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Inwiefern kann ein Gefäß durch Infusionen, Spritzen und Blutentnahmen geschädigt werden?

Lesezeit: 3 Min.

Die Thrombose ist eine mögliche Gefahr

Die Punktion (der Einstich) eines Blutgefäßes ist immer mit dessen Verletzung (Blutgefäßverletzung) verbunden. Der Stich stellt damit auch einen potentiellen Entstehungsherd für eine weitergehende Erkrankung oder irreparable Schäden dar. Zwar ist die Wunde beim Einbringen einer Kanüle von minimaler Ausdehnung und wird in den allermeisten Fällen vom Körper selbst ohne Weiteres repariert. Es kann in seltenen Fällen jedoch auch zu schwerwiegenderen Folgeerkrankungen kommen. Bei Blutentnahmen, Katheteruntersuchungen und insbesondere auch beim Einsatz von Venenverweilkanülen, die über mehrere Tage oder Wochen in der Vene verbleiben, kann es zur Bildung gefährlicher Thromben kommen. Hierbei handelt es sich um Blutgerinnsel, die sich aus Blutbestandteilen bilden.

Gefäßverschluss infolge von Thrombenbildung

Verletzungen an den Gefäßinnenwänden, die durch eine Injektionsnadel hervorgerufen werden, sind ein bevorzugter Bildungsort der gefährlichen Thromben. Diese können aus Klumpen von Blutplättchen und anderen Bestandteilen des Blutes bestehen. Die Thromben können durch die Verstopfung von Blutgefäßen den Blutkreislauf gehörig ins Stocken bringen. Aber auch Infusionslösungen oder eine Allergie auf das Material von Kathetern können ursächlich für die Entstehung einer Thrombose und den Verschluss eines Gefäßes verantwortlich sein.

Wenn die Gefahr einer Thrombose besteht, können bereits im Vorfeld geeignete Maßnahmen ergriffen werden, damit es erst gar nicht zu einer Verstopfung eines Gefäßes kommt. Beispielsweise werden nach chirurgischen Eingriffen über einen bestimmten Zeitraum thrombosehemmende Medikamente gegeben oder Stützstrümpfe verordnet. Die Dauer dieser Maßnahmen hängt von der Grunderkrankung ab und wird vom behandelnden Arzt festgelegt.

Die Venenentzündung, mögliche Folge einer Injektion

Ein weiteres Risiko, das bei der Punktion eines Blutgefäßes besteht, sind entzündliche Reaktionen im Bereich der Gefäßwände. Mögliche Ursachen sind einerseits die mechanische Reizung durch die Injektionsnadel, Abwehrreaktionen des Körpers gegenüber Infusionsflüssigkeiten und Materialien der Kanülen oder aber das Einbringen von Keimen bei der Punktion eines Blutgefäßes. In der Folge kann es zu Narbenbildung innerhalb der Gefäße und damit zu Durchblutungsstörungen kommen.

Eine weitere, potentiell noch viel gefährlichere Folge ist die Ausbildung einer Blutvergiftung (Sepsis) durch von außen eingeschleppte Keime. Bei einem ungünstigen Verlauf kann diese bis zum Tod des Patienten führen. Venenentzündungen äußern sich nicht selten durch erhöhte Temperatur an den betroffenen Stellen, bläulich-rote Verfärbungen unter der Haut und eine starke Druckempfindlichkeit. Derartige Symptome sollten möglichst rasch von einem Arzt auf ihre Entstehungsursachen hin untersucht werden.

Von Platzvenen sind meist Ältere betroffen

Als Platzvene wird die Schädigung einer Vene mit Blutaustritt nach erfolgter Punktion bezeichnet. Das kann das Blutabnehmen und das Legen von Kanülen erheblich erschweren. Die Verletzung der Venenwand, die zu einem Bluterguss unter der Haut führt, ist nicht an der Einstichstelle, sondern dort lokalisiert, wo die Nadelspitze zu liegen kommt. Als häufige Ursache werden ungewollte Bewegungen der Spitze und dadurch verursachte Beschädigungen der Venenwand angenommen. In der Folge kommt es zum Austritt venösen Blutes und der Ausbildung eines Hämatoms. Besonders gefährdet sind die Venen älterer und kranker Patienten. Um Platzvenen zu verhindern, werden Nadeln oder Kanülen nach der Punktion einer Vene so wenig wie möglich bewegt und gegebenenfalls mit Klebeband fixiert. Ein weiterer Risikofaktor, der zu Platzvenen beitragen kann, ist ein zu langer oder zu intensiver Stau des Blutes.

Jeder Einstich hinterlässt Spuren

Die Verletzung einer Vene infolge einer komplikationslosen Punktion ist in der Regel vernachlässigbar. Sie verursacht weder bleibende Schäden, noch muss sie, von einem kleinen Pflaster einmal abgesehen, in irgendeiner Form medizinisch versorgt werden. Anders sieht es aus, wenn Venen häufig punktiert werden. Das ist beispielsweise bei Drogensüchtigen der Fall, die sich ihr Suchtmittel intravenös injizieren, oder bei Patienten mit langer Krankheitsgeschichte. Mit der Zeit kommt es zur Vernarbung und möglicherweise auch zum unkontrollierten Wachstum von Gewebe. Der teilweise oder völlige Verschluss der betroffenen Vene kann die Folge sein. Bei langjährig drogenabhängigen Patienten kann sich das Auffinden einer für therapeutische Zwecke brauchbaren Vene äußerst schwierig gestalten.

Die arteriovenöse Fistel, ein Kurzschluss im Blutkreislauf

Nicht selten liegen die Blutgefäße des arteriellen und des venösen Systems eng beieinander. Kommt es bei der Punktion eines Blutgefäßes zum Durchstechen sowohl eines venösen als auch eines arteriellen Gefäßes, kann die Ausbildung einer sogenannten arteriovenösen Fistel die Folge sein. Hierbei bildet sich eine dauerhafte Verbindung zwischen der Arterie und der Vene aus. Das sauerstoffreiche arterielle Blut fließt dann nicht in die Körperregion, die es mit Sauerstoff versorgen soll. Es wird vielmehr direkt in die beteiligte Vene geleitet und unverrichteter Dinge mit seiner lebensnotwendigen Fracht wieder in Richtung Herz und Lunge transportiert. Die gefährliche Unterversorgung der betroffenen Körperregion bis hin zum Absterben von Gewebe kann die Folge sein.



Dr. A. Sackmann Dr. Andreas Sackmann
Gesundheitsredakteur

aktualisiert am 09.02.2017
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