Schnellender Finger

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jjjj  fragt am 19.01.2015
Sehr geehrter Herr Dr. Radebold,
ich habe seit fast 8 Wochen 3 Schnappfinger. Mein Orthopäde verschrieb mir Krankengymnastik (6 Mal). Wenn es nicht klappt, dann OP, sagte er.
Ich habe im Internet gelesen, man darf nicht Ringbandspaltung zu lange verschieben, um keine bleibenden Bewegungseinschränkungen zu riskieren.
Ich bin Klavierlehrerin und habe Angst. Ich versuche mit Selbstmassagen, Bewegungsübungen im Wasser und Dehnen. Ein der Schnappfinger schnappt fast nicht (war am leichtesten betroffen). Lieber Dr. Radebold, wie lange darf man ohne Risiko mit OP warten und konservative Therapie zu versuchen ? Danke!!!!!!
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 19.01.2015
Hallo JJJJ,
braucht ein paar Erklärungen-ich melde mich morgen.
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 20.01.2015
So, jetzt ein wenig ausführlicher:
Ich kenne keinen Fachartikel, der darüber Auskunft gibt, wie lange man mit einer Operation warten kann, bevor irgendetwas Schlimmes passiert (z.B. Sehnenriss oder -anriss).
Allerdings habe ich solche Sehnenrisse bislang nur bei Rheumatikern, Diabetikern und bei Patienten erlebt, bei denen an (in?) die Sehne Kortison gespritzt wurde.
Von daher kann ich das Risiko schwer abschätzen. Wenn Sie aber nicht zu den oben genannten Patienten gehören, halte ich ein Abwarten über zwei, drei Monate für durchaus vertretbar. Ob Sie als Klavierlehrerin die Finger so schonen können, dass die Schnappfinger wieder von selber verschwinden, weiss ich nicht. zu einer konservativen Therapie würden aus meiner Sicht noch eine abschwellende Medikation sowie eine entsprechende Orthese/Schiene gehören.

Letztlich erkläre ich dies vielen meiner Patienten so-halte aber das Risiko und die Unpässlichkeiten der Operation für sehr gering, wenn man es nicht zwischen Tür und Angel "mal schnell" im Not-OP am Rande der laufenden Sprechstunde operiert.

Bei uns wird dies richtig im OP (mit Hemdchen) und allem drum und dran (und Lupenbrille) operiert, und zumindest werden so die meisten Patienten zufrieden und sind auch nicht lange gehanycapped.

(In der Zeit, die ich jetzt gebraucht habe, um dies zu schreiben, wäre die Operation schon längs hinter Ihnen, so 3-5 Minuten pro Finger, wenn man sich Zeit lässt...)

Wenn Sie wissen wollen, was für eine Schiene sich anbietet, schreiben Sie mir eine email; ich möchte keine Firmenprodukte verlinken.

Grüsse aus der Handchirurgie der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau,
Ihr Tobias Radebold
 
jjjj  sagt am 20.01.2015
Lieber Herr Dr. Radebold,
VIELEN DANK für schnelle Antwort!!!! Ich bin keine Diabetikerin, keine Rheumatikerin deswegen kann ich also 2-3 Monate ab jetzt warten (ich habe seit 2 Monaten Schnappfinger)? Oder insgesamt 2-3 Monate? Welche Bandage , Salben oder Tabletten würden Sie empfehlen?
Ich habe Rezept für 6 Mal Krankengymnastik und für 6 - Ultraschall. Soll ich sie gleichzeitig oder nacheinander machen? Soll ich Ergotherapie machen oder nach OP? Soll ich Bandage immer tragen?
DANKE!!!!!
 
jjjj  sagt am 20.01.2015
Lieber Herr Dr. Radebold, Vielen Dank für Ihre schnelle und hilfreiche Ratschläge!
Sie sind auch so nett!
entschuldigen Sie, mir ist eingefallen, ich habe cervcobracgialsyndrom bei Bandscheibenschäden mit NPP C3/4, C4/5 und Protrusion C 5/6.
Ich bin 43 habe ev. Osteoporose.
Hände: Orthopäde machte Röntgen und sagte- gutes Befund (auch kein Arthritis). Dann habe ich keine Rheumatische Erkrankungen, Röntgen würde zeigen. Oder?
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 21.01.2015
Hallo JJJJ,

zu Ihren Fragen:
-Die 2-3 Monate waren ab Anfang gerechnet; wobei ich nicht sehr nervös werde, wenn Sie länger zuwarten
-Bandagen/Orthesen gibt es sehr viele, manchmal ist der gewünschte Effekt auch mit Hausmitteln zu erreichen-wichtig ist, dass das Schnappen nicht mehr stattfindet. Meist funktioniert dies durch eine Einschränkung der Beugung in den Fingergrundgelenken. Die Standardorthese hat einen Ring um den Finger und so eine Art Löffelform in die Hohlhand, um so die Beugung einzuschränken. Diese so tragen, dass es nicht zum Schnappen kommt.

Mit Salben kann man entweder mit einer Diclofenac- oder Ibuprofenhaltigen Salbe oder dem eher homöopathisch mit Traumeel arbeiten.
Ähnliches gilt für Tabletten- wenn Sie es vertragen und keine Kontraindikationen bestehen, ein Mittel aus der Gruppe der NSAID/NSAR mal für 2-3 Wochen nehmen-dies aber vorher mit dem Hausarzt besprechen, der Ihre Vorgeschichte besser kennt!
Eine rheumatische Erkrankung ist so zwar noch nicht ausgeschlossen worden, wäre jetzt aber eher eine unwahrscheinlichere Ursache der Schnappfinger.

Grüsse, TR
 
jjjj  sagt am 21.01.2015
Lieber Dr. Radebold,
Vielen Dank !!!!ich werde Ihren Ratschlägen befolgen- sie sind sehr hilfreich!
Ich nehme Zoloft ein (Wechselwirkung mit NSAR), setzte (mit Neurologe-Erlaubnis) ab. Wie viel Milligramm Ibuprophen pro Tag würden Sie empfehlen? Soll ich zum Rheumatologen gehen um Rheumatische Krankheiten auszuschließen, auch ev. Osteomalazie? oder zum Orthopäden?
Ich habe von 2 Ärzten 2 Rezepte - 6Mal Ultraschall, 6Mal Krankengymnastik; soll ich sie parallel oder nacheinander machen?
Mit freundlichen Grüßen
Danke!!

jjjj
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 22.01.2015
Hallo JJJJ,
ich tue mich ein wenig schwer damit, im Forum genaue Dosierung und Medikation zu empfehlen-dies sollte doch von Ihrem behandelnden Arzt mit Ihnen erörtert werden-oder bei den frei verkäuflichen Mitteln wenigstens mit Ihrem Apotheker. Nehmen Sie es mir nicht übel, aber wir können hier nur allgemeine Orientierung vermitteln, die Ihnen unnötige Wege erspart-die ärztliche Behandlung vor Ort soll und kann so nicht ersetzt, sondern höchstens ergänzt werden.

Ich halte es aufgrund Ihrer Schilderung für absolut gerechtfertigt, zunächst abzuwarten, bevor ein Rheumatologe konsultiert werden muss. Sollten sich im Verlauf typische Rheumasymptome zeigen (einfach mal bei Wikipedia nachlesen oder googeln), kann man dies immer noch erwägen.
Ich würde beide Anwendungen eher nacheinander machen, um besser unterscheiden zu können, was in Ihrem Fall hilft-Daten dazu sind mir jedoch nicht bekannt.
Grüsse, Tobias Radebold
 
jjjj  sagt am 24.01.2015
Sehr geehrte Herr Dr. Radebold,

vielen Dank für Ihre Hilfe!! Ich habe wieder Ihren Ratschlägen gefolgt.

Danke!

Mit freundlichen Grüßen

jjjj
 
jjjj  sagt am 24.01.2015
Sehr geehrte Herr Dr. Radebold,

vielen Dank für Ihre Hilfe!! Ich habe wieder Ihren Ratschlägen gefolgt.

Danke!

Mit freundlichen Grüßen

jjjj
 
jjjj  sagt am 24.01.2015
Sehr geehrte Herr Dr. Radebold,

vielen Dank für Ihre Hilfe!! Ich habe wieder Ihren Ratschlägen gefolgt.

Danke!

Mit freundlichen Grüßen

jjjj
 
jjjj  sagt am 16.03.2015
Sehr geehrter Herr Dr. Radebold,

Vielen Dank nochmals für Ihre Hilfe!
ich habe inzwischen seit fast 4 Monaten 2 (3) Schnappfinger und habe noch ein Physiotherapie- Rezept (10 Mal).
Ich war bei der Handsprechstunde in der Uni, aber dort war kein Handchirurg, sondern Orthopäde. Er sagte, ich sollte im Sommer (Ferien, keine Arbeit ) OP machen lassen.
Könnten Sie mir antworten-

Sollte ich Kortison-Spritze, normal- OP oder neue minimalinvarsive OP machen lassen?
Ich habe gelesen, konservative Therapie: man sollte Tätigkeiten, die Schnappfinger verursachen, nicht ausüben. Nach OP darf ich auch z.B. Gartenarbeit machen oder Golf spielen?

Vielen Dank!!

Mit freundlichen Grüßen
jjjj
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 22.03.2015
Hallo JJJJ,

die Frage nach der richtigen Therapie läßt sich nicht leicht beantworten-wenn die bisherige konservative Therapie nicht geklappt hat, würde ich die Kortisonspritze nicht als beste Option sehen-aus meiner Sicht zu wenig Chance auf Erfolg bei zu hohem Risiko für die Sehne.

Die minimalinvasive Technik, die ich kenne, durchtrennt das Ringband A1 des Fingers praktisch blind und nach Gefühl des Operateurs-das mag gut klappen, allerdings sehe ich beim Operieren gerne, was ich durchschneide-und auch hierfür reicht ein Schnitt von 10-15mm Länge in der Regel aus...

Minimalinvasiv wird leider oft mit "sehr kleinem Hautschnitt" gleichgesetzt, dabei bedeutet es eigentlich "mit möglichst wenig Flurschaden". Ich halte den Schaden im umliegenden Gewebe bei der offeneren Technik für geringer.

Mit Garten und Golf würde ich so 2-3 Wochen nach der OP aussetzen, also bis die Narbe gut verheilt ist-sollte das Handicap nicht zu sehr verschlechtern ;-)

Grüsse aus der Handchirurgie der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau,
Ihr Tobias Radebold
 
jjjj  sagt am 22.03.2015
Sehr geehrter Dr. Radebold,

Danke für Ihre wertvolle Antwort!!!


Mit freundlichen Grüßen
jjjj
 
jjjj  sagt am 02.04.2015
Sehr geehrter Dr. Radebold,

könnten Sie mir vielleicht eine Frage beantworten? Ich habe Dupuytrensche Krankheit gelesen. Vielleicht habe ich Schnappfinger und Dupuytrensche im Angangsstadium? : 4. und 5. Finger betroffen ; 2 Knötchen: 1. im Handteller 4 Centimeter vom Fingeransatz entfernt und 2. zwischen Handteller und Handgelenk, 2. Knötchen habe ich Ärzten (2 Ärzte für Orthopäde und Chirurgie) nicht gezeigt- neu gefunden.
Ich habe Termine (Handchirurg, Orthopäde ) gemacht, um das zu klären, aber Termine erst in 3und 2 Wochen. Mein Orthopäde hat doch Röntgen von Hand gemacht, sagte:gute Befund, auch kein Arthritis. Könnten Sie mir vielleicht antworten: hätte er Dupuytrensche Krankheit beim Röntgen gesehen ? Würde meine Physiotherapie schaden, wenn es Dupuytrensche Krankheit ist? Termin habe ich doch erst in 3- 2 Wochen.

Vielen dank für Ihre Hilfe!!!

Mit freundliche Grüßen
jjjj
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 07.04.2015
Hallo JJJJ,

im Röntgen sehen kann man die Veränderungen bei M. Dupuytren nicht, da hier nur der Knochen gut zu sehen ist.
Wenn Sie allerdings eine Strang und/oder Knotenbildung bemerken, kann es schon sein, dass es ein beginnender M. Dupuytren ist.

Dies macht nach meiner Erfahrung die Ergebnisse einer Ringbandspaltung deutlich schlechter, da die Vernarbung in der Hohlhand oft schneller voranschreitet-vielleicht doch eher noch mal vom Handchirurgen beraten und ggf. noch einen Versuch mit einer Spritze an die Sehne ran?

Grüsse, TR

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