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Herzrythmusstörung durch Kaliummangel? Arzt interessierts nicht.

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Nordfriese  fragt am 17.04.2019
Liebe Experten,

meine Mutter ist am Montag mit Herzrythmusstörungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Sie ist 75 Jahre alt, nimmt seit fast 40 Jahres Blutdrucksenkende Mittel, (Betablocker AS100), ist etwas übergewichtig, hat eine leichte Diabetis und zuletzt etwas schlechtere Nierenwerte, weshalb sie vor 3 Monaten von ihrem Hausarzt aufgefordert wurde, erheblich mehr zu trinken.

Nachdem ihr vor ca. 7 Jahren die Galle entnommen wurde, hat sie chronischen Durchfall und entleert sich nach der Nahrungsmittelaufnahme im Grunde sofort wieder.

Im Krankenhaus hat man die wohl üblichen Untersuchungen durchgeführt. Nach dem gestrigen Einsatz eines Defibrilators, sagte ihr behandelnder Kardiologe nun, dass sie stärkere Blutverdünnungsmittel erhalten soll, da die AS100 nicht mehr ausreichen. Das war es.

Auf meinen Hinweis, den meine Mutter an den Kardiologen weitergab, dass meine Mutter allein schon durch den chronischen Durchfall und die neuerdings vermehrte Urinausscheidung durch das mehr Trinken höchstwahrscheinlich an einem Kaliummangel leidet, und dass es ja sein könnte, dass dieser Kaliummangel für die Herzrythmusstörungen verantwortlich sein könnten, ging der Kardiologe nicht ein.

Nun habe ich mehrfach gelesen, dass ein Kaliummangel durchaus für Herzrythmusstörungen verantwortlich sein kann. Da frage ich mich, weshalb der Kardiologe meiner Mutter nun ein wohlmöglich Nebenwirkungsreiches Blutverdünnungsmittel verschreiben will, anstatt dass er zunächst die Option des Kaliummangels als Auslöser für die Herzrythmusstörungen verfolgt.

Das Krankenhaus ist ein kleines Kreiskrankenhaus, welches nicht unbedingt den allerbesten Ruf hat. Insb. bei Menschen mit Herzproblemen. Was soll meine Mutter jetzt machen? Kann sie darauf bestehen, dass der Elektrolythaushalt zunächst untersucht wird, bevor sie damit beginnt, sich mit weitaus stärkeren Medikamten behandeln zu lassen? Oder allg. was soll sie dem Kardiologen sagen, damit er auch in die andere Richtung (Kaliummangel aus Auslöser) denkt? Oder soll sie sich mit diesem Problem danach an ihren Hausarzt wenden?

Ich selber bin leider gerade für 3 Wochen im Urlaub und kann dort nicht tätig werden, außer, dass ich meiner Mutter telefonischen Rat gebe.

Ich wäre für jede Antwort sehr dankbar.

Liebe Grüße
TH
 
Nitropenta  sagt am 17.04.2019
Servus,

im Reformhaus gibts sogenanntes Blutdruck-Salz.
Statt normales Kochsalz (Natriumchlorid) ist dies nahezu reines Kaliumchlorid.
Dies nur als Tipp, falls es wirklich Kaliummangel ist.

Google mal nach Kalium-haltigen Lebensmitteln, die sind natürlich erste Wahl.
Und ein Mineralwasser mit hohem Kaliumgehalt.

Nicht allzu persönlich nehmen, aber Menschen ab 75 werden vom Gesundheitssystem fast komplett ausgeschlossen. Ab 75 ist der Mensch betriebswirtschaftlich unrentabel und die Kassen investieren nur noch das absolut notwendige, die Ärzte machen da leider mit (oft auch gezwungenermaßen).

Grüße
 
Nordfriese  sagt am 17.04.2019
Vielen herzlichen Dank für die Antwort, Nitropenta, und den Tipp mit dem Kaliummittel werde ich mir merken und an meine Mutter weitergeben, damit sie dies zumindest mit ihrem Hausarzt bespricht. Und dass bei Menschen Ü75 oder auch allg. Menschen von der Medizin betrachtet natürlich zu allererst wirtschaftliche Interesse im Vordergrund stehen, ist schon klar. Leider leider!

Ein guter Arzt und hier Kardiologe müsste meiner Meinung nach dennoch einen Kalium- oder allg. Elektrolytmangel als Ursache für diese Herzrythmusstörungen in Betracht ziehen. Erst Recht bei der Vorgeschichte meiner Mutter mit langjährigem Durchfall und dem starken Wasserlassen seit 3 Monaten wegen schlechter Nierenwerte. Dass dies zwar heute bejaht wurde, aber dennoch gesagt wurde, meine Mutter müsse das neue Medikament, welches ihr nun seit 3 Tagen im KH gespritzt wurde, weiternehmen, da sie sonst Gefahr laufen würde, irgendwann einen Schlaganfall zu bekommen, halte ich für fahrlässig. Die Ärzte müssen doch wissen, dass man bei Herzrythmusstörungen auch oder besonders den gerade bei Herzpatienten wichtigen Elektrolythaushalt überprüfen sollte und dass man dann anhand der Vorgeschichte eher erst mal in diese Richtung "sehr weich" medikamentös vorgehen sollte, bevor man mit harten Nebenwirkungsreichen Medikamenten kommt.

Nun hat meine Mutter ein Rezept über dieses angeblich neuartige Medikament bekommen, welches sie ab sofort nehmen soll und wird heute wieder entlassen. Und der Einwand mit dem vermutlich exhorbitanten Kaliummangel wird völlig außenvor gelassen.

Sollte sich meine Mutter evtl. eine Zweitmeinung von einem anderen Kardiologen zum Thema Elektrolytmangel einholen? Leider sind in der Gegend meiner Mutter kaum welche. Experimentieren will man ja auch nicht. Aber wenn man die Fakten sieht, wird man ja doch sehr nachdenklich
LG
Portrait Dr. Wolfgang Otter, Zentrum für Innere Medizin, Unterschleissheim, Internist, Kardiologe
Dr. Otter  sagt am 17.04.2019
Sie haben beide Recht, dass Kaliummangel Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Leider können Herzrhythmusstörungen aber auch durch das Gegenteil, also ein Zuviel an Kalium ausgelöst werden. Diese Rhytmustörungen können in seltenen Extremfällen sogar tödlich sein. Jeder Arzt weiss das, deshalb ist eine regelmäßige Kaliumkontrolle üblich. Wenn der Hausarzt ihrer Mutter schlechte Nierenwerte festgestellt hat, was ja nur im Labor möglich ist, dann hat er dabei normalerweise auch den Kaliumspiegel bestimmt. Denn eine eingeschränkte Nierenfunktion ist die Hauptursache für erhöhte Kaliumwerte. Ich rate deshalb dringend von einer zusätzlichen Kaliumeinnahme ohne ärztliche Aufsicht, also regelmäßige Blutabnahmen, ab! In der Klinik wurde der Kaliumwert mit Sicherheit bestimmt, dies gehört in jeder Klinik zur Grundroutine bei einer stationären Aufnahme, v.a. bei Rhythmusstörungen.
Zum zweiten Punkt, der Blutverdünnung. So wie Sie die Situation schildern, gehe ich davon aus, dass ihre Mutter Vorhofflimmern hat. Die ist die häufigste behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörung und tritt in dem Alter ihrer Mutter bei 5-10% aller Menschen auf.
Die Herzrhythmusstörung selbst muss behandelt werden, dazu gehört unbedingt ein normaler Kaliumwert, nicht zu niedrig, aber eben auch nicht zu hoch! Im Entlassbrief sollte der Kaliumwert eigentlich vermerkt sein, der Hausarzt weiss dann, wie er reagieren muss. Fast noch wichtiger als die ursächliche Behandlung des Vorhofflimmerns, ist aber die Vermeidung von Schlaganfällen. Aufgrund des Alters, den Begleiterkrankungen (Diabetes mellitus, Bluthochdruck) hat ihre Mutter ein erhöhtes Risiko einen Schlaganfall zu erleiden, falls sie tatsächlich Vorhofflimmern haben sollte. Eine entsprechende Blutverdünnung ist daher bei diesen Patienten dringend erforderlich, unabhängig von der ursächlichen Therapie. ASS reicht in diesem Fall dann nicht aus.
Soweit ich dies aus der Ferne beurteilen kann, scheint ihre Muttter momentan richtig behandelt zu sein. Dennoch rate ich zu einer Vorstellung beim Hausarzt, wie immer nach einer Klinikentlassung. Die weitere Therapie, also evtl. auch Kaliumeinnahme, muss besprochen, Kontrolltermine (Labor, EKG, etc.) müssen festgelegt werden. Falls Ihre Mutter nicht ausreichend über Notwendigkeit und auch Risiken der Therapie aufgeklärt wurde, wird dies der Hausarzt noch einmal mit ihr besprechen.
Es tut mir sehr leid, dass bei Ihnen der Eindruck entstand, dass ältere Menschen im Medizinsystem nicht beachtet würden. Meiner Erfahrung entspricht das nicht. Ihre Befürchtung, dass Ärzte nur durch wirtschaftliche Interessen gelenkt würden, kann ich natürlich im Einzelfall nicht ausschliessen. Auf die große Mehrheit trifft dies sicher nicht zu. Zumindest kann ich Sie dahingehend beruhigen, dass ältere Menschen für den Arzt unwirtschaftlich und daher uninterressant wären: gerade weil ältere Menschen mehr ärztliche Kontrolle bedürfen, ist das kassenärztliche Vergütungssystem so geregelt, dass der Arzt an der Behandlung eines älteren Menschen sogar mehr verdient als bei einem Jungen.
Ich kann Ihre Sorge um die Gesundheit ihrer Mutter sehr gut verstehen, denke aber doch, dass sie ärztlich gut versorgt ist und hoffe, dass sie einen Hausarzt hat, dem sie vertraut.
 
Nordfriese  sagt am 17.04.2019
Sehr geehrter Herr Dr. Otter,

riesen Dank für die ausführliche Schilderung, die Hinweise und Ratschläge. Insb. zum Thema Kaliummangel und richtige Indikation. Aber auch zum Thema Mensch und wirtschaftl. Interessen der Medizin allg.

Dafür bin ich Ihnen sehr dankbar und es hilft mir, besser zu verstehen.

Der Blutdruck meiner Mutter ist seit langer Zeit zum Glück bei jeder Messung sehr gut gewesen und der gemessene Blutzucker war zuletzt auch relativ in Ordnung. Alle gemessenen Werte waren bei Entlassung aus dem KH heute Mittag durchweg gut, wie sie mir eben noch mitteilte.

Mein Einwand bezog sich darauf, dass man evtl. wegen der Vorgeschichte meiner Mutter durch Kaliummangel entstandene Herzrythmusstörung durch eine optimale Gabe von Kalium ganz ohne weitere starke Blutverdünnungsmittel mit etwaigen Nebenwirkungen (ja sogar solchen, die selber Herzrythmusstörungen verursachen können) in den Griff bekommen sollte/könnte. Zumindest war es dies, was ich des öfteren als Laie auf einigen spezifischen Webseiten gelesen habe.

Ich habe halt nur Angst, dass meine herzensgute Mutter, die seit 40 Jahren Blutdruck senkende Mittel und seit 5-6 Jahren Diabetes Medikamente einnimmt, und wohl schon deshalb jetzt schlechte Nierenwerte hat, ihre Nieren mit den jetzigen härteren Blutverdünnern verstärkt weiterschädigt - einschl. weiterer zusätzlicher Nebenwirkungen.

Da die Einnahme dieser Medikamente, wie Sie schreiben, auf jeden Fall ratsam sind, um einen Schlaganfall vorzubeugen, selbst dann, wenn die jetzigen Rythmusstörungen aufrund eines Elektrolytmangels entstanden sind, dann wird dies wohl in der Tat der richtige Weg sein.

Ich werde meiner Mutter sagen, dass sie insb. das Problem Kaliummangel und evtl. weitere Mängel wie Magnesium etc. mit ihrem Hausarzt gründlich durchsprechen soll.

Vielen herzlichen Dank nochmals für ihre Zeit und Mühe!
LG

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