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Inwiefern sollte ein chronischer Paukenerguss mit einem Paukenröhrchen behandelt werden?

Lesezeit: 3 Min.

Paukenröhrchen kommen bei hartnäckigen Paukenergüssen in Frage

Heilt ein Paukenerguss nicht mehr ab, dann geht dieser in einen chronischen Prozess über. Viele Kinderärzte empfehlen dann den Einsatz von Paukenröhrchen (Paukendrainage). Die Paukenröhrchen nützen Patienten mit bestimmten Befunden und Voraussetzungen. Der richtige Zeitpunkt für das Einsetzen liegt bei drei bis sechs Monaten, in denen der Paukenerguss nicht zurückgeht.

Paukenröhrchen bei chronischem Paukenerguss

Voraussetzungen für Paukenröhrchen

Der Kinderarzt beziehungsweise HNO-Arzt empfiehlt Paukenröhrchen bei einem chronischen Paukenerguss. Eine solche Ansammlung von Sekret in der Paukenhöhle bleibt in dem Fall nach Abklingen der auslösenden Erkrankung wie einer Erkältung bestehen. Nach drei Monaten sprechen Mediziner von einem chronischen Paukenerguss. Für die Kinder ist dieser Zustand belastend, auch weil die Flüssigkeitsansammlung das Hörvermögen beeinträchtigt. Das kann bei Kindern zu einer Störung der Entwicklung führen, denn das korrekte Hörvermögen ist für die Sprachentwicklung und die Kommunikation unverzichtbar. Der Arzt wird bei einem Paukenerguss zunächst Medikamente verschreiben, die die Schleimhäute abschwellen lassen. So soll die Eustachische Röhre, die Öffnung zwischen Rachen und Paukenhöhle, durchgängig werden. Der Erguss kann abfließen.

Genügt das innerhalb von drei Monaten nicht, setzt der Arzt einen kleinen Schnitt ins Trommelfell (Parazentese), damit das Sekret abfließen kann. Hierbei besteht die Möglichkeit, die Flüssigkeit, die zumeist aus Schleim, Blut und Eiter besteht, abzusaugen. Wenn die Rachenmandeln vergrößert sind (sogenannte Polypen), werden auch diese operiert (Adenotomie), um die Eustachische Röhre freizuhalten.

In einigen Fällen sammelt sich innerhalb kurzer Zeit wieder Flüssigkeit im Ohr und es kommt erneut zur Eiterbildung, weil die Belüftung durch die Eustachische Röhre (Verbindung zwischen Mittelohr und dem Nasen-Rachen-Raum) stark behindert ist. Spätestens dann empfiehlt der HNO- oder Kinderarzt das Einsetzen der Paukenröhrchen. Dies sollte sechs Monate nach dem Beginn der Paukenergüsse erfolgen.

Je nach den Gegebenheiten werden die Paukenröhrchen aber schon nach drei Monaten im Zuge des Eingriffs zum Trommelfellschnitt beziehungsweise zur Rachenmandel-Entfernung eingesetzt. Dies entscheidet der Arzt anhand des Befundes: Sehr zähes Sekret im Mittelohr (Mukotympanon), ein stark eingeschränktes Hörvermögen beziehungsweise eine schlechte Sprachentwicklung sind Kriterien, dann gleich ein Paukenröhrchen einzusetzen. Des Weiteren ist bei Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte der Einsatz von Paukenröhrchen direkt bei diesem Eingriff sinnvoll.

Was spricht gegen Paukenröhrchen?

Zum möglichen Erfolg von Paukenröhrchen gibt es verschiedene Untersuchungen und Studien. Dabei stellte sich heraus, dass der Zeitpunkt des Einsetzens entscheidend für den Erfolg ist. Es hat sich gezeigt, dass sich das Hörvermögen der Kinder nur bessert, wenn die Paukenröhrchen innerhalb der ersten neun Monate nach Auftreten des Paukenergusses eingesetzt werden. Ist bereits ein Jahr vergangen, treten keine Verbesserungen mehr auf.

Durch die kleine OP können jedoch Nebenwirkungen auftreten. Bei Kindern unter drei Jahren konnten Ärzte nach dem Einsetzen der Paukenröhrchen eine verstärkte Schleimbildung im Ohr beobachten. Die Kinder hatten entsprechend mehr Ausfluss. Außerdem kam es bei einem Drittel der Kinder mit Paukenröhrchen zur Narbenbildung auf dem Trommelfell. Solche Narben können das Hörvermögen beeinträchtigen.

Ein anderer Kritikpunkt bei kleinen Kindern ist außerdem die erforderliche Vollnarkose. Eine Vollnarkose bei größeren Kindern oder Erwachsenen ist für gewöhnlich nicht nötig, wenn Paukenröhrchen eingesetzt werden. Der Eingriff ist nur von kurzer Dauer und dank Betäubung schmerzlos. Kleinere Kinder werden in Vollnarkose versetzt, da sie nicht verständig genug sind, um ausreichend lange ruhig zu bleiben. Aus der Narkose entsteht ein zusätzliches, wenn auch geringes Risiko.

Abwarten statt Paukenröhrchen

Die Beobachtungen zeigen, dass das Einsetzen der Paukenröhrchen kein Garant dafür ist, dass sich das Hörvermögen des Kindes wieder bessert. Der Erguss fließt nicht in allen Fällen ab und kann sich manchmal erneut einstellen. Vor diesem Hintergrund kann es sinnvoll sein, abzuwarten, ob die Erkrankung mit medikamentöser Unterstützung von allein ausheilt. Wenn sich im Laufe von drei bis sechs Monaten keine Verbesserung eingestellt hat, empfiehlt sich das Einsetzen von Paukenröhrchen. Bis dahin sollte das Kind engmaschig untersucht werden, um zu überprüfen, ob sich der Erguss reduziert oder womöglich verschlimmert. Ergibt sich keine Besserung, ist zu klären, was die Ursache dafür ist. Bei den Anzeichen einer Erkältung als auslösenden Faktor kann es sich auch um eine allergische Reaktion handeln. Ein Allergietest bringt dann Klarheit. In diesem Fall ist ebenfalls eine gezielte medikamentöse Behandlung möglich und sinnvoll.



C. Schiller Carola Schiller
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 10.10.2018
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