Tonaudiogramme mit über 30db Air/Bone Gap nur im Hochtonbereich

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streeter1985  fragt am 27.03.2018
Hallo,

ich hatte im August 2017, mehrere gleichzeitig auftretende Probleme mit meinen linken bzw. auch rechten Ohr gehabt. Fazit ist eine Hochtonschwerhörigkeit im linken Ohr. Auffällig ist nur das Tonaudiogramm und dazu gibt es nur widersprüchliche Rückmeldungen seitens der Ärzte.

Folgendes Tonaudiogramm:

Luftleitung linkes Ohr: Normales Gehör bis 4khz, dann Steilabfall beginnend bei 4khz stark ausgeprägt bei 5khz bis 85db und ab dort nahezu geradlinig bei 85db.

Knochenleitung linkes Ohr: Normales Gehör bis 4khz synchron mit Luftleitung dann bei 4khz bis 5khz Abfall auf 35db bis 55db (je nach Tag der Messung) bei circa 6khz 55db

Auffällig ist, dass die Luftleitung und Knochenleitung dennoch parallel verlaufen, dh sinkt die Luftleitung beim nächsten Messpunkt weiter runter sinkt auch die Innenohrmessung, steigt die Messung bei der Luftleitung, steigt auch das Hörvermögen im Innenohr.

Somit ein gravierender Unterschied zwischen Luftleitung und Knochenleitung. 30 bis 50db! Ich möchte anmerken, dass ich die Töne bei der Messung in diesem Bereich als verzerrt wahrnehme dh im Hörtest habe ich geklickt, wenn ich etwas gehört habe was eindeutig das Signal darstellt. Der Signalton war aber nicht so "voll" und wirkte auf mich verzerrt. Das ja durch einen Hörsturz auch verzerrtes Hören stattfindet bin ich mir unsicher was ich höre aber der Ton wird eindeutig wahrgenommen. Die Tonaudiogramme wurden mehrmals durchgeführt (10 mal im Laufe von mehreren Monaten) und immer mit dem identischen Ergebnis der großen Differenz zwischen Luft- und Knochenleitung.

Ablauf meiner Symptome:

1. Dumpfes Hörvermögen und jucken im linken Ohr brachten mich zum Hausarzt. Es wurden Antibiotika (Ohr-freundlich) verschrieben der sah sofort eine starke Gehörgangsentzündung im linken Ohr und eine leichte im rechten Ohr.

2. Symptome nach Abklingen der Schwellung wurden nicht besser. Erster HNO wurde aufgesucht bzgl. Klärung. Krusten am Trommelfell wurden festgestellt die Entzündung des äußeren Gehörgangs kurze Zeit nach der ersten Einnahme der Anitbiotika verschwunden. Hörtest mit Hochtonsteilabfall beginnend bei 4khz und bei 5khz endend bei circa 80-85db. Es wurde der Kruste zugeschrieben und ich solle warten. Innenohr wurde ggf anscheinend falsch gemessen, da es komplett in Ordnung war. Luftleitung so wie alle weiteren Messungen.

3. Aufsuchen eines HNOs - Kruste erneut festgestellt auch bei 2 weiteren Terminen. Chronische leichte Sinusitis links Stirn/Nase festgestellt. Übungen mit Ballon. Erneut Kortison. Allergietest nahezu unauffällig für diese Symptome.

4. Symptome wurden nicht besser. Habe mich dann in der HNO Klinik untersuchen lassen. Hörtest gleicher Hochtonsteilabfall keine Kruste am Trommelfell Knochenleitung bei 5khz circa 50db während Luftleitung bei 85db dh 35db Gap. Differenz (Gap) als angeboren deklariert, bzw. "da kann ihnen niemand helfen". Kortisontherapie mit Tabletten gestartet - ohne Erfolg - 3x Spritze Mittelohr - ohne Erfolg. Tonaudiogramm unverändert.

5. Aufsuchen eines weiteren HNO Arztes, der auch für chirurgische Eingriffe bekannt war. Erkannte erneut Ablagerungen auf dem Trommelfell (leichte "Schicht") und entfernte diese. Kruste war somit samt Entzündung über 5 Monate immer wieder da/nicht da. Auf den Unterschied zwischen der Luftleitung und der Knochenleitung rein nur im Hochtonbereich ab 4khz wurde mir geantwortet, dass es ein physikalischer Effekt/Phänomen sei sozusagen, dass die Hochtonschwingungen von anderen Haarzellen in anderen Frequenzen wahrgenommen werden können.

Derzeitige Symptome neben der Schwerhörigkeit:
- Missempfindung linke Gesichtshälfte, hochziehen der Wange oder runzeln der Stirn wirkt, als ob man nur unter der Haut diese hochzieht. Herkunft: Unbekannt - Physio angeraten.
- Wirken auch wie Verspannung im Gesicht. Stirn, Wange, Kin.
- Teilweise jucken im Gehörgang linkes Ohr. Herkunft: Unbekannt
- Vielleicht durch hohe Frequenzen des Tinnitus ausgelöst.
- Tinnitus (Hochton mit Grundrauschen, oft wechselnde "elektronische" Indifferenzen)

Mich würde interessieren, ob dieses Phänomen im Hochtonbereich mit dem Air/Bone Gap normal anzusehen ist und meine Hörleistung einfach bei 85db steht. Ich würde mich gerne mit einem Zustand abfinden.

Zusätzlich würden mich diese Missempfindungen nur in der linken Gesichtshälfte interessieren, teilweise Ameisenkribbeln usw. ob die durch den Hörsturz/Tinnitus kommen könnten oder der Weg bei der Physio weiterhin anzustreben ist (Faszien ggf). MR von Schädel, HWS und Sono vom Hals wurde gemacht keine Auffälligkeiten. Sollte sonst noch etwas untersucht werden. Neurologisch wurde nur gesagt ich müsse Physio machen.

Vielen Lieben Dank für Ihre Hilfe

Beste Grüße

Günther
Portrait Dr.med. Michael GJ Schedler, Germanamerican Hospital, Ramstein, HNO-Arzt, Arzt für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen
Dr. Schedler  sagt am 21.05.2018
Audiogramme sind "subjektive Messungen" und unterliegen Beurteilungsfehlern. Sie haben eindeutig einen Hochtonhörsturz gehabt (Knochenleitung = Innenohrleistung bei 50 dB!) und die zusätzliche Differenz im "Air-Bone-Gap", also Knochen-Luftleitungsdifferenz ist rein meßtechnisch bedingt und unbedeutend. Die zusätzlichen "Taubheitsbeschwerden" und Sensibiltätsstörungen an der Haut deuten darauf hin, dass die Ursache Ihres Hörsturzes möglicherweise durch eine Reaktivierung von Herpesviren mit ausgelöst wurde, die ja bekanntlich nach Primärinfektion lebenslang in den Kopfganglien persistieren können. Ich selbst hatte vor über 25 Jahren, als Oberarzt der HNO-Uniklinik Homburg diesbezüglich Untersuchungen zusammen mit der Abteilung für Virologie durchgeführt und festgestellt, dass eindeutige Zusammenhänge mit der Reaktivierung von Herpesviren bei vielen Hörsturzereignissen bestanden. Festgestellt wurde dies durch Anstieg des spezifischen IG A, da die IG G Werte nur geringe Aussagekraft hatten und das IG M nur beim Primärinfekt einen relevanten Anstieg zeigt. Leider wurden unsere Ergenbisse niemals publiziert und sind deshalb in Vergessenheit geraten!
Zu Ihrer Beruhigung kann es einserseits auch nach Monaten zu einer sog. "Späterholung" kommen, andererseits haben Sie bis 4000 Hz ein normales Gehör. Das deckt den sog. Hauptsprachbereich und das "soziale Gehör" vollständig ab und ist ein Effekt der bspw auch nach tympanoplastischen Operationen auftreten kann und geringe klinische Bedeutung und Krankheitswert hat.
Hoffe das hilft ein Bisschen weiter. Alles Gute Ihr Dr. Michael Schedler
 
streeter1985  sagt am 21.05.2018
Guten Tag Herr Schedler,

vielen vielen lieben Dank für Ihre Beurteilung meiner Symptome. Sie haben mir sehr geholfen etwas Licht in die Sache zu bringen.

Schade, dass die Forschungsergebnisse die Öffentlichkeit nicht aufhorchen haben lassen. Was mich in diesem Zusammenhang interessieren würde, wäre ob Ihre Forschungsergebnisse ggf einen Zusammenhang mit Borreliose erbracht haben, die ja oft in Kombination mit einem Virus auftritt (Herpes-Zoster?). Leider wurde von mir keinerlei Wanderröte erkannt und die Auswertung im Labor bzgl. der Anti-Körper ergab auch nichts. Mir ist jedoch aufgefallen, dass es hier unterschiedliche Meinungen der Ärzte gibt, ob die Laborwerte wirklich die volle Aussagekraft besitzen.

Zusätzlich würde mich interessieren, woher die Verzerrungen kommen. Mir sind ähnliche Patienten bekannt, die ebenfalls eine reine Hochtonschwerhörigkeit besitzen z.B. ab 5 oder 6khz rund 60DB Luft- & Knochenleitung (Punktmessungen), jedoch ohne Probleme diese Frequenzen mit Hörgeräten ausgleichen können. (z.B Musik) Reine Sinustöne werden von mir in Hörtests im Bereich der Schädigung komplett verzerrt wahrgenommen. Dh eine Verstärkung der Frequenzen z.B. durch Hörgeräte würde bei mir keinerlei Erfolg bringen. Normale Piep-Töne aus dem Hörtest klingen wie ein "Bzzzz".

Sollte von meiner Seite im Hinblick auf eine mögliche Reaktivierung etwas getan werden?

Als letzte Therapie-Instanz beginnt in 2 Wochen eine HBO 15 Einheiten.

Erneut vielen Dank für Ihre Zeit!

Beste Grüße

Günther
 
AudioNovum8587  sagt am 07.11.2019
Guten Tag Dr. Schedler,

durch puren Zufall bin ich auf Ihre Antwort gestoßen- und wurde hell"hörig" bei dem Thema Hörsturz als Folge einer Herpes - Vireninfektion .
Aus beruflichen Gründen (Akustikerin) interessiere Ich mich für das Thema : Hörsturz (/ Tinnitus und Endolymphschwankungen )-für die Ursachen und deren Behandlungsmöglichkeiten.
Besteht in irgendeiner Form die Möglichkeit darüber weitere Informationen zu erhalten?

Herzliche Grüße,

Kerstin L.

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