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Tinnitus durch Tubenkatarrh? Wie feststellbar?

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Ferdi108  fragt am 06.10.2013
Guten Tag,

durch einige Valsalva-Manöver nach einer Nasenspülung, habe ich es leider geschafft, meine NNH-Entzündung auf die Stirnhöhle und auf die Ohren auszuweiten. Das linke Ohr hat sich einen Tag später auch sogleich entzündet, darüber hinaus hatte ich auch starke Schmerzen in der Wange. Heute, ein halbes Jahr später, ist eine leichte chronische NNH-Entzündung geblieben, ein hochfrequenter Tinnitus, der mich um den Schlaf bringt und ich taste (schmerzhafte) Knötchen in den Wangen.
Nachts, wenn ich mich von einer Seite auf die andere drehe, merke ich, wie das jeweils obenliegende Ohr irgendwie "freier" wird, als wenn Schleim abfließen würde. Auch das jeweils untere Nasenloch läuft nachts manchmal zu.
Am Ohr ist laut HNO von außen nichts festzustellen. Kortison-Infusionen brachten leider keine Besserung. Vor einem halben Jahr wurde ein CT gemacht, Verschattung Stirnhöhle, krumme Nasenscheidewand wurde festgestellt und leichte NNH-Entzündung - aber vom Ohr sieht man auf dem CT leider nichts.
Gibt es überhaupt ein Ohren-CT oder sollte lieber ein MRT gemacht werden (auch wegen den Knötchen in der Wange)? Oder sollte doch eine Parenzentese gemacht werden, um etwaigen Schleim abzusaugen?
Vielen Dank für Ihre Antwort!
Portrait Dr. med. Konrad Kastl, HNO-Praxis Gilching, Klinikum Starnberg, Gilching, HNO-Arzt
Dr. Kastl  sagt am 06.10.2013
Hallo Ferdi 108,

viele Fragen, die ich zunächst gerne etwas ordnen möchte. Was klar scheint: bei Ihnen liegt eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung vor. Diese KANN – muss aber nicht – (mit)ursächlich für die anderen Beschwerden sein: Sekretfluss, schlechtere Atmung durch die Nase, schlechtere Belüftung der Mittelohren. Letztere kann zu Tinnitus führen oder diesen zumindest verstärken.
Davon ausgehend, dass die Beschwerden mit der Nasennebenhöhlenentzündung assoziiert sind, würde ich zunächst vorschlagen, diese zu sanieren. Wenn ein Erguss hinter dem Trommelfell sichtbar sein sollte oder z.B. das Tympanogramm (eine spezielle Druckmessung des Trommelfells, Hinweis für eine Belüftungsstörung) entsprechend im Unterdruck oder abgeflacht ist, kann man auch über eine Parazentese nachdenken. Wenn Ihr HNO-Arzt hier jedoch keinen auffälligen Befund erhebt, wird das vsl. nichts nutzen, ich wäre also eher zurückhaltend.
Ergänzend sollte eine Allergiediagnostik erfolgen.
Was die Knötchen in der Wange betrifft, sollte zur Abklärung im ersten Schritte eine klinische Untersuchung durch Ihren HNO- oder Hautarzt zielführend sein. Ggf. kann dieser eine Ultraschalluntersuchung durchführen. Je nach Fragestellung ist zur Beurteilung des (Mittel)Ohres eher eine Computertomographie indiziert. Wenn man des Innenohr und den Hörnerven untersuchen möchte, wäre eine Kernspintomographie geeigneter.
Nicht desto trotz: bevor nun in der Schrotschussmethode nach allem möglichen gesucht wird und offensichtlich eine Problem vorliegt, das zumindest einen guten Teil der Beschwerden erklären könnte: lassen Sie zunächst die chron. Nasennebenhöhlenentzündung ausheilen. Was danach noch an Beschwerden da ist, muss Schritt für Schritt abgearbeitet werden.

Gute Besserung und beste Grüße,
Ihr Dr. Kastl
 
Ferdi108  sagt am 08.10.2013
Hallo Herr Dr. Kastl,

vielen herzlichen Dank, jetzt werden Sie vielleicht Lachen, aber aus Erfahrung in anderen Foren hatte ich nicht unbedingt erwartet, so schnell, eine so ausführliche und klare Antwort zu meiner zugegebenermaßen vertrackten "Geschichte" (geht immerhin seit Mitte Februar) mit den vielen Fragen zu erhalten.

Dadurch dass der Tinnitus (sehr hochfrequent und dadurch schwer zu übertönen/ignorieren) momentan das größere Leid und die Knötchen die größere Sorge verursachen, ist die NNH Entzündung für mich fast schon zur Nebensache geworden, daher wollte ich beim Ohr ansetzen.
Es macht aber natürlich Sinn, wenn Sie meinen, man sollte mit dem Greifbaren anfangen, also NNH, und dann weitersehen.

Dann werde ich nochmal bei einem Ihrer Kollegen vorstellig werden.


Nochmals Danke und viele Grüße
 
A.M.  sagt am 04.01.2017
Guten Tag!
Etwa zwei Wochen nach der Geburt meines Kindes vor vier Monaten hörte ich auf dem rechten Ohr doppelt, hohe Töne wie die Stimmen meiner Töchter konnte ich nicht ertragen.
Beim Telefonieren merkte ich, dass es auf dem rechten Ohr etwas tiefer klingt wie auf dem nicht betroffenen Ohr.
Ich suchte einen HNO auf und der Test ergab angeblich einen Hörsturz. Eine tiefe Frequenz konnte ich schlecht hören.
Da ich noch stille bekam ich ein homöopatisches Mittel; die Symptome verschwanden bereits nach 1,5 Tagen wieder. Daher nehme ich an, es lag nicht am verordneten Medikament, sondern war eine Selbstheilung.
Was nun folgte war ein brummen auf dem Ohr, besonders wenn es still ist, ist es unerträglich. Es fängt leise an, wurde dann immer lauter und verschwand dann nach zwei Tagen ohne ersichtlichen Grund.
Das mit dem doppelt hören hatte ich abgesehen vom September in den darauf folgenden Monaten immer ein Mal im Monat. Immer war ich beim HNO. Die zweite Ärztin der Praxis meinte zu mir, dass sie bezweifelt, dass es sich um einen Hörsturz handelt. Vielmehr soll es sich um einen Tubenkatarrh handeln.
Am vergangenen Montag wurde der Druckausgleich durch sie versucht beizuführen und auf dem betroffenen Ohr kam die Luft nicht an. Vielmehr hatte ich das Gefühl, mein Ohr würde gleich Platzen.
Auch am letzten Montag gingen die Symtome des doppelt hörens auch wieder schnell weg, es setzte wieder das unerträgliche brummen ein.
Dieses verschlechterte sich im übrigen vom September bis jetzt immer mehr.
Meine Fragen sind:
Kann es sich tatsächlich um einen Tubenkatarrh handeln, denn meine Nasennebenhöhlen und die Stirnhöhle sind frei und es ist nix geschwollen.
Was kann ich gegen das brummen tun, es raubt mir den Schlaf und trübt meine Stimmung. Wärme hilft scheinbar auch nicht.
Kann es auch sein, dass das Brummen vom verspannten Nacken durch das Stillen herrührt?
Mir wurde jetzt Cortison verschrieben,; dies habe ich noch nicht genommen da ich Angst habe, dass es lediglich das Symtom kurzzeitig behebt, nicht aber das Problem?!
In der Hoffnung auf eine Rückmeldung die mir wirklich hilft!
Portrait Prof. Dr. med. Rolf Issing, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf-, Hals- und Plastische Gesichtschirurgie, Bad Hersfeld, HNO-Arzt
Prof. Dr. Issing  sagt am 06.01.2017
Guten Tag,
nach Ihrer Schilderung würde ich nicht unbedingt als erstes an einen Tubenkatarrh denken. Ihr Doppelhören, Lärmempfindlichkeit deuten eher auf einen Innenohrstörung hin. Auch der Hinweis, dass Sie eine tiefe Frequenz nicht gut hören konnten, passt nach meiner Einschätzung dazu. Es gibt auch Drucksteigerungen im Innenohr, die solche Symptome verursachen könnten. Therapeutisch wird dabei Cortison versucht; insofern sind Sie hier vernünftig beraten worden. Eine Garantie für eine Besserung gibt es damit leider nicht.
Entspannung ist sicherlich günstig.
Alles Gute!
P. R. Issing
 
A.M.  sagt am 07.01.2017
Hallo Herr Prof.Dr. Issing!

Bezüglich Ihrer Antwort hätte ich nochmals einige Fragen:

1.- Ich war nicht erkältet o.ä. wie kann dann eine Innenohrstörung entstehen?

2.- Der HNO Arzt hat doch versucht Luft in die Nase zu pusten. Im rechten Nasenloch kam die Luft nicht durch. Spricht das nicht eher für einen Tubenkatharrh?

3.- Meine Angst ist, dass das Cortison nur für die Zeit wirkt, in der ich es nehme;dass Brummen danach wieder kommt. Wie sind hier Ihre Erfahrungen?

4.- Kann es tatsächlich sein, dass die Schwellung durch die Schwangerschaft/Stillzeit zurück zuführen ist?!

Ein schönes Wochenende und danke für die Beantwortung meiner Fragen!
Portrait Prof. Dr. med. Rolf Issing, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf-, Hals- und Plastische Gesichtschirurgie, Bad Hersfeld, HNO-Arzt
Prof. Dr. Issing  sagt am 09.01.2017
Guten Tag,

ich versuche, Ihre Fragen zu beantworten.
1. Eine Innenohrstörung entsteht häufig ohne äußerlich erkennbar Ursache, bedarf also keiner Erkältung.
2. Dies kann durchaus ein Indiz sein, ist jedoch kein Beweis. Über eine sog. Tympanometrie lässt sich meist eine Belüftungsstörung des Mittelohres objektivieren.
3. Da gibt es keine Regel, die allgemein gültig wäre.
4. In der Schwangerschaft kann es zu Schwellungen in der Nase kommen.

Viele Grüße

P. R. Issing

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