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Wie gestaltet sich die Nachbehandlung (Reha) nach einem Achillessehnenriss?

Lesezeit: 3 Min.

Damit der Fuß wieder funktionsfähig und belastbar wird, braucht es Disziplin und Geduld

Eine gute Nachsorge entscheidet nicht zuletzt darüber, ob eine Achillessehnenruptur (Achillessehnenriss) erfolgreich ausheilen kann. Die richtige Nachbehandlung und Rehabilitation ist unerlässlich, damit der Patient anschließend ohne Einschränkungen laufen und Sport treiben kann. Die gerissene Achillessehne wird gerade bei jüngeren Leuten meist operiert. Sind die Enden der gerissenen Sehne nah beieinander, dann kann in einigen Fällen auf eine nichtoperative Behandlung zurückgegriffen werden (konservative Therapie). Bei einigen Menschen ist zudem eine Operation nicht ohne Weiteres möglich (insbesondere bei älteren Patienten oder bei Vorerkrankungen). Egal welche Therapie gewählt wird, nimmt die Rehabilitation und Heilung einen längeren Zeitraum in Anspruch.

Krankengymnastische Übungen am Fuß

Frühe Mobilisierung nach der OP

Wurde ein Achillessehnenriss operativ behandelt, ist zunächst Ruhe wichtig. Die Sehne muss Zeit haben, wieder zusammenzuwachsen. Auf der anderen Seite soll die Achillessehne, die am meisten strapazierte Sehne im menschlichen Körper, nach dem Ausheilen wieder voll belastet werden können. Der Patient möchte ohne Beeinträchtigung weiterhin Sport treiben beziehungsweise sich fortbewegen können. Um dies zu erreichen, ist es wichtig, das richtige Maß an Ruhe und Bewegung zu finden. Anders als früher setzt man dabei heute in der Nachbehandlung eher weniger auf Schonung als auf frühe Mobilisierung und schnelle Vollbelastung. Eine professionelle Physiotherapie, die den Patienten schrittweise wieder fit macht, ist erforderlich.

Die ersten zwei Tage nach der Operation

In den ersten beiden Tagen sieht die postoperative Behandlung vor allem eines vor: Bettruhe. Das Bein liegt in einem Unterschenkelspaltgips, die Zehen nach vorne gestreckt, die Ferse leicht nach oben gezogen, sodass die frisch operierte Achillessehne nicht unter Spannung steht. Plantarflexion nennt der Mediziner diese Spitzfußstellung. Das Bein muss hochgelagert werden, um Wundheilungsstörungen zu vermeiden. Der Patient erhält Medikamente zur Thromboseprophylaxe.

Die erste Woche nach der Operation

Die Nachbehandlung kann je nach Ausgangsbefund und Klinik variieren, aber meist wird der Gips bereits in der ersten Woche wieder entfernt und durch eine Unterschenkelorthese, einen Spezialschuh, ersetzt. Der Patient ist damit um einiges mobiler. Er kann sich mithilfe von Krücken fortbewegen. Die Orthese hält den Fuß in einer stabilen Spitzfußstellung und schützt vor Überlastung. In der ersten Woche muss der Schuh Tag und Nacht getragen werden.
Schwellungen oder Dauerschmerzen können auf eine Entzündung hinweisen und sollten unbedingt mit dem Arzt abgeklärt werden.

Die zweite und dritte Woche nach der Operation

Nach 14 Tagen werden meist die Fäden entfernt. Um die Infektionsgefahr zu minimieren, sollte bis dahin möglichst kein Wasser in die Wunde gelangen. Beim Duschen sollte die Wunde mit einem wasserdichten Pflaster geschützt werden.

Während der Physiotherapie wird die Belastung des Fußes immer weiter gesteigert. Das Sprunggelenk wird mit speziellen Übungen mobilisiert. Das Bewegungsprogramm kann durch Massagen, Lymphdrainagen oder Elektrostimulation unterstützt werden. Die Spitzfußstellung im Schuh wird Stück für Stück reduziert und der normalen Fußstellung angenähert.

In den ersten vier Wochen sollte der Fuß möglichst keiner größeren Wärme ausgesetzt werden. Saunabesuche oder Sonnenbaden können zu Schwellungen führen und die Heilung beeinträchtigen. Treten dauerhaft Schmerzen auf, kann eine Kältebehandlung (Kryotherapie) helfen.

Die ersten zwei Monate nach der Operation

Die Wunde verheilt in diesem Zeitraum weiter. Nach rund acht Wochen kann der Spezialschuh entfernt werden. Für die ersten Tage ohne die Orthese kann es hilfreich sein, noch einmal auf die Krücken zurückzugreifen, um den Fuß an die neue Situation zu gewöhnen. Mithilfe der Physiotherapie lässt sich der Fuß immer besser belasten. Eine Sohlenerhöhung ist weiterhin notwendig.

Auf dem Fahrradergometer und mit isokinetischen Übungen (einer bestimmten Form von Muskeltraining) wird die Muskelkraft des betroffenen Fußes langsam gesteigert. Die Übungen sollten auch zu Hause regelmäßig durchgeführt werden, um den Heilungsprozess zu fördern.

Drei Monate nach der Operation

Verläuft die Heilung gut, zeigen Bewegungstherapie und Kontrolluntersuchungen gute Ergebnisse, dann kann etwa ein Vierteljahr nach der Operation mit leichter sportlicher Betätigung begonnen werden. Am besten eignen sich Sportarten wie Schwimmen, Aquagymnastik oder Radfahren, um wieder fit zu werden. Die Belastung wird sukzessive gesteigert. Abrupte Belastungen der Achillessehne, zum Beispiel beim Treppensteigen, sollten weiterhin vermieden werden.
Schmerzen sind ein Alarmzeichen des Körpers und müssen ernst genommen werden. Auch Leistungssportler sollten mit leichtem Training beginnen und frühestens ein halbes Jahr nach der Operation wieder in den Wettkampf einsteigen.

Geduld ist wichtig

Von einer Achillessehnenruptur sind häufig sportliche Menschen zwischen 30 und 45 Jahren betroffen. Ihnen fällt es besonders schwer, auf das Training zu verzichten, herumzusitzen und zu warten, bis der Fuß ausgeheilt ist. Trotzdem ist hier eiserne Geduld gefragt. Wer zu früh wieder mit dem Training beginnt, riskiert, dass die Achillessehne erneut reißt (Reruptur) oder dass aus dem akuten Achillessehnenriss eine chronische Achillessehnenruptur wird. Letztere muss dann mit einer erneuten Operation behandelt werden. Deshalb gilt, auch wenn es schwerfällt: Lieber noch eine Woche länger mit dem Trainingsbeginn warten und dem Fuß Zeit lassen zu heilen.



U. Kohaupt Ursula Kohaupt
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 16.05.2018
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Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Achillessehnenriss

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Archillessehnenanriß   Offene Frage
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