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Ventrikelseptumdefekt, VSD

Lesezeit: 5 Min.

Loch in der Herzkammer-Scheidewand

Das menschliche Herz besteht aus zwei Vorhöfen und zwei Herzkammern. Jeweils ein Vorhof und eine Kammer bilden einen Teil des Körperkreislaufs und des Lungenkreislaufs, die als Kreislaufabschnitte so hintereinandergeschaltet sind, dass in der Lunge eine Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff erfolgt, was dann im Körper wieder an die Organe abgegeben wird. Aus der Lunge fließt das sauerstoffreiche Blut über den linken Vorhof und die linke Kammer in den Körper, aus dem Körper fließt das sauerstoffarme Blut über den rechten Vorhof und die rechte Kammer wieder in die Lunge.

Eine Verbindungsöffnung zwischen den beiden Kammern des Herzens, welche direkt aneinander angrenzen, wird als Kammerseptumdefekt (Ventrikel-Septum-Defekt, VSD) bezeichnet. In vielen Fällen ist bei einem solchen Herzfehler eine Operation zu empfehlen, da sich Probleme mit der Sauerstoffversorgung des Körpers ergeben können.

Ursachen

Der Defekt in der Herzkammerscheidewand ist in den allermeisten Fällen angeboren, oftmals bestehen Erbgutdefekte wie z.B. beim Down-Syndrom (Trisomie 21). Ein Loch in der Kammerscheidewand beziehungsweise ein unvollständiger Verschluss kann auch durch die Auswirkung schädlicher Stoffe in der Schwangerschaft entstehen, z.B. Alkohol, Medikamente oder bei Krankheiten der Mutter wie Röteln oder Diabetes mellitus.

Prinzipiell ist ein Loch im Kammerseptum in allen Anteilen der Trennwand möglich. Öffnungen können auch mehrfach auftreten sowie mit anderen Herzfehlbildungen kombiniert sein. Nach der Lage werden folgende Defekte unterschieden:

  • Membranöser Ventrikelseptumdefekt: befindet sich im membranartigen oberen Anteil der Scheidewand. Dies ist die häufigste Form der Kammerscheidewanddefekte.
  • Perimembranöser Ventrikelseptumdefekt: liegt sowohl im membranartigen als auch im muskulösen Anteil
  • Muskulärer Ventrikelseptumdefekt: befindet sich im Herzmuskelanteil der Scheidewand. Insbesondere diese Form kann mehrfache Löcher aufweisen.

Symptome

Dadurch, dass in der Scheidewand zwischen den Herzkammern eine Öffnung besteht, fließt ein Teil des sauerstoffreichen Blutes aus der linken in die rechte Herzhöhle. Dieses wird dann zusammen mit dem sauerstoffarmen Blut aus dem Körperkreislauf in den Lungenkreislauf gepumpt. Da dort im Prinzip weniger Sauerstoff in das ohnehin schon teilweise sauerstoffreiche Blut gelangen kann, muss das Herz eine erhöhte Leistung erbringen. Je größer das Ventrikelseptumloch ist, um so mehr muss das Herz arbeiten.

Bei ansonsten nicht weiter beeinträchtigten Herzen besteht oftmals keinerlei Symptomatik, die Leistungseinschränkung ergibt sich häufig erst später, wenn es durch die ständige Belastung langsam zu dauerhaften Schäden in der Herzmuskulatur kommt. Ebenfalls kann die Lunge durch den erhöhten Blutdurchfluss in Mitleidenschaft gezogen werden, so dass sich Atemprobleme ergeben können.

Mehrere Folgeerscheinungen können auftreten. Dazu gehören Entzündungen im Herzen, unter anderem auch der Herzklappen, sowie Herzrhythmusstörungen durch die Aufweitung der Herzkammern und -vorhöfe.

Diagnose

Die Aussagen des Patienten oder der Eltern, die Symptomatik und die körperliche Untersuchung deuten darauf hin, dass ein Herzfehler vorliegt. Insbesondere das Abhören mit dem Stethoskop kann wichtige Erkenntnisse bringen. Weitere Untersuchungen, die in der Regel durchgeführt werden, sind das EKG, die Echokardiographie (Herzultraschall) sowie Röntgenaufnahmen des Brustraums. Eine Herzkatheteruntersuchung kann weitere Informationen hervorbringen. Mitunter können Löcher in der Scheidewand schlecht nachzuweisen sein.

Differenzialdiagnose

Kammerscheidewanddefekte müssen von anderen Herzfehlbildungen, z.B. auch Herzklappenfehlern oder Vorhofscheidewandlücken, unterschieden werden.

Therapie

Konservative Therapie

Das Vermeiden von starken körperlichen Aktivitäten kann die Schädigung des Herzens verhindern oder verzögern. Allerdings ergeben sich dadurch Minderungen der Lebensqualität, der Prognose sowie weitere Nachteile. Außerdem können schädigende Einflüsse, beispielsweise durch andere Krankheiten, nicht verhindert werden. Daher sollte eine abwartende Haltung beziehungsweise eine nichtoperative Therapie nur bei kleinen Lücken in der Scheidewand von Kindern im Vorschulalter erfolgen, die sich bisweilen von selbst schließen können.

Eine Herzkatheteruntersuchung und -behandlung zum Verschließen des Defekts kann ebenfalls in bestimmten Fällen durchgeführt werden.

Operation

In der Regel muss eine Operation des Defektes in der Kammerscheidewand durchgeführt werden. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose.

Es können verschiedene Zugangswege zum Herzen gewählt werden. Das Brustbein kann längs durchtrennt werden (mediane Sternotomie), wobei der Hautschnitt im unteren Bereich vorgenommen wird. Die Brustkorberöffnung kann auch auf der rechten Seite durch einen Einschnitt des Rippenzwischenraums unter der Brustdrüse vorgenommen werden. Daneben gibt es auch noch weitere Möglichkeiten, an das Herz zu gelangen. Nicht nur für die Operation praktische, sondern auch ästhetische Gründe können für das eine oder andere Verfahren sprechen.

Eine Herz-Lungen-Maschine muss eingesetzt werden, um das Blut des Körpers weiterzupumpen und dieses mit Sauerstoff anzureichern. Eine Ruhigstellung des Herzens wird somit ermöglicht.

Der rechte Herzvorhof wird aufgeschnitten. Die Lücke in der Trennwand der Kammern kann meist durch die Herzklappe zwischen rechtem Vorhof und rechter Kammer hindurch behandelt werden. Nur selten muss eine direkte Eröffnung der rechten oder linken Herzkammer erfolgen, z.B. bei mehreren Öffnungen oder wenn das Erreichen der Lücke sonst schwierig wäre. Je nach Befund kann das Loch durch bloßes Vernähen oder durch zusätzliches Einarbeiten eines Gewebestückes (Patch) geschlossen werden. Dieses Patch kann aus körpereigenem Gewebe des Herzbeutels oder auch aus einem künstlichen Material, beispielsweise Dacron® oder Gore-Tex®, hergestellt sein. Nach erfolgtem Verschluss der Herzkammerscheidewand werden auch der eröffnete Vorhof und in den allermeisten Fällen auch der Herzbeutel wieder zusammengenäht.

Am Ende des Eingriffs werden Drainageschläuche in den Brustraum eingeführt, um Wundflüssigkeit aufzunehmen. Die Schläuche können nach einigen Tagen wieder herausgezogen werden. Des Weiteren werden Schrittmacherdrähte, die die Herzaktionen verschnellern können, eingebracht, auch diese können bald wieder entfernt werden. Zum Schluss wird gegebenenfalls das Brustbein mit Drähten zusammengeklammert und die Haut zusammengenäht.

Mögliche Erweiterungen der Operation

Stellt sich der Befund während der Operation anders dar als durch die vorhergehenden Untersuchungen, muss manchmal eine andere oder erweiterte Vorgehensweise gewählt werden. Auch Komplikationen können zu einer Erweiterung der Operation zwingen.

Komplikationen

Es besteht die Gefahr von Blutungen und Nachblutungen. Ebenfalls können in der Nähe liegende Strukturen geschädigt werden, z.B. Nerven mit möglichen Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühl oder anderen Ausfällen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Herzmuskel geschädigt wird. Bisweilen werden Herzrhythmusstörungen durch den Eingriff verursacht.

Auch die Lunge kann unter Umständen in Mitleidenschaft gezogen werden, bei Defekten im Rippenfell kann es zu Luftansammlungen kommen, die die Atmung behindern (Pneumothorax). An dieser Stelle sowie um das Herz herum kann es auch zu Ergüssen kommen, die die Funktion stark beeinträchtigen können. Entzündungen, Wundheilungsstörungen und Narbenbildungen können ebenfalls ausgelöst werden.

Besonders im Bereich des durchtrennten Brustbeins kann dies schwerwiegende Konsequenzen haben, z.B. Infektionen des Knochens oder Instabilität des Brustkorbs. Auch allergische Reaktionen sind möglich. Blutgerinnsel können sich bilden, die zu einer Mangeldurchblutung in verschiedenen Körperbereichen, z.B. auch der Lunge (Lungenembolie), führen können.

Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Prognose

Die Erfolgsaussichten einer solchen Operation an der Herzkammerscheidewand sind als wesentlich höher zu bewerten als die Gefahren. Eine dauerhafte Heilung des Defektes ist in den meisten Fällen möglich. Spätere Probleme und Komplikationen gibt es nur selten, so dass ein Folgeeingriff in der Regel nicht notwendig ist.

Hinweise

Vor der Operation

Der Operateur entscheidet, ob und wann blutgerinnungshemmende Medikamente (z.B. Marcumar®, Aspirin®, Heparin) abgesetzt bzw. durch ein anderes Medikament ersetzt werden müssen.

Nach der Operation

Im Anschluss an die Operation erfolgt eine Beobachtung und Nachbehandlung auf der Intensivstation.

Leichte sportliche Betätigung kann für den Genesungsprozess und für die Gesundheit förderlich sein. Dies sollte jedoch nicht übertrieben werden, und der Arzt sollte immer zuerst sein Einverständnis geben. 

Da Infektionen des Körpers, z.B. auch bei Halsentzündungen, Zahnproblemen oder bestimmten Hautkrankheiten, zu einer Schädigung der Herzklappen führen können, müssen gegebenenfalls antibiotische Medikamente gegeben werden.

Im Verlauf kann eine Reha-Behandlung sinnvoll sein. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (z.B. EKG, Blutdruck) sind notwendig.

Bei Auffälligkeiten, die auf Komplikationen oder Beeinträchtigungen des Gesundheitszustandes hindeuten, sollte kurzfristig der Arzt kontaktiert werden.

Ventrikelseptumdefekt | VSD | Loch Herzkammer-Scheidewand



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 22.08.2016
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Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Ventrikelseptumdefekt

 
sagt heiga22   vor > 9 Jahre  3275

Oh dein Eintrag ist schon älter aber ich versuch es trotzdem mal.. Ich bin 42 und habe 2 wurde 2 mal wegen VSD operiert. Das erste mal ich ich 6 ... mehr

?
fragt JohannaUeberberg   vor > 10 Jahre  1003

Ich möchte meine Facharbeit in Biologie in englischer Sprache über den VSD schreiben. Ich wäre dankbar für weitere Informationen zu diesem Thema. ... mehr

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