Youtube
Folgen Sie uns auf  

Inwiefern kann man mit einem Herzschrittmacher Sport treiben?

Lesezeit: 5 Min.

Diverse Faktoren entscheiden über die Risiken beim Sport mit Herzschrittmacher

Defekte im Impulsleitungssystem des Herzens führen zu einer Bradykardie, einer zu niedrigen Herzfrequenz, die sich vor allem im Bedarfsfall einer höheren Herzleistung auswirkt. Dieses Problem ist mit Hilfe eines Herzschrittmachers (HSM) auszugleichen. Das Risiko, dass das Herz seine Leistung bei einer Anforderung nicht anpassen kann, wird durch den Herzschrittmacher gebannt.

Sport mit Herzschrittmacher
Die Betroffenen erfreuen sich beinahe ab dem ersten Tag nach dem Eingriff über mehr Lebensqualität. Wer vor der Implantation unter Schwächegefühlen, Atemnot oder gar wiederholter Bewusstlosigkeit gelitten hat, kann buchstäblich aufatmen. Einem aktiven, sportlichen Lebensstil steht nun (fast) nichts mehr im Wege.

Trotzdem müssen die Träger eines Schrittmachers eine Reihe von Vorsichtsmaßregeln beachten. Einige Sportarten können das Gerät zeitweise oder auf Dauer schädigen. Abhängig von der Art der bestehenden Herzerkrankung bringt dies den Patienten sofort oder nach einiger Zeit erneut in Gefahr. Gelegentlich muss das Gerät nach Stürzen oder Verletzungen ersetzt werden.

Belastbarkeit des Patienten

Wie intensiv eine sportliche Betätigung in Zukunft ausgeübt wird, ist unter anderem abhängig von der gesundheitlichen Verfassung des Patienten. Liegt ausschließlich ein Sick-Sinus-Syndrom vor (der innere Taktgeber im Herz ist defekt), sind die meisten Sportarten unproblematisch auszuüben.

Leidet der Betreffende unter einer leichten, gelegentlich auftretenden Bradykardie (zu langsamer Herzaktivität), greift der Herzschrittmacher im Notfall korrigierend ein. Anders ist die Situation bei einer ausgeprägten Bradykardie. Dies bedeutet, dass das Herz sich grundsätzlich nicht auf veränderte Anforderungen einstellt, weil die körpereigene Reizleitung versagt. Damit ist der Patient vollständig und dauerhaft vom HSM abhängig.

Erschwerend wirkt es sich aus, wenn eine Person zusätzlich an Herzklappenfehlern oder einer Erkrankung der Koronargefäße (Herzkranzarterien) leidet. Auch ein bereits erlittener Herzinfarkt begrenzt die körperliche Belastbarkeit. Entsprechend muss jede physische Anstrengung nach Einsetzen des HSM individuell mit dem Kardiologen abgeklärt werden. Der Herzspezialist gibt Empfehlungen dazu ab, ob und inwieweit welche körperliche Aktivität ausgeübt werden darf.

Risiken für den Herzschrittmacher

Mehrere Faktoren entscheiden über die Funktionsfähigkeit eines Herzschrittmachers:

  • Erschütterungen
  • Umgebungs-Luftdruck
  • mechanische Einwirkung

Die Auswirkungen dieser Faktoren erfordern unterschiedliche Einschränkungen bei einigen Sportarten.

Störfaktor „Bewegung“ und Erschütterung

Viele Träger von Herzschrittmachern fragen sich, ob starke, ruckartige Bewegungen das Gerät irritieren und in seiner Funktion stören können. Unter bestimmten Bedingungen ist dies tatsächlich der Fall.

Fast alle modernen Herzschrittmacher sind mit Erschütterungs-Sensoren ausgestattet. Diese tragen dazu bei, dass die Herzfrequenz im Bedarfsfall per Elektroimpuls angeregt wird. Viele Erschütterungen signalisieren dem Herzschrittmacher: Die damit ausgestattete Person unterzieht sich einer erhöhten körperlichen Anstrengung und braucht eine erhöhte Herzleistung. Gelegentlich kommt es jedoch zu Störungen: Eine „erschütterungsfreie“ Anstrengung resultiert in Kurzatmigkeit und Leistungsabfall. Umgekehrt können starke, ruckartige Vorgänge verschiedener Art zu einer extrem hohen Herzfrequenz führen.

Eine weitere Regulierung ist daher notwendig bei Patienten, die beispielsweise reiten, rasante Ski- oder Mountainbike-Abfahrten, Mannschafts-Ballspiele, Tennis oder Kampfsport betreiben: Der Herzschrittmacher wird zusätzlich mit einem Sensor für das Atemvolumen pro Minute kombiniert. Beide Sensoren werden entsprechend programmiert und aufeinander abgestimmt. Werden beispielsweise bei einem Bergaufmarsch mehr „Puste“ und Herzleistung benötigt, reguliert der Sensor für das Atemvolumen. Ist eine Erschütterung nicht zwangsläufig mit stark erhöhter körperlicher Anstrengung gepaart, gleicht dieser Sensor ebenfalls (dämpfend) aus. Gleiches gilt umgekehrt für eine Situation, in der es durch Aufregung oder Stress zu einer erhöhten Atemfrequenz kommt.

Der Umgebungs-Luftdruck

Der Umgebungs-Luftdruck setzt klare Grenzen für die Benutzer von Herzschrittmachern. Für Touren in Höhen über 5000 Meter liegen schlicht keine Erfahrungswerte vor, um die Funktionsfähigkeit des Gerätes zu garantieren. Letztendlich entscheidet die Gesamtverfassung des HSM-Trägers darüber, ob er sich an Hochalpin-Touren heranwagen will oder nicht. Zusätzliche Herzerkrankungen schließen solche Abenteuer generell aus.

Flugreisen mit Höhen über 10000 Metern sind dagegen keine Gefahr – in den Kabinen der Flugzeuge herrscht Druckausgleich. Der konstante Druck entspricht dem einer Höhe von maximal 2500 Metern.

Extrem riskant ist Tauchen in einer Tiefe von mehr als 10 Metern. Der erhöhte Druck der Wassersäule auf den Organismus führt möglicherweise dazu, dass Körper- und Gewebeflüssigkeiten in den Schrittmacher gelangen. Dieser wird dabei zerstört.

Die Hersteller der verschiedenen Herzschrittmacher garantieren zwischen 5 und 50 Meter gefahrloser Tauchtiefe. Wer das Risiko eingehen möchte, sollte sich diese Information zusätzlich zu einer Bestätigung der Taucheignung beim Kardiologen holen. Auch hier gilt: Wer bereits Taucherfahrung hat, ist gegenüber Anfängern im Vorteil.

Mechanische Einwirkung

Sportarten, die mit heftigen Stößen, Schlägen, Körperkontakt aus einem gewissen Tempo heraus einhergehen, sind für Herzschrittmacher-Träger riskant. Bei Kampfsport, beispielsweise Boxen, kann der eine oder andere Schlag direkt auf dem implantierten Gerät landen. Das kann zu einer schmerzhaften Quetschung oder Verletzung des Umgebungsgewebes führen. Der Schrittmacher selbst wird möglicherweise beschädigt. Selbst bei indirektem Kontakt können die Elektroden für die Reizübermittlung reißen oder brechen – der Schrittmacher wird damit außer Funktion gesetzt. Je nach Art der Abhängigkeit des Patienten vom Gerät verbietet der Arzt bei vielen Betroffenen solche Betätigungen.

Wer schon ein Leben lang Judo, Boxen, Karate und ähnliche Sportarten ausübt, ist dabei in geringerer Gefahr als ein Neuling. Dieser muss naturgemäß viele Schläge einstecken. Bei erfahrenen Sportlern lässt sich der Herzschrittmacher unter dem Brustmuskel in einer stärker geschützten Position implantieren. In der gleichen Situation mit einer solchen Sportart anzufangen, ist möglich, aber riskant.

Wer Squash, Tennis, Badminton oder dem Schießsport frönt, kann den HSM auf der geschützteren Brustseite einsetzen lassen: Rechtshänder tragen das Gerät dann links und umgekehrt. So werden direkte mechanische Einwirkungen oder falsche Signale an die Erschütterungs-Sensoren vermieden.

Zu den extrem riskanten Sportarten zählen Klettern, Drachen- und Gleitschirmfliegen oder Fallschirmspringen: In allen Fällen kann das Geschirr der Ausrüstung auf das Gerät drücken. Bei Pannen oder beim Landen sind starke Rucke und die Erschütterung einzukalkulieren. Auch Anfänger beim Reitsport müssen vermehrt mit Stürzen rechnen, die sich auf die Funktion des Schrittmachers auswirken.

Sportarten und Herzschrittmacher: Fazit

Grundsätzlich ungefährlich und gut geeignet als Wiedereinstieg in ein sportlich aktives Leben sind

Besondere Vorsichtsmaßnahmen und eine spezielle Programmierung erfordern beispielsweise

  • Tennis oder Squash
  • Fußball und andere Mannschafts-Ballsportarten
  • Kampfsportarten
  • Klettern
  • Reitsport

In diesen Fällen sind Anfänger stärker gefährdet als erfahrene, trainierte Sportler. Stürze, Zusammenstöße und starke Erschütterungen stellen ein Risiko dar. Zusätzliche Einschränkungen der Leistungsfähigkeit gelten, wenn der Patient an weiteren Herzerkrankungen leidet. Eine Überanstrengung kann den Herzmuskel zusätzlich schädigen.

Als extrem riskant einzustufen sind

  • Hochalpintouren über 5000 Meter
  • Fallschirmspringen oder Paragliding
  • Tauchen in einer Tiefe von über fünf bis zehn Metern

Über die Leistungsfähigkeit und das individuelle Risiko entscheiden unter anderem

  • der Grad der Abhängigkeit des Patienten vom Schrittmacher
  • die gesundheitliche Gesamtverfassung
  • der bisherige Trainingsstand in der gewählten Sportart

Wie viel die Betroffenen sich zumuten dürfen, sollte immer mit dem behandelnden Kardiologen abgesprochen werden. Grundsätzlich sollten alle Herz-Patienten den Neustart nach der Implantation des HSM langsam angehen. Doch eine übermäßige Schonung und Ängste aufgrund der Herzerkrankung macht der Herzschrittmacher zum Glück überflüssig.



B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 06.07.2018
War dieser Artikel hilfreich?

Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Elektrokardioversion

Portrait Dr. med. Alexander Hierl, Privatpraxis für Kardiologie und Innere Medizin, München, Internist, Kardiologe
sagt Dr. Hierl   vor 3 Monate  63

Hallo,

man beginnt mit 100-200 Joule, je nach Körpermasse. Biphasischer Impuls, Dauer ca. 10 ms.

Viele Grüße
Dr. Hierl

?
fragt G.P.   vor 6 Monate  1406

Sehr geehrte Damen und Herren.
Wie lange ist die Erholungszeit nach einer Kardioversion. Wann darf man darüber Nachdenken wieder Ergometer zu ... mehr

?
Kardioversion   Offene Frage
fragt oPit   vor 7 Monate  246

Kann es bei Kardioversion zu Hirnschädigungen kommen?
Danke für Antwort
Pit

Alle Beiträge anzeigen: Herz - Kardiologie » Elektrokardioversion

Jetzt Frage stellen

Arztsuche

Ärzte
Portrait Dr. med. Christian Kerpen, ALSTER-KLINIK HAMBURG Privatklinik für Plastische Chirurgie, Hamburg, Plastischer Chirurg Dr. C. Kerpen
Plastischer Chirurg
in 20148 Hamburg
Portrait Dr. med. Chung Suk Yun, DR. YUN aesthetic surgery., Frankfurt, Plastischer Chirurg Dr. C. Yun
Plastischer Chirurg
in 60313 Frankfurt
Portrait Dr. med. Daniel Thome, aesthetic and soul, München, Plastischer Chirurg Dr. D. Thome
Plastischer Chirurg
in 80331 München
Alle anzeigen Zufall