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Ist eine Mastoidektomie indiziert?

6 Beiträge - 517 Aufrufe
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nellynet  fragt am 26.11.2015
Seit drei Wochen leide ich an einer perforierten Otitis media mit starkem Ausfluss und kompletten Hörverlust rechts, auch über der Knochenleitung. Cortison- und Antibiotikagabe erfolgt die ganze Zeit. Teilweise kommt es zur Facialisschwäche, dies schwankt jedoch. Seit einer Woche hab ich wahnsinnige Kopfschmerzen rechtsseitig.
Heute war ich zum CT des Felsenbeines, dabei zeigte sich eine komplette Verschattung dieses und des Innenohres ohne Knochendestruktion. Mein HNO meinte daraufhin, der nächste Schritt wäre eine chirurgische Herangehensweise und ich solle mich, sobald irgendetwas schlimmer wird, in der Uni-Klinik melden, wo dann wahrscheinlich eine Mastoidektomie durchgeführt werden würde.
Meine Frage ist nun, ob das bei diesem Befund überhaupt schon indiziert wäre oder sollte man sich eine zweite Meinung einholen? Ich möchte auch ungern wegen "Lapalien" in der Uni vorstellig werden...
Portrait Prof. Dr. med. Rolf Issing, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf-, Hals- und Plastische Gesichtschirgie, Bad Hersfeld, HNO-Arzt
Prof. Dr. Issing  sagt am 26.11.2015
Guten Tag,

nach Ihrer Schilderung muss nach meiner Einschätzung absolut über eine Mastoidektomie nachgedacht werden. Neben einer Schädigung von Innenohr und Gesichtsnerven droht auch eine Ausbreitung ins Schädelinnere, was dann absolut lebensgefährlich wäre. Mein Rat ist daher, sich in einer entsprechenden Klinik vorzustellen.
Alles Gute!

P. R. Issing
 
nellynet  sagt am 26.11.2015
Haben Sie vielen Dank für Ihre schnelle Antwort! Ich werde mich morgen in der Universitätsambulanz vorstellen.
 
nellynet  sagt am 29.11.2015
Guten Abend,
den Freitag habe ich in der Uniklinik verbracht, nach Untersuchung und Audiometrie wurde mir dazu geraten eine Prednisolon-Infusionstherapie zu beginnen, welche jetzt täglich läuft. Desweiteren wurde mir gleich noch ein Paukenröhrchen eingesetzt. Seitdem habe ich extreme Ohrgeräusche und noch stärkere Schmerzen, das Blut läuft ununterbrochen.
Morgen soll das Trommelfell kontrolliert werden und außerdem ein Kontrollaudiogramm und eine Vestibularisprüfung durchgeführt werden.
Die Ärzte ließen jedoch sehr verschiedene Meinungen verlauten. Die einen meinten, damit wäre eine Mastoidektomie vom Tisch, was ja sehr in meinem Interesse wäre, die anderen meinten, das sei jetzt nur ein Versuch, wenn dieser aber scheitert, muss eine Mastoidektomie durchgeführt werden. Das hinge von der Entwicklung der Felsenbeinverschattung im CT ab.
Wie lange kann es denn dauern, bis sich diese Eiteransammlung im Felsenbein auflöst?
Vielen Dank für Ihre Mühen!
LG
 
nellynet  sagt am 30.11.2015
Sehr geehrter Herr Prof. Issing,

noch einmal möchte ich einen kurzen Zwischenbericht geben, da ich nach dem heutigen Klinikbesuch gänzlich verwirrt bin.
Nach 3 Tagen Prednisolon-Infusion (250 mg i.v) und 3x tägl. 600mg Clarithromycin war heute die Audiometrie unverändert schlecht, ein Resthörvermögen von immerhin 20% ist vorhanden.
Die Ärztin, die recht unverunsichert wirkte, geht davon aus, dass es sich um die Folgen eine Grippe Otitis handelt. Es soll noch 2 Tage Infusionstherapie durchgeführt werden, danach 11 Tage Prednisolon oral ausschleichen, noch 16 Tage die Antibiose fortgeführt werden.
Danach soll ich einfach abwarten, was passiert. Laut Aussage der Ärztin, denkt sie, es könnte sein, dass wenn das Hörvermögen subjektiv in 3 Monaten nicht verbessert hat, ein bleibender Schaden zurück bleiben wird.
Das ist eine für mich sehr ungenügende und nicht zufriedenstellende Aussage. Mit meinen 26 Jahren möchte ich einen wahrscheinlichen Hörverlust nicht einfach so hinnehmen und abwarten. Eine Aussage, wann die Verschattung des Felsenbeines kontrolliert werden sollte, konnte nicht getroffen werden.
Auf meine nach wie vor starken Kopfschmerzen, die Kreislaufproblematik, Übelkeit, Schüttelfrost und Trigeminusneuralgie wurde nicht eingegangen.
Ich bin mir nicht sicher, inwiefern ich mich in diese Angelegenheit "herein steigere", einfach abwarten oder mir doch eine andere Meinung einholen sollte und wäre für jeden Ratschlag dankbar!

Mit freundlichen und hoffnungsvollen Grüßen!
Portrait Prof. Dr. med. Rolf Issing, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf-, Hals- und Plastische Gesichtschirgie, Bad Hersfeld, HNO-Arzt
Prof. Dr. Issing  sagt am 30.11.2015
Guten Tag,

grundsätzlich muss ich sagen, dass vom Schreibtisch aus die Lage naturgemäß nicht sicher beurteilt werden kann. Ich kann mich nur auf Ihre Informationen beziehen und denke, dass Sie bislang vernünftig behandelt wurden. Offenbar ist es zu einer Mitbeteiligung Ihres Innenohres gekommen, was man versucht, mit der Prednisolon-Behandlung zu unterstützen. Leider kommt es bei einer Grippeotitis nicht selten zu einer möglicherweise bleibenden Innenohrschädigung trotz aller Therapien. Eine Mastoidektomie ist hier leider auch keine Versicherung auf eine Besserung. Wir machen die Entscheidung vom Ausmaß der Verschattung im CT abhängig, wie offenbar die Kollegen auch.
Ich wünsche Ihnen, dass es wieder besser wird!

P. R. Issing

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