften besonders dann erhöht, wenn die Mutter an relevanten Vorerkrankungen wie Hypertonie (Bluthochdruck) oder Nierenerkrankungen leidet und die Erkrankung bereits vor der 35. Schwangerschaftswoche aufgetreten ist. Je früher das Syndrom in einer Schwangerschaft auftritt, desto schwerer kann sie bei den Folgeschwangerschaften verlaufen.
Da die Ursache der Erkrankung nicht bekannt ist, gibt es auch keine wirkliche Vorbeugung. Entspannungsübungen, sowie eine positive und ausgeglichene Einstellung zur Schwangerschaft können möglicherweise die Ausbildung der Erkrankung abwehren.
Gehen Sie regelmäßig zur Schwangerenvorsorge, da hier jedes Mal der Blutdruck und der Harn kontrolliert werden. Eine Früherkennung der Krankheit ist sehr wichtig, da zumindest die Symptome dadurch gemildert werden können, denn einen Schutz gibt es leider nicht.
Eine Behandlung mit Acetylsalicylsäure hat sich besonders bei Frauen bewährt, die in der vorherigen Schwangerschaft unter einer Präeklampsie litten oder bereits sehr früh in der Schwangerschaft Hinweise auf eine Präeklampsie liefern.
Laut einem Bericht aus der „National Institute of Child Health and Human Development" (USA), ist es einem Forschungsteam in Bethesda erstmals gelungen, eine Test-Methode zur Früherkennung der Präeklampsie zu entwickeln. Die Forscher untersuchten Blutproben von Teilnehmerinnen und konnten feststellen, dass der Endoglinwert bereits zwei bis drei Monate vor dem klinischen Auftreten der Präeklampsie ansteigt. Daraufhin wurde eine Fall-Kontroll-Studie durchgeführt, die auch belegte, dass im Blutbild von Schwangeren bereits Wochen vor den ersten Symptomen ein Anstieg bestimmter Proteine nachzuweisen ist.
Zur Zeit prüft die Weltgesundheitsorganisation (WHO), ob dieser Test weltweit eingesetzt werden kann, bis dahin ist sie als kritisch zu betrachten.