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Plötzliche Blutdruckkrise

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EagleOne  fragt am 07.08.2018
Guten Tag,

ich bin männlich, 39J, Raucher. Kardiologisch bislang unauffällig, letzter großer Check vor 2 Jahren inkl. Stressecho. Blutwerte super, insbesondere Cholesterin und Blutfette liegen weit unter der Norm (LDL 98, Triglyceride 105), allerdings geringe geringe Bulbussklerose eingangs der ACI.

Nachdem ich nach längerer Pause wieder häufiger den Blutdruck gemessen hatte wegen der Hitze (die letzten Wochen konstant 125/79 Puls 88), lag ich abends plötzlich bei 153/98/102. Diesmal schaukelte es sich dann bei jeder neuen Messung hoch bis 200/119 bei Puls 138). Körperliche Beschwerden traten bis auf die spürbare Unruhe und das Herzrasen nicht auf. Mit dem Krankenwagen kam ich ins Krankenhaus. Erst nach 9 Stunden normalisierten sich die Werte wieder.

Ruhe-EKG und Herzecho waren völlig unauffällig, Blutwerte (Troponin-T, CK-NAC und D-Dimer) lagen im untersten Normbereich. Ein Langzeit-EKG brachte am nächsten Tag einen Mitteldruck von 117/82 und ein HF-Mittel von 89. Normales nächtliches Dipping. Keine relevanten Herzrhythmusstörungen.

Letztlich vermutete man eine orthopädische (ich habe einen Bandscheibenvorfall in der BWS) oder eine psychosomatische Ursache.

Da mir das Ganze jedoch keine Ruhe ließ, habe ich mich heute bei meinem Kardiologen nochmal untersuchen lassen inkl. Stressecho. Das Stressecho war völlig in Ordnung.

Allerdings gelangte der Kardiologe ansonsten zu einem abweichenden Befund:

- Während im Krankenhaus "keine Anzeichen für eine links- oder rechtsventrikuläre Hypertrophie" gesehen wurden, fand der Kardiologe eine Wandstärke von 12,4 mm und diagnostizierte eine Linksherzhypertrophie.

- Die Pulswellengeschwindigkeit soll zudem massiv erhöht sein (17 m/s). Mein Gefäßalter entspräche dem eines 80-jährigen, was mich geschockt hat.

- Außerdem hätten die kleinen Plaque-Ablagerungen in der Aorta zugenommen, so dass ich trotz LDL 98 umgehend Statine einnehmen soll.

- Auch die Langzeitmessung (117/82 Puls 89) aus dem Krankenhaus hält der Kardiologe für nicht aussagekräftig, obwohl ich im Krankenhaus den ganzen Tag herumgelaufen und auch Treppen gestiegen bin. Abends hatte ich sogar extra noch Liegestütze und Sit-ups gemacht. Nun will der Kardiologe in einigen Wochen ein neues Langzeit-RR machen.

Jetzt bin ich völlig verunsichert. Soll ich einen weiteren Kardiologen aufsuchen? Ich leide ohnehin schon seit Jahren an Herzangst und neige auch etwas zur Hypochondrie.
Portrait Dr. med. Alexander Hierl, Privatpraxis für Kardiologie und Innere Medizin, München, Internist, Kardiologe
Dr. Hierl  sagt am 07.08.2018
Hallo,

ich will die Blutdruckkrise nicht verharmlosen, aber oft ist mangelnde Flüssigkeitszufuhr die Ursache. So banal es klingt, aber bei Exsikkose kommt es zu einer Überreaktion der Wandspannung mit pseudoschlechten Werten bei der Pulswellenmessung. Also mehr Wasser trinken!

Viele Grüße
Dr. Hierl
 
EagleOne  sagt am 08.08.2018
Hallo Herr Dr. Hierl,

danke für Ihre schnelle Antwort.

Mittlerweile liegt mir der Befund vor. Die zentrale Pulswellengeschwindigkeit soll bei 17,64 m/s liegen, alle anderen Pulswellenwerte sind unauffällig.

Der linke Ventrikel soll mit 12 mm hypertrophiert sein.

Was mich auch stutzig macht, ist das Auftreten von „erheblichen gemischten Plaques“ in der ACI sowie „Wandsklerose“ in der Aorta abdominlis infrarenal und den Beckenarterien - und das innerhalb von nur 2 Jahren. Gibt es sowas wirklich? 2016 war nur ein einziges kleines Plaque an der ACI zu finden.

Das Ganze bereitet mir schlaflose Nächte, denn meine Bemühungen der letzten beiden Jahre um einen etwas besseren Ernährungsstil, mehr Bewegung und natürliche LDL-Senkung von 120 auf 98 scheinen mit einer dramatischen Verschlechterung belohnt zu werden.
Portrait Dr. med. Alexander Hierl, Privatpraxis für Kardiologie und Innere Medizin, München, Internist, Kardiologe
Dr. Hierl  sagt am 08.08.2018
Hallo,

lassen Sie die Halsschlagadern und die Aorta von einem anderen Arzt kontrollieren, dann haben Sie eine 2. Meinung.
Trinken Sie die nächsten 2 Wochen viel Wasser (2 L tgl.) und lassen Sie dann die Pulswelle neu messen.

Viele Grüße
Dr. Hierl
 
EagleOne  sagt am 14.08.2018
Danke für den Rat. Ich werde mir in einer Universitätsklinik einen Termin holen.

Mittlerweile bin ich durch den knallharten Befund des Kardiologen in einer psychischen Ausnahmesituation mit ständigen Panikattacken und daher krankgeschrieben. Dennoch habe ich beim Hausarzt nochmals eine Langzeit-Messung durchgeführt, die trotz extremster Angstsituationen "nur" ein Mittel von 144/101 (tagsüber) und insgesamt 132/92 ergab.

Für mich ist es beruhigend zu wissen, dass trotz der heftigen Panikattacken die Werte bei allen 90 Messungen nicht über 160/100 klettern.

Nur einmal tanzte ein einzelner Wert bei kurzer körperlicher Betätigung aus der Reihe (193/136). Muss man sich Sorgen wegen solchen diastolischen Blutdruckspitzen machen? Ich möchte nämlich demnächst wieder mit moderatem Laufsport beginnen.
Portrait Dr. med. Alexander Hierl, Privatpraxis für Kardiologie und Innere Medizin, München, Internist, Kardiologe
Dr. Hierl  sagt am 14.08.2018
In der Langzeit-Messung sind systolischer und diastolischer Wert leicht erhöht. Da Sie mehrere Risikofaktoren (Rauchen, Plaques) haben, ist eine medikamentöse Blutdrucksenkung indiziert.

Viele Grüße
Dr. Hierl

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