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Brustentfernung (Mastektomie) bei Brustkrebs

Lesezeit: 3 Min.

Wann kommt eine Mastektomie in Betracht?

Die vollständige Entfernung der Brust bei einer Brustkrebserkrankung ist ein sehr radikales Verfahren, das heute aufgrund der Komplikationen und Belastungen für die Patientinnen (und Patienten) weitestgehend vermieden wird.

Allerdings gibt es einige Fälle, bei denen eine Mastektomie unumgänglich ist. Zu solchen Situationen gehören:

  • Brustkrebs wächst an mehreren Stellen innerhalb der Brustdrüse
  • der Tumor hat die Haut der Brust befallen
  • der Tumor ist in Anteile der Brustwand oder der Muskulatur eingedrungen
  • der Tumor ist sehr groß und über weite Teile der Brust ausgebreitet
  • eine zuvor durchgeführte Chemo-/Bestrahlungstherapie hat nicht zum Erfolg geführt oder der Brustkrebs ist erneut aufgetreten (Rezidiv)
  • es besteht ein entzündlicher Brustkrebs (inflammatorisches Karzinom)

Die vollständige Brustentfernung (Mastektomie) wird immer dann empfohlen, wenn die Heilungschancen durch dieser Operation größer sind als durch eine brusterhaltende Therapie oder Chemo-/Bestrahlungstherapie. Die Wahl der Therapie wird entscheidend beeinflusst durch Größe und Art des Mammakarzinoms, durch die Ausbreitung auf Lymphknoten und andere Organe und durch Alter und Gesundheit der Patientin.

In Zusammenschau aller diagnostischen Ergebnisse und der psychischen und sozialen Umstände der Patientin wird das Team der behandelnden Ärzte die Patientin ausführlich beraten und über Vorteile und Risiken der jeweils möglichen oder notwendigen Therapien beraten. Letztendlich trifft die Patientin selbst - in Zusammenarbeit mit Ärzten und Pflegern - die Entscheidung über das weitere Vorgehen.

Durchführung der Mastektomie (Brustentfernung)

Eine Mastektomie ist in mehreren Varianten möglich. Während das Drüsengewebe immer herausgenommen wird, müssen mehr oder weniger oft auch weitere Gewebeanteile entfernt werden. Normalerweise erfolgen solche Operationen an der Brust in Vollnarkose.

Die häufigste angewandte Technik im Rahmen einer Brustentfernung ist die so genannte modifizierte radikale Mastektomie. Bei dieser Operation werden zwei bogenförmige Hautschnitte quer über die zu entfernenden Brust, jeweils einer oberhalb und einer unterhalb der Brustwarze gesetzt. Über diese Schnitte werden die komplette Brustdrüse und die oberflächlichen Schichten der Brustmuskeln (meist die so genannten Faszien) entfernt. Zusätzlich werden die Lymphknoten der Brust und der Achselhöhle mitsamt dem umliegenden Fettgewebe entfernt.

Bei Tumoren, die in die Brustmuskeln eingewachsen sind, müssen diese mit entfernt werden. Man spricht dann von einer radikalen (klassischen) Mastektomie.

Dasselbe Verfahren ohne Entnahme der Lymphknoten und der Brustmuskeln nennt sich einfache Mastektomie.

Wird nur das Gewebe der Brustdrüse entnommen und nicht Haut oder Brustwarze, dann handelt es sich um eine subkutane Mastektomie. Die Brust entspricht dann in etwa dem männlichen Typ.

Um eine Brust lediglich zu verkleinern, wird eine Reduktionsmastektomie, also eine Teilentfernung des Brustgewebes, vorgenommen.

Mögliche Komplikationen bei einer Mastektomie

Die Komplikationen und die Einschränkungen nach der Operation sind bei einer Brustentfernung recht hoch. Mussten Teile der Brustmuskulatur entfernt werden, kann es sein, dass die Patientinnen nach der Operation in den Bewegungen der Schulter eingeschränkt sind und einen deutlichen Kraftverlust bemerken. Durch die Entfernung der Lymphknoten und Lymphbahnen in der Achselhöhle kann es zu Wasseransammlungen und Schwellungen des Arms und der Hand auf der betroffenen Seite kommen. Zudem entsteht durch diese radikale Operation eine Narbe, die sich quer über die gesamte Brustseite erstreckt. Neben den speziellen Folgen können auch Komplikationen auftreten, die prinzipiell bei jeder OP möglich sind: Blutungen und Nachblutungen, Wundheilungsstörungen, Infektionen und ähnliche Erscheinungen.

Brustrekonstruktion nach Brustentfernung

Für die Patientinnen bedeutet die Brustentfernung eine schwere psychische Belastung, die mit einer Veränderung des Selbstbildes und der Körperwahrnehmung einhergeht. Die Brust stellt für die meisten Frauen den Inbegriff der Weiblichkeit dar, so dass sich nicht selten Frauen nach einer Mastektomie in ihrer Weiblichkeit eingeschränkt sehen und sehr unter den auch nach außen hin sichtbaren Veränderungen leiden. Eine gute Möglichkeit, dies zu verbessern, bietet die plastische Chirurgie. Mittlerweile ist es möglich, gleich im Anschluss an die Mastektomie eine Rekonstruktion der Brust vorzunehmen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn sich an die Brustentfernung keine weitere Therapie wie Bestrahlung oder Chemotherapie anschließen muss. In diesem Fall muss mit der plastischen Operation abgewartet werden, bis die Therapie abgeschlossen ist, was etwa sechs Monate dauern kann.

Zur Brustrekonstruktion eignen sich wie zur Brustvergrößerung Implantate aus Silikon oder Kissen mit einer Füllung aus Kochsalzlösung. Die Brust kann auch aus körpereigenem Material nachgebildet werden. Dazu können Muskeln des Rückens (Latissimus dorsi), der Brustwand oder des Bauches (Rectus abdominis) verwendet werden. Sie werden im Rahmen der Operation von ihrem ursprünglichen Gebiet meist mitsamt der darüber liegenden Haut gelöst und an die Stelle der fehlenden Brust geschwenkt. Dabei behalten sie ihre Nerven und Gefäße, so dass das Gewebe nicht abstirbt.

Mit Unterhautfettgewebe kann eine harmonische, der anderen Brust angepasste Form erreicht werden. Auch die Brustwarzen können aus Hauttransplantaten rekonstruiert werden. In der Regel sind die kosmetischen Ergebnisse der Brustrekonstruktion sehr gut. Da die Wiederherstellung der entfernten Brust als Teil der Therapie gewertet werden kann, werden die Kosten für diese Eingriffe in den meisten Fällen von den Krankenkassen übernommen.

V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 26.11.2015
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