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Cerclage (Muttermundverschluss)

Lesezeit: 5 Min.

Während der Schwangerschaft kann der Muttermund vorzeitig offen sein

In der Schwangerschaft kann es zu einer vorzeitigen Öffnung des Muttermundes kommen. Der Gebärmutterhals wird zu früh weit und weich. Dadurch kann eine Frühgeburt oder auch eine Fehlgeburt verursacht werden. Um dies zu verhindern, empfiehlt sich bei einem vorzeitig geöffneten Muttermund häufig ein Verschluss des Muttermundes. Die Abdichtung geschieht z. B. durch eine so genannte Cerclage (eine Umschlingung des Gebärmutterhalses). Erst ab ungefähr der 36. Schwangerschaftswoche ist es normal, wenn der Muttermund geöffnet wird. Die Weitung ist für die regelrechte Geburt notwendig. Um eine Entbindung zu ermöglichen, wird eine Cerclage etwa ein bis zwei Wochen vor dem rechnerischen Geburtstermin wieder entfernt.

Cerclage bei vorzeitig offenem Muttermund

Eine zu frühe Erschlaffung und Aufweitung des Gebärmutterhalses (Zervixinsuffizienz) kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Eine Schwächung des Gewebes besteht unter anderem nach mehreren vorangegangenen Geburten oder nach Fehlgeburten. Des Weiteren kann eine allgemeine Gewebeschwäche sowie eine Mehrlingsschwangerschaft die Gefahr einer vorzeitigen Muttermundöffnung vergrößern. Auch angeborene beziehungsweise vererbte Besonderheiten können zu dem Krankheitsbild führen. Ebenfalls mögliche Ursachen, dass der Muttermund offen ist, können Infektionen, Tumore (z. B. die gutartigen Myome) sowie der Zustand nach Eingriffen am Gebärmutterhals wie einer Kürettage (Aufdehnung) oder einer Konisation (Herausschneiden eines Gewebekegels aus dem Muttermund) sein.

Eine Frühgeburt, die unter anderem durch die vorzeitige Muttermunderweiterung verursacht werden kann, ist ein großer Nachteil vor allem für das Kind. Definitionsgemäß besteht laut WHO eine Frühgeburt dann, wenn das Neugeborene weniger als 2,5 Kilogramm Körpergewicht wiegt. In der Praxis spricht man von einer Frühgeburt, wenn das Kind (lebendig) vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt. Die Mehrzahl aller Todesfälle in der Zeit der Geburt ist auf Frühgeburtlichkeit zurückzuführen. In vielen Fällen ist eine schwere Atembeeinträchtigung die Ursache für die schlechte Prognose beziehungsweise den Tod des Kindes, auch Folgeschäden sind möglich.

Wenn der Muttermund offen ist, kommt es auch häufig zu vorzeitigen Wehen. Sie erhöhen die Gefahr, dass sich eine Frühgeburt ereignet. Oftmals wird eine Muttermunderweiterung gar nicht bemerkt und nur bei standardmäßigen Untersuchungen entdeckt. Bisweilen besteht ein besonderes Druckgefühl. Eine beginnende Aufweitung des Gebärmutterhalses äußert sich ebenfalls manchmal durch Schleimabgang mit blutiger Beteiligung. Durch die oft fehlende Symptomatik ist es möglich, dass die Zervixinsuffizienz (Gebärmutterhalserschlaffung) gar nicht erkannt wird.

Untersuchungen vor einer Cerclage

Zunächst erfolgt die Befragung der Patientin (Anamnese). Es wird eine gynäkologische Untersuchung mit Beurteilung des Gebärmutterhalses durchgeführt, der bei drohender Frühgeburt weich und oftmals verkürzt ist. Die Verkürzung kann gut durch eine Ultraschalluntersuchung festgestellt werden. Ein CTG (Cardiotokogramm, Untersuchung mit dem Wehenschreiber) kann erforderlich sein.

Der Eingriff zur Cerclage

Konservative Therapie bei vorzeitiger Muttermundöffnung

Die Schwangerschaft sollte erhalten werden, wenn die 38. Schwangerschaftswoche noch nicht erreicht ist. Als Allgemeinmaßnahmen sind absolute körperliche Schonung und Bettruhe angezeigt. Insbesondere bei vorzeitigen Wehen werden wehenunterdrückende Medikamente (Tokolytika) verabreicht. Bisweilen empfiehlt sich auch die Gabe von Beruhigungsmedikamenten. Manchmal wird ein so genanntes Cerclage-Pessar, eine ringförmige Struktur zur Einengung des Muttermundes, eingelegt, was jedoch häufig gewechselt werden muss und verschiedene andere Nachteile gegenüber der Operation aufweist.

Die Operation

Eine Cerclage-Operation oder ein anderweitiger Verschluss des Muttermundes ist bei Muttermunderweiterung bis zur 32. Schwangerschaftswoche angezeigt. Nicht durchgeführt werden sollte der Eingriff bei vorzeitiger Wehentätigkeit, da die Cerclage und der Gebärmutterhals beschädigt werden kann. In manchen Fällen empfiehlt sich der Eingriff auch vorsorglich, beispielsweise wenn eine Mehrlingsschwangerschaft vorliegt oder bereits vorher einmal eine Zervixinsuffizienz bestand.

Der Eingriff zur Cerclage kann in Vollnarkose oder in Betäubung des Rückenmarks (durch Spinalanästhesie oder durch Periduralanästhesie) erfolgen. Die Operation erfolgt durch die Scheide.

Es gibt zwei unterschiedliche Operationsverfahren:

Bei der Methode nach McDonald wird der Muttermund mit einem speziellen Methode (Tabaksnahtverfahren) zugenäht. Bei der Methode nach Shirodkar ist eine kleine Spaltung der Scheidenhaut notwendig (Scheidenschnitt / Kolpotomie). Aus diesem Grund wird sie auch als blutige Methode bezeichnet. Anschließend wird auch bei dieser Methode eine Naht gesetzt.

In den meisten Fällen ist eine Cerclage hinreichend, um den Muttermund wieder so gut zu verschließen, dass eine vorzeitige Geburt verhindert wird. Dabei wird mit Hilfe einer speziellen Nadel ein starker Faden oder auch ein Band um den Gebärmutterhals gelegt. Der Faden oder das Band wird dann straffgezogen und mit einem Knoten zusammengebunden.

Manchmal wird auch eine vollständige Verschlussoperation des Muttermundes durchgeführt. Dabei werden mittels einer Naht die vordere und die hintere Muttermund-Lippe aneinander befestigt, so dass die Öffnung verschlossen ist.

Mögliche Erweiterungen der Operation

Komplikationen und unvorhergesehene Umstände können dazu führen, dass eine Erweiterung der Operation oder eine Änderung der Methoden notwendig ist. In seltenen Fällen muss die Geburt dennoch zeitnah erfolgen.

Mögliche Komplikationen bei der Cerclage

Bisweilen werden durch den Eingriff Wehen provoziert, die dann meist durch Arzneimittel gehemmt werden. Bei einer nicht auszuschließenden Beschädigung oder einem Riss der Fruchtblase muss eine (Fehl- oder Früh-)Geburt erfolgen. Strukturen im Operationsbereich können verletzt werden. Durch Beschädigung von Gefäßen kann es zu Blutungen und Nachblutungen kommen. Infektionen, Wundheilungsstörungen sowie überschießende Narbenbildung können vorkommen. Allergische Reaktionen können nicht ausgeschlossen werden. Das Faden- oder Bandmaterial kann locker werden und sich daher eventuell doch der Muttermund öffnen.

Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Erfolgsaussichten der Cerclage

In den allermeisten Fällen ist unter Beachtung der Gegenanzeigen ein erfolgreicher Verschluss des Gebärmutterhalses möglich. Dennoch können die Fäden oder das Band nach der Cerclage bisweilen locker werden. Dies kann besonders bei bestehenden Infektionen der Fall sein. Somit ist auch nicht in allen Fällen eine erwünschte Fortdauer der Schwangerschaft möglich.

Andere Ursachen von Frühgeburten als die Erweiterung des Gebärmutterhalses lassen sich durch eine Cerclage oder durch den operativen kompletten Verschluss des Muttermundes nicht beheben. Der Eingriff hat also keinen Einfluss auf beispielsweise vorzeitige Wehen oder einen Fruchtblasensprung.

Der Faden oder das Band wird kurz vor der rechtzeitigen Beendigung der Schwangerschaft durch einen Arzt wieder herausgezogen. Es kann sich jedoch eine Narbe im Geburtskanal ergeben haben, so dass dennoch die Geburt erschwert und der Vorgang verlängert werden. Im Laufe der Geburt kann das Gewebe reißen und muss gegebenenfalls wieder zusammengenäht werden.

Hinweise für Patientinnen

Vor der Operation

In manchen Fällen müssen Medikamente, die die Blutgerinnung herabsetzen, beispielsweise Aspirin®, weggelassen werden. Dies wird mit dem behandelnden Arzt besprochen.

Nach der Operation

Falls der Eingriff unter ambulanten Bedingungen erfolgt, so muss die Patientin beachten, dass sie aufgrund der teils noch bestehenden Medikamentenwirkung für 24 Stunden kein Auto, keine anderen Verkehrsmittel und keine Maschinen selbst bedienen darf. Daher sollte sie sich abholen lassen. Bedeutsame Entscheidungen sollten ebenfalls vertagt werden.

Nach dem Eingriff sollte die Patientin keine zu schweren körperlichen Tätigkeiten ausführen. Oftmals muss Bettruhe gehalten werden. Geschlechtsverkehr, das Einlegen von Tampons sowie Spülungen der Scheide sollten unterlassen werden. Kontrolltermine sollten unbedingt eingehalten werden. Falls Arzneimittel angeordnet wurden, müssen diese regelmäßig genommen werden.

Bei Auffälligkeiten, die auf Komplikationen hinweisen könnten, sollte insbesondere aufgrund der drohenden Frühgeburtlichkeit baldmöglichst der Arzt kontaktiert werden.

Cerclage | Muttermund Schwangerschaft | Muttermundverschluss



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 25.05.2018
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Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Cerclage

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fragt Tami@Yanic   vor > 5 Jahre  2485

Hallo ihr lieben,
ich hatte vor einer woche meine op.ist soweit erfolgreich.
meine frage wielange habt ihr geblutet?
Ich blute immer noch,es ist ... mehr

 
sagt Kinder   vor > 6 Jahre  3621

hallo

mein Frauenarzt möchte mir in der 20. schwangerschaftswoche ein Cerclage legen. da ich mein 4. kindes kind bekomme und eine ... mehr

 
sagt AnnaFee   vor > 6 Jahre  3019

Hallo Candy,

wie lange es nach der Lösung der CC dauert, kann dir niemand beantworten. Auch wenn sich dein Muttermund schon leicht öffnet, ... mehr

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11 Fragen zu Cerclage
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