Ruptur Labrum Hüfte

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reinergeist  fragt am 10.06.2017
Hallo zusammen,

seit knapp 6 Jahren habe ich Beschwerden in der Hüftgegend, musste über die Jahre verschiedene Sportarten (zuerst Joggen, dann Walken, dann Yoga und Pilates) einstellen und konnte zum Schluss nach halbstündigen Spaziergängen nicht mehr schmerzfrei gehen. Auch Kieser-Training musste ich abbrechen.
Die Ärzte erklärten mir durchgehend "ich sei zu jung für Hüfte..." (bin inzwischen 49 Jahre und vielleicht nun ALT genug für Hüfte, haha..., wenn`s nicht so traurig wäre.)
Jedenfalls wurde alles auf die psychosomatische Schiene abgeschoben und mit massenhaft Schmerzmitteln sowie Psychopharmaka "therapiert". Kürzlich habe ich eine orthopädische Reha (viel Sport) gemacht, während derer ich meine Beweglichkeit und Kondition wieder verbessern konnte, doch die stets nach der Belastung auftretenden Schmerzen (inzwischen so massiv, dass ich nach ca. 10 minütigem Sitzen/Ruhen gar nicht mehr auftreten/gehen kann; es betrifft die linke Seite, einschießender Schmerz in der Leiste) sind geblieben.
Auch der Reha-Arzt ist der Meinung, es kommt nicht von der Hüfte, sondern vom Ileosacralgelenk, was durch weitere Physiotherapie und Sport zu therapieren sei. Ich wurde letztendlich arbeitsunfähig entlassen, jedoch orthopädisch gesund (sprich: wieder psychosomatisch krank...). Mein Orthopäde meint, es kommt vom Rücken (LWS), hat aber auf Drängen meinerseits ein Hüft-MRT veranlasst.
Die Aufnahmen hat der Reha-Arzt bereits gesehen, aber nichts darauf entdeckt. Der Bericht des MRT-Zentrums ging an meinen Orthopäden, welcher für mich aber erst Mitte Juli wieder zu sprechen ist. Eine Kopie dieses Berichtes durfte ich mir abholen. Dort steht folgendes:
1. geringe degenerative Veränderungen in beiden Hüftgelenken mit kleinen ventrolateralen Pfannenrandanbauten, etwas vermehrte Gelenkflüssigkeit links mehr als rechts. Keine relevante Gelenksspaltverschmälerung, Hüftköpfe sind unauffällig. (scheint unspektakulär zu sein und meine massiven Schmerzen nicht zu erklären)
2. umschriebene laterale Labrumruptur links.

Als ich Labrumruptur las, wurde ich hellhörig, denn auch als Laie weiß ich, dass eine Ruptur ein Abriss ist. Ich kann jedoch zur Zeit keinen Arzt fragen, da meine Hausärztin im Urlaub ist und mein Orthopäde vor Mitte Juli (!) nicht zu sprechen. Ich bin noch in der Reha-Nachsorge (IRENA = Sport) und mache fleißig und motiviert alles mit, bin jedoch in der Folge völlig "behindert", kann kaum gehen, habe starke Schmerzen.

Kann mir jemand irgendetwas zum oben genannten Befund (vor allem zu 2.) sagen, bzw. einen Rat geben.

Herzlichen Dank und viele Grüße!
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 10.06.2017
Kann ich.
Hier hilft aus meiner Sicht nur eins: einmal ein örtliches Betäubungsmittel in das Hüftgelenk spritzen-dann weiß man innerhalb von 2 Minuten, wo der Schmerz her kommt.
Wenn es der Riss im Labrum ist: Hüfte spiegeln.

Grüße und gute Besserung, tr.
 
reinergeist  sagt am 10.06.2017
Lieben Dank :-)
 
reinergeist  sagt am 11.06.2017
Hallo Herr Radebold,

wie äußert sich denn die Reaktion, wenn ein Betäubungsmittel gespritzt wird, sprich, inwiefern erkennt man, dass es ein Labrumriss ist? Ich stelle mir vor, dass ein Betäubungsmittel jeglichen Schmerz beseitigt....(ist das bei einem Labrumriss nicht der Fall?).

Mich beschäftigt derzeit die Frage, warum ich während der 4-wöchigen Reha nach und nach eine Zunahme der Schmerzen im Leistenbereich feststellte - allerdings NIE WÄHREND der Belastung, sondern stets in der Folge, sprich ab spätem Nachmittag, sobald ich zur Ruhe kam, mich gesetzt hatte und wieder aufstehen wollte. Nach wenigen Schritten war alles wieder ok. Morgens kurze Anlaufschwierigkeiten, dann tagsüber im Rehaprogramm fit wie nix - meine Mitpatienten hatten alle OPs, niemand konnte sich so gut bewegen wie ich.

Inzwischen habe ich allerdings massive Probleme; nach der letzten IRENA-Einheit (1 Std. funktionelles Training, 1 Std. Gerätetraining) vor 4 Tagen kam der Einbruch. Ich hinke wie Bolle, komme Treppen nur im Nachstellschritt hoch und selbst liegen/schlafen ist schmerzhaft begleitet (Ibuprofen 600 leichte Wirkung).

Nächste Sporteinheit in 2 Tagen.
Frage: Sollte ich vielleicht die Beinpresse weglassen? Hier hatte ich beim letzten Training das Gewicht erhöht auf 45 kg (kraftmäßig würde ich mehr schaffen). Ich habe keine Idee, welche Übungen in der jetzigen Situation "schaden", eben weil ich während der Belastung keine Probleme habe (bis jetzt) - wenn mein jetziger Zustand sich bis Di. nicht verändert, werde ich gar nicht trainieren können.

Das ist doch Mist, wenn aktuelle Berichte mit keinem Arzt besprochen werden können. Ich wende mich am Di. mal an die Trainer/Sportlehrer.

Sollten Sie einen Rat zur Beinpresse haben, wäre ich sehr dankbar - die "Betäubungsspritze-Frage" betreffend ebenso.

Herzlichen Dank :-)

Grüße, reinergeist
 
sulzfluh  sagt am 11.06.2017
Hallo, eine genauere Diagnose vor einer arthroskopischen Hüftgelenks-OP bringt ein sogenanntes Arthro-MRT möglichst mit einem 3 Tesla MRT Gerät.
Damit lässt sich das Labrum und auch der Gelenkknorpel besser beurteilen als mit einem einfachen MRT.
Ohne klaren Befund zu operieren halte ich bei den heutigen diagnostischen Möglichkeiten für überzogen.
Ich habe beide Hüften wegen Labrumläsionen operieren lassen und bin seit dem Beschwerdefrei.
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 13.06.2017
Ob nun 3 Tesla oder 1,5.....Das Gerät löst das Problem nicht.
Deswegen wird dies nicht weiter helfen.

Zur Testspritze: Tatsächlich läßt sich so nur unterscheiden zwischen Schmerzen aus dem Hüftgelenk und anderen Schmerzen-aber mein Eindruck war bislang, daß noch nicht mal ganz klar ist, ob der Rücken oder die Hüfte im Focus sind.

Und dafür ist der Test ideal. Und wenn man eine intraartikuläre Ursache beseitigen will, so wird dies eher operativ sein.

Wegen der Beinpresse- ich würde alles vermeiden, was innerhalb der nächsten 12 Stunden mehr Schmerzen macht.
 
reinergeist  sagt am 13.06.2017
Hallo Herr Radebold,

ich konnte heute den Bericht kurz besprechen. Fazit: Das Labrum hat einen Riss. Mehr passiert nicht, also z.B. auch keine Physiotherapie, denn ich soll jetzt erstmal weiter Sport im Nachsorge-Programm machen.
Auf meine Frage, worauf ich denn achten muss: Sie können alles machen, die Schmerzen in der Folge bleiben erstmal... (?) Er hatte wenig Zeit. ..
Die Sportlehrer im Reha-Zentrum reagierten völlig anders auf die Information. Mein Trainingsplan wurde umgestellt - oha: KEINE Beinpresse mehr. Habe Alternativen zum Ausprobieren bekommen.
Abwarten.

Frage an Sie: wächst der Riss nun durch Sport / gezielten Muskelaufbau wieder zusammen?
Müssen die Ursachen einer solchen Verletzung nicht geklärt werden? Die Hüfte ist ja zum Glück soweit ok, aber ich habe z.B. einen Hüfthochstand (1,5 cm vor 8 Jahren), LWS Prolaps 4/5 (ewig her, glaube 2004, konventionell behandelt) - ich wüsste gerne, wie ich mich prophylaktisch zu verhalten habe. Sollte der jetzige Riss alleine heilen, wie ist denn ein erneuter zu verhindern? Ich glaube, ich muss den Arzt wechseln...Mir fehlt definitiv vernünftige Beratung. Danke und Grüße.

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