Blaue Finger mit sehr schlechter Beweglichkeit nach OP einer distaler Radiusfraktur mit K-Draht

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Blaufinger18  fragt am 24.02.2018
Guten Tag,

vielleicht kann mir jemand helfen meine Situation besser einzuschätzen, da ich noch nie einen Bruch erlitten hatte und etwas verunsichert bin.

Ich habe mir vor vier Wochen eine distale Radiusfraktur und Abriss des Proc. styloides links zugezogen. An dem Tag wurde der Bruch in der Notaufnahme zunächst reponiert (es lag eine leichte Dislokation vor) und mit einem Spaltgips versehen. Am nächsten Tag wurde ebenfalls in der Notaufnahme ein Kirschnerdraht eingesetzt und erneut ein Spaltgips angelegt, da die Winkelung des Handgelenks nicht optimal war. Zu dem Zeitpunkt waren der Arm und das Handgelenk bereits leicht angeschwollen.
Die Nacht war trotz Schmerzmitteln sehr unangenehm, was mich nicht weiter verwundert hat, immerhin wurde ein Draht in meinen Knochen gebohrt. Bis zum nächsten Tag sind meine Finger jedoch sehr angeschwollen und haben fast komplett blau verfärbt, trotz Kühlung. Daher bin ich wieder in die Notaufnahme gefahren, der Verband wurde aufgeschnitten, der Gips etwas gelockert und neu verbunden. Fühlen konnte ich an allen Fingern, zu diesem Zeitpunkt war die Beweglichkeit der Finger jedoch bereits sehr eingeschränkt. Passiv konnte ich meine Finger bewegen. Leider kann ich nicht sicher sagen, ob die Beweglichkeit bereits vor der Behandlung so extrem eingeschränkt war. Ich habe den Arm permanent hochgelagert, auch beim Schlafen, ein Abstützen auf einem Kissen ist erst drei Wochen nach der OP aushaltbar geworden. Davor konnte ich meinen Arm nur unterhalb des Gipses stützen.

Eine Woche nach der OP war der dann behandelnde Arzt im Krankenhaus sehr überrascht über die schlechte Beweglichkeit. Zu dem Zeitpunkt konnte ich meinen Daumen höchstens einen Millimeter anheben, und kaum beugen, ebenso hatten die anderen Finger eien Bewegungsradius von teilweise unter einen Zentimeter. Einerseits hat es zu sehr geschmerzt die Finger zu bewegen, andererseits konnte ich sie auch zum Teil einfach nicht bewegen. Der Arzt sagte mir, dass ich meine Finger unbedingt permanent taktilen Reizen aussetzen soll und sie sehr viel bewegen sollte und Calcium einnehmen.
Die folgende Woche habe ich sehr viel geübt, ich habe auch deutliche Verbesserungen gesehen, jedoch war der Arzt eine weitere Woche später noch sehr besorgt. Ab und zu hatte ich ein Muskelzucken in den Fingern, dass ich nicht kontrollieren konnte. Wenn ich die Finger an die Grenzen der Beweglichkeit gestreckt oder gebeugt habe, haben sie meist gezittert. Ein Faustschluss oder das Berühren des Daumens mit dem kleinen Finger sind auch jetzt vier Wochen nach dem Unfall nicht möglich. Da ich zu dem Zeitpunkt auch noch häufig Schmerzen hatte, das Schmerzmittel aber abgesetzt hatte, wurde mir empfohlen wieder Schmerzmittel zu nehmen; der Arzt hatte Sorge, dass sich das Ganze in Richtung CRPS entwickeln würde, wegen der Schwellung, der Verfärbung, der Schmerzen und der schlechten Beweglichkeit. Da er mir jedoch nichts verschreiben durfte (Krankenhaus, Kassenpatient, verstehe einer das deutsche Gesundheitssystem), sollte ich mir einen anderen Arzt suchen.
Der hat mir zunächst nahegelegt in hohen Dosen Vitamin C, D, Zink und weiter das Calcium, dass ich seit der ersten Woche nehme, einzunehmen. Das tue ich auch.

Nach vier Wochen sind meine Finger weiterhin verfärbt, wenngleich auch nicht mehr so extrem. Die Schwellung ist zurück gegangen, aber nicht verschwunden. Ich nehme Schmerzmittel, habe damit keinen Ruheschmerz mehr. Ich kann den kleinen Finger relativ gut strecken und beugen, auch mit dem Ringfinger kann ich den Gips in der Beugung mittlerweile berühren. Die anderen Finger kann ich aktiv weder ganz beugen noch strecken. Passiv ist es möglich, es fühlt sich aber etwas schmerzhaft an und ich kann diese Position dann auch nicht halten. Muskelzucken hatte ich die letzte Woche nicht mehr, ein Zittern der Finger am Rande der Beweglichkeit tritt nur noch selten auf. Etwas mehr Kraft habe ich in den Fingern, eine Zahnbürste kann ich wieder halten. Bein Röntgen von oben war die Drehung des Armes sehr sehr unangenehm. Der Bruch selbst sah wohl gut aus, wobei sich die Winkelung leider verschlechtert hat, statt 10° sind es bei mir wohl -5°. Mir wurde jedoch gesagt, dass das nicht schlimm sei.

Da ich überhaupt keine Erfahrung mit Brüchen und OPs habe, nun meine Frage: Ist das alles normal? Sollte ich mir Sorgen machen? Oder muss ich einfach Geduld haben?
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 24.02.2018
Das riecht leider schin nach einem manisfesten CRPS....
Auch die Beschreibung der Bruchstellung macht mich nicht glücklicher.
Können Sie mir die Bilder als attach schicken?
Hier ist eine schnelle Reaktion erforderlich, damit Ihr Handgelenk noch die Kurve kriegt.

Wo kommen Sie her? Am liebesten würde ich mir Ihr Handgelenk selber mal ansehen.

Grüße und gute Besserung, TR
 
Blaufinger18  sagt am 25.02.2018
Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort!

Ich habe Ihnen eine Mail mit den Röntgenaufnahmen zugesendet. Ich hatte eigentlich gehofft, dass sich meine Symptome noch im Rahmen eines normalen Heilungsverlaufs befinden... Was würden Sie mir denn empfehlen?

Ich habe am Donnerstag einen Termin bei einem Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, mein erster Termin dort; ich weiß nicht wie gut er sich mit derartigen Verletzungen auskennt.

Vielen Dank für die Hilfe und viele Grüße!
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 25.02.2018
Die Knochen Stellung ist gut soweit-umso verdächtiger ist der Verlauf....
Man müsste die Hand sehen, um es genau zu sagen, aber ich würde einiges darauf verwetten, dass Sie mitten in einem manifesten CRPS stecken, auch ohne Ruheschmerz.
Mein Rat: sobald als möglich als CRPS behandeln:
Lyrica
Spiegeltherapie
ACC 3x600mg
Am besten + stationärer Schmerzkatheter

Je länger Sie warten, desdo schlechter wird das Endergebnis sein.
Und man macht auf keinen Fall etwas falsch mit diesem Weg.
 
Blaufinger18  sagt am 03.03.2018
Vielen Dank für die Antwort!

Ich berichte mal weiter, für den Fall, dass es anderen auch so geht wie mir, dass sie im Internet verzweifelt nach vergleichbaren Fällen suchen.

So etwas wie Schmerzkatheter hat der Arzt nicht in die Wege gleitet, wohl aber Schmerzmittel, Ergotherapie und Physiotherapie, ich soll weiter Nahrungsergänzungsmittel wie sehr hoch dosiertes Vitamin C, D, Zink, Magnesium nehmen.
Der Draht wurde herausgeholt, er war viereinhalb Wochen im Arm, statt Gips habe ich eine Exos Orthese bekommen. Die Bruchstelle sieht gut aus.

Am Montag werde ich meinen ersten Termin beim Ergotherapeuten haben. Auf der Homepage steht explizit, dass sie CRPS behandeln.

Ob es CRPS ist, konnte mir bisher niemand sagen... mir scheint sie hoffen auch, dass die Beweglichkeit ohne Draht und Gips besser wird.
Was gut ist, ist dass die Blaufärbung und Schwellung nach vier Wochen endlich angenommen haben. Sie sind nur noch rund um die Fingergrundgelenke blau, die Haut ist ansonsten viel trockener und schuppiger geworden. Vielleicht bedeutet das ja wirklich, dass es gut wird.

Ich versuche an meiner Einstellung zu arbeiten, mich nicht schlecht fühlen, weil ich Dinge nicht tun kann, nicht mehr komplett selbstständig bin. Es hilft mir statt Brot und Brötchen einfach Müsli zu essen, dann scheitert man nicht am bestreichen und ähnlichem. Ich versuche einfach davon überzeugt zu sein, dass alles gut wird. Bestimmte Dinge, wie das was ich über Spiegeltherapie gelesen habe, versuche ich schon alleine umzusetzen und ich versuche mir einfach vorzustellen mit der verletzten Hand bewegubgen auszuführen, damit mein Gehirn sich wieder an dieses Körperteil erinnert.

Viele Grüße
Portrait Tobias Radebold, Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau, Hessisch Lichtenau, Chirurg, Facharzt für Handchirurgie, , Facharzt für spezielle Unfallchirurgie
T. Radebold  sagt am 04.03.2018
Ich hoffe für Sie, dass das ausreicht. Wenn es jetzt nicht kurzfristig sehr viel besser wird-keine weitere Zeit verschwenden und eher so weiter vorgehen, wie von mir schon früher skizziert. Gute Besserung aus der Handchirurgie der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau, Tr
 
Blaufinger18  sagt am 07.05.2018
Hallo an alle die in einer ähnlichen Situation sind,

es war und ist tatsächlich CRPS. Dank der Skepsis von Herrn Radebold habe ich immer weiter versucht einen Arzt zu finden, der wirklich Erfahrung mit CRPS hat - was definitiv komplizierter war als es sein sollte. Mittlerweile war ich in stationärer Therapie, die Prognose ist ganz gut, aber man braucht wohl sehr viel Geduld.

Selbst wenn man mit den Schmerzen klar kommt, nicht aufgeben und nach professioneller kompetenter Hilfe suchen; alleine ist es nur extrem schwer möglich die Krankheit zu besiegen.

Viele Grüße
Blaufinger18
 
Silvia29  sagt am 21.03.2019
Man kann ziemlich alles schneiden und streichen allein mit der linken Hand, indem man den rechten Fuß auf die Arbeisplatte legt und damit das Schneidgut festhält ;)

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