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Was ist Kammerflimmern und wie gefährlich ist es?

Lesezeit: 3 Min.

Bei einem Kammerflimmern droht der plötzliche Herztod

Beim sogenannten Kammerflimmern handelt es sich um eine gefährliche Rhythmusstörung des Herzens. Das Kammerflimmern führt zu einem plötzlichen Herztod, wenn es nicht behandelt wird. Umso wichtiger ist es, die Symptome dieses Zustands rechtzeitig zu erkennen, um den betroffenen Personen nach Möglichkeit umgehend helfen zu können.

Defribrillator in Gebrauch

Was ist Kammerflimmern?

Beim Kammerflimmern, das auch als Herzkammerflimmern oder ventrikuläre Fibrillation bekannt ist, handelt es sich um eine Herzrhythmusstörung, bei der die Herzkammer extrem schnell schlägt. Die betroffenen Patienten befinden sich in einem lebensgefährlichen Zustand. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich der Herzmuskel beim Kammerflimmern nicht mehr wie regulär geordnet zusammenzieht. Das Herz kann der ihm angedachten Pumpfunktion nicht mehr nachkommen, was in letzter Konsequenz den Tod der betroffenen Person bedeuten kann.

Was passiert beim Kammerflimmern im Körper?

Beim Kammerflimmern kommt es zu einer stark erhöhten Kammerfrequenz. Von einem Kammerflimmern spricht man ab einer Herzfrequenz von etwa 320 Schlägen je Minute. Die Frequenz kann bis zu 800 Schläge in der Minute betragen. Das Herz hält damit seine mechanische Pumpfunktion effektiv nicht mehr ein. Es kommt zu dem höchst problematischen Zustand, dass alle wichtigen Organe nicht mehr mit ausreichend Blut versorgt werden können.

Die elektrische Signalweiterleitung im Herzen, die für ein geordnetes Schlagen erforderlich ist, funktioniert nicht mehr so, wie sie das bei einem gesunden Menschen tut. Da sich die Herzmuskelfasern daraufhin unkoordiniert zusammenziehen, ist die Blutversorgung des gesamten Organismus nicht mehr gegeben. Dies führt dazu, dass die Patienten mit Kammerflimmern sehr schnell das Bewusstsein verlieren. Sofern die Patienten nicht rechtzeitig behandelt werden, nimmt das Kammerflimmern einen tödlichen Ausgang.

Schließlich zittert der Herzmuskel beim Kammerflimmern nur noch, weshalb die Mediziner dies auch als funktionellen Herzstillstand bezeichnen. Wenn keine Behandlung erfolgt, zittert der Herzmuskel immer weiter, bis er sich irgendwann komplett erschöpft hat. Dann kommt es zu einem völligen Herzstillstand, der sogenannten Asystolie.

Wie kann es zu Kammerflimmern kommen?

Für Herzinfarkt-Patienten stellt das Kammerflimmern eine mögliche Komplikation dar. Ebenso ist es möglich, dass dieser lebensbedrohliche Zustand durch einen Stromschlag verursacht wird. Auch die folgenden Auslöser können das Kammerflimmern erklären:

  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • als Komplikation bei Krankheiten der Herzkranzgefäße
  • angeborene Herzfehler
  • Long-QT-Syndrom (Herzkrankheit mit bestimmten Veränderungen der Erregungsleitung)
  • Elektrolytstörung (die Konzentration an Kalium oder Calcium im Blutserum weicht von der Norm ab)
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)

Häufig ist es also ein geschädigter Herzmuskel, der das Kammerflimmern nach sich zieht. Zu einer gestörten Zusammensetzung der verschiedenen Salze, die ein fester Bestandteil des Blutes sind, kann es allerdings ebenso kommen, wenn Herzschwäche-Patienten spezielle Entwässerungstabletten verschrieben bekommen. Um nicht Gefahr zu laufen, dass die Blutsalzkonzentration derart aus dem Rahmen fallen könnte, dass es zum Kammerflimmern kommt, ist eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte zu empfehlen.

Welche Anzeichen und Beschwerden deuten auf Kammerflimmern hin?

Wenn es zu Kammerflimmern kommt, werden die betroffenen Personen in Sekundenschnelle bewusstlos. Weder eine Atemtätigkeit noch ein Puls sind dann festzustellen. Es ist durchaus möglich, dass die Personen sich in einem Moment noch rundum wohlfühlen und in der nächsten Sekunde bewusstlos umfallen. Allerdings gibt es mögliche Warnzeichen, die auf eine vorhandene Herzerkrankung, die im späteren Verlauf zu Kammerflimmern führen könnte, hinweisen. Diese nachfolgenden Anzeichen sind daher sehr ernst zu nehmen. Wer von diesen Symptomen betroffen ist, sollte sich schnellstmöglich an einen fachkundigen Arzt wenden:

  • Brustschmerzen, insbesondere auf der linken Seite, da sie einen Herzinfarkt ankündigen können
  • Ohnmachtsanfälle, die immer wiederkehren
  • Atemnot selbst bei einer geringen körperlichen Anstrengung
  • Herzrasen

Wer bereits einmal von Kammerflimmern betroffen war und daran nicht verstorben ist, ist besonders gefährdet. Da die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Kammerflimmerns zunimmt, sollten diese Menschen die möglichen Warnzeichen besonders ernst nehmen. Die Rückfallquote beläuft sich ohne eine Therapie der zugrundeliegenden Erkrankung im ersten Jahr nach dem Kammerflimmern-Vorfall auf 30 Prozent.

Therapie bei Kammerflimmern

Wenn Kammerflimmern auftritt, handelt es sich um eine lebensbedrohliche Situation. Sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen müssen eingeleitet werden. Bei der Reanimation gilt es, keine unnötige Zeit zu verschwenden. Sobald ein Defibrillator verfügbar ist, ist mit dem Gerät zu versuchen, wieder eine geordnete Herztätigkeit herzustellen. Inzwischen gibt es vielerorts Defibrillatoren zum Erste-Hilfe-Einsatz durch Laien. Dennoch versterben viele Patienten aufgrund des Kammerflimmerns. Sofern der Patient das Kammerflimmern überlebt, gilt es die auslösende Erkrankung zu therapieren, um das Risiko eines Rückfalls zu senken.



M. Prigge Maria Prigge
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 10.08.2018
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