Muss eine Teilruptur der distalen Bizepssehne operiert werden?

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Karsten1965  fragt am 31.05.2019
Ich bin Jahrgang 1965, vor acht Jahren erlitt ich bereits einen Komplettriß der DBS am linken Arm und weiß daher nur zu gut, wie lange das im Alltag extrem behindert. Die normale Beweglichkeit in der Supination und die volle Kraft sind trotz großer Motivation und Mühe nicht mehr erreicht worden.

Nun habe ich am anderen Arm beim Heben eines kleineren Möbelstücks eine Teilruptur der DBS am rechten Arm erlitten. Das Muskelrelief am Oberarm wirkt unverändert, Supination und Beugung sind vollständig möglich, wegen der Schmerzen und des ärztlichen Rats erfolgte aber kein Test wieviel Kraft ich mit dem Arm noch mobilisieren kann.

Während des Unfalls hörte ich ein nicht allzu lautes Geräusch, ähnlich eines reißenden Gummis, direkt danach verspürte ich den Schmerz. Nach kurzer Zeit bestand in Ruhe keinerlei Schmerz, bestimmte Bewegungen und unwillkürliches Muskelanspannen ließen augenblicklich Schmerzen einschießen, die direkt nach der Bewegung oder dem Entspannen wieder weg waren.

Am dritten Tag postraumatisch diskretes gelbliches Hämatom im der Mitte der Ellenbeuge, etwa 5 cm groß und nach wenigen Stunden wieder weg. An den Tagen vier und fünf posttraumatisch direkt über der DBS in der Ellenbeuge ein neues diskretes gelbliches Hämatom sowie eine mäßige Schwellung mit etwa 4 cm Durchmesser. Dünne gelbliche Streifen ab Ellenbeuge in Richtung Ringfinger und zum unteren Abschnitt des Bizeps. Schwellung und unterer Abschnitt des Bizeps druckdolent. Bei Bewegungen nur noch bei sehr wenigen Bewegungen kurzzeitige leichte Schmerzen. Belastungen wurden und werden weiter gemieden.

Behandlung bisher: 1x /d Arcoxia 60; die ersten zwei Tage gekühlt und Kompressionsverband; Hepathromb-Salbe 3x /d zum Abschwellen.

Die Frage ist nun, ob unter diesen Umständen eine OP notwendig ist, oder ob sich das wegen der nur teilweisen Ruptur - ggf. auch erst in einigen Monaten - von selbst repariert. Sollte die OP notwendig sein, wären dann postoperativ die gleichen Einschränkungen wie bei einer Totalruptur notwendig (Gipsschiene bzw. Orthese; die ersten 2 Wo Fixierung der Hand in Neutralstellung, nur schrittweise Freigabe der Armstreckung usw.)? Denn gegenwärtig kann ich den Arm ohne Probleme vollständig strecken, die Resthaltbarkeit der Sehne reicht dafür offensichtlich aus und wäre auch nach einer OP nicht weg.

Vielen Dank für Antworten.
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 01.06.2019
Schwierige Frage-wir operieren diese Teilrupturen nicht, da dies aus technischen Gründen minimalinvasiv nur geht, wenn man den Rest der Sehne auch noch abreißt oder durchtrennt, und ein offenes Vorgehen Zuviel Flurschaden macht.
Ohne Gewähr so von Ferne-wir besprechen das in Ruhe und warten in der Regel ab, ob der Rest der Sehne auch noch reißt-und operieren es dann ( was erstaunlich selten passiert)
6 Wochen keine Belastung, 3 Monate keine Maximalbelastung, kein Hallen- Mannschafts- oder Kontaktsport.
Grüße und gute Besserung aus der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau, Tobias Radebold
 
Karsten1965  sagt am 01.06.2019
Vielen Dank für Ihre sehr hilfreiche Antwort, Herr Radebold. Gerade hinsichtlich des Flurschadens habe ich am anderen Arm meine Erfahrungen gemacht, dort hatte ich postoperativ über fast ein halbes Jahr erhebliche Mißempfindungen am Unterarm bis in die Hand. Der Unfallchirurg der die ambulante Nachsorge machte, empfahl als endgültige Höchstbelastung des Armes nichts mehr zu heben oder zu bewegen, das mehr als 5 kg schwer sei, besonders, wenn dabei der Arm gebeugt werden soll. Seither habe ich diesen operierten Arm betreffend eine "Bremse im Kopf", sobald ein schwererer Gegenstand zu bewegen ist, läuft in meinem Kopf erst ein Scan, ob der Arm wohl mit mehr als 5 kg belastet würde und ggf. habe ich es dann gemieden oder allein mit dem bis dato gesunden anderen Arm gemacht. Momentan habe ich deshalb ein doppeltes Handicap, weil nun auch mein seither im Alltag für alle schwereren Sachen benutzter rechter Arm ausfällt.

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